Angst zu versagen

  • Ja, schon wieder mal ich... Aber es gibt etwas, das ich los werden muss, über das ich reden muss. Seit ca. 5 Tagen fresse ich das nun in mich rein und seit heute kann ich endlich drüber sprechen. Ich brauche eure Hilfe!

    Ich mache nun seit Juli eine Umschulung, d.h. ich habe nur zwei Jahre Zeit für eine schwere Ausbildung von 3 Jahren. Ich habe eine sehr gute Chefin, die mich sehr unterstützt. Sie hat ihre Prinzipien und Vorstellungen, wie alles gemacht werden muss, aber das ist ja auch okay. Diese Umschulung ist meine (so sehe ich es) letzte Chance, meine Zukunft und mein Leben auf die Reihe zu bringen. ich will sie unbedingt schaffen. Alle in meiner Berufsschulklasse haben natürlich schon ein Jahr hinter sich, sind also weiter. Ich will das alles aufholen und setze mich damit selbst sehr unter Druck. Auch auf der Arbeit! Ich will alles perfekt und super toll machen. Und genau da beginnt das problem. Ich habe mein ganzes leben lang nicht auf Überforderung achten können/dürfen... So kenne ich die Anzeichen nicht. Ich hab eine Arbeit im Büro vor mir liegen und denke nur noch, dass ich sie gut machen will. Ich bin dann so auf die Arbeit fixiert, dass ich gar nicht merke, dass ich teilweise einfach mit allem überfordert bin, dass ich so mit dem fachlichen zu kämpfen habe, dass ich auf die Form (auf die meine Chefin so viel Wert legt) gar nciht mehr auchte und teilweise echt schludrig arbeite, obwohl ich eigentlich eine teilweise penible Person bin. Letzten Donnerstag hab ich dann zum wiederholten Male diese schludirgen Fehler gemacht und meine Chefin war zu Recht extrem sauer und meinte, wenn das noch einmal vorkommt, kündigt sie mir! Ich kann es verstehen, denn es ist IHRE Zeit und IHR Geld, das dabei drauf geht. Aber ich habe Angst, ich habe Panik, diese Fehler noch einmal zu machen! Genau falsch, weil mich das noch mehr blockiert, das ist mir klar. Deswegen brauch ich eure Hilfe:

    Wie kann ich lernen, auf die zeichen einer Überforderung zu achten?

    Wie werde ich ruhiger?

    Wie schaffe ich es, mich weniger unter Druck zu setzen?

    Wie gewöhne ich mir neue Verhaltensmuster an, damit ich nicht so fixiert bin auf die Arbeit, sondern mich auch mal entspannt zurück lehnen kann?

    Wie werde ich sorgfältiger?

    Danke schon mal im voraus für eure Tipps!
    Liebe Grüße
    rose

  • Diese Umschulung ist meine (so sehe ich es) letzte Chance, meine Zukunft und mein Leben auf die Reihe zu bringen. -- Danach ist es wertlos und ....

    so wie Du dich unter Druck setzt, ist dein Scheitern nahezu vorprogrammiert.

    Deine Chance, das abzubauen ist nur dadurch gegeben, daß es Dir gelingt dich seelisch auch auf ein Scheitern einzustellen und es in kauf nehmen zu können.

    Das geht aber nicht von heute auf morgen und wird dir im Moment gar unmöglich erscheinen, weil es fast unerträgliche Ängste wachruft.

    Gehe an deine Ängste ran, spühre sie, dann laß los. Gehe wiederholt ran, um sie zu spühren und nach und nach auch anwachsen zu lassen, bis Du sie fast vollständig warnehmen kannst. Das dauert vielleicht 1-2 Wochen.
    In dieser Phase geht es lediglich um deine Selbstwarnehmung, nicht um Problembewältigung.

    Wenn du deine Ängste dann annehmen und zulassen kannst, was Dir jetzt sicher noch unvorstellbar erscheint, wirst Du die nötige Souveränität finden, um entspannter zu arbeiten und auch mit Fehlern umzugehen.
    Wo gearbeitet wird, werden auch Fehler gemacht.

    Uns auch in unseren Ängsten annehmen können, heißt uns selbst bejahen können. -- Alles Andere führt zu Selbstverneinung und Selbstbetrug, auch das davonlaufen und auf die gunst des Schicksaals hoffen, geht gerade deswegen leicht in die Hose. Weil wir Bedrohungen nicht akzeptieren, sondern ignorieren.

    Ich wünsche Dir Kraft, Mut und Gottvertrauen auf deinem Weg zu Dir selbst.

    Stehaufmänne

  • Hallo gelberose,

    1. Irrtum
    Diese Umschulung ist meine (so sehe ich es) letzte Chance, meine Zukunft und mein Leben auf die Reihe zu bringen.

    Lass es offen. Es ist eine von vielen Möglichkeiten. Nichts hängt davon wirklich ab, ob du es schaffst oder nicht, denn es geht immer irgendwie weiter und oft ist es so, dass wir Dingen nachtrauern, die für uns schlecht gewesen wären. Es wird klappen, dann ist es gut, oder es wird nicht klappen, dann ist es ebenso gut. Deine Zukunft, dein Leben ist nicht abhängig von deiner Umschulung.

    2. Irrtum
    Ich will alles perfekt und super toll machen.
    Gut ist gut genug. Du brauchst nicht noch besser zu sein und über das Ziel hinausschießen. Entspann dich, Liebes...du brauchst nicht perfekt zu sein. Du bist gut und alles andere ist auch gut so wie es ist.


    Wie kann ich lernen, auf die zeichen einer Überforderung zu achten?
    In dem du dich selbst liebst und liebevoll mit dir umgehst. Achte darauf, ob du müde wirst, dann gönne dir eine Pause, selbst eine 2-Minuten-Pause kann sehr viel bewirken. Du merkst selbst, wenn du in deiner Mitte stehst und du merkst, wenn du nicht mehr du selbst bist. Dann halte an, bleib stehen, atme tief ein und aus. Werde dir selbst bewusst!

    Wie werde ich ruhiger?
    Indem du dein Tempo drosselst. Mache bestimmte Dinge betont langsamer. Wenn du Fehler machst, bist du wahrscheinlich zu schnell und machst Flüchtigkeitsfehler. Bleib bei dir selbst und in deinem eigenen Tempo.


    Wie schaffe ich es, mich weniger unter Druck zu setzen?
    Dein Druck ist hausgemacht. In dir gibt es einen Aufpasser (ich schätze mal aus deiner Kindheit eine Stimme, die dich immer wieder ermahnt). Trenn dich von diesem Aufpasser, schick ihm die Kündigung! Er gehört nicht zu dir und in dein Leben, sondern hat sich einfach an dich gehängt und nun wirst du ihn nicht los. Also schmeiß ihn raus! Ruhig auch symbolisch indem du etwas, dass ihn für dich symbolisiert, im vollen Bewusstsein in die Mülltonne schmeißt. Klappe zu, Affe tot.


    Wie gewöhne ich mir neue Verhaltensmuster an, damit ich nicht so fixiert bin auf die Arbeit, sondern mich auch mal entspannt zurück lehnen kann?
    Indem du tief durchatmest, sobald du merkst, dass du in deine Fixierung fällst. Werde dir selbst bewusst und dem, was du tust. Konzentriere dich auf deinen Atem. Dein Atem ist immer bei dir. Er ist dein Freund, der dich beruhigt. Nach einigen bewusst ausgeführten Atemzügen dürftest du entspannter sein.


    Wie werde ich sorgfältiger?
    Indem du die Perfektion aufgibst und deine Aufmerksamkeit auf die aktuelle Tätigkeit legst und wenn diese beendet ist, auf die Nächste. Dort, wo deine Aufmerksamkeit hingeht, dort ist deine Kraft. Deine Aufmerksamkeit geht im Moment immer zur Angst vor dem Versagen und bündelt an dieser Stelle die Kraft. Du bist gut, so wie du bist und deine Arbeit ist gut, so wie sie ist. Verschwende keinen Gedanken an eine Angst.


    Ich denk an dich!

  • Danke, für eure lieben Antworten!

    Ach, wenn das alles so einfach wäre... Das Problem ist halt einfach, dass ich gar nicht merke, wenn ich in einer Fixierung bin! Das fällt mir dann meistens abends erst auf, wenn ich zu Hause bin und den Tag überdenke... Meint ihr, es würde etwas bringen, wenn ich mir (zumindest für den Anfang) eine Erinnerung im Handy stellen würde, das dann alle Stunde oder so anzeigt: Entspannen!!!! oder so? Damit ich mir das angewöhne?

    Lieder sehe ich das nicht als Irrtum, dass diese Umschulung meine letzte Chance ist.. Ich weiß, dass sie es ist.

  • Um deine Existenzangst psychisch verarbeiten zu können, mußt Du sie zulassen können. Sie in ihrer ganzen Bandbreite und allen Schattierungen wahrnehmen können.
    Das ist eine schwere und Ängste weckende Arbeit. Letztlich nichts Anderes als auch die Psychoanalyse in kleinsten Schritten leistet.
    Es ist mir also völlig klar, daß Du damit zunächst überfordert bist. Auch klarr ist, daß Du in deiner Freizeit Entspannung suchst und dazu Deine Ängste verdrängen mußt.

    Um Dich in kleinen Schritten an diesen ganzen Angstkomplex heran zu tasten, ist ausreichend "Langeweile" wichtig. Deine Ängste kommen von selbst hoch. Laß sie kommen und spühre sie und laß wieder los. Es geht zunächst nur darum, sie zu spüren und zuassen zu können. Andere Ängste werden sich dazu gesellen, auch Alte aus deiner Kindheit werden wieder aufsteigen.
    Vielleicht wärend einer Stunde beim Abendspaziergang und zwei Stunden am Samstag die Ängste kommen lassen. Es geht nicht darum auf Ablenkung völlig zu verzichten, denn diese brauchst Du anschließend, um wieder loslassen zu können.

    Deine Existenzangst wird nach und nach ihren Schrecken verlieren und irgendwann nur noch eine Alltagsanst sein, mit der Du dann auch umzugehen vermagst. Denn deine Ängste werden dabei nicht nur ansteigen, sondern auch verebben, bis Du nach und nach damit durch bist.

    Hüte Dich vor Medikamenten und Drogen, denn diese störren dein Angstempfinden. Damit trittst Du letztlich nur auf der Stelle und schaffst Dir nur noch schlimmere Probleme. Ich garantiere Dir, daß Du gegenwärtig hochgradig suchtgefährdet bist.

    Aber einen Psychotherapeuten suchen, mit dem Du über Deine Ängste reden kannst, und der Dich auf dem Weg deiner Angstwarnehmung begleitet, daß solltest Du schon jetzt. Vor Jannuar wirst Du bei einem einigermaßen Guten sowieso keinen Thermin bekommen, eher noch im April erst.

    Hole dir eine Überweisung zum Psychotherapeuten. Dann hole Dir eine Liste der Psychotherapeuten von deiner Krankenkasse und dann rufe sie schnellstens alle an. Hüte dich vor Psychiartern und ihrem medikamenten Klavier.

    Du kannst es ja mit einem Verhaltentherapeuten versuchen. Wenn Du grosses Glück hast, können diese Dir am schnelsten weiterhelfen. d.h. innerhalb der ersten 3 Monate sollte ein spührbahrer Erfolg da sein.
    Wenn nicht, suche Dir einen Analytiker, daß dauert dann etwas länger, aber letztlich können Alle Therapeuten nur Hilfe zur Selbsthilfe leisten und das heiß uns auch in unseren Ängsten warnehmen und annehmen zu können.

    Aus meiner sicht stehst Du an einem Wendepunkt, im Umgang mit dir selbst, der mindestens so wichtig ist, wie dein beruflicher Erfolg.

    Hab Mut zu Dir selbst und vertraue auf die heilsamme Wirkung der Warheit, was immer das auch heißen mag. Alles andere ist ein Trauerspiel.

    Mit meinen besten Wünschen, Stehaufmänne

  • Danke, Stehaufmänne!

    In Therapie bin ich bereits, aber irgendwie hab ich nicht das Gefühl, dass es mir hilft. Er sagt, dass alles auf meiner Vergangenheit beruht, dass meine ganzen Ängste darin begründet liegen, dass sie durch meine Eltern verursacht wurden und indem ich mir das bewusst mache, soll ich erkennen, dass es gar nicht meins ist, sondern eigentlich das meiner Eltern. Aber das hilft mir irgendwie nicht weiter... :confused_face:

    Weißt du, ich habe alle meine Energie und all meine Kraft in meinen jetzigen Weg gesteckt. Ich weiß einfach, dass ich für einen anderen keine Kraft mehr haben werde! Ich weiß, dass ich dann, wenn es jetzt nicht klappt, nicht mehr weiter, nicht wieder etwas neues machen kann. Daher bezweifle ich, dass es mir helfen wird, meine Ängste in der Art, wie du es beschrieben hast, zuzulassen, denn das wird mir keine Kraft geben. Oder doch? Ich weiß es nicht...

    Ich stehe seit über einem Jahr an einem Scheidepunkt, ich laufe an diesem Punkt hin und her und strebe nach vorne... ich sehe den Weg auch deutlich vor mir, ich erkenne die Schwierigkeiten und Hindernisse, die mir begegnen (werden), ich weiß was die Probleme sind und ich weiß, wie ich sie lösen kann. Und doch hab ich Angst, nicht die Kraft zu haben, die Lösungen nicht umsetzen zu können...

    Ach keine Ahnung, kann das irgendwie ganz schlecht beschreiben... Verstehst du trotzdem was ich meine?

  • Ich finde nicht das du eine gute Chefin hast wenn sie dir in der Ausbildung nach ein paar Fehlern mit Kündigung droht.

    Ist doch klar das du dich dann selber unter druck setzt. Mein Tipp:

    1.Nimm dir mehr zeit für die dinge die du zu erledigen hast, mache sie gewissenhaft und überprüfe sie mehrmals auf Richtigkeit. Niemanden ist geholfen wenn du dich durch den Tag hetzt und dich selber überforderst, dabei passieren immer fehler. Veränder deinen Arbeitsrhythmus und schalt einen Gang zurück.

    2.Im Arbeistleben findet man so gut wie nie optimale Bedingungen, (Ein Arsch ist immer da, haha) deswegen solltest du aber nicht bei den ersten Hindernissen aufgeben und alles in Frage stellen, genau an dem Punkt an dem du jetzt angekommen bist heisst es cool bleiben, Kritik annehmen, Strategie verändern und weitermachen. Erst wenn du diese Hürden genommen hast wird die Angst schwinden und der Glaube an dich stärker werden.

    3.Bedenke auch das der Chef nicht immer Recht haben muss und überprüfe ob derartige Aussagen eine Berechtigung haben oder nicht. Sei nicht zu schüchtern falls du dich ungerecht behandelt fühlst auch mal kontra zu geben (konstruktiv).

    4.Glaub ich nicht das da was schief gehen wird, denn in deinem post wird schnell deutlich das dir sehr viel an der Ausbildung liegt und Fleiss wird immer belohnt.

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