Freund hat Pornosucht vor mir verheimlicht, großer Vertrauensbruch, Beziehung auf der Kippe

  • Hallo zusammen, ich (27, w) bin seit 8 Jahren in einer Beziehung und leben seit 3 Jahren mit meinem Freund zusammen. Von häuslicher und psychischer Gewalt über Vertrauensbrüchen bis jetzt zur Verheimlichung seiner Pornosucht, haben so ziemlich alles Mögliche durchgekaut.

    In den letzten Jahren habe ich mich so viel mit mir selbst beschäftigt und an meiner persönlichen Weiterentwicklung gearbeitet. In meinem Körper fühle ich mich so wohl wie noch nie und ich lerne mich jeden Tag immer wieder aufs Neue kennen.

    Mein Partner ist sehr "verkopfter", überdenkt vieles und schleppt Probleme mit sich mit. Über Jahre hinweg habe ich ihm Mut gemacht und Halt gegeben, die Dinge anzustreben, die er sich zutiefst wünscht.

    Während ich in guten Verhältnissen aufgewachsen bin (meine Probleme beseitige ich immer lächelnd mit einem Lösungsweg), stellte man ihm oft Barrieren in den Weg, was ihn lebenslang einschüchterte. Durch mich ist er offener geworden und für mich waren seine Spielsucht und das Rauchen von Gras, das er mir offenbarte, auch nie ein Problem gewesen. Er beklagte sich immer darüber, wie wir aufeinander hocken (wir sehen uns max. 3 Stunden am Tag, da wir beide im HO arbeiten). Niemals habe ich ihn dafür verurteilt.

    Durch Zufall erwischte ich ihn vor 1 Woche dabei, wie er sich mehrmals täglich (auch nachts, wenn ich im Nebenzimmer schlafe und nichts bemerke) zu Mio. von nackten Frauen einen runterholt und sich sich an der fragwürdigen Pornoindustrie begnügt. Ich ahnte wirklich nichts und hatte damit überhaupt nicht gerechnet.

    Eine Welt in mir ist zusammengebrochen. Er hatte tatsächlich die Dreistigkeit mich über Jahre gezielt nicht über seine Pornosucht zu informieren. Vor Jahren hatten wir das gleiche Thema schonmal, wo ich ihm klipp und klar sagte, dass mich das verletzt und ich mir wünschen würde, dass es nicht Teil unserer Beziehung ist. Dennoch schaute er. Auch wenn es mir wehtat, habe ich ihm den Freiraum gegeben.

    Den Sex mit mir lehnte er ab und ich fragte mich ständig, ob das nicht an seinem täglichen Arbeitsstress liegen könnte oder er sich nicht selbst wieder zu viel Druck macht. Als ich ihm meine Essstörung anvertraute, hatte er viel herabwürdiges zu sagen. Inzwischen habe ich sie besiegt und jetzt verlangt er von mir vollstes Verständnis gegenüber seinem Problem.

    Lange war ich der "People Pleaser" und jetzt, wo ich mich immer mehr mit mir selbst beschäftigt habe, dulde ich das nicht mehr. Ich kenne meinen Wert und meine Großzügigkeit wurde leider oft ausgenutzt. Doch ich gebe weiterhin sehr gerne und habe ein großes Herz für Menschen, die selbst eine harte Zeit durchmachen.

    Als ich völlig außer mir war, ihn mit Vorwürfen anschrie vor lauter Schock, wurde er wieder handgreiflich mir gegenüber (jetzt das 5. Mal) und beleidigte mich. Auch diesbzgl. hatten wir Vereinbarungen getroffen, dass wir das sein lassen, an die er sich oft nicht hielt. Gewalt und Beleidigungen sind echt nicht nötig, auch nicht in hitzigen Situationen in einer liebenden Beziehung. Er versteht nicht, dass er mich wie Dreck behandelt, meine Unwissenheit für sein Vergnügen ausnutzt und mich dabei gefangen hält in meiner Entscheidungsfreiheit und Sexualität. Fremdgehen war für uns beide immer ein No-Go, doch das fühlt sich für mich genau so an, egal ob die herrschende Meinung das anders sieht.

    Der digitale Wandel ist real, VR-Beziehungen werden relevanter und Pornosucht ist eine anerkannte Krankheit. Fremdgehen ist lange nicht mehr der ledigliche Körperkontakt zu jemanden. In der Psychologie betrifft die menschliche Sexualität immer den ganzen Menschen (Körper, Seele und Geist). Pornos sprechen ganz gezielt emotionale Bindungsbedürfnisse an und binden den Konsumenten an sich. Frauen in Pornos suggerieren (und das oft nicht freiwillig) dem männlichen Zuschauer "Ich zeige mich dir nackt, entblöße mich und stehe dir komplett zur Verfügung." Dadurch bekommen Männer ein Gefühl von Vertrautheit, Macht und Kontrolle.

    Über das Thema Pornosucht habe ich mich reichlich informiert und weiß, dass diese Beziehungen zerstören, wenn nicht offen über die Grenzen eines Einzelnen klar gesprochen wird. Meinem Freund sind diese ganzen Auswirkungen definitiv nicht bekannt und er hat sich mit seinen Halbwahrheiten und meiner versuchten offenen Haltung dem Thema gegenüber einen Weg durchgegraben. Er teilte mir mit, dass ihm die Pornos dabei helfen Stress abzubauen, er es aus Langeweile mache und ich Minderwertigkeitskomplexe hätte. Eben das sind u.a. die Klischees, die Pornosüchtige erfüllen. Sie stürzen sich selbst in den Stressspirale hinein, bekommen nicht genug davon, sodass sie der bunten Pornowelt nicht mehr entkommen. Am Ende des Tages sind sie noch mehr gestresst und überfordert als vorher. Ein Teufelskreis.

    Es ist einfach, die Freundin zu beschuldigen, sie würde ihm nicht genug Freiraum geben, wo es doch eigentlich an seiner eigenen Eingeschränktheit im Denken liegt. Ich nutze meine Zeit sinnvoll und kämpfe für meine Zukunftspläne und bin damit meines eigenen Glückes schmied. Indem er seine eigene Zeit nicht effektiv nutzt, gräbt er sich selbst in die Grube, solange er sich darüber nicht im Klaren ist.

    Inzwischen ist er in der 2. Woche seiner Suchttherapie und hat sich auch sofort darum gekümmert, was ich gut finde. Einsicht über sein Verhalten zeigt er und findet es selbst nicht richtig. Verständnis für meine Gefühle bringt er jedoch nur halbwegs mit. Er sieht es nicht als Fremdgehen an. Ich schlug vor, wie er es finden würde, wenn ich Camsex mit jemanden betreiben würde. Seiner Meinung nach vergleiche ich da Äpfel mit Birnen und das sei ja viel interaktiver, als wenn er sich die einseitigen Filmchen anonym anschaut. Die herrschende Meinung sagt auch hierzu, dass es sich bei Camsex nicht um Fremdgehen handelt. Und nun? Seine Grenze liegt zwar woanders, doch hier ist es egal was die Gesellschaft sagt oder wie man nun selbst dazu steht, solange man den Partner nicht hintergeht und sich den Bedürfnissen seines Seelenverwandten hingibt. Alles ist relativ und der Mensch selbst bildet mit seiner Verletzlichkeit und Hingabe das Vertrauen zu jemanden. Das Gleiche bekam er schließlich auch von mir, sonst würde ich jetzt auch einfach Camsex mit jemandem machen.

    Ihm passte es nicht, wenn ich mit meinen männlichen Freunden gesprochen habe und war der Auffassung, ich würde flirten, wenn ich lache, was überhaupt nicht meine Intention ist. Selbst das habe ich beherzigt und verhalte mich seither diskreter anderen Männern gegenüber, um ihn nicht zu verletzen. Ich könnte jetzt noch viele weitere Beispiele auflisten, die einfach seine Ansichtspunkte überhaupt nicht rechtfertigen. Jedenfalls verlangt er vieles von mir, was zwar seinen Prinzipien entspricht, er sie jedoch selbst nicht auslebt.

    Für 3 Nächte bin ich zu meinen Eltern geflohen, da ich in seiner Gegenwart meinen Alltag nicht mehr bewältigen kann. Sobald ich wieder etwas ahne bekomme ich ein Gefühl in mir, die Panikattacke geht los (Tränenausbruch, Atemnot, Hände kribbeln und werden taub, Umfeld kommt mir sehr fremd vor, Angst). Ich wurde paranoid und habe ihn belauscht, bin 1x an sein Handy gegangen um Verläufe zu checken und das war keine gute Idee, da ich entdeckte, dass er ne halbe Stunde zuvor auch wieder heimlich masturbierte. Das Ganze habe ich ihm sofort mitgeteilt, weil mir das einfach überhaupt nicht ähnlich sieht und mir selbst nicht gefällt.

    Er möchte mit mir reden, obwohl wir uns darauf geeinigt haben, dass er mich mal aufatmen lässt, weil ich einfach so einen riesen Schmerz empfinde, allein schon wenn er in meiner Nähe ist. Der Ausflug zu meinen Eltern hat mir wirklich sehr geholfen. Sobald ich jedoch wieder zu Hause bin, wird es mir total schwer fallen, mich zusammenzureißen, wenn er wieder mal seine Tür vor mir abschließt (was er auch immer machte und ich dachte mir nichts dabei. Meine Tür stand jedenfalls immer offen für ihn.) Ich fragte ihn mal, wann er sich jemals entspannt fühlt in seinem Zimmer und wie ich ihm mehr Freiraum geben kann. Daraufhin sagte er, dass wohl doch alles eher in seinem Kopf stattfindet und ich eigentlich nicht wirklich störe.

    Ich sagte ihm erneut, dass ich Pornos nicht in meiner Beziehung haben möchte, wodurch er sich unter Druck gesetzt fühlt und meinte, ich solle ihm keine Ultimaten stellen. Doch hatte ich eine Wahl, über etwas Bescheid zu wissen, dass mich täglich an eine illusionäre Beziehung glauben lies? Dass er mich so hintergangen hat und dann noch die Frechheit besitzt mir zu sagen, dass ihm angeblich an unserem Sexleben nichts fehlen würde, er mich liebt und sexy findet, ich immer noch die Frau bin, die er heiraten und immer als Erstes wählen würde, widerspricht seinen Verhaltensmustern und Aussagen. Er hat damit einen großen Vertrauensbruch verursacht, sodass ich alles hinterfrage und Dinge, über die ich hinweg gesehen habe nun ernst nehme. Ihm fehlt ganz klar etwas in unserer Beziehung, dessen er sich selbst nicht bewusst ist, da er seine Bedürfnisse hinten anstellt. Generell ist er nicht sehr kommunikativ.

    Wir beide möchten unsere Beziehung retten. Doch dafür brauche ich viel Zeit ihm wieder Vertrauen zu können. Schließlich wollte ich diesen Mann heiraten und Kinder bekommen. Er meinte auch, dass er mir das für immer verheimlicht hätte, wenn er die Chance gehabt hätte, was noch tief in mir sitzt. Wie kann ich so einem Menschen nur verzeihen? Ich möchte ihn nicht darauf reduzieren, denn er bringt sehr viele wundervolle Seiten mit sich. Doch in ihm steckt ein Kind, das seine quälenden Gedanken mit ins Erwachsenenalter geschleppt hat und sich davon noch nicht befreien konnte. Es fehlt ihm an Aufklärung (über Frauen weiß er wenig und er ekelt sich vor meiner Periode). Meiner Meinung nach, kann es dennoch ein Neuanfang für uns bedeuten. Zumal der Austausch unserer sexuellen Bedürfnisse uns auch immer ein besseres Sexleben beschert hat.

    Ist euch Ähnliches widerfahren? Wie seid ihr damit umgegangen? Gibt es Hoffnung? Über einen Austausch würde ich mich sehr freuen! :red_heart:

  • Normal würde ich mich wirklich näher auf dieses Thema einlasen, aber nur ein Detail hindert mich daran:

    häuslicher und psychischer Gewalt

    und

    wurde er wieder handgreiflich mir gegenüber (jetzt das 5. Mal)

    Scheinbar ist er wirklich ein absoluter Suchtmensch, wenn man alle von dir aufgeführten Suchtstrukturen bedenkt.

    Da könnte man wirklich auch ansetzen, aber deine Geschichte lässt mich absolut zweifeln, ob da irgendwas zu retten ist.

    Nach mehrmaligen Gewalthandlungen ist einfach für mich der Ofen aus!

    Worauf möchtest du denn bauen?

    Er begibt sich von einer Sucht in die Nächste, wenn er deinen Argumenten oder Vorwürfen nicht standhält, schlägt und/oder beleidigt er.

    Es mag toll sein, wenn er nun eine Therapie macht, aber mal ganz ehrlich, die ist doch nur zu deiner Beruhigung.

    Manchmal hilft nur eine Trennung und das ist nach deinen Erzählungen meiner Meinung absolut gegeben.

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