Mein Mann hört einfach nicht auf

  • Hallo,

    bräuchte dringend einen Rat.
    als ich meinen Mann vor neun Jahren kennen lernte, kiffte er täglich vorwiegend Bong. Ich verharmloste damals das Thema total nach dem Motto: Kiffen ist besser als Saufen, usw.. kennen wir ja.

    Mit der Zeit merkte ich, dass mich die Kifferei ganz schön stört. Bei meinem Mann schiebe ich seine außerdienstliche Trägheit, das viele Gejammere, und das sich die Gedanken im Kreis zu drehen scheinen auf den starken Konsum. Nach vielen intensiven Auseinandersetzungen und einer Trennung, einigten wir uns darauf, dass er nur noch, wenn er bei Freunden oder beim Feiern wäre, was konsumiere. (ich weiß schon, auch das war ganz schön naiv).

    Als ich ziemlich überraschend schwanger wurde, versprach er mir, er höre auf und wir heirateten. Nach der Entbindung hatte ich schon den Verdacht, dass er es heimlich macht, aber er hat mir immer in die Augen geschaut und es abgestritten. Irgendwie habe ich mich auch dann gern selbst belogen. Wir waren doch eine nette kleine Familie mit einem süßen Baby in einer ganz seriösen Neubausiedlung wohnend. Als er jedoch einmal alleine auf unsere Tochter aufpasste und alle Zimmertüren zumachte, obwohl wir wissen, dass wir ihr weinen dann nicht hören können, er ansonsten aber alles andere als unachtsam mit ihr ist, war mir klar der ist stoned. Ich durchsuchte seine Sachen, und fand jede Menge Zeug. Großes Gejammere und Gestreite und schließlich die Einigung er gehe zur Drogenberatung. Dreimal ging er dann auch hin, dann sollte eine Abstinenzzeit und danach eine weitere Beratungseinheit stattfinden. Da er sich aber als "geheilt" hielt ging er nicht mehr hin.
    Es ging dann immer auf und ab. Auf Grund seines Verhaltens bin ich mir fast sicher, das es weniger als früher konsumiert, aber aufgehört hat er nicht. Die Bong hat er mal bei einer unserer zahllosen Diskussionen gegen den nächsten Baum gehauen und sie ging kaputt.
    Das Schlimme ist halt immer noch die Lügerei. Er lügt mich so lange wie möglich an, und nur wenn ich ihn direkt auf frischer Tat ertappe kommt zögerliches einlenken und dann immer die gleiche Ansage: Er mache es sowieso so selten, und er rackere sich täglich ab und ich würde ihm nicht mal das bißchen Entspannung gönnen...
    Heute war es wieder soweit. Ich flippte völlig aus und wollte das er endlich geht, aber der geht einfach nicht sondern liegt jetzt nebenan im Bett. Ich bin echt rat- und sprachlos.
    Das Problem ist ich liebe ihn, aber sehe schön langsam keine Chance mehr.
    Er sieht nicht, dass es bekifft anders ist und mit Logik kommt man dann nicht mehr an ihn ran.
    Er bot mir nun erneut an, dass ich bei ihm jederzeit Schnelltests machen kann, aber was ist denn das für eine Basis für eine Ehe?
    Oder ein noch schönerer Vorschlag: Ich krieg das Gras und teile es ihm ein? Hä???

    Das Vertrauen ist halt weg, und mit unsere Kleinen will ich ihn auch nicht abends alleine lassen.

    Noch ein Problem: Ich habe ihm nach dem letzten Vorfall erstens angedroht, dass unsere Beziehung beendet wäre und zweitens ich alle Leute von denen er Zeug bezog bzw. bezieht der Polizei melde, wenn ich ihn nochmal erwische. Er hat damals ganz dankbar eingelenkt. Was mache ich denn nun mit den Drohungen. Vor allem, weil sich grad mal wieder alles in meinem Kopf dreht und ich irgendwie die Angst habe, ich zieh das wieder nicht durch und dann bin ich ja nur noch lächerlich und noch weniger ernst zu nehmen

    Vielen Dank für Eure Hilfe

  • also du solltest bei einem süchtigen keine drohungen machen die du im nachhinein nicht einhalten kannst, konsequent solltest du schon bleiben.
    also nichts versprechen was du nicht einhalten kannst.
    lg,
    hexelakritze.

  • Hallo Lilo,

    Drohungen finde ich auch bedenklich, gerade, was die Anzeigen angeht.
    Es kann auch nach hinten losgehen, du weißt nicht, inwieweit er da mitdrin hängt, was es für ihn für rechtliche Probleme bringt.

    Nun eine Trennung wäre ein Schritt, ihm zu zeigen, dass es dir ernst ist, dass du die kiffe zwischen euch nicht mehr duldest.

    Gib ihm ne Chance, Entgiftung, Langzeitthera.... Thc ist lange im Körper, per Urintest, nachweisbar, es lagert sich im Fettgewebe ab, und verschwinden, nach völligem Stopp des Konsums, erst nach ca. 3 Monaten endgültig, was heisst, ist dann nicht mehr nachweisbar.

    Ich denke aber gerade, weil ihr Eltern seid, muss er damit aufhören, und Verantwortung für sein Leben übernehmen.
    Es gibt mannigfaltige Möglichkeiten zur Entspannung zu gelangen, auch das kann man prima in einer Langzeitthera lernen.

    Sprich mit ihm, sag, du weißt Lügen gehören zur Sucht, und du bist nicht mehr bereit dahingehend zu Vertrauen, sag ihm am Besten auch, das du ihn liebst, und eure Familie retten möchtest, aber dazu ist sein Schritt in den Ausstieg, und eine Therapie nötig.

    Stationäre Thera hätte den Vorteil, dass er mal weg ist aus seinem gewohnten Umfeld, weg von seinen kiffenden Freunden, und in einer Tagesstruktur steckt, die er übernehmen kann, um daheim dann auch ohne Drogen besser für sich zu sorgen.
    Sie beinhaltet aber auch ein gewisses Mass an Kontrolle, die sehr wohl angebracht ist, aber meiner Meinung nach nicht vom Partner geleistet werden kann.
    Zu schnell besteht die Gefahr einer Co-Abhängigkeit, Konflikte, weil der andere irgendwann gegen die Kontrolle rebellieren wird....

    Kiffen hört man nicht mal eben auf, er sagt ja selber, er raucht zur Enstpannung, also nicht ab und an mal, weils Freude macht :winking_face:

    Suche ein Gespräch, möglichst zu einem Zeitpunkt an dem er nüchtern ist, weil dicht sagt man gerne mal schnell was zu, und hält es dann nüchtern nimmer für nötig.
    Du kannst ihn auch fragen, ob er bereit wäre mit dir nochmals in die Drogenberatungsstelle zu gehen, dann könnt ihr das dort thematisieren, und auch Hilfe bei den nötigen Schritten finden.

    Viel Kraft dir, und den Wunsch für dich ans neue Jahr, dass ihr eure Situation in den Griff bekommt

    ganz feste Drück
    LG Julchen

  • Hallo!

    Erst mal vielen Dank. Dass die Drohungen "Käse" waren, sehe ich ein. Schieße gern in Wut über das Ziel hinaus.
    Dank Eurer Hilfe und der meiner Schwestern konnte ich aber jetzt mal konsequenter sein.
    Bin jetzt tatsächlich bis morgen zu meiner Schwester gezogen. Ab morgen zieht mein Mann dann zu einem Freund, obwohl er dass eigentlich ablehnte, weil dort gekifft würde und es dann sowieso mit uns aus wäre. Ich bestand aber darauf, dass wir nun getrennt leben, bis er endlich wieder in die Beratung geht oder Therapie beginnt. Er findet das für unnötig, da er nicht süchtig sei und die Beratung ihm nichts gebracht hätte. Ich wisse es überhaupt nicht zu schätzen, dass er die ganze Zeit abstinent gewesen wäre. Nur, weil er sich jetzt einmal was für einen besonderen Anlass (eigentlich Sylvester, aber da kam ich ja blöderweise mit) besorgt habe, tue ich gerade so als hätte sich nichts geändert. Habe ihm gesagt, dass ich ihm bei diesem Thema nicht mehr vertraue aber noch immer liebe..
    Er will unbedingt die Sache mit den Schnelltests als Lösung. Ich lies mich aber nicht darauf ein und will professionele Hilfe und weil wir da noch nicht weiterkommen erstmal Trennung.

    Also vielen Dank und drückt uns die Daumen.

  • Hallo zusammen,

    nun haben wir ein paar echt harte und schwierige Tage hinter uns. Mein Mann hat zwar nun eine Bleibe bei Freunden gefunden, kommt aber jeden Tag, um unsere Kleine zu besuchen. Dabei blieb er dann immer lang, auch nachdem sie ins Bett ging und weinte viel. Das kostete auch mich unglaublich viel Kraft und ich war deshalb unkonsequent und er schlief zweimal auf der Couch. Als ich ihm nochmals anbot, dass ich wo anders hin könnte, hat er akzeptiert, dass wir momentan nicht zusammen wohnen können, so lange sich nichts verändert und schläft wieder auswärts. Er hat jetzt für nächste Woche einen Drogenberatungstermin, wollte eigentlich, dass ich mitkomme, was ich etwas kritisch sehe. Kritisch deshalb, weil ich befürchte er will mich damit besänftigen, seinen guten Willen zeigen und sich positiv darstellen, kann aber deshalb in der Beratung vielleicht nicht offen sein. Es hat sich zwar sowieso erübrigt, weil ich an diesem Tag arbeiten muss, aber wie sieht ihr das für evtl. weitere Termine?
    Aber irgendwas hat sich jetzt schon bei ihm getan. Denn vor einer Woche hat er mich noch im sarkastischen Tonfall gefragt, ob ich denn mein, er müsse auf Entzug, vielleicht noch auf stationären, weil er ja so ein schlimmer Drogi wäre. Heute, als er da war, meinte er, er würde den Berater fragen, ob es eine intensivere Therapie gäbe, er meinte so ein verlängertes Wochenende, denn länger könne er wegen der Arbeit nicht. Was habt ihr da für Infos? Ich schätze so kurz ist doch keine sinnvolle Therapie, oder? Ich dachte das würde schon ein paar Wochen dauern, oder?

    Also nochmals vielen Dank für die Hilfe

    Liebe Grüße

    Lilo

  • hallo lilo,
    da hast du schon recht, mit einem wochenende ist es nicht getan.
    es gibt die möglichkeit bei einer langzeittherapie oder einer ambulanten therapie.die langzeittherapie dauert um ein halbes jahr, kann aber bei bedarf auch verlängert werden.
    ob ihr den termin bei der beratungstelle gemeinsam war nehmen wollt müsst ihr von eurer situation abhängig machen.
    wir haben das in unserer beziehung unterschiedlich gemeistert, mal sind wir zusammen hin, oder mein partner alleine, oder auch ich bin alleine hin.
    mir tat es immer sehr gut mit dem berater alleine zu sprechen, mein partner hat den drogenberater damals eine schweigepflichtsentbindung ausgestellt.für mich waren diese gespräche gut um zu erfahren wie ich mich gegenüber meinem freund verhalten sollte und um zu erfahren wie ich mich selbst schützen kann.
    wenn wir zusammen hin gingen hat mein partner sich unterstützt und ernst genommen gefühlt, was ihm sehr wichtig war. aber ab und zu tut es auch mal ganz gut alleine mit den beratern zu sprechen um seinen partner nicht zu verletzen und sich den kummer von der seele zu reden.
    ich würde dir raten auch ein gespräch mit den beratern zu besuchen, denn es kann nur hilfreich sein wenn die berater erfahren wie euer umgang miteinander ist um sich einen überblick zu verschaffen, denn es kann auch durch aus möglich sein, das DU dinge falsch machst oder falsch angehst ohne dir bewusst darüber zu sein.
    wünsche dir viel glück :smiling_face:
    lg,
    hexelakritze.

  • Zitat

    Aber irgendwas hat sich jetzt schon bei ihm getan.

    Klar, denn nun sieht er, dass du ernst meinst, was du sagst und konsequent bist. Wie du siehst, ist das wirklich unheimlich wichtig. Ich finds klasse, wie du das bisher durchgezogen hast.

    Es sieht für mich irgendwie so aus, als wenn dein Mann der Meinung ist, ein einziger Termin bei der Drogenberatung wäre für ihn ausreichend. Aber das ist absoluter Quatsch. Die Drogenberatung ist ja nur der erste Schritt. Dort sollte er schon regelmäßig hingehen bis er eine Therapie gefunden hat. Wenn er auf diesem einen Mal besteht, ist für mich klar, dass er da wirklich nur hingeht, um dich zu besänftigen. Bleib bitte eisern, denn damit hilfst du dir selbst und ihm.

    Ich weiss nicht, wovon dein Mann spricht, was er gern übers Wochenende machen würde. Eine Therapie jedenfalls nicht, denn die dauert schon einige Monate. Es reicht ja nicht aus, mal kurz über sich zu reden und zack sind alle Probleme vom Tisch. Nee, Therapie ist lange, harte Arbeit an sich selbst.

    LG, alive

  • Die Frage ist eben....wie lange hält das an? Er hat ja jetzt schon oft genug bewiesen das er Versprechungen macht die er nicht einhält. Ok, dieses mal hat er das erste mal wirklich ne Konsequenz bekommen....aber wird das genügen? Entschuldige mein Misstrauen, aber eine Sucht ist so schwer zu bekämpfen. Für mich persönlich wäre die Sache eh schon gegessen, lügen geht gar nicht nich in einer Beziehung, einmal vielleicht, aber nicht ständig. Diese Entscheidung musst allerdings DU treffen. Und übers WE ne Thera....gibts zum einen nicht, würde zum zweiten auch gar nichts bringen. Wenn ihm jedoch die Arbeit hier schon wieder wichtiger ist als das Clean bleiben/werden....wie ernsthaft ist dann der Versuch??? Sicher ist es wahnsinnig schwer wen man im Job steckt..aber Du und die Kinder...IHR seit seine Familie!!! LG, Carry

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