Suche andere Suchtkinder

  • Hallo liebe Alle,

    ich suche Menschen mit ähnlicher Lebensgeschichte zum Austausch.

    Meine Eltern haben seit ich Denken kann gekifft und es gab immer viel Streit und Gewalt in der Ehe (ich mitten drin), hab mir oft gewünscht sie würden sich scheiden lassen. Mein Bruder ist 12 Jahre älter als ich und ist schwer heroinsüchtig (>20 Jahre), mittlerweile seit knapp 10 Jahren obdachlos. Ich musste früh sehr viel Verantwortung für ihn bzw. seine Sucht übernehmen, durfte mit keinem drüber reden und natürlich hat man als Familie über 10 Jahre das volle Programm der Co-abhängigkeit durchgezogen (Entgiftung z.B. bei mir im Kinderzimmer, denn er ist die große Ausnahme die wir retten müssen). Das hat mein ganzes Leben bis ich ca. 25 war bestimmt und beeinflusst es auch heute noch, da mein Bruder keinen Kontaktabbruch seitens der Familie akzeptiert und unangemeldet auftaucht, Terror macht und manipuliert. Als ich klein war, war mein Bruder mein großes Vorbild und er hat mir stets erzählt was für ne tolle Zukunft auf uns wartet wenn ich groß bin, unsere Beziehung war sehr eng, das macht das Schicksal das wir beide tragen für mich doppelt schwer, wollte ich doch immer so werden wie er, war ich doch immer so enttäuscht wenn er meinen Geburtstag vergessen, seine Versprechen gebrochen hat. Es war hart als ich dann groß war und die Blase geplatzt ist. Auch heute ist da Hoffnung, trotz das einem völlig klar ist, dass das Hirngespinste sind (ich habe akzeptiert das es so ist wie es ist und ich nichts machen kann).

    Meine Eltern sind fest davon überzeugt, dass ich nun da mein Bruder nicht mehr kann den Generationenvertrag alleine zu erfüllen habe (dass das übergriffig ist, ist mir klar), lehnen professionelle Hilfe kategorisch ab (da versaut man sich nur das ganze Leben), was die Beziehung und alles weitere zusätzlich erschwert. Ich selber hab mir Hilfe mit Therapie gesucht nachdem ich eine PTBS erlitten hab, der Umgang ist seitdem noch schwerer, weil ich wie ein Zahnrad gegen das ganze Uhrwerk bin. Gerne würde ich den Kontakt abbrechen, schaffe es aber nicht weil mein Mietvertrag auf meine Eltern läuft (Student) und mein Gewissen es einfach nicht zulässt, ich sehe ihr Leid und alles was die mir angetan haben ist wie vergessen...

    Ich habe auch selbst Erfahrung mit Drogen aller Art, bin aber bis auf Cannabis abstinent und nicht abhängig. Irgendwie hab ich immer die Bremse gezogen, weil ich ja das schlechteste Beispiel vor der Nase hatte, ich wollte nie das jemand diesen Schmerz den ich fühle wegen mir fühlen muss, dazu kommt dass ich wohl Kontrollverlust nicht ertragen kann und mich daher auch niemals voll im Rausch fallen lassen/die Kontrolle abgeben konnte.

    Auch meine Partnerwahl ist geprägt von den Erlebnissen meiner Kindheit und ich suche mir immer Suchtkranke als Partner und gehe in der Co-abhängigkeit auf. Jetzt bin ich mit jemand zusammen der sagt er wolle jetzt Therapie machen und auch mit der Drogenhilfe in Kontakt ist. Ein Antrag wurde von seinem Psychiater ausgefüllt und so weit war mein Freund was das angeht noch nie, weshalb ich auch zögere mich zu trennen und würde gerne Mal wissen, ob es denn überhaupt ne Möglichkeit gibt die Beziehung zu heilen wenn beide an ihren Süchten (er die Drogen, ich die Coabhängigkeit) arbeiten oder ob "die Situation verlassen" stets die einzige Lösung sein muss?

    Wenn ihr ähnliche Geschichten habt: Wie schafft ihr es ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Wie konntet ihr mit der Sucht eurer Angehörigen und Partner umgehen, was hat euch bei der Bewältigung geholfen? Was sind eure Strategien euch nicht von der Vergangenheit einholen zu lassen und wie geht ihr mit akuten Krisen durch z.B. erzwungenen Kontakt um?

    Ich freue mich von euch zu lesen und Erfahrungen auszutauschen!

    Viele Grüße vom Suchtkind

  • Edit: Du musst kein Suchtkind sein um deine Erfahrungen hier zu teilen. Es soll um den Austausch ähnlicher Erfahrungen und Lebensrealitäten gehen

  • Hallo Suchtkind, ich will dir schon länger antworten, jetzt schaffe ich es endlich. Was bei mir ähnlich ist, dass ich mir immer Partner gesucht habe, die eine Suchterkrankung haben - warum kann ich mir nur teilweise erklären. Zum einen bin ich schon immer fasziniert davon gewesen (hört sich bescheuert an), seitdem ich "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gelesen bzw gesehen habe. Bestimmt hat es auch mit einem Helferkomplex zu tun. Meine erste längere Beziehung hatte ich mit 16, er war 21 und was ich anfangs nicht wusste, heroinsüchtig. Kiffen ja, aber das hab ich ja selbst ab und zu damals gemacht. Ich habe viel versucht, um ihn davon wegzubringen. Und viel ertragen. Das erste Mal getrennt habe ich mich kurz nach dem Abitur, als er mir nur einen Zettel dagelassen hatte, er sei mit einem Freund nach Amsterdam. Wir haben immer noch Kontakt gehabt, aber ich war während meines FSj viel am Party machen und mich auszuprobieren - in jeglicher Hinsicht. Nach dem FSj habe ich ein Jahr lang gejobbt und hatte eine Freundschaft plus Beziehung mit jemanden, der auch Heroin genommen hat - und ich dann auch. Nie gespritzt, aber abhängig war ich. Das ging ungefähr ein Jahr, dann habe ich entzogen daheim und das studieren angefangen. Und bin wieder mit meinem ersten Freund zusammen gekommen, der gerade Therapie gemacht hat. Wir sind danach zusammen gezogen. Nach paar Wochen war eigentlich klar, was wieder los war, aber ich musste erst die Bleche im Spülkasten finden... Nach dem er dann aber auch gewalttätig geworden ist, bin ich erst ausgezogen und habe mich dann getrennt. (am Rande, er ist erst komplett abgestürzt, dann nach bali ausgewandert und seitdem clean, wohnt jetzt mit seiner Frau von dort wieder hier).

    Der nächste Partner war mein Exmann, der teilweise viel gekifft hat und damals auch recht viel E-teile genommen hat bzw gekokst. Mit den Kindern bzw den Schwangerschaften habe ich alles sein lassen, er kiffte aber weiterhin. Was tatsächlich mit ein Trennungsgrund gewesen ist.

    Naja und der letzte Partner ist T, darüber brauch ich nix mehr sagen...

    Letztendlich habe ich mich dann erst getrennt, wenn mir wirklich massiv weh getan wurde - sei es psychisch und oder physisch. Es hat immer lange gebraucht, bis ich die Beziehungen aufgegeben habe. Allerdings habe ich ja auch immer wieder extrem Medikamente missbraucht, wer weiß, wie es ohne gewesen wäre.

    Dieser Medikamenten Missbrauch hat definitiv was mit dem lockeren Umgang meiner Eltern damit zu tun und dem prall gefüllten Medikamentenschrank. Meine Mutter ist definitiv low dose Diazepam abhängig gewesen, allerdings wurde das, wie so viel, unter den Teppich gekehrt.

    Erzwungenen Kontakt hatte ich vor allem bei meinem ersten Freund. Und ich habe mich verantwortlich für die Rückfälle gemacht. Was er mich aber teilweise auch fühlen lassen wollte. Mit jemandem sprechen hilft. Nicht nur mit Freunden, sondern mit jemandem vom Fach. Beratung für Angehörige oder einen eigenen Psychotherapeuten. Und dann aus Eigenschutz den Kontakt abbrechen bzw habe ich damals dafür gesorgt, dass er keinen mehr wollte. Ist schwer.

  • Wie schafft ihr es ein selbstbestimmtes Leben zu führen?

    Ich habe mich von dem Gedanken der heilen Familie einfach verabschiedet und mir eine neue Familie in Form eines Freundeskreises gesucht. Meine freunde sind meine Familie. Natürlich nicht das gleiche, aber da weiß ich, dass ich mich auf diese verlassen kann und dass diese immer zu mir stehen.

    Des WEiteren gab es irgendwann den Punkt in meinem Leben, in dem ich einfach beschlossen habe, dass ich nicht immer wieder angekrochen komme, wenn ich finanzielle Sorgen oder ähnliches habe. Ich will ihnen keine Rechenschaft schuldig sein und nicht so sein wie sie. Allein der Gedanke oder eher mein damaliges Mantra, dass ich auf keinen Fall werden will wie mein Vater, half mir so zu werden wie ich heute bin.

    Was sind eure Strategien euch nicht von der Vergangenheit einholen zu lassen und wie geht ihr mit akuten Krisen durch z.B. erzwungenen Kontakt um?

    Joa, kann ich dir keine richtige Lösung für sagen. War erst Samstag bei meinem Vater zum Geburtstag und danach auch durch, weil ich wieder mal feststellen musste, dass die dort ein Leben führen, welches ich mir nicht mehr vorstellen will und kann. Ich reduziere den Kontakt auf das Minimum, d.h. ich sehe die nur 1-2 Mal im Jahr. Und generell fahre ich auch meistens nicht allein hin und nehme meine Partnerin mit, die ein wichtige Stütze ist. Ansonsten kommt immer der Hund mit, der super dafür ist, Situationen verlassen zu können, "weil er sicher mal raus vor die Tür muss". Ich denke, jeder muss da seine individuellen Strategien finden und sich genau überlegen, ob Kontakt gut und vereinbar ist oder nicht. Und was mir auch hilft bei Kontakten, dass ich mir vorher immer wieder bewusst sage, dass ich nicht als Kind dahin fahre, sondern als eigenständige Person, damit ich nicht in die Rolle des Kindes zurückfalle und es zu nah an mich ran lasse.

    Naja, und eine Sache ist auch sehr hilfreich, aber das liegt auch an meinem Job- ich will in meiner Freizeit nicht arbeiten müssen. Ich bin Sozialarbeiterin und arbeite die ganze Woche mit Menschen mit psychischen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen. Wenn ich mich da noch in mein Familienleben mit all ihren Erkrankungen reinmischen würde, könnte ich mir gleich einen Platz in der Klinik reservieren und meinen Job nicht mehr lange ausüben.

  • Danke für eure Antworten Valeria77 und SoccerLady ! Ich kann mich in beiden eurer Antworten selber total wiederfinden und würde gern mehr darauf eingehen, aber ich stecke grade im absoluten Loch und kriege es nicht so hin, aber ich versuchs jetzt trotzdem...

    Ich hab mir immer diese Ersatzfamilie aus Freunden gewünscht, aber die meisten meiner Freunde haben sich umgebracht oder haben wegen meinem familiären Hintergrund und den Problemen damit den Kontakt abgebrochen oder es waren nie Freunde wie sich herausgestellt hat. Manchmal glaube ich, ich habe gar nicht das Recht auf wahre Freundschaft weil ich immer sehr gut Anschluss finde aber niemand mich näher in seinem Leben haben will, ich bin immer nur das 5. Rad am Ende. Ich hatte auch ne echt gute Art gefunden mit der Beziehung zu meiner Familie und meiner Vergangenheit umzugehen und war in dieser Zeit wirklich zufrieden. Ich hatte mich damit abgefunden dass mein Bruder nicht zu retten ist und meine Familie halt so ist. Ich hatte einen gesunden Abstand zu den Leuten und konnte mich von denen abgrenzen auch wenn ich dort zu Besuch war.

    Als 2021 mein Elternhaus abgebrannt ist weil mein Auto davor in die Luft geflogen ist, mein Vater mich dafür verprügelt hat und mein aktueller Freund mich monatelang emotional mit seiner Ex betrogen und terrorisiert hat habe ich Depressionen und diese PTBS bekommen. Es war wie der Tropfen der das Fass zum Überlaufen gebracht hat und der alles wieder hochgeholt hat, auch das wozu ich doch den gesunden Weg für mich gefunden hatte.

    Jetzt bin ich ein Jahr in Therapie. Antidepressiva helfen nicht. Spazieren, Sport und alles was sie einem sonst raten hilft nicht. Es ist als wär ich diesmal endgültig kaputt gegangen und jetzt steht die Diagnose komplexe PTBS im Raum... Seit 3 Wochen geh ich in ne Selbsthilfegruppe weil ich so verfickt einsam bin und niemand habe außer meinen Freund weit weg, der mich aber wegen seiner eigenen Sucht nicht unterstützen kann, weder finanziell noch emotional. Stattdessen wird er wütend und projiziert alles was ich im Bezug auf meine Depression usw. erzähle auf sich und macht es zum Problem statt Verständnis zu haben, wenn er dann zu viel konsumiert hat verwendet er meine Diagnosen auch gegen mich und nennt mich unnötigen, schlecht gelaunten Ballast oder schlimmer. Ich komme mir vor wie ein einziger Systemfehler. Ich hab in letzter Zeit oft den Gedanken dass ich einfach nur noch zu meiner Mama will, dabei ist das ja total absurd weil ich ja gerade von meiner Mutter da kein Verständnis bekommen würde. In der Gruppe sind alle mindestens 20 Jahre älter als ich (andere Gruppen entweder voll oder nicht existent), das ist an und für sich nicht schlimm, aber anfreunden werden die sich auch nicht mit mir, dafür ist die Gruppe ja auch am Ende nicht da. Ich hab versucht über Social Media Leute kennenzulernen, aber das ist verdammt komisch und geht ins Geld wenn man jedes Mal Kaffee trinken gehen muss und man kann ja jetzt auch nicht erwarten dass die meine neuen dicken Freunde werden wollen, die haben ja alle schon ihre dicken Freunde, noch dazu sind das ja 'normale' Leute und mit denen werd ich meistens nicht warm, warum weiß ich auch nicht.

    Ich könnte echt mal ne Umarmung gebrauchen oder jemand der sich einfach mit mir unterhält aber aktuell ist halt das höchste der Gefühle dass meine Therapeutin mit mir redet, also redet man nur mit mir gegen Bezahlung und das ist grade echt scheiße. In der Selbsthilfegruppe bekommt man auch kein Feedback, weil kommentieren dort verboten ist. Ich möchte auch meine Entscheidungen gar nicht von anderen abhängig machen aber fühle mich so verloren und komme mit meinen Selbstgesprächen einfach nicht mehr weiter. Der Mensch das soziale Wesen und so...

    Jemand nen Tipp wie man aus sowas ganz alleine wieder rauskommen soll oder was ich noch versuchen könnte?

  • Meine Mutter war vor meiner Zeit süchtig. Vieles ist unklar in ihren Erzählungen weil sie diese Jahre ihrer Geschichte komplett nicht thematisiert.
    Mein Onkel ist süchtig. Mein Opa war Alkoholiker. Meine Oma war schwierig. Meine Mutter ist es für mich auch. Meine Mutter würde sagen, wir sind starke Persönlichkeiten. Ich sehe da viel Leid, Verletzungen, aber sicher auch Stärke. Sie alle funktionieren bzw. funktionierten in der Gesellschaft bis auf mich. Die erste die Therapie macht. Weil der Scherbenhaufen eigentlich gar nicht meiner ist.

  • lemon dann geht es dir ja ähnlich wie mir. Ich hab funktioniert bis das Fass dann bei dem Unfall bzw. dem scheiß im Nachgang übergelaufen ist. Danach kam erstmal viel Chaos, Konsum und Stillstand was mich betrifft, funktioniert hab ich weiter da wo es darum ging die Schäden wiedergutzumachen. Als das erledigt war folgte Leere, alles war wieder hergestellt außer ich und keinen kümmerte es und mich irgendwie auch nicht mehr. Dann kam der Punkt wo auch ich mich als erste in der Familie dazu entschieden hab in Therapie zu gehen und jetzt merke ich zum ersten Mal was da eigentlich alles los war und wie das teilweise mein Denken und Verhalten heute nicht zwingend begründet aber doch verständlicher macht.

    Würdest du sagen das die Therapie im Bezug auf den Scherbenhaufen dir was bringt?

    Ich hab schon das Gefühl, dass es einem den Kopf etwas zurecht rückt um nicht komplett abzusaufen, aber ich merke halt schon wie sehr alles was ich in der Therapie lerne und versuche umzusetzen mit meinem Umfeld in Konflikt gerät und es echt schwierig wird sobald meine Versuche nicht mehr nur konkret mich allein betreffen und es fällt mir schwer damit umzugehen

  • Ich mach seit mehr als 15 Jahren Therapie. Es macht, dass ich irgendwie in dieser Welt zurecht komme, trotz der Traumata. Den Kopf zurecht rücken klingt für mich eher toxisch. Das klingt wie Glaubenssätze, die ich vermittelt bekommen habe. Denk nicht so. Stell dich nicht so an. Du bist nur zu sensibel. etc. Oder deine Gefühle sind falsch. Und so weiter.

    Therapie ist für mich einerseits ein Versuch mich an die Gesellschaft anzupassen, muss ich doch zugeben. Ich möchte ein Teil davon sein, denn ganz im abseits ist es einsam und man braucht ein dickes Fell, andererseits ist Therapie auch meine Individualität nicht verlieren und mich annehmen können.

    Ja das Umfeld findet es nicht so lustig, wenn man das System ins wanken bringt und sie sich und ihre Muster infrage gestellt sehen. Das ist auch so, dass ich dann an Punkte komme, wo gemeinsame Zeit nicht möglich ist, weil die Wünsche im Umgang miteinander nicht übereinstimmen oder Kompromisse nicht möglich sind. Ist aber auch nicht immer so leicht so konsequent dann zu sein und für sich zu sorgen.

  • Hallo Suchtkind und lemon, tatsächlich habe ich es ähnlich wie ihr erlebt. Meine Mutter ist lowdose abhängig von Diazepam gewesen und hatte mit Depressionen und einer Angststörung zu kämpfen. Aber laut ihr war es normal, dass es Tage gibt, an welchen man nicht in der Lage ist einkaufen zu gehen oder Sbahn zu fahren. Es war auch normal, tagelang nicht mit seinen Kindern zu sprechen, sich ins Schlafzimmer einzusperren oder abzuhauen. Mein Vater hat manchmal versucht ihr Verhalten aufzufangen, manchmal gab er in seiner Verzweiflung uns die Schuld. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass er Autist gewesen ist und selbst stark gelitten hat. Beide sind ohne Vater aufgewachsen, haben ungute Beziehungen zur Mutter gehabt. Aber nach außen hin sollte alles normal sein. Es war eine Katastrophe, als offensichtlich wurde, dass ich massiv Bulimie mit anorektischen Phasen hatte. Und Therapie machte. Noch schlimmer war es, als klar war, dass ich abhängig bin. Ich war halt der Komische der Familie, schuld hatte der Freundeskreis. Es bringt das ganze System ins wanken, wenn ein Teil Veränderung möchte. Egal wie krank dieses System ist.

  • lemon ja stimmt schon, den Kopf zurecht rücken ist wohl nicht der richtige Begriff. Ich tue mir auch echt schwer zu benennen was mir die Therapie bringt und meinte damit wohl dass es mir hilft nen anderen Blick auf die Dinge zu bekommen wenn ich in meinem Negativstrudel hänge und ich dadurch etwas stabiler bin. Konsequent für mich und meine Bedürfnisse einzustehen macht mir auch Probleme im Umgang mit meinen Mitmenschen, ich bin oft zu kompromissbereit und lasse dann doch wieder mit mir machen.

    Valeria77 Same, meine Mum hat so viele Dinge nicht mit mir gemacht, weil es ja wegen Schmerzen (oder weil man zu auf der Couch hing) nicht ging, aber offiziell natürlich alles normal und man hat angeblich sehr viel mit mir gemacht. Ich hab es bisher nicht geschafft meine Eltern mit meinen Problemen zu konfrontieren, bisher waren die immer sauer wenn ich mit irgendwas gekommen bin anstatt Verständnis zu haben. So hab ich auch meinen Heroinentzug komplett alleine hinter mich gebracht, ich war überzeugt das ich meinen Eltern nicht das gleiche antun darf wie mein Bruder es gemacht hat, also dachte ich, ich muss das heimlich machen. Auch jetzt kann ich auf keinen Fall erzählen das ich Therapie mache, weil das einfach nur zu extrem viel Stress und Unverständnis führen würde. Ich glaube es würde meine psychischen Probleme verschlimmern, weil sie jeden Tag infrage gestellt und runtergemacht werden würden, ganz nach dem Motto: Wenn du schon Therapie brauchst, was bräuchten denn dann wir? Noch dazu müsste ich befürchten, dass sie mich heim holen wollen. Das wollen sie immer und dann hätten sie ja nen super Grund zu sagen das ich ja gar nicht selbstständig alleine leben kann und was ich gut und richtig für mich finde war eh schon immer Quatsch. Und trotz das ich das alles weiß tut es mir so weh nicht mit ihnen drüber reden zu können, weil ich es mir anders wünsche und mir selbst als Halt aktuell nicht reiche.

  • Invalidierungen, also etwas wahrnehmen, aber die Wahrnehmung wird abgesprochen, kenn ich gut. "es ist alles gut" "ich bin gar nicht wütend" "du bist nur etwas sensibel" "denk doch nicht so negativ"

    Wenn die eigenen Gefühle nicht stimmen dürfen. Nicht da sein dürfen. Das macht, dass man an sich selbst zweifelt. Das man gar nicht weiß was mit einem selbst los ist und wohin mit dem was in einem los ist.

    Man bekommt beigebracht statt mit Gefühlen umzugehen, muss man sich ablenken. Das ganze weg schieben. Und da ist dann die Basis zur Sucht.

  • Ich hab mich gestern getrennt. Am Dienstag ist was passiert womit ich nicht zurecht komme und erst Recht nicht wie mit der Sache und mir im Anschluss umgegangen wurde. Es war echt was ernstes, nicht gegen mich gerichtet, aber er hat mir die Verantwortung dafür übergeben indem er es mir erzählt hat. Er wollte abends nicht drüber sondern sich am nächsten Tag melden. Er hat sich nicht gemeldet. Er hat erst reagiert als ich ihm schrieb, dass ich seine Familie kontaktieren muss. Er sagte wieder morgen hätte er Zeit zu sprechen. Gestern wollte er dann anrufen während ich Therapie hab, als ich ihm sagte das ich keine Zeit hab ist er direkt wieder wütend geworden, er könne dann nur jetzt sofort, weil er sich mit Freunden treffen will. Das war 8 Minuten bevor ich los musste, also hab ich angerufen und erklärt dass sowas und sein Verhalten nicht gehen und er jetzt endlich dafür Verantwortung übernehmen muss. Er hat mich nur angeschrien und gar nicht gehört dass ich Schluss mache. Dann noch ein paar Nachrichten hin und her in der S Bahn, in denen er mich unter Druck setzt wenn ich seine Familie kontaktiere dann kontaktiert er meine Eltern und erzählt von meiner psychischen Gesundheit usw. Als ich eingeknickt bin und meinte dass ich seine Familie nicht kontaktiere und es das jetzt für mich war hat er geantwortet dass ich nun seine Familie informieren darf, denn es wäre nur ein Test gewesen ob man mir vertrauen kann.

    Bisher haben alle persönlichen Kontakte die ich um Stütze bitten kann abgelehnt. Ich habe mit niemandem bisher sprechen können, es geht mir katastrophal und seit heute Nacht um 3 Uhr kann ich nicht aufhören zu weinen. Ich bin co-abhängig und es fühlt sich für mich so falsch an, als hätte ich ihn im Stich gelassen und mein Leben ruiniert. Wir wollten es doch schaffen aber wie soll das gehen wenn es diese massiven Aussetzer gibt, ich hab echt Angst das irgendwann doch was schlimmes passiert und ich mache mir so krasse Sorgen um ihn. Er ist alles für mich und jetzt hab ich alles ruiniert weil ich kein Verständnis für ihn habe. Ich war in der Beziehung allein und jetzt bin ich es umso mehr, seine Freunde waren auch vor der Beziehung meine, aber jetzt gilt Bro vor Hoe. Zu meiner Familie kann ich logischerweise auch wie immer nicht gehen.

    Ich hab so die Schnauze voll davon immer alleine da zu stehen und andersrum ausgenutzt zu werden wenn es bei anderen brennt.

    Wie soll ich das alles nur alleine schaffen?

  • Du hast nen Therapeuten? Rede mit dem dadrüber. Auch hier kannst du dir Luft machen. Vllt findet sich ja doch ne Freundschaft die besteht, wo du reden kannst? Jemand von vor der Beziehung? Jemand der dir mehr gesonnen ist? Du fühlst dich jetzt alleine und das ist auch verständlich, aber eine Beziehung ist nicht alles. Du wirst neue Kontakte finden. Es ist nur traurig dass du jetzt niemanden hast um den Liebeskummer zu verarbeiten und die Beziehung.


    Was ich aber noch bemerken möchte: Was ist das für ein scheiss zu behaupten dich zu testen. Ob nun tatsächlich oder nur behauptet. Das geht gar nicht!

    Ich wünsche dir dass du diese Zeit gut rum kriegst und neue Wege gehen kannst! Vllt ist das auch gut so wie es gelaufen ist und du nicht noch mehr in diese toxische Beziehung rein geraten bist. Eine Enttäuschung ist auch immer das Ende einer Täuschung. Es hat zwei Seiten. Es ist traurig und gleichzeitig bist du jetzt aber frei von der co Abhängigkeit. Und nur noch für dich selbst verantwortlich.

  • Danke dir!

    Eine Therapeutin, ja, er hat mich vor ca. einem Jahr dazu überredet, ironisch oder? Ich bin ja letzte Woche direkt zu ihr gefahren nach dem Telefonat und hab ihr einfach diesen Chatverlauf vorgelesen und halt alles erzählt, heute war dann natürlich mein Liebeskummer Thema.

    Ich hatte 8 Minuten für ein Gespräch mit ihm nachdem er 2 Tage gar nicht über diesen Aussetzer reden wollte. Das Zeitfenster wo er telefonieren wollte hat mit meinem Termin nicht gepasst, er hat mich angeschnauzt er könne ansonsten nur jetzt wegen Freizeitgestaltung, also hab ich halt die 8 Minuten genommen. In den Nachrichten danach hab ich ihm auch gesagt dass ich mir ein vernünftiges Gespräch ohne Zeitdruck gewünscht hätte und das er sich jetzt entscheiden soll ob er Verantwortung für den scheiß übernehmen will oder halt nicht und ich weg bin. Er meinte er würde das tun, aber ich habe seitdem nichts mehr von ihm gehört. Mit Trennung zu drohen ist sein typisches Mittel in Konflikten, ich befürchte er nimmt die tatsächliche Trennung jetzt nicht Mal ernst und denkt es läuft wie immer. Das er auch nach seinem Aussetzer da am Telefon von vornherein angepisst und genervt war finde ich auch schwierig. Man baut doch keine scheiße und ist hinterher noch pampig, oder? Und selbst wenn er sich jetzt nen Platz sucht oder auf ne Warteliste kommt, wie will er denn richten dass er nur Mal sehen wollte ob ich ihm vertraue/glaube? Ich komme darauf immer noch nicht klar.

    Ich mach jetzt seit einer Woche das komplette Trennungsprogramm und es ist wirklich sehr schlimm. Mir ist schon klar dass das alles auch normal ist, aber irgendwie ist es heftiger. Entweder liegt es daran dass ich sowieso Depressionen und PTBS hab oder es liegt daran dass ich wirklich dachte das ich mit ihm mein Leben verbringen will, das war ein neues Gefühl für mich. Ich komme auch nicht besonders gut damit klar dass der "richtige Abschluss" fehlt, weil er scheinbar nicht Mal das Zeug hat sich dem Gespräch zu stellen und es wenigstens ordentlich zu beenden. Ich habe das Gefühl er lässt es jetzt im Sand verlaufen und Mal ehrlich, wer über eine Woche Überlegungszeit braucht, der hat sich doch längst entschieden oder?

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