Mir hat sie geholfen...

  • Hallo an euch alle!

    Immer wieder höre und lese ich von vielen: "Eine Therapie? Neee, das kommt für mich nicht in Frage. Ich öffne mich Fremden nicht / der kann mir eh nicht helfen / was soll ein Fremder denn schon tun?!" usw. Dazu kommen immer wieder negative Erfahrungsberichte, die diese Haltungen verstärken. Deswegen denke ich, dass es mal an der Zeit wird, einen anderen Erfahrungsbericht zu verfassen.

    Meine Geschichte und was ich alles erlebt habe, wissen hier inzwischen fast alle. Für die, die es noch nicht wissen, eine kurze Zusammenfassung:
    jahrelange psychische Misshandlung meiner Eltern, extremes Mobbing in der Schule, mit 16 Vergewaltigung und anschließender heimlicher Abtreibung, SVV, Bulimie, Erkrankung an multipler Sklerose, ca. 12.000€ Schulden durch sogenannte "Freunde", immer wieder belogen, betrogen, hintergangen und enttäuscht worden, mit 19 Suizidversuch. Aber eine Therapie kam auch für mich nie in Betracht. ich habe da irgendwie nie dran gedacht, weil ich meine Probleme nicht als etwas sah, dem man entgegen wirken sollte, ich dachte, ich hätte es verdient, dass es mir mies ging. Und auch von meinem Umfeld kam nie eine Therapie.
    Vor über einem Jahr kam dann eine für mich sehr schmerzhafte Erfahrung, die mich beinahe wieder zerstört hätte. Durch Berichte im Forum und Gespräche mit einem mir sehr wichtigem Menschen (der heute mein Freund ist) erkannte ich, dass ich etwas tun muss, dass ich so nicht weiter machen, sondern einfach endlich mal glücklich sein. Und ich erkannte auch, dass ich das alleine nicht schaffe. Und so entschloss ich mich zu einer Therapie. Zwar mit dem festen Wilen, aber auch mit einer gehörigen Portion Misstrauen.
    Doch es kam alles sehr gut: Die Therapie half mir sehr gut! Ich konnte endlich die Ursachen erkennen und so gegen mein SVV und die Bulimie angehen! Denn nur wenn man die Ursachen erkennt, kann man das Übel bekämpfen, indem man es bei der Wurzel packt.

    Und auch jetzt, wo es mir doch recht gut geht, gehe ich immer noch, bzw. wieder zur Therapie, einfach weil es mir gut tut!!!!
    Mensch, ich versteh viele von euch nicht? Was ist euer problem, dass ihr euch gegen eine Therapie entscheidet? Klar, gibt es auch da schwarze Schafe, aber die gibt es auch z.B. bei Zahnärzten! Trotzdem geht man hin... Wenn ihr ein Bein gebrochen habt, geht ihr auch zum Arzt oder ins Krankenhaus. Eure Seele ist genauso ein Teil von euch wie euer Bein, nur wenn sie gebrochen ist, geht ihr damit nicht zum Arzt...

    Die Therapie hat mein leben verändert und zwar zum Positiven! Es ist einen Versuch wert, probiert es aus!!!!

    Liebe Grüße,
    eure rose

  • Probieren geht über Studieren.
    Und was hat man schon zu verlieren?

    Lange Zeit hatte allein das Wort Sanatorium für mich eine heilende Kraft. Ich assoziiere damit Ruhe, Zuwendung, Zeit zum Heilen, eine wunderschöne Garten- oder Parkanlage, Liegestühle in der Sonne...

    So ähnlich ist es mit Therapie.
    Da gibt es einen Therapeuten.
    Jemanden, der nur für mich alleine da ist.
    Der mir seine Aufmerksamkeit schenkt.
    Vielleicht hilft er mir.

    Einen Versuch ist es allemal wert.

  • Hey Sonnenschein, das finde ich super! Eben, was hat man zu verlieren? Wenn es nciht hilft, ist man soweit wie vorher. Und wenn es doch hilft, umso besser! :smiling_face:

  • nun, ich habe die Befürchtung, dass durch Therapie auchalles schlimmer werden kann, wenn man sich bzw. bewusster wahrnimmt und die Verdrängungsmehanismen abschaltet.

    Ich habe Angst, dass ich dann nicht mehr so gut funktioniere wie jetzt

  • Vielleicht wird es am Anfang schlimmer, aber nur wenn man nicht mehr verdrängt kann es besser werden! Du bist keine Maschine Aliena, irgendwan nwirst du auch so nicht mehr funktionieren können. Ist es da nicht besser, selbst den Zeitpunkt bestimmen zu können und dabei dann auch noch jemanden an seiner Seite zu haben, der einem dabei helfen kann, mit dem nicht funktionieren klar zu kommen? Irgendwann geht es nicht mehr und dann ist es gut, wenn man nicht alleine ist, bzw. wenn man schon "vorgesorgt" hat!

  • Ja Aliena, ich weiß was du meinst. Mir hat erst kürzlich wieder jemand gesagt, dass eine Therapie nichts taugt, wenn sie nicht auch weh tut.
    Und ich denke das stimmt. Klar mir fällt es auch oft schwer das auszuhalten. Oft genug möcht ich alles hinschmeißen. Aber Therapie setzt ja genau an dem Punkt an, wo alte Verhaltensmuster verändert werden müssen. Verdrängen macht vieles erstmal einfacher. Und wenn man sich nicht mit sich selbst beschäftigt, dann nimmt man den ganzen Mist nicht so wahr. Ja. Aber dann Sucht sich alles eine Hintertür. Durch irgendwas kommt trotzdem alles hoch. Und dann ungesteuert und unverarbeitet. In der Therapie kann man wenigstens lernen mit diesen Dingen umzugehen. Und das tut am Anfang weh. Und ich kenn keinen, der gesagt hat, dass es ihm in der Thera immer gut ging. Aber langfristig ist es doch der bessere Weg.
    Ja, das muss ich mir auch immer wieder vor Augen halten. Wenn ich mich fürs Leben entscheide, dann brauch ich Therapie. Denn das ist die einzige Chance, irgendwann wirklich leben zu können....

    Ragazza

  • kann sein, aber was für einen (wie zum Beispiel du) behielflich ist, kann anderen nicht helfen.
    Ich kenne leider auch Leute, bei denen nach der Thera alles so hochgekommen ist, dass sie nicht mehr arbeitsfähig sind.

    Ich bin da vielleicht ein bißchen eigen, es kann daran liegen, dass ich in anderem Kulturkreis aufgewachsen war: ich denke, solnge es geht und ich nicht durchdrehen, muss ich es selbst packen, sowie meine Grossmütter und Urgrossmütteres gepakt haben. Was alles sie erlebt haben: Kreig, Verlust ihrerer Männer und Väter in Krieg, vergewaltigung, Vertreibung--irgendwie haben sie überlebt, es zur Seite gepakt, Familie gegründet und Kinder grossgezogen

  • Ja, weißt du, wenn bereits Therapien gemacht worden sind und sie nicht geholfen haben, dann will ich auch gar nichts sagen. Aber ein Versuch ist es doch wert.

    Zitat

    ich denke, solnge es geht und ich nicht durchdrehen,


    Sicher, aber warum? Ich meine, warum es sich unnötig schwer machen, wenn es doch auch leichter ghen würde? Warum unnötig leiden?

    Zitat

    muss ich es selbst packen, sowie meine Grossmütter und Urgrossmütteres gepakt haben. Was alles sie erlebt haben: Kreig, Verlust ihrerer Männer und Väter in Krieg, vergewaltigung, Vertreibung--irgendwie haben sie überlebt, es zur Seite gepakt, Familie gegründet und Kinder grossgezogen


    Klar, war es früher im Krieg so schlimm und gab es keine Hilfe, aber früher sind die Menschen auch an einer Grippe gestorben! Nur weil sie das früher aushalten mussten, müssen sie das doch heute nicht mehr!

    Zitat

    Ich kenne leider auch Leute, bei denen nach der Thera alles so hochgekommen ist, dass sie nicht mehr arbeitsfähig sind.


    Doch was wäre ohne die Therapie gewesen? Man kann nie sagen wie es anders gewesen wäre... Aber wenn sie jetzt nicht aufgeben und weiter machen, dann können sie irgendwann wieder arbeiten UND ein glückliches sorgenfreies Leben führen!

    Ich will niemadnen zwingen und auch keinen überreden, jeder muss für sich selbst entscheiden. Doch ich wünsche mir einfach für alle nur das beste...

  • Jetzt kommt noch ein Therapie-Befürworter, denn ohne Therapie würde ich sicher nicht mehr leben. Ich kann auch schon auf einige zurückblicken, stationäre und ambulante Psychotherapie und Drogentherapie, zigmal Suchtstationen und so weiter.

    Jede einzelne Thera habe ich am Anfang verflucht und hatte auch oft die weiterverbreitete Meinung, „es bringt ja doch nichts“!
    Eine war mal mit weniger Erfolg gekrönt, die nächste war besser und dann wieder eine wo der volle Reinfall war. Jetzt bin ich seit fast 2 Jahren bei meinem Therapeuten, es sind Treffen, keine Therapie, doch es herrscht blindes Vertrauen!

    Ich will damit sagen, manchmal reicht eine Therapie nicht aus und manchmal trifft man einfach auf den falschen Therapeuten, denn ein gewisser Draht muss schon entstehen können. So oder so, ich glaube jede Therapie bringt etwas, doch manchmal erfordert es einfach noch eine.

    Für mich lasse ich das nicht gelten, dass früher alles so schwer war für die Menschen, Krieg und Nachkriegszeit, wenn es sicher auch sehr schlimm war. Heute aber sind es andere Dinge die uns Menschen belasten, Existenzängste, Zukunftsängste, Umwelteinflüsse. Ganz junge Menschen wachsen in Armut und Arbeitslosigkeit auf, was sollen die noch hoffen?

    Dennoch sollte keiner unnötig an psychischen Krankheiten leiden und der Grossteil davon ist heilbar oder zumindest zu lindern.

    Meine Erfahrung ist, „das schlimmste ist der erste Termin“!

    Mir hat es auch geholfen und es hilft mir immer noch!

  • Die Frauen damals im Krieg haben es nur gepackt, weil da andere Menschen gewesen sind, die ihnen geholfen haben. Niemand packt das allein. Es gab auch im Krieg immer Menschen, die für andere da gewesen sind, ihre Sorgen geteilt haben, ihnen Therapeut waren.

    Heute sind es bezahlte Menschen, die uns helfen, Therapeuten, die ihren Beruf gelernt haben, Erfahrungen haben, gezielte Hilfe anbieten können.

    Denk an das Hinterher. Das ist wie ein dunkler Tunnel. Da musst du durch, weil am anderen Ende ist das Licht. Denk nur an das Licht. Du schaffst das.

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