Sexsucht oder...

  • Hallo zusammen,

    ich bin neu hier und ich glaube, ich bin sexsüchtig. Ich bin grundsätzlich suchtgefährdet, neige dazu Dinge, die mir Spass machen, den Kick geben, immer weiter und weiter zu machen, z. B. Online-Spiele, Schmerztabletten, etc.

    Bei den anderen Sachen hab ich es aus eigener Kraft geschafft aufzuhören, bzw. gar nicht anzufangen (Alk, Drogen). Beim Sex ist das was anderes.
    Seit ich Teenager war (bin jetzt Ende 30) habe ich jeden Tag Sex, auf die eine oder andere Art. Zunächst war es nur Selbstbefriedigung und normaler Sex mit meiner Partnerin. In den letzten 3 Jahren wurde es mehr, Sex mit flüchtigen Bekanntschaften, mit Prostituierten und sog. Gangbang-Parties. Ich hatte in den letzten 3 Jahren mit mehr als 50 Frauen Sex, mit 19 jährigen Mädchen, mit 50 jährigen Frauen, mit dicken, dünnen, Asiaten, Ost-Europärinnen, Deutschen und sogar mit Transsexuellen.

    Ich komme maximal zwei Tage hin, ohne mir zumindest einen runterzuholen. Das alleine sehe ich noch nicht als schlimm, aber ich nehme mir auch immer wieder vor, zumindest diesen Monat nicht mehr in den Puff o.ä. zu gehen und dann bin ich doch wieder da, z. Zt. jede Woche.

    Ich kenne mich wg. eines früheren Berufes in der Szene aus, und werde deshalb nicht ganz so schnell arm wie andere, bzw. fällt es mir leicht mich in dem Mileu zu bewegen, dazuzugehören. Es gibt dort natürlich die, die es nicht freiwillig machen, die Kriminellen und Schmuddelläden, aber es gibt auch Frauen, die Spass daran haben, oder zumindest Spass mit mir.

    Ich habe bei Professionellen ein weniger schlechtes Gewissen, als jetzt z. B. mit einer Kollegin, da sind immer Gefühle im Spiel, Erwartungen und mehr und das Risiko, dass meine Partnerin was rausfindet. Im Puff ist es einfacher, hingehen, Spass haben, zahlen, gehen. Solange es Spass macht... Leider macht es manchmal keinen Spass. Wenn man merkt, dass die Frau nur spielt, oder teilweise nicht mal das, nur "erträgt". Dann kann ich nicht, will ich nicht, dann sehe ich mich selbst wie von aussen, dann nehme ich mir vor: NIE WIEDER.
    Und dann gehe ich nächste Woche wieder, zwar wo anders, aber wieder...

    Eine der Prostituierten, bei der ich regelmässig bin, die ihrerseits verheiratet ist und Kinder hat, die keinen "weissen Ritter" Sucht, diese sogar verabscheut, hat soviel Spass mit mir, dass wir uns jetzt "privat" treffen, ohne Geld (ausser dass ich das Hotelzimmer zahle). Eine Kollegin hat durchblicken lassen, dass wir doch mal "nen spassigen Abend" machen sollten. Mir wird es leicht gemacht, die Frauen sind schön, begehrenswert, gross, schlank, Männerträume.

    Aber ich liebe meine Partnerin, ich liebe sie so sehr. Ich will ihr nicht weh tun, es zerreisst mich. Früher hatten wir tollen Sex, jetzt haben wir nur noch gelegentlich und dann eher Standardsex.

    Wenn ich es mal schaffe 2 Wochen ohne Puff, ohne Fremdgehen aber auch ohne Sex zu Hause, dann geht es mir schlecht, ich bin gereizt, unkonzentriert, schlafe schlecht.

    In den letzten Tag ist mir bewusst gewrden, dass es so nicht weitergeht. Aber alle Selbsthilfe-Gruppen, die ich finde, fahren den Ansatz der AA mit den 12 Schritten. 6 davon haben mit Gott zu tun. Ich bin aber nicht gläubig, nicht in diesem Sinne. Ich glaube, bin der festen Überzeugung, wir (Menschen) müssen das selbst hinkriegen, vielleicht mit Hilfe von anderen Menschen. Ich weiss nur nicht wie.

    Montag bin ich wieder im Büro, ein guter Puff ist 5min entfernt. Die Frauen sind nett, wir haben Spass, aber es kostet Geld und es muss nicht sein. Jetzt nehme ich mir vor nicht hinzugehen, aber ich weiss nicht, ob ich es schaffe.

    Ich habe das bisher keinem so erzählt, also erstmal danke fürs lesen.

  • Ganz schön krasse Geschichte. Hast du es schon mal mit einem Therapeuten versucht. Ich kenn mich da nicht aus, aber es gibt doch Sexualtherapeuten. Hast du noch nie mit jemanden darüber gesprochen? Außer hier jetzt? Ich weiß nicht, wie man Dir da helfen kann. Ich weiß noch nicht mal, ob es sinnvoll ist, Deiner Freundin reinen Wein einzuschenken, obwohl man das bei anderen Süchten immer sagt, der Partner sollte das Wissen. Wenn sie das erfährt, wird sie sehr verletzt sein und sich bestimmt die Schuld geben, daß sie dir nicht genügt. Du solltest zu einer Beratungsstelle gehen oder zum Psychologen. Ich staune, daß du das so geheim halten kannst, daß das noch nicht aufgeflogen ist. Das kostet doch auch Unsummen an Geld. Ist Eure Beziehung sonst in Ordnung? Vielleicht hat jemand anderes noch Tips, ich bin sprachlos und wüßte nicht, ob ich das ertragen könnte, wenn ich das gesagt bekommen würde.

  • Meine Partnerin ahnt nichts. Wenn Sie es wüsste, würde sie mich sofort verlassen, für Sie gehören Sex und Liebe zusammen, für mich nicht. Das war bei mir nie so. Aber früher war es im Rahmen, ein, zwei mal im Jahr in den Puff, sonst nix.

    Und es lässt sich super geheim halten und teuer ist es im Verhältnis zu anderen Suchten auch nicht, 200-400 Euro im Monat (weil ich wie gesagt die Branche kenne). Wir verdienen gut, es fällt nicht auf.

    Danach gehe ich oft noch kurz ins Sportstudio, bisschen Sport, duschen(!) und zu Hause wundert sich keiner, warum ich sauber und erschöpft bin. Es ist alles so einfach, so verdammt einfach.

  • Hi,

    heftige Geschichte die Du erzählt hast. Aus so etwas allein rauszukommen ist schwer und funktioniert meist nicht. Ich denke, daß eine Selbsthilfegruppe nicht schlecht wäre. Ich gehöre nicht zu denen, die gleich jedem ein Therapie empfehlen, ich denke eher, daß "selbermachen" häufig ein guter Anfang ist. Deine Aversion gegen die 12-Schritte-Gruppen kann ich verstehen, sie beruht fast immer darauf, daß in den Schritten soviel von Gott die Rede ist.

    Das läßt sich aber leicht lösen, wenn man über die Bedeutung von "Gott" in den Schritten nachdenkt. Es geht nicht darum, daß Du drauf vertraust, daß irgendein Gott dich von dem Problem befreit, sondern es geht darum, daß Du Vertrauen hast, daß es einen Weg aus dem Problem gibt, der nicht aus deinem Verstand stammt. Nenne es "Intuition", "Bauchgefühl", wieauchimmer. Dein Verstand allein wird immer wieder in die gleichen Bahnen zurücklaufen, in den deine verirrten Gefühle ihn lenken. Die Lösung Gott zu überlassen bedeutet einfach, darauf zu vertrauen, daß die Antwort auf dein Problem in dir liegt, wenn Du einfach dein "normales Ego" aufgibst. Das war es schließlich, daß dich in diese vertrackte Situation führte.

    Das kling reichlich abgehoben und theoretisch, das ist es aber, was die ersten der 12 Schritte beinhalten. Und das ist es, was es mit "Gott für Ungläubige" auf sich hat: das Vertrauen darauf, daß die Lösung in deinem Innersten, deiner Intuition liegt.

    Grüße

    det

  • hallo.
    also ich kann bis auf das du deine partnerin belügst nichts verwerfliches finden.
    ihr seid da nur in euren wünschen und vorstellungen etwas verschieden.
    ich kenne eine menge paare die in einer "offenen" beziehung leben, das heisst, die ihre befriedung in der sexualität nur nach neuen erfahrungen leben.
    es gibt menschen, die können liebe und sex trennen.
    die frage ist allerdings wie ist deine partnerin zu diesen dingen eingestellt und da sehe ich das problem nicht bei einer sexsucht, denn jeder mensch hat andere vorstellungen von seiner sexualität.
    es gibt paare die gehen da ganz offen miteinander um, gehen swingern, machen rollenspiele, eben das was ihnen immer wieder den neuen schwung gibt.
    nehme an du bist schon länger mit deiner partnerin zusammen?
    ich finde du solltest mit ihr ganz offen über deine wünsche reden.
    aber ihr auch nicht erzählen das du sie regelmässig betrügst!das wäre zu verletzend.
    vielleicht bringt so ein gespräch neuen schwung in euer liebesleben.
    langsam ran tasten aber auf jeden fall die partnerin mit einbeziehen.

  • Zitat

    Früher hatten wir tollen Sex, jetzt haben wir nur noch gelegentlich und dann eher Standardsex.

    Woran liegt das, seit wann ist das so, bist du zuerst fremd gegangen und dann wurde euer Sexualleben langweiliger oder umgekehrt, wolltest du fremd gehen, weil es langweilig wurde?

  • Hallo,

    erstmal Danke für die spontanen und netten Reaktionen :smiling_face:

    Zu den Fragen:
    Ich war von Anfang an nie treu. Wir haben mal drüber gesprochen, ganz vorsichtig. Sie kann sich Sex mit anderen, oder die Idee, dass ich mit einer anderen Frau grundsätzlich nicht vorstellen. Sie kann Liebe und Sex nicht trennen. Ich hab grundsätzlich kein Problem damit, hatte ich nie. Ich hab immer gerne und viel Sex gehabt.

    Früher war das auch nicht so dramatisch, wenn sich was ergeben hat, oder wenn ich mal (alle paar Monate) mal Bock auf was anderes hatte, bin ich halt mal in den Puff. Warum auch nicht. Mir ging es nie um "unerfüllte Fantasien", ich bin auch nicht auf der Suche nach "einer großen Liebe", die hab ich schon. Alle Fantasien, die ich je hatte habe ich mir inzwischen erfüllt, auch mit meiner Partnerin. Mir ist nur ab und an mal nach "fremdem Fleisch".

    Was mir im Moment zu schaffen macht ist folgendes. Es nimmt Überhand. Ich habe das Gefühl "ich muss". Wenn ich eine Frau sehe, kennenlerne und sie einigermassen attraktiv ist, denke ich nur nach, wie ich Sie ins Bett kriege. Um mich überhaupt auf Arbeit und Alltag konzentrieren zu können gehe ich oft ins Bordell. Teilweise bin ich nicht mal "wirklich befriedigt", also ja, Samen abgepumpt, aber nicht dieses "pfua, alles easy" Gefühl.
    Selbst wenn ich mir am Anfang des Monats vornehme wenigstens diesen Monat nicht mehr fremdzugehen, liege ich spätestens 2 Wochen später wieder auf einer anderen Frau, weil "ach was solls" und "tut mir gut" und "nur mal eben" und der ganze Scheiss. Ich lüge und trickse und es macht immer weniger Spass, bzw. muss für den gleichen Spasslevel immer heftiger sein.

    Ich hab mich jetzt mal bei SLAA gemeldet, mal sehen...

  • *schmunzel* das hört sich ja schon fast so an als ob es darum geht die *schöne fremde" zu erobern und zu schauen ob du sie rum kriegst...
    jagdfieber?meinst du es ist das oder ist es der akt der dich zieht?

  • In meinem Leben war ich exakt einmal im Puff, das war sicher der schlechteste Sex, den ich je hatte.

    Bis etwa zu meinem 30. Geburtstag war ich auch leicht sexsüchtig, suchte fremde Betten auf, da spielte aber auch jeweils etwas Liebe/Verliebtheit, zumindest Zuneigung mit.

    Auch finde ich, daß GV und Masturbation sich durchaus unterscheiden.

    Eine Alternative wäre auch ein chemischer Dämpfer, Cyproteron (Androcur), niedrig dosiert, frage mal Deinen Hausarzt.

  • Zitat von HexeLakritze;131844

    *schmunzel* das hört sich ja schon fast so an als ob es darum geht die *schöne fremde" zu erobern und zu schauen ob du sie rum kriegst...
    jagdfieber?meinst du es ist das oder ist es der akt der dich zieht?

    Jagdfieber? Wenig. Die Absicht ist allen klar.
    Mir geht es wenn um das Gefühl fremdes Fleisch zu fühlen, nackte Lust, idealerweise gegenseitig, die Lust in den Augen des anderen, die eigene, das Bewusstsein, das in diesem Moment nur um das Gefühl geht, nur dass eine, den Rausch, die Höhepunkt... dieser eine kleine Moment und dann die Befriedigung danach. Einfach da liegen, zufrieden mit sich und der Welt, nebeneinander, die Wärme, der Puls, der sich langsam beruhigt.
    Danach noch ein paar Worte, duschen, was trinken und seiner Wege gehen.

    Dummerweise ist das nicht mehr immer so. Es wird fade, leer und grau. Wie bei vielen Dingen, die süchtig machen braucht es mehr und mehr um den Rausch auszulösen. Wildere Praktiken, mehr Partner, andere Umgebung.

    Zitat von Passenger;131849

    In meinem Leben war ich exakt einmal im Puff, das war sicher der schlechteste Sex, den ich je hatte.
    ...
    Auch finde ich, daß GV und Masturbation sich durchaus unterscheiden.
    ...
    Eine Alternative wäre auch ein chemischer Dämpfer, Cyproteron (Androcur), niedrig dosiert, frage mal Deinen Hausarzt.

    Das erste Mal im Puff ist für die meisten eine Enttäuschung. Natürlich ist es anders, als mit einer Partnerin oder einem One-Night-Stand. Für sie ist es ein Job. Nicht alle machen den Job gern, nicht alle machen in gut, wie bei jedem anderen Job auch.
    Einige haben Spass an der Arbeit und für einige davon ist das, was du grad willst auch genau das, was sie grad will. Die Chance ist klein, die Reinfallquote gross - besonders wenn man sich nicht auskennt. Man kann sehr schnell sehr arm und unbefriedigt nach Hause gehen, oder für 40 Euro die Nummer des Jahres schieben.

    GV und Masturbation unterscheiden sich auch für mich. Wie sich McDonalds vom Lieblingsrestaurant unterscheidet. Aber wenn man Hunger hat, einfach nur Hunger...

    Chemie kommt für mich erstmal nicht in Frage. Ich will es kontrollieren können. Ich will. Hier zu schreiben hat mir schon geholfen, drüber "reden" macht es real. Danke an alle dafür.

  • Hi, und wie bei vielen anderen Süchten auch, muß man anfangen, dagegen anzugehen, um auch wieder davon loszukommen. Mir gehts mit Tabletten so, anderen mit Spielsucht, Trinken. Es muss immer mehr werden. Das macht auf die Dauer kaputt und es ist unseren Partnern gegenüber unfair, egal, welche Sucht. Wir lügen und betrügen, nur um unsere Sucht aufrecht zu erhalten. Familie, Freunde und uns selbst. Ich stelle mir das schwer vor, überhaupt zu empfinden, wie Du. Du sagst, du liebst deine Freundin und gehst doch immerzu fremd.
    Wie kommt man davon los. Beim Alkohol ist es sofort verzichten, Entzug und es für immer bleiben lassen, ein Glas und man ist wieder drauf. Bei meinen Tabletten, ist der Weg die Reduzierung, auf einmal zu gefährlich, Spielsucht, mit einmal sein lassen. Ich denke, so ist es bei Dir auch. Von heute auf morgen sein lassen, von jetzt auf gleich, Therapie machen, um andere Strategien zu erlernen, den Druck abzubauen, vielleicht Sport. Vielleicht solltest du fürs Erste laufen gehen, wenn du wieder unter diesem Druck stehst und vor allen Dingen eine richtige Therapie. Es kommt ja nicht aus heiterem Himmel diese Sucht. Sei mir nicht böse, vielleicht gehts auch um Macht über den Frauen, Bestätigung, Selbstbewußtsein dadurch aufbessern, was du vielleicht gar nicht so hast. Vielleicht bist du tief in Deinem Inneren gar nicht so ein "Mann". Nicht bös sein, sind nur so einige Gedanken, die da so bei mir entstehen. Eigentlich würde ich dir gerne an die Gurgel gehen, weil mir Deine Freundin echt leid tut, aber ich akzeptiere auch die Sucht und die muß behandelt werden. Nur eine Selbsthilfegruppe reicht da glaube ich nicht. Da hörst du zwar von anderen, das es denen ähnlich geht und du solltest dich so einer Gruppe auch anschließen, damit du nicht allein damit stehst, aber es muss auch an deiner Seele gearbeitet werden, und daß geht in einer Verhaltenstherapie ganz gut. Wünsche Dir noch einen "suchtfreien" Tag.

  • eigentlich wenn ich so genau darüber nachdenke, hat tine denke ich recht mit ihrem beitrag.aufhören.ersteinmal ein anfang finden und daran arbeiten jeden tag einen tag mehr ohne diese Sucht zu leben.
    für jeden tag den du geschafft hast solltest du dich belohnen.
    du kannst ja auch ein tagebuch führen in dem du deine tage dokumentierst.oder ein postfach eröffnen in dem du täglich deine gedanken nieder schreibst.
    so kannst du dich selbst refliktieren und dir von anderen einen rat holen.
    wirklich gut finde ich, das du hier bei uns bist, das ist der erste schritt gegen die sucht!

  • Zitat von Tine05;131883

    ... Vielleicht bist du tief in Deinem Inneren gar nicht so ein "Mann". Nicht bös sein, sind nur so einige Gedanken, die da so bei mir entstehen. Eigentlich würde ich dir gerne an die Gurgel gehen, weil mir Deine Freundin echt leid tut...

    Ich bin Dir nicht böse. Wir ich schon Eingangs sagte, zerreisst mich der Gedanke, wie sich meine Partnerin fühlen müsste, wenn sie es erfahren würde.
    Ich treibe Sport, nicht grad laufen, aber Sport, recht viel sogar. Tief in mir bin ich der kleine dicke Junge, den keiner mag. Aber ich bin auch der grosse, starke Mann, den alle mögen. Ich hab viel schlimmes erlebt und habs überlebt, deshalb bin ich selbstbewusst. Ich kenne auch meine Schwächen, werd auch gern mal in den Arm genommen, ich steh auch dazu. Eigentlich bin ich nett, hilfsbereit. Ich bin gern für andere da, das fällt mir gar nicht schwer, ich muss mich nicht verstellen.
    Ich bin gebildet, höflich, witzig und intelligent. Ich habe einen hochqualifizierten Job, es gibt in Deutschland nicht viele, die das können, was ich kann. Ausserdem hab ich Hobbies und gute Freunde, wirkliche Freunde, nicht nur Bekannte, davon hab ich auch viele. Menschen mögen mich.

    Aber ich bin auch manchmal nicht nett. Es gibt tief drinnen, wenn man mich sehr sehr sehr reizt und ich einen echt schlechten Tag habe, einen Typen, mit dem will keiner Streit. Selten, sehr selten, kommt er raus. Es kam noch nie zu einer Schlägerei oder Handgreiflichkeiten, weil immer die anderen gekniffen haben.
    Manchmal will ich (man möge den Ausdruck entschuldigen) einfach nur die "Frau auf dem Cover" ficken.

  • Das hört sich nach einem gutfunktionierenden 'Mustermann' an. Vielleicht ist es ja auch, dass sich fallenlassen; aus der Selbstkontolle ausbrechen. Ähmm, Sex ist ja auch bekanntlich ein guter Streßabbauer.

    *grad so eingefallen dazu*
    :wink:
    Kassi

  • Schade, daß ich kein Psychologe bin, Deine Geschichte interessiert mich schon sehr. Ich war mal 15 Jahre mit einem Mann verheiratet, der immer wieder fremd gegangen ist, bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bot. Leider ist es immer herausgekommen, ich habs immer bemerkt. Und dann hat er meistens geweint und gesagt, er wüßte nicht, was ihn dazu treibt. Wir hatten auch eine gute sexuelle Beziehung. Er hat nichts vermisst, sagte er und doch trieb es ihn immer zu anderen Frauen. Ich glaube, er war auch in Puffs, aber das habe ich nie rausbekommen. Ich habe mich getrennt und ich denke, sowas würde dir auch passieren, wenn es rauskommt.
    Weißt du, mein Mann war nach außen hin, auch immer charmant und alle mochten ihn und waren gern mit ihm zusammen und doch muss da ja was gewesen sein. Wie gesagt, er ging immer fremd und fing auch an zu trinken. Er wollte aber keine Therapie machen. Ich durfte ihn ja etwas anders kennenlernen, als die Außenstehenden. Er war eigentlich sehr erbärmlich, sehr ängstlich, ein Muttersöhnchen und konnte sich nicht durchsetzen. Bei ihm war es sicherlich irgendein Machtspiel, eine Bestätigung, was für ein Kerl er doch ist.
    Bist du nicht selbst gespannt darauf, was dahinter steckt, wenn bei einer Therapie die Auslöser vielleicht ans Tageslicht kommen. Ich wollte wissen, warum ich eine Borderline-Störung entwicklelt habe und arbeite immer noch daran.
    Und was ich dich noch fragen wollte. Kannst du Deine Wut rauslassen, ich meine nicht durch schlagen, kannst du die Wut wenigstens richtig spüren. Ich habe da so meine Probleme damit. Ich gelte auch als sehr lieb und hilfsbereit, doch manchmal spüre ich richtig, wie ich jemanden verprügeln möchte (Ich bin selber verprügelt worden) Damit mir das nicht passiert, habe ich mich so entwickelt, daß diese Gefühle gar nicht erst hochkommen und ich mich eigentlich zum Kasper mache und mir alles Gefallen lasse.
    Ich möchte Dir noch was erzählen, was mir schwer fällt, aber nicht schlimm, wenn es andere lesen. Haben ja alle ihre Leichen im Keller.
    Ich wurde als Kind bis zum 18. Lebensjahr fast täglich verprügelt. Und das war sehr schlimm und hat mich tief verletzt. Ich habe danach immer Selbstbefriedigung gemacht. Warum, keine Ahnung, so lange ich denken kann, habe ich so reagiert und an mir selbst rumgespielt. Nur so konnte ich überhaupt diese Prügelei ertragen. Du siehst der Mensch reagiert seltsam. Wer weiß, was bei Dir der Grund ist.

  • Zitat von Tine05;131894


    Und was ich dich noch fragen wollte. Kannst du Deine Wut rauslassen, ich meine nicht durch schlagen, kannst du die Wut wenigstens richtig spüren.

    Oh ich kann meine Wut rauslassen. Meine Frau sagt, wenn ich richtig wütend bin, sei das ein grossartiger Anblick (ich muss dazu sagen, dass ich noch nie Grund hate auf sie wütend zu sein). Z. B. letztens wurden wir in der Autowerkstatt beschissen, naja, man hat es versucht. Ich hab es rausgefunden und den Inhaber zusammengeschissen. Verbal, mit erhöhter Lautstärke, aber ohne schreien. Ich kann sehr bestimmt werden und bin nicht klein. Ich bekam mein Recht. Meine Wut geht nach aussen, aber ich bin nicht gewalttätig und wurde auch nie geschlagen oder verprügelt.
    Ich hab nicht oft Grund wütend zu sein und bin es in der Regel auch nicht.

    Ich war früher klein, klein und dick, dazu eher schwächlich. Ich konnte als Teeny nicht bei Mädchen landen, ich sah aber, dass andere es konnten. Ich sah, dass arrogante, eingebildete Typen die tollen Mädchen gekriegt und benutzt und weggeworfen haben. Hinterher, nachdem sie fallengelassen wurden, haben sie sich bei mir ausgeweint, ich sei doch "ein guter Freund".
    Das ist so ziemlich die Höchststrafe für einen Jungen, nicht als Mann, als möglicher Liebhaber, wahrgenommen zu werden.

    Ich denke, dass ist ein Grund, nachholen, mir selbst beweisen, dass ich auch die schönsten haben kann, und wenn ich sie bezahle, belüge, mich selbst neu erfinde - das Geld ist mir egal. Sie wollen den arrogaten, eingebildeten Typen haben? Ok, kriegen sie.

    Man müsste jetzt eigentlich sagen, dass der Sex mit gut aussehenden Frauen auch nicht besser ist... aber das stimmt leider nicht ganz. Meiner Erfahrung nach ist Sex mit schlanken Frauen besser. Das ist nicht nett, nicht fair, aber für mich (vielleicht nur für mich) ist es wahr. Wir werden in den Medien rund um die Uhr mit Idealfiguren berieselt und genau diese Idealfiguren sind es, die ich begehre.

    Das klingt jetzt, als wüsste ich schon viel über mich selbst. Ich habe, wie gesagt, eine recht bewegte Vergangenheit. Ich weiss viel über mich und kann mich selbst recht nüchtern betrachten. Aber es hilft nicht. Nur weil ich es weiss, ändert sich nichts.

    Vorletzte Woche war ich auf einer Sexparty, dort hatte ich 2 Schwestern, erst nacheinander, dann zusammen. Letzte Woche war ich in einem neuen Puff, neue Frau, 20 Jahre, wunderhübsch, kein Wort deutsch oder englisch - bezahlt hab ich für "das komplette Packet". Ich hab gemerkt, dass sie keinen Spass hat, nur "arbeitet", es "erträgt". Es war offensichtlich, dass sie gerne woanders wäre. Früher hätte ich aufgehört und wäre gegangen. Letzte Woche nicht. Ich habe alles bezahlt und alles gemacht - alles.

    Jetzt fühle ich mich taub, nicht befriedigt, auch nicht schmutzig, nur taub. Ich habe nachgedacht und erkannt, dass etwas nicht stimmt. Aber es ist verdammt schwer aufzuhören. Ich merke, ich stumpfe ab, ich sehe mir zu und doch denke ich "morgen mittag könntest Du wieder zu ..."

    Ich habe meinen besten Freund heute ins Vertrauen gezogen und er wird mir helfen, mich an meine Vorsätze erinnern, mich an Dinge erinnern, die ich habe, die ich riskiere, die ich verlieren werde.

  • moment, hab da jetzt etwas nicht verstanden.du schreibst du hast dich nicht befriedigt gefühlt...war das jetzt auf das 20 jährige mädchen bezogen die nur ihren job machte, das du dich deswegen nicht befriedigt gefühlt hast, oder ist es bei allen frauen das du dich nicht befriedigt fühlst?
    in welcher situation fühlst du dich befriedigt?
    und wie ist es wenn du mit deiner frau schläfst? was fühlst du dabei?
    oder denkst du dabei an andere?

  • Für die meisten Menschen ist die Befriedigung des Partners wichtiger, als der eigene Orgasmus.

    Zitat von Tine05;131894


    Warum, keine Ahnung, so lange ich denken kann, habe ich so reagiert und an mir selbst rumgespielt. Nur so konnte ich überhaupt diese Prügelei ertragen.

    Das ist doch etwas sehr Schönes, was man eventuell nur mit sich selbst teilt. Und die Prügel bleiben außen vor.:55:

  • OY interessantes Thema! Ich habe manchmal auch Phasen in denen ich nur an Sex denke, wie oft ich es kriegen kann und bin nur am Porno schauen. Alles ist dann im Overdrive! Deswegen denke ich mir manchmal meine Diagnose kann nicht stimmen.... Anstelle von Schizoaffective Depressive ist es bestimmt Schizoaffective mit Bipolar. Na egal.... wie gesagt, interessantes Thema.... Was genau oder besser welches Gefuehl ist es genau dass Du soviel Sex haben willst? Bloede Frage... kann aber nicht genau in Worte fassen was ich eigentlich fragen moechte.

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