Die Erinnerungen an meine Vergewaltigung als ich 16 war, lagen über Jahre verschüttet und nur über die Trigger des Sexes mit meinem Freund drangen die Erinnerungen nach oben. Erst kamen die Träume, dann die Flashbacks. Vor zwei Jahren machte ich dann eine Traumatherapie, die mir sehr gut half, mit dieser Sache fertig zu werden.
Nun gibt es neue Träume... Am Anfang der Realschule wurde ich stark gemobbt, vor allem in der 6.Klasse. Ich war auf der Realschule, im gleichen Gebäude war die Hauptschule, in der mein Vater stellvertretender Rektor war; alle meine Lehrer kannten ihn gut, so dauerte es nicht lang, bis ich Lieblingsschülerin der Lehrer und größtes Hassobjekt meiner Mitschüler war. Psychische und physische Gewalt, ja an all das hab ich mich immer erinnert. Und nun ist da letzte Woche ein neuer Traum gekommen. An einem Tag (also auch real, daran kann ich mich auch deutlich erinnern) nahm mein Vater sich den heftigsten meiner Mobbingstätern zur Brust, weil ich weinend zu ihm geflüchtet war (großer Fehler). Was danach dann auf dem Heimweg geschah, daran hatte ich mich nicht mehr erinnert. Bis letzte Woche. Da kam der Traum.
Ich bin auf dem Heimweg. Hinter einem Gebüsch lauert mein Peiniger mit seinen Kumpels. Sie reißen mich zu Boden, der Peiniger öffnet seine Hose und zwingt mich ihn anzufassen. Aus lauter Angst, was die mit mir sonst tun könnten, tat ich was er sagte. Es ekelt mich ohne Ende.
Zuerst war da nur dieser Traum und so wolte ich nicht endgültig etwas darüber sagen, hätte ja auch nur ein Gebilde meiner Phantasie sein können, träume ja eh häufig sehr schlecht. Aber gestern Abend waren unser bester Freund und seine Freundin bei uns und die Freundin wurde auch vor kurzem gemobbt. So kam das Gespräch darauf und plötzlich überfluteten mich die Bilder. Bilder, die ich nicht geträumt hatte, Gerüche, die ich im Traum nicht gerochen habe, Worte, die ich im Traum nicht gehört hatte. Und auf einmal war es so real, so als ob es gerade erst passiert ist... Ich merkte, wie ich drohte abzurutschen in die Gedanekn, abzuschalten und Zwang mich zu Wahrnehmungsübungen, damit ich im Hier und Jetzt blieb. Mein Freund merkte zum Glück was los ist (ich hatte ihm von dem Traum erzählt) und brachte mich dazu, aufzustehen, so dass ich mich ablenken konnte, es mir leichter fiel, nicht abzudriften.
Tja, nun steh ich hier mit den neuen Erinnerungen, versuch mit ihnen umzugehen. Ende des Monats hab ich Termin bei meinem Thera, da werd ich das ansprechen...
Ich bin sehr traurig über das alles. Warum muss immer noch wieder was neues kommen? Warum kann es einfach nicht mal gut sein? Die alten Fragen tauchen wieder auf: Warum? Wie können die sowas tun?! Entsetzen, Ekel, Wut, Trauer, Hilflosigkeit, Verwirrung. Ich bin froh, dass ich in der Klinik so gut stabilisiert wurde, sonst würde ich glaub ich gar nicht klar kommen, aber so geht es einigermaßen...
Danke, dass ich es aufschreiben durfte!
rose