Hallo,
am Donnerstag rief mich meine Schwester an. Mein Vater ist seit Dienstag im Krankenhaus und hat einen Herzstillstand gehabt. Er ist jetzt auf der Intensivstation. Gestern rufe ich meine Mutter an, um mehr in Erfahrung zu bringen. Sie erzählte mir, dass es wirklich bedrohlich um ihn aussieht. Er wurde an das Bett fixiert, weil er immer aufstehen und die Sauerstoffmaske abnehmen wollte. Auch konnte er sich nicht an meinen Bruder erinnern. Er verwechselte ihn mit mir. Ich dachte zunächst erst an Demenz oder was ähnliches.
Dann erzählte mir meine Mutter noch, dass ihm 250ml Wein gegeben wurden. An einem Tag. Meine Alarmglocken schrillten. Sie erzählte mir, dass sie hin und wieder Schnapsflaschen gefunden hat. Als sie ihn darauf ansprach, seien diese nur von ganz lang her gewesen.
Er ist also alkoholkrank und muss einen Entzug im Krankenhaus durchmachen. Mit irgendwelchen Alterskrankheiten habe ich schon seit einem anderem Krankenhausaufenthalt von ihm gerechnet. Mit Gedächtnisstörungen, Demenz oder was ähnlichem.
Aber nicht mit dem, was ich da gestern so gehört habe. Im Sommer war ich 2 Wochen bei meinen Eltern zu Besuch. Ich konnte nur 2 Wochen bleiben, da ich eine stationäre Psychotherapie machte, die im September beendet wurde. Da fiel mir zwar auf, dass mein Vater zwischendurch gerne mal einen Schnaps getrunken hat. Aber es muss in der Zwischenzeit ziemlich zugenommen haben. Immerhin hat er Entzugserscheinungen im Krankenhaus und ihm muss Wein gegeben werden!
Ich denke über die Ursachen darüber nach. Früher, da war mir mein Vater als starker Mann in Erinnerung. Er bleibt mir als Vorbild in Erinnerung, nicht als Alkoholabhängiger. Zumindest versuche ich das zu verdrängen.
Er ist, seitdem er in Rente ist, das dürften etwa 10 Jahre sein, immer mehr vereinsamt. Aber er sagte so gut wie nie was darüber. Er war immer aktiv, hat sich um den Haushalt gekümmert, ging also Einkaufen, hing Wäsche auf, Kochte Sonntags für alle.
Dann zog erst ich zum studieren weg, meine Schwester zog 2 Jahre später aus. Meine Mutter muss eh noch ein paar Jahre arbeiten, sie arbeitet von 9 bis um 18 Uhr, manchmal fängt sie auch später an und kommt erst um 23 Uhr nach Hause.
Kann es sein, dass mein Vater vereinsamt und deswegen unbewusst zur Flasche gegriffen hat? Ich habe während meiner Psychoedukation in der Klinik erfahren, dass Drogenkonsum, Alkohol ist ja auch eine Droge, Serotonin und Dopamin freisetzt. Ersteres verursacht Glücksgefühle, letzteres hat auch gewisse Auswirkungen.
Ich mache mir Sorgen um ihn. Ich gebe mir selber die Schuld dafür. Wäre ich doch blos nicht ausgezogen, beim Studium habe ich eh "versagt".
Liegt es am Altern, dass es ihm so schlecht geht? Vaskuläre Demenz - Demenz duch Bluthochdruck. Er nahm seine Blutdrucksenker nicht sehr gewissenhaft, weil dann sein Blutdruck so sehr absackte, dass ihm schwindelig wurde.
Fragen über Fragen...
Gruß
Donnie