Hallo! Ich arbeite in einer Apotheke und meine Kolleginnen und ich haben feststellen müssen, dass unser Chef opiatabhängig ist. Das geht schon mindestens 3 Jahre, aber es wird immer offensichtlicher (die vielen bestellten Packungen, ab und zu sichtbare leere Tablettenblister, seine zeitweise starke Müdigkeit, Stimmungsschwankungen...). Zur Zeit nimmt er schätzungsweise 30 bis 40 Tbl am Tag(zB Codi-opt, Codeinum phosphoricum, auch Talvosilen)
Wie sollen wir uns nun am besten verhalten? Bis jetzt haben wir ihn noch nicht direkt darauf angesprochen, nur zB gefragt, was eigentlich mit den vielen bestellten Codi-opt passiert; oder was mit ihm ist-er sieht heute so müde und fertig aus...
Wir trauen uns nicht, weil wir vermuten, dass er es abstreiten würde und weil wir Verschlechterungen im Arbeitsklima fürchten, wenn er sich von uns durchschaut fühlen würde. Außerdem: wenn er einen Entzug und eine Therapie machen würde, könnte er vermutlich nie mehr als Apotheker arbeiten. Und da unsere Apotheke nicht sehr attraktiv ist und es viele neuere Apotheken ganz in der Nähe gibt, wird es auch keinen neuen Chef geben...
Was würden Sie uns raten?
Chef ist Opiatabhängig
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cherie -
11. September 2008 um 10:51
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Ich werde das umgehend weiterleiten, aber bedenke, diese Fragen werden extern beantwortet und das kann etwas dauern.
In der Zwischenzeit kannst du aber vielleicht noch etwas mehr über das Verhältnis zu eurem Chef sagen. Wie kommt ihr mit dem klar, wie reagiert er auf Kritik, gibt es bereits Anzeichen nach außen (für Kunden oder so). Welche Vertrauenspersonen gibt es da noch, also Frau, Kinder oder Freunde?
Derzeit würde ich mal die Augen offen halten, genau schauen was da alles so passiert. Eines ist aber klar, das zur Sprache bringen wird nicht einfach werden - jeder versucht seine 'Sucht geheim zu halten. Zudem hängt in gewisser Weise wirklich all eure Existenz davon ab, auch seine eigene.
Trotzdem, irgendwann sollte es angesprochen werden, nur von wem und in welcher Form muss bedacht gewählt werden.
Natürlich kann der auch entziehen, eine Therapie machen ohne dass es gleich die ganze Welt erfährt. Aber zu der Einsicht ist oft ein weiter Weg, aber mir scheint als wenn ihr nicht nur an eurem Job hängt und das ist schon mal eine große Hilfe für den Mann.Ich hoffe wir haben bald ne Antwort für dich
LG Franz
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Hallo, Franz!
Ich wollte mal nachfragen, ob du schon eine Antwort bekommen hast...
Und ich hab noch eine kleine Frage: Wie ist das eigentlich, wenn unser Chef mal einen Unfall hat oder sonst ins KH muß - könnte bei Blutuntersuchungen da was festgestellt werden und sind die Ärzte dann an die Schweigepflicht gebunden?
LG cherie -
Für die Woche ist es mir zugesichert, bitte noch kurz um Geduld
Zu deiner Frage wegen Unfall!
Wenn er stationär kommen würd, dann kämen eventuelle Entzugserscheinungen ans Licht, keine Frage. Explizit danach gesucht wird normal nicht, aber es ist ein Punkt der wirklich wichtig ist, weil eine 'Sucht hängt ja auch direkt mit zu verabreichenden weiteren Medis zusammen - es würde ihm also gar nichts anderes bleiben, als das kundzutun.Schweigepflicht besteht, kein Zweifel, aber wenn da ein Arzt "übermotiviert" handeln würd, dann möchte ich da nich 100% die Hand ins Feuer legen
Franz
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Hier deine Antwort, wenn auch etwas verspätet:
Zitat[FONT="]Hallo cherie,[/FONT]
[FONT="]wir dürfen dich natürlich nicht rechtlich beraten, aber es ist ziemlich sicher, dass es Probleme geben könnte, wenn sich herausstellt, dass dein Chef süchtig ist. Oft wird so etwas durch Zufälle oder Missverständnisse öffentlich, daher seid ihr vermutlich am besten beraten, wenn ihr bald handelt und ihn beispielsweise direkt darauf ansprecht. Sicherlich ist das nicht für jedermann die angenehmste Art, aber ihr solltet euch ohnehin darauf einstellen, dass er es zunächst leugnen wird.
Ihr solltet vielleicht auch versuchen seine Familie mit einzubeziehen, diese ebenfalls darauf ansprechen oder zumindest hinweisen und deutlich machen, dass es euch aufgefallen ist.[/FONT]
[FONT="]Insofern dein Chef noch nicht in therapeutischer Behandlung ist, wäre das auch anzuraten. Vielleicht kennt ihr ja jemanden, der in diesem Bereich tätig ist und den er für vertrauenswürdig hält. Die ärztliche Schweigepflicht besteht da natürlich zuerst einmal.
Er könnte sich beispielweise auch an seine Krankenversicherung wenden und von dieser Vorschläge an geeigneter Unterstützung einholen.[/FONT]
[FONT="]Es muss natürlich erst einmal abgeklärt, inwiefern wirklich eine Sucht bei ihm vorliegt. Sollte eine Entgiftung notwendig sein, im Vorfeld einer Therapie beispielsweise, dann ließe sich diese auch im Ausland durchführen. Allerdings ist es mit einer Entwöhnung alleine nicht getan, im Anschluss ist auf jeden Fall eine weitergehende Betreuung notwendig. Denn Sucht passiert auch im Kopf, und äußert sich nicht nur durch den Gebrauch eines Suchtmittels.[/FONT]
[FONT="]Er kann sich aber auch an eine Suchtberatung wenden, diese stehen ebenso unter Schweigepflicht und kennen sich in der Regel ganz gut aus, sodass von dort auch hilfreiche Tipps zu erwarten sind. Auch für Familienmitglieder oder andere Angehörige kann das hilfreich sein, weil man sich dort über den Umgang mit Süchtigen austauschen und eben auch Tipps bekommen kann.[/FONT]
[FONT="]Ihr als Mitarbeiter könnt' euch das Ganze natürlich weiterhin anschauen, aber wenn das Problem eures Chefs dann öffentlich wird, dann könnte natürlich auch euer Arbeitsplatz auf dem Spiel stehen. Daher wäre es sinnvoll, wenn ihr gemeinsam überlegt, wie ihr vorgehen wollt und dann auf euren Chef zugeht und klar eure Bedenken und Befürchtungen äußert. Ihr könnt ihn natürlich nicht zwingen etwas zu ändern, wenn er also alles abstreitet und sich nicht helfen lassen will - aber ihr könnt ihm zumindest eure Hilfe anbieten und ihn unterstützen. Er, als guter Chef, sollte zumindest an dem Punkt ansetzen, wenn ihr sagt, ihr macht euch Sorgen um ihn und um euren Arbeitsplatz und dann eben handeln.[/FONT]
[FONT="]Wenn ihr Tipps und Unterstützung für ein anstehendes Gespräch braucht, dann kann euch eine ortsansässige Suchtberatung helfen. Adressen dazu findet ihr im Internet oder fragt einfach bei Sucht und Selbsthilfe e.V. nach.[/FONT]
[FONT="]Viel Erfolg und alles Gute![/FONT]
[FONT="]Dein Expertenteam[/FONT]
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