Hallo liebe Alle,
ich suche Menschen mit ähnlicher Lebensgeschichte zum Austausch.
Meine Eltern haben seit ich Denken kann gekifft und es gab immer viel Streit und Gewalt in der Ehe (ich mitten drin), hab mir oft gewünscht sie würden sich scheiden lassen. Mein Bruder ist 12 Jahre älter als ich und ist schwer heroinsüchtig (>20 Jahre), mittlerweile seit knapp 10 Jahren obdachlos. Ich musste früh sehr viel Verantwortung für ihn bzw. seine Sucht übernehmen, durfte mit keinem drüber reden und natürlich hat man als Familie über 10 Jahre das volle Programm der Co-abhängigkeit durchgezogen (Entgiftung z.B. bei mir im Kinderzimmer, denn er ist die große Ausnahme die wir retten müssen). Das hat mein ganzes Leben bis ich ca. 25 war bestimmt und beeinflusst es auch heute noch, da mein Bruder keinen Kontaktabbruch seitens der Familie akzeptiert und unangemeldet auftaucht, Terror macht und manipuliert. Als ich klein war, war mein Bruder mein großes Vorbild und er hat mir stets erzählt was für ne tolle Zukunft auf uns wartet wenn ich groß bin, unsere Beziehung war sehr eng, das macht das Schicksal das wir beide tragen für mich doppelt schwer, wollte ich doch immer so werden wie er, war ich doch immer so enttäuscht wenn er meinen Geburtstag vergessen, seine Versprechen gebrochen hat. Es war hart als ich dann groß war und die Blase geplatzt ist. Auch heute ist da Hoffnung, trotz das einem völlig klar ist, dass das Hirngespinste sind (ich habe akzeptiert das es so ist wie es ist und ich nichts machen kann).
Meine Eltern sind fest davon überzeugt, dass ich nun da mein Bruder nicht mehr kann den Generationenvertrag alleine zu erfüllen habe (dass das übergriffig ist, ist mir klar), lehnen professionelle Hilfe kategorisch ab (da versaut man sich nur das ganze Leben), was die Beziehung und alles weitere zusätzlich erschwert. Ich selber hab mir Hilfe mit Therapie gesucht nachdem ich eine PTBS erlitten hab, der Umgang ist seitdem noch schwerer, weil ich wie ein Zahnrad gegen das ganze Uhrwerk bin. Gerne würde ich den Kontakt abbrechen, schaffe es aber nicht weil mein Mietvertrag auf meine Eltern läuft (Student) und mein Gewissen es einfach nicht zulässt, ich sehe ihr Leid und alles was die mir angetan haben ist wie vergessen...
Ich habe auch selbst Erfahrung mit Drogen aller Art, bin aber bis auf Cannabis abstinent und nicht abhängig. Irgendwie hab ich immer die Bremse gezogen, weil ich ja das schlechteste Beispiel vor der Nase hatte, ich wollte nie das jemand diesen Schmerz den ich fühle wegen mir fühlen muss, dazu kommt dass ich wohl Kontrollverlust nicht ertragen kann und mich daher auch niemals voll im Rausch fallen lassen/die Kontrolle abgeben konnte.
Auch meine Partnerwahl ist geprägt von den Erlebnissen meiner Kindheit und ich suche mir immer Suchtkranke als Partner und gehe in der Co-abhängigkeit auf. Jetzt bin ich mit jemand zusammen der sagt er wolle jetzt Therapie machen und auch mit der Drogenhilfe in Kontakt ist. Ein Antrag wurde von seinem Psychiater ausgefüllt und so weit war mein Freund was das angeht noch nie, weshalb ich auch zögere mich zu trennen und würde gerne Mal wissen, ob es denn überhaupt ne Möglichkeit gibt die Beziehung zu heilen wenn beide an ihren Süchten (er die Drogen, ich die Coabhängigkeit) arbeiten oder ob "die Situation verlassen" stets die einzige Lösung sein muss?
Wenn ihr ähnliche Geschichten habt: Wie schafft ihr es ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Wie konntet ihr mit der Sucht eurer Angehörigen und Partner umgehen, was hat euch bei der Bewältigung geholfen? Was sind eure Strategien euch nicht von der Vergangenheit einholen zu lassen und wie geht ihr mit akuten Krisen durch z.B. erzwungenen Kontakt um?
Ich freue mich von euch zu lesen und Erfahrungen auszutauschen!
Viele Grüße vom Suchtkind