Therapiert werden um jeden Preis???

  • Im September 2003 habe ich meinen Sui-Versuch unternommen.
    Nach 12 Wochen Psychiatrie wurde ich für nochmal 12 Wochen in eine psychosomatische Klinik verlegt. Dort wurde u. a. kräftig in meiner Vergangenheit gewühlt. Nach 18 Jahren habe ich dann zum ersten mal mit jemandem darüber geredet, was mir damals passiert war.
    Ich hatte mich in eine Urlaubsbekanntschaft verliebt. Diese Zuneigung deutete ER jedoch total falsch und hat mich eines abends in seinem Auto vergewaltigt. Ich bin irgendwie aus dem Auto entkommen und dann nur noch davongerannt. Ich lief fast nackt durch den stockdunklen Wald - ER immer schreiend und drohend hinter mir her ... das war eigentlich noch viel schlimmer als die Vergewaltigung an sich, weil ich mich so unglaublich allein fühlte. Nachdem er mir dann immer wieder beteuert hatte, dass er mir nichts tun würde, bin ich wieder zu ihm ins Auto gestiegen, um wieder nach Hause zu kommen *kopfschüttelt* .... wie konnte ich nur sooo dämlich sein???? Er hatte offensichtlich auch Angst, denn er war schneeweiß im Gesicht und zitterte am ganzen Körper. Sein einziger Kommentar zu der ganzen Sache war: "das ging wohl daneben, wir sollten das alles vergessen und nicht mehr daraüber reden".
    Als ich dann in meniem Zimmer war hbe ich endlos geduscht und mir fest vorgenommen, nie über diese Sache zu reden. Erstens war mein Vater zu der Zeit an Darmkrebs erkrankt und meinen Eltern ging es auch so schon mies genug ... und zweitens hatte ich Angst, dass mir sowieso niemand glauben würde, weil ich ja freiwillig zu ihm ins Auto gestiegen war.
    Ich habe also dann 18 Jahre lang diese Sache so perfekt verdrängt, dass ich irgendwann fast glaubte, es sei nie passiert und nur ein böser Traum gewesen.
    Als nun in der Therapie alles wieder aufgewühlt wurde, fing mein Unterbewußtsein heftigst an darauf zu reagieren. Ich hatte jede Nacht schlimme Alpträume von der Vergewaltigung und dem dunklen Wald, dass ich aus Angst nicht mehr schlafen konnte. Am Tag war ich unruhig und zittrig und hatte ständig das Gefühl am Rand des Wahnsinns zu sein.
    Es wurde dann eine Traumatherapie begonnen, unter der sich zuerst alles noch mehr verschlechterte, sich dann aber langsam Besserung einstellte.
    Ich wurde dann als "geheilt" aus der Klinik entlassen. Ich selbst hatte auch das Gefühl jetzt alles hinter mir und bewältigt zu haben, was aber ein großer Irrtum war, wie sich jetzt herausstellte.
    Mein Mann hatte sich während meiner langen Abwesenheit eine 19 Jahre jüngere Freundin zugelegt. Er eröffnete mir und den Kindern, dass er weggehen würde, als ich 4 Wochen wieder aus der Klinik zuhause war.
    Obwohl ich es nicht wollte gingen ab da wieder langsam meine Depris an - und auch die Alpträume begannen wieder. Erst nur vereinzelt und jetzt wieder sehr gehäuft.
    Ich hatte während der 18 Jahre meines Verdrängens keine Alpträume dieser Art, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern.
    Ich frage mich nun also, ob es wirklich sinnvoll war in der Therapie so ausführlich über alles zu sprechen, oder überhaupt darüber zu sprechen *grübel*. Ich denke, ich hätte es auf Dauer besser gehabt, wenn ich es unter "Verschluss" gehalten hätte, aber diese Erkenntnis kommt nun leider zu spät. Hat jemand von euch evtl. ähnliche Erfahrungen gemacht in Bezug auf die Traumatherapie?

    Kann mir jemand von euch einen Rat geben, wie ihr mit Alpträumen solcher Art umgeht? Ich habe nach solchen Träumen oft das Gefühl mich am liebsten vor den Zug legen zu wollen, weil das Gefühl von Einsamkeit und Schmerz so überwältigend ist. Wieso lassen sich solche Erinnerungen denn nur nicht einfach auslöschen?! *seufz*

    Lieben Gruß

    eure verunsicherte Mel

  • Wie es Mel schildert, da mag einem der Gedanke zu Therapie schon vergehen, ist wirklich verständlich.

    Sicher eine schlimme Geschichte, doch es muss nicht immer so sein. Deswegen sollte man nicht gegen eine Therapie arbeiten, denn in der regel wir man schon ein Stück weiter kommen, sicher aber immer wieder mit unschönen Erinnerungen verbunden.

    @Mel
    Das du als geheilt entlassen wurdest, dass ist wirklich unverständlich, weil die hätten ja merken müssen, wie es dir geht!
    Trotzdem würde ich empfehlen, wende dich noch mal an einen Therapeuten, denn so kann es ja auch nicht weitergehen.

    So oder so, ich wünsche dir nur das beste und hoffe, dass du bald einen anderen Erfahrungsbericht wiedergeben kannst!

  • @ Aliena

    Ich glaube, dass man mit der richtigen Therapie, den richtigen Therapeuten und vor allem ausreichend Zeit und Geduld schon einen großen Schritt in die richtige Richtung tun kann. Komplett verheilen wird es wohl nie, weil die Erinnerung daran immer bleiben wird.
    Tagsüber kann ich auch gut damit umgehen, habe auch keine Probleme darüber zu reden. Allerdings Sucht mich nachts dann mein Unterbewußtsein heim - und das lässt sich ja leider nicht beeinflussen :frowning_face:

    Ich würde dir wünschen, dass du dich doch zu einer Therapie entschließen kannst und du zumindest einen Teil deiner Erlebnisse aufarbeiten kannst :smiling_face:

    Lieben Gruß, Mel


    @ Franz

    Hm, ich habe schon oft mal wieder daran gedacht, wieder eine Therapie zu beginnen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich im Mom einfach zu große Angst davor habe. Ich weiß noch zu genau, wie es mir am Anfang der Therapie ging, ich hab die ersten 3 Wochen nur mit Beruhigungs- und Schlafmitteln überstanden und habe mir sogar die Arme mit einer Glasscherbe zerschnitten, die ich auf der Straße gefunden hatte, weil ich es nicht mehr aushielt. Ich bin im Moment zwar nicht fit wie ein Turnschuh, aber es geht mir verhältnismäßig gut und ich kann meinen Alltag samt Kids, Haushalt und Arbeit gut bewältigen. Ich will und kann das nicht aufs Spiel setzen, dass alles wieder von vorn losgeht - ich muss da irgendwie anders durch *seufz*

    Naja, Shit happen, gell? ... Irgendwann wird sicher besser *hoffe*

    Lieben Gruß, Mel

  • Mir stand die Kinnlade offen, als ich deinen Beitrag gelesen habe Melody. Das hat mein Bild über Therapien und damit zusammehnhängende Medikamente doch stark verschlechtert. Ich war nie ein Freund von Therapien, da ich immer ein Mensch war, der besser klarkam wenn er die Klappe gehalten hat und einen eigenen Weg gefunden hat.
    Ich Frage mich, wie man so falsch ansetzten kann. Es müsste doch selbst diesen Versagern in weiß klar sein, dass Menschen auf Therapieformen verschieden reagieren. Ich dachte die haben sowas gelernt. Tja, vielleicht regiert ja eben doch Geld die Welt und sobald abzusehen ist, dass es dem Patient besser geht bekommt er den Stempel "GEHEILT" aufgedruckt, dann ist platz für vielleicht schwerere Fälle, die vielleicht noch mehr Geld bringen ...

  • Sicher ist die Geschichte von Mel ein Drama, doch wie schon geschreiben, es ist nicht immer so!

    Auch ich habe schon Therapien gemacht, die nichts gebracht haben oder auch vielleicht das ein oder andere verschlechtert hat. Trotzdem, ohne diesen ganzen Aktionen würde ich nicht mehr leben. Von dem her kann ich nur sagen, der Versuch mit Therapie sollte nicht ganz in den Hintergrund geraten.

    Sicher gibt es auch schlechte Therapeuten, doch wie misst man deren Quallität? Beim Bäcker schmeckt das Brot oder eben nicht, da geht es leicht! Aber auch da gehen dann die Meinungen auseinander.

    Es sind einfach viele Faktoren die passen müssen, dass dann eine wirklich erfolgreiche Therapie herauskommt!

    Leider haben wir auch eine Verzerrung der Ergebnisse, weil die wenigsten besuchen solche Foren, wenn ein "geheilt" erzielt wurde.

    Ich für mich gehe immer mit einem Grundsatz ran, wer es nicht probiert, der findet es nie raus.

    In diesem Sinne....

  • Hallo Mandrake,

    mir tut es eigentlich jetzt etwas leid, dass sich deine Meinung über Therapien und Medikamente jetzt noch weiter verschlechtert hat, denn sie haben auch durchaus ihr Gutes. Ich muss Franz in einem absolut zustimmen, ich würde bestimmt nicht mehr leben, wenn ein Großteil meiner Therapie nicht wirklich viel geholfen hätte. Auch zum Thema Medis muss ich sagen, dass ich seit Juni d. J. ein neues Medi namens Cymbalta nehme, was bei mir supertoll eingeschlagen hat. Im Gegensatz zu den anderen Medis die ich bis jetzt versucht hatte, hat dieses keine wirklich nennenswerten Nebenwirkungen bei mir. Allerdings muss ich dir leider zustimmen, dass viele Ärzte leider viel zu leichtfertig mit Medis umgehen, z. B. solche, die süchtig machen wie Tavor.
    Tavor is ja eigentlich nur ein Notfallmedikament, wird aber leider wie Traubenzucker verschrieben.

    Ich kann also sowohl positives als auch negatives über Therapien und Medis berichten. Die Entscheidung dafür oder dagegen muss wohl jeder selbst für sich entscheiden. Allerdings bin ich immer der Meinung, wer nicht wagt - der nicht gewinnt ;-))

    Alles gute dir weiterhin!

    Lieben Gruß, Mel

  • Möchte auch was zu dem Thema sagen.
    Also ich halte viel von Therapien im allgemeinen. Hab das schon Mal vor 9 Jahren versucht, nach einem sm Versuch, der keiner war. War mehr ein Hilferuf! Na egal, danach hab ich mir dann die Therapeutin gesucht. Diese war damals sehr vorsichtig mit Medikamenten. Logisch! Heute sieht das leider anders aus. Egal zu welchem Arzt man geht, ob Hausarzt oder Psychologe, mit Medikamenten sind sie sehr schnell bei der Hand. Die haben alle keine Zeit oder kein Interesse.
    Enerseits ist das gar nicht Mal so schlecht, zumindest der Körper beruhigt sich. Nur die Psyche bleibt dabei auf der Strecke. Ich für meinen Teil würde es begrüßen, wenn ich jede Woche einen Termin zum Reden hätte. Aber da liegen 6 Wochen! dazwischen. Ne andere Therapeutin will ich auch nicht. Hab Vertrauen zu der Dame und wir kennen uns ja auch schon.

    An alle anderen: Manchmal muß man eben etwas länger suchen bis man die Therapie gefunden hat die einem wirklich was bringt. Und man muß auch selbst dran arbeiten wollen, auch wenn es meistens ganz schön weh tut.
    Und das mit den Medis, ich weiß nicht ob´s das so wirklich bringt, jedenfalls mir nicht. Ich fühl mich ziemlich allein gelassen...

    lg destiny

  • destiny: Hast du mit diener Therapeutin mal darüber gesprochen? Wenn du Vertrauen zu ihr hast, dann müsste es doch möglich sein, mit ihr darüber zu reden!

  • Worüber gesprochen? Das ich mich allein gelassen fühle?
    Die hat einfach nicht mehr Zeit! Selbst wenn man einen Termin hat muß man noch Stundenlang warten...

    Entweder ich komme so lange allein zu recht, oder ich such mir doch ne andere Therapeutin.

    lg destiny

  • Hallo Melody,

    das klingt ja echt schrecklich was du da schilderst und macht mir Angst.

    Ich war jetzt 5 Monate in stationärer Psychotherapie. Dort sagte man mir irgendwann, dass sie davon ausgingen, das ich seit frühster Kindheit mit sexullen Handlungen konfrontiert worden sein könnte. Es soll wohl so sein wie du es schilderst. Ich verdränge es wohl. Seitdem hab ich echt Angst es zu erfahren, andererseits, wäre es nicht vielleicht besser zu wissen was war?

    Eine Traumatherapie habe ich nicht gemacht, wurde mir aber bis jetzt auch nichts davon gesagt. Wenn ich deine Geschichte aber so lese, wird mir Angst und bange und frage mich nun, ob es wirklich so sinnvoll wäre alles zu erfahren.

    Ich wünsch dir alles Gute

    Liebe Grüße
    sweety

  • Hallo Mel,

    da ich im Moment den Kopf mit anderen Problemen noch besetzt habe, kann ich dir auf deinen Artikel vom 09.11.2005 23:05 noch nicht antworten. Was haben nicht heißt, dass ich es nicht noch tun werde. Ich kann dir aber sagen, dass wir solch eine Therapie hinter uns haben und auch mit der gleichen Zeitdauer, wie du.
    Erst 12 Wochen auf einer geschlossen Psychiatrie, dann sind wir in die offene mit Therapie gekommen und im Anschluss daran noch in die offene. Was so viel heißt, dass man zwar als entlassen von der Klinik bezeichnet wurde, jedoch von Montags bis Freitags (in der Zeit von 8.00- 16.00 Uhr) eben in dieser Tagesstation untergebracht war. Das einzige was ich damals an der Tagesstation gut fand, war die Tatsache, dass wir nicht mehr auf die Kinder verzichten mussten, denn durch sie hatten wir den stärksten Halt überhaupt unter den Füßen verloren.

    Zu deiner Traumatherapie werde ich gern ausführlicher schreiben, sobald ich die notwendige Zeit dafür habe.

    LG A.

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