Immer wieder Rückzug

  • Hallo,

    auch ich hab länger hier nur mitgelesen, aber mich auf der Suche nach Rat nun doch entschlossen, mich anzumelden.

    Mein Freund ist seit Jahrzehnten suchtkrank und hat fast alles exzessiv konsumiert bis hin zu H und Cr. Ich kenne ihn sehr lange und war in jungen Jahren schon einmal länger mit ihm zusammen. Damals war er in einem Substitutionsprogramm, das er abschloss, während er nebenbei noch eine Ausbildung bewältigte. Doch bald darauf verlagerte sich seine Sucht auf Cr, und es ging schnell bergab mit uns, er tauchte schon bald immer wieder tagelang ab und zog sich immer mehr zurück. Schließlich trennte ich mich von ihm, aber unter großen Schmerzen, denn ich fühlte mich ihm schon immer verbunden, und er verhielt sich trotz aller Probleme immer liebevoll und korrekt mir gegenüber.

    Inzwischen begleitet ihn Cr schon fast sein halbes Leben mit gravierenden gesundheitlichen, psychischen, finanziellen und sozialen Folgen. In der Zeit seit der Trennung hatten wir sporadisch Kontakt, und wenn ich ihn nach dem Thema Drogen fragte, räumte er zwar gelegentlichen Konsum ein, spielte das aber herunter. Trotz meiner schmerzvollen Erfahrungen und obwohl ich einen neuen Partner hatte, habe ich mich in der Zeit nie ganz von ihm lösen können und oft an ihn gedacht, verschwieg ihm das aber lange.

    Vor etwa zwei Jahren beschloss ich, endlich reinen Tisch zu machen. Wir trafen uns und alles begann von vorne. Obwohl er mir jetzt von teils massivem Alkoholkonsum erzählte. Irgendwie dachte ich einmal mehr: Jetzt bin ich ja da. Das wird ihn aufbauen und ihm helfen, etwas zu ändern. Aber schon sehr bald erlebte ich, dass er teils tagelang verschollen war. Er erklärte es mit Depressionen, gepaart mit Alkoholkonsum, gelegentlich sprachen wir die Möglichkeit einer Therapie an, aber zunächst noch vage. Diesmal wollte ich mich nicht von ihm abwenden, sondern ihm Raum lassen, selbst die Entscheidung zu treffen, sein Leben ihn die Hand zu nehmen und zu ändern. Fatalerweise gab ich ihm aber immer wieder Geld, weil er arbeitsloser Leistungsempfänger ist und er mir glaubhaft versicherte, dass Sanktionen gegen ihn verhängt worden seien und er in Not sei. So gingen mit der Zeit tausende Euro dahin.... Immerhin kümmerte er sich wieder um Arzttermine und nahm an Beschäftigungsmaßnahmen teil - ein großer Fortschritt gegen die wohl üble Lage vorher.

    Seine Arztbesuche machten ihm dann wohl das ganze Ausmaß seiner gesundheitlichen Schäden klar und dass er nicht mehr viele Chancen hat, das Ruder rumzureißen. Endlich wurde der Gedanke an eine Therapie konkret. Wir füllten vor ein paar Monaten gemeinsam einen Antrag aus, mit der Begründung Alkoholabhängigkeit. Da zum Antrag auch ein Sozialbericht der Drogenberatung gehört, brachte mein Freund auch diesen auf den Weg und zeigte mir schließlich eher beiläufig, aber mit Bedacht, den Bericht. Da stand endlich schwarz auf weiß, was ich irgendwie geahnt, aber verdrängt hatte: Cr ist mitnichten aus seinem Leben heraus - er konsumiert es noch immer, sobald greif- und bezahlbar. Fast alles Geld, das ich ihm die letzten zwei Jahre gegeben habe, ging dafür drauf.

    Wir hatten danach einige bittere, aber nach meinem Eindruck ehrliche Gespräche. Und haben dabei einvernehmlich veinbart, dass ich ihm kein Geld mehr gebe. Er sieht, dass er mich im Prinzip betrogen hat, aber ich weiß, dass ich mitschuldig bin, weil ich immer ahnte, dass hinter seinem großen Geldbedarf und dem wiederkehrenden Rückzug mehr steckt.

    An Ostern hat er eine recht klare Bestandsaufnahme mit mir gemacht. Dabei sich die Frage gestellt, ob er je (wieder) geregelten Tagesablauf, Arbeit und auch die Beziehung mit mir auf die Reihe bekommen witd. Auch große Angst geäußert vor der Therapie und dass er dort den Rappel kriegt, alles hinschmeißt, sich alles verbaut, ich mich irgendwann doch abwende. Nach dem langen Wochenende war dann leider wieder neues Geld auf seinem Konto, das direkt umgesetzt wurde, mit der Folge eines weiteren tagelangen Rückzugs.

    Ich hab mich inzwischen nahezu an diese Abstürze gewöhnt, auch wenn ich weiß, dass von einer stabilen Beziehung nicht die Rede sein kann - wie auch unter diesen Vorzeichen...

    Was mich umtreibt, ist die Sorge, ob er die inzwischen bewilligte Therapie letztlich wirklich antritt. Ich zweifle, ob die von ihm geäußerten Ängste nicht neue Hintertürchen sind? Oder ist das so eine Art Torschlusspanik, die vor einer Therapie viele erleben? Kann ich ihn auf dem Weg dahin überhaupt gut und sinnvoll begleiten?

    Die meisten Probleme in unserer Beziehung bereiten mir sein Abtaucher. Sind wir zusammen, gibt es trotz der ganzen Misere auch viele schöne Momente und wir verstehen uns noch immer sehr gut. Er hat sich erstaunlich viel Reflektiertheit bewahrt und bleibt ein liebenswerter und anziehender Mensch für mich. Muss auch noch sagen, dass ich durchaus mein eigenes Leben habe, arbeite, Freunde treffe und ihn nicht jeden Tag mit Beschlag belegen will.

    Ich habe ihn schon so oft gebeten, dass er mir wenigstens mit einem Satz sagen oder schreiben soll, dass er gerade keinen Kontakt haben kann und will, aber natürlich müsste er mir dann offenbaren, was los ist, und will das ja nur zu gern immer wieder auch vor sich selbst verbergen.

    Hier im Forum ist oft von Grenzen und Konsequenzen die Rede. Die größte wäre, mich zu trennen, aber das möchte ich im Moment nicht, schon gar nicht, da er den Schritt Richtung Therapie gemacht und Problemeinsicht hat. Ich hab begriffen, dass er schwer krank ist und in vielerlei Hinsicht nicht aus freien Stücken handelt. Trotzdem belastet es mich. Wie also könnten sinnvolle Grenzen in der Situation überhaupt aussehen?

    Ich danke Euch fürs Lesen meines langen Textes,

    liebe Grüße,

    RunningFree

  • Wenn man das so liest, könnte man schon fast ne Co-Abhängigkeit vermuten - schon mal dran gedacht?

    Mal ganz ehrlich, warum sollte er was ändern, wenn er doch fast machen kann was er will, egal - du bist trotzdem immer da :winking_face:

    Das ist zwar schön und löblich, ob es aber sinnvoll ist, mag ich mal bezweifeln.

    Grenzen und Konsequenzen sind unumgänglich, aber das bedeutet nicht immer Trennung.

    Scheinbar kannst du das Ganze gut aushalten und wenn man Trennung empfiehlt, dann meist zum Eigenschutz!

    Für jemand da zu sein ist was anders, als einem Süchtigen Geld zu geben, weil er's ja braucht - er könnte ja noch schlimmer in der Kacke landen, gar im Knast wegen Beschaffung.

    Trotzdem muss eine klare Linie in das System, ok Kohle hast eingestellt (wobei ich beim 2. Lesevorgang sehe, dem ist leider nicht so??), aber wird das auch wirklich so bleiben?

    Einvernehmlich geregelt, ich meine, das geht mit keinem Süchtigen, zumindest nicht in dem Moment wo er seine Droge unbedingt braucht/will!

    Süchtige sind perfekte Schauspieler, die werde immer mal Entgegenkommen zeigen, aber das wird nicht lange anhalten.

    Auch deine Erwartung, er solle sich melden wenn er abtaucht, ist kaum umzusetzen.

    In dem Moment wo er sich entschieden hat, spielen Vereinbarungen keine Rolle mehr.

    Ja, er ist schwer krank, aber damit kann man nicht alles entschuldigen und als Partner letztlich alles hinnehmen.

    Die wesentliche Grenze wird aktuell sein - titt er die Therapie an oder nicht, wenn letzteres - dann muss es eine Reaktion geben!!

    Oft meint man, man müsse extrem Rücksicht auf Süchtige nehmen (weil man glaubt man löse vlt sogar einen Rückfall aus), aber genau das Gegenteil ist der Fall!

    Ein Suchtkranker muss erkennen, wenn jetzt noch wer zu mir steht, dann muss man das pflegen und alles dafür tun - sonst steht man so oder so ganz allein da.

    Ihr beide müsst scheinbar eine klare Entscheidung treffen, unabhängig von einander und die sollte dann auch umgesetzt werden!

  • Hallo Franz,

    danke Dir für Deine Antwort und Deine Einschätzungen. Mit vielem hast Du Recht. Klar hab ich schon über Co nachgedacht, auch schon vor über 20 Jahren, während unseres ersten Zusammenseins. Ich mag den Begriff nicht so, weil er im Prinzip fast jeden Partner/in ein wenig abstempelt, der bei einem Süchtigen mit seinem oft schwierigen Verhalten bleibt. Andererseits: Ansätze dazu habe ich bestimmt - vor allem, weil ich wieder seine Nähe gesucht habe, obwohl ich seine Geschichte lange und gut kenne. Andere Merkmale wie das Verleugnen der Sucht vor sich und anderen und Verteidigen vor Arbeitgebern und was so alles dazugehört, sehe ich bei mir nicht so. Ich begleite ihn zu Arztbesuchen, informiere mich, möchte möglichst auch Gesprächsmöglichkeiten der Therapieeinrichtung für Angehörige nutzen etc. Habe - über viele Gespräche mit ihm - auch gewissen Anteil daran, dass er für sich festgestellt hat, dass er was ändern muss und den Weg überhaupt eingeschlagen hat.

    Das mit dem Geld war vielleicht missverständlich: Dass er wieder was auf dem Konto hatte nach Ostern lag an der monatlichen Auszahlung vom Amt. Ich selbst hab ihm nix mehr gegeben, seit ich weiß, wie die Lage wirklich ist und werde das beibehalten.

    Natürlich besteht das Für-jemanden-da-sein in etwas ganz anderen Dingen, als "einem Süchtigen Geld zu geben". Ich habe seine Sucht nicht bewusst finanziert, auch wenn es die Ahnung gab, dass da was faul ist. Ich schrieb ja, dass er mir immer wieder Notlagen schilderte, wegen derer er dringend Geld brauche. Dabei hat er auch immer wieder konkret Dinge benannt, die er davon bezahlen müsse, von der Stromrechnung bis zu Medikamenten. Immer wieder mal hab ich hinterfragt, ob er zB auch Alk von dem Geld kauft, was er von sich wies. Und wenn ich ihn gelegentlich nach Cr fragte, behauptete er immer, das Thema sei abgehakt für ihn - perfekter Schauspieler halt, wie Du es schreibst. Ich hab es leider geglaubt, auch wenn im Hinterkopf Zweifel blieben.

    Grundsätzlich zum Füreinander-da-sein: Ich hab ja beschrieben, dass wir uns schon immer mögen. Der Mensch, bei dem man sein möchte, trotz aller Probleme, das war eigentlich schon so. Das macht es ja umso schlimmer. Gut aushalten tu ich das Ganze nicht wirklich. Wie Viele hier im Forum bin ich oft niedergeschlagen, ratlos, auch wütend, wenn er tagelang off ist, keine Nachrichten liest, auf nix reagiert. Aber es bringt ja alles nix.

    Ich denke auch, genau wie Du es beschrieben hast, dass ich es ihm viel zu leicht mache und er sich fast alles erlauben kann, und ich bin dann doch wieder mit offenen Armen da. Aus Angst, ihn zu verlieren, dieses Mal vielleicht für immer, denn wenn er weiter macht wie bisher, bleibt ihm vermutlich nicht mehr viel Zeit. Klar, auch in dem Gedanken an Rückfälle, aber die gibt es ja sowieso. Aber wie man es dreht und wendet, so kann natürlich keine Beziehung funktionieren und ich helfe ihm nicht, wenn ich immer alles mitmache, das ist mir klar geworden. Du hast völlig Recht: Er muss kapieren, dass er unsere Beziehung pflegen muss. Für den Anfang werde ich versuchen, etwas mehr Abstand zu gewinnen und mehr zu mir selbst zu finden, was nicht leicht ist. Ihn selbst nicht mehr versuchen, zu kontaktieren, wenn er verschwindet. Und ihn nicht mehr einplanen, um mir Frust zu ersparen.

    Wenn er dann nach Tagen wieder auftaucht, streut er immer kiloweise Asche auf sein Haupt und nennt sich selbst eine "Belastung" für mich (in der Hoffnung, ich widerspreche) was natürlich ein bequemer Weg ist, sich nicht wirklich mit den Folgen seines Handeln auseinanderzusetzenen. Andererseits weiß ich genau, dass es ihm wirklich schlecht geht: Tagelang brütet er immer wieder bei sich zuhause, was alles schief gelaufen ist in seinem Leben, zweifelt daran, dass er noch irgendwas zum Besseren wenden kann, wieder arbeitsfähig wird, fühlt sich als hoffnungsloser Versager, überfordert mit allem, und ist dann wie paralysiert, verlässt die Wohnung nicht, will niemanden sehen etc.

    Zuletzt habe ich mit Blick auf die Therapie immer wieder gedacht, dass ich jetzt erst recht für ihn da sein sollte, damit er nicht auf den letzten Metern aufgibt. Aber

    die Therapie steht und fällt natürlich sowieso allein mit seiner Motivation dazu. Und klar, wenn er die nicht antritt, müssen Konsequenzen meinerseits folgen, da hast Du völlig Recht. Momentan hab ich leider eher den Eindruck, die Krise spitzt sich zu. Er hat sich seit ner Woche mit einer Unterbrechung praktisch nicht gemeldet. Leicht geht anders. :confused_face:

    Liebe Grüße,

    RunningFree

  • Hallo RunningFree,

    Ist es nicht mal an der Zeit, auf Dich zu schauen!?

    Ich weiß genau wie Du Dich fühlst....untertauchen, keine Reaktion etc.

    Und bringt es Dich weiter?

    Du sitzt jedesmal dort und wartest und hoffst, während Du ihm egal bist und er sich seiner Sucht hingibt.

    Du bist ihm in dem Moment total egal.

    Sorry wenn ich das jetzt so hart ausspreche, aber er vergeudet keinen Gedanken an Dich! Wie es Dir geht, was Du machst, es interessiert ihn nicht!!

    Willst Du wirklich so einen Partner an deiner Seite?

    Ja ihr hattet mit Sicherheit auch schöne Zeiten! Aber was überwiegt denn mehr?

    Er meldet sich tagelang nicht...macht das ein Partner der Dich aufrichtig liebt?

    Ich kann Dir nur den Rat geben, lass ihn gehen! So weh das auch sein mag!

    Aber wenn Du so weiter machst wie bisher, wird sich NIEMALS was ändern!

  • Hi Kraftlos,

    dank Dir für Deine Nachricht. Tut schon gut, dass jemand nachvollziehen kann, wie man sich fühlt mit diesem wiederkehrenden schwarzen Loch. Du schreibst, ich sollte jetzt mal auf mich gucken - auch deshalb hab ich mich ja hierher gewandt, das ist für mich der Anfang davon. Eine SHG vor Ort oder regelmäßige Beratung bekomme ich leider wegen meiner Arbeit mit langen Abfahrtswegen zeitlich nicht hin. Und ich nehme mir wieder mehr Zeit für Freunde.

    Hab mir auch Deine Geschichte nochmal angeschaut und kann gut verstehen, dass Du einen harten Schnitt gemacht hast, auch wenn Dir der bestimmt trotz allem schwer fiel. Wie ist die aktuelle Situation bei Dir - habt Ihr nun gar keinen Kontakt mehr?

    Letztlich ähneln sich unsere Situationen und sind doch auch auf gewisse Weise unterschiedlich. Schätze, dass Du etwas jünger bist als ich - ich Ende 40 - da Du von Euren ursprünglichen Plänen, zusammenzuziehen und Kindern geschrieben hattest. Du schreibst auch von Drohungen, Beleidigungen, und dass Dein Exfreund am Ende Dir die Verantwortung für seine Sucht zugeschoben hat. Übel und definitiv nicht hinnehmbar, deshalb war es sicher richtig, ihn laufenzulassen.

    Unsere Lage ist anders, womit ich nicht sagen will, dass sie besser ist. Es gibt eine Problemeinsicht und er geht gut mit mir um, wenn wir uns sehen, aber natürlich hat er mich wie beschrieben finanziell ausgenutzt und und belogen und auch lange zu wenig Engagement gezeigt, in Sachen Sucht gegenzusteuern. Auch zeigt er ein irgendwie übersteigertes Schuldbewusstsein, mit dem ich nicht klarkomme - nach Konsumphasen drischt er immer wieder auf sich ein, dass er wertlos und nur eine Belastung für mich ist usw., um mir dann schon bald drauf wieder tagelang auszuweichen und mich im Ungewissen zu lassen. Das elende Zeug führt halt auch in Depression und Psychosen und verändert die Menschen.

    Aber es stimmt natürlich, wer jemanden aufrichtig liebt, macht sowas nicht. Selbst wenn die Sucht mit ihren Begleiterscheinungen die Regie führt - von einer Partnerschaft sollte man mehr erwarten können. Auch spürbare Bemühungen, was zu ändern, denn ich habe ihm oft genug gesagt, wie sehr mich das belastet.

    Ich denke jetzt, wo ich nicht mehr finanziell herhalte, wird sich bald zeigen, was er für die Beziehung noch aufbringen kann. Ich will ihn noch nicht ganz aufgeben und denke dabei auch an die anstehende Therapie. Die Chancen stehen aber sicher nicht rosig, nach so langer Zeit des Konsums da wieder rauszufinden.

    Wie geht's Dir inzwischen mit Deinem eigenen Leben? Was konntest Du für Dich verändern und angehen?

    Liebe Grüße,

    RunningFree

  • nach so langer Zeit des Konsums da wieder rauszufinden

    Leider ist das meist erforderlich, also das überhaupt Einsicht für Therapie entstehen kann.

    Natürlich nicht einfach, aber eines sollte immer klar sein - wer auf allen Fällen von Sucht los kommen will, der kann das auch!

    Ich denke jetzt, wo ich nicht mehr finanziell herhalte, wird sich bald zeigen, was er für die Beziehung noch aufbringen kann.

    Ja, da bin ich gespannt, wie sich das entwickelt ...

    Wann soll die stationäre Therapie starten?

    Davor dürfte aj auch eine Entgiftung gefordert sein, oder?

  • Hi Franz,

    ja, die Entgiftung steht bald an, die entsprechende Einweisung für die Klinik gab's heute, also rückt auch die eigentliche Therapie jetzt in greifbare Nähe.

    Danke fürs Mutmachen, kann ich - und könnte auch er - gut brauchen. Es geht mir immer wieder nahe, mit wie vielen Ängsten und auch Skepsis dieser Schritt von seiner Seite verbunden ist. Ein riesiger Mischmasch aus der Angst vor Entzug, Sorge, die Therapie nicht durchzuhalten, Selbstzweifeln, Zukunftssorgen etc.

    Das liegt sicher auch an der Substanz selbst. Cr ist ja dafür verschrien, in Entzugsphasen genau solche Depri-Schübe mit Selbstzweifeln bis hin zu Suizidgedanken auszulösen.

    Nicht so einfach, ihm in der Lage genügend Zuversicht zu vermitteln, dabei den richtigen Ton zu treffen, keinen Druck zu machen, nicht in Floskeln abzudriften. Was hilft ihm in der Phase am besten? Mittlerweile denke ich, einfach nur offenes Ohr und zuhören, wenn braucht.

    Heute hat er mir gesagt, dass er seinen Weg schon geht. Vielleicht etwas langsamer und holpriger, als ich mir das manchmal vorstelle, aber dass ich ihn machen lassen soll. Das fand ich gut. Positive Erfahrungen gibt es: Er hat vor langer Zeit schon mal eine H-Langzeit-Therapie bewältigt. Ganz am Ende kam leider Rückfall auf der ganzen Linie, aber nicht sehr lange später hat er Polamidon-Programm durchlaufen und das dann in weitgehender Eigenregie abgeschlossen. Vielleicht helfen diese alten Erlebnisse, das damals hinbekommen zu haben, ja ein wenig.

    Liebe Grüße,

    RunningFree

  • entsprechende Einweisung für die Klinik gab's heute, also rückt auch die eigentliche Therapie jetzt in greifbare Nähe.

    Das geht aber schon Hand in Hand, oder?
    Sonst würde es ja wenig Sinn machen ...

    Nicht so einfach, ihm in der Lage genügend Zuversicht zu vermitteln, dabei den richtigen Ton zu treffen, keinen Druck zu machen, nicht in Floskeln abzudriften. Was hilft ihm in der Phase am besten? Mittlerweile denke ich, einfach nur offenes Ohr und zuhören, wenn braucht.

    Das Ohr ist es, sicher, aber bitte nicht den richtigen Ton suchen oder so in der Art.

    Man meint vlt immer, man darf ja nichts sagen, aber dem ist nicht so und das würde auch schnell durchschaut.

    Wenn er will, dann ist man da, mehr kann man nicht anbieten und glaub mir, das ist mehr als viele in seiner Situation haben.

    Rückfälle gehören leider meist dazu, wenn aber nix schlimmes (leider passieren aber grade da oft Überdosen die nicht gut ausgehen) passiert, kann es auch helfen - da will man nämlich normal eben gar nicht mehr hin.

    All diese Erfahrungen kann man für sich nutzen oder sich eben einem Rückfall hingeben - aber er versucht es ja erneut und das macht keiner zum Spaß.

    Auch die Depris gehören ja zur Therapie und wenn notwendig kann man da auch medikamentös unterstützen.

    Sicher gibt's einige Drogen die in der Hinsicht mehr Probleme machen, aber meist spielt es gar nicht soviel Rolle was der Suchtstoff war.

    Er kennt sich ja aus, wenn er früher mit H zu tun hatte und jetzt eben mit dem Scheiß Zeug :winking_face:

    Was hilft ihm in der Phase am besten?

    Das wer da ist, der ehrlich ist und auf den er sich verlassen kann :top:

  • Hallo Franz,

    mit der Einweisung meinte ich, dass er den entsprechenden Wisch vom Arzt für die Entgiftung vorgestern bekommen hat. Der eigentliche Termin der Entgiftung steht aber noch nicht fest, weil sich die Klinik deshalb noch nicht zurückgemeldet hat, aber dürfte innerhalb der nächsten zwei, drei Wochen losgehen. Und ja, daran wird sich dann vermutlich direkt die Therapie anschließen. Hängt also im Moment alles noch an der Terminkoordination, aber es wird.

    Wichtig, dass Du das Thema Rückfall ansprichst. Klar wünsche ich mir, dass es nicht passiert, aber im Falle eines Falles sollte klar sein, dass die Welt davon nicht gleich zusammenbricht. Auch die Therapieeinrichtung bekennt sich dazu, den Klienten bei Rückfällen nicht gleich die Tür zu weisen, verlangt aber einen ehrlichen Umgang damit, um das gegebenenfalls aufarbeiten zu können. Das finde ich sinnvoll, weil es den Druck nimmt.

    Früher, in seinen H-Zeiten und während einer damaligen Therapie vor über 25 Jahren, hing das Thema Rückfall immer wie so ein Damoklesschwert über ihm und damit auch mir. Deshalb kann ich Alexanders Angst so gut nachvollziehen. Gerade wenn man jemanden liebt, baut sich das schnell auf, weil man sich so hilflos fühlt gegen diese unsichtbare Macht Suchtdruck. Vielleicht ist diese Angst bei Menschen ohne oder mit wenig eigenen Drogenerfahrung fast noch größer.

    Aber nach jetzt fast zwei Jahren mit vielen Sorgen merke ich auch, dass man da rauskommen muss, weil das den Partner nur zusätzlich belastet. Stattdessen da sein, wenn er einen braucht, ausreichend auf sich gucken und dran glauben, dass es gut geht.

    Danke für Deinen Einsatz und Deine Gedanken hier im Forum. Echt schwer, das Thema mit Freunden anzusprechen, weil so schnell Standards kommen. Umso wichtiger, bei Euch hier Menschen zu finden, die genau wissen, worum es geht.

    Liebe Grüße

    RunningFree

  • Beitrag von RunningFree (12. Mai 2019 um 03:15)

    Dieser Beitrag wurde gelöscht, Informationen über den Löschvorgang sind nicht verfügbar.
  • RunningFree ... hmm ... iIch glaube nicht, dass dein Nickname hier im Forum ein Zufall oder ein freud'scher Versprecher ist. Da äußert sich wohl ein Wunsch, eine Sehnsucht, oder? Frei zu werden von dem ganzen Streß dieser toxischen Beziehung. Weglaufen davon?

    Ein Mensch, der seit Jahrzehnten suchtkrank ist, wird nur in den seltensten Ausnahmefällen für die übrigbleibenden Jahre seines Lebens tatsächlich suchtfrei bleiben. Das wirst du sicherlich wissen. Wenn du ihm eine Freundin bleiben willst, oder gar eine Partnerin, kann das nur dann funktionieren, wenn du ihn so akzeptierst wie er ist. Wenn du das Leben mit einem Suchtkranken nicht länger akzeptieren kannst oder willst und dennoch bei ihm bleibst, wirst du weiterhin das Opfer in dieser Beziehung bleiben. In deiner Traumwelt wird er clean. In der Realität ist das sehr unwahrscheinlich. Das weißt du auch selbst. Deshalb nennst du dich hier RunningFree.

  • Klar hab ich mir schon manches Mal gewünscht, ich hätte mich nicht gerade in diesen Mann verliebt oder mich schon früher von ihm lösen können. Aber das ist halt nicht so einfach und nicht immer ne Vernunftssache, geht ja noch anderen so. Dich scheint Deine alte Geschichte von vor 40 Jahren ja auch noch irgendwie zu beschäftigen, sonst würdest ja nicht hier schreiben?

    Dass ich in einer Traumwelt lebe, seh ich eigentlich nicht so, ich hab ja meine Zweifel und Sorgen beschrieben und mir deshalb hier Rat holen wollen. Eher hab ich mir noch etwas Hoffnung bewahrt, dass er selbst was an seiner Lage ändern will.

  • Ich habe mich hier nicht wegen dieser Geschichte von vor 40 Jahren angemeldet, sondern wegen Problemen beim Hydromorphonentzug. Glücklicherweise beschäftigt mich diese alte Geschichte auch nicht sehr, ich denke nur alle paar Jahre mal wieder daran zurück und dachte hier, dass meine Geschichte vielleicht helfen könnte. Deshalb habe ich sie erwähnt.

    Ich wünsche dir von Herzen, dass deine Hoffnung berechtigt ist. 60 Jahre Lebenserfahrung machen mich selbst diesbezüglich jedoch skeptisch.

  • Hallo zusammen. Mal ein Update von mir: Entgiftung und Therapie sind jetzt terminiert, nächste Woche soll es losgehen und beides soll sich direkt aneinander anschließen. Mein Freund hat Vorbereitungen bei Behörden, Klinik, etc. getroffen und wollte das auch ohne Unterstützung alleine angehen. Hab ich verstanden und mich rausgehalten, und er bekam es gut hin. Immerhin hat er noch letzte Woche klar gesagt, dass er es jetzt wirklich angehen will.

    Dieses Wochenende wollten wir zusammen mit Packen, Wohnung für längere Abwesenheit vorbereiten und auch einfach nochmal miteinander verbringen. Aber seit Tagen herrscht wieder große Funkstille, klaro mit Konsum. Natürlich hab ich Angst, dass er kurz vor knapp die Flinte ins Korn wirft. Er hat mir ja schon vor Wochen gesagt, dass er Angst vor der Therapie hat, weil da so riesige Herausforderungen auf ihn warten.

    Kann wer von Euch erklären, was da gerade für ein Film bei ihm abläuft? Also klammert man sich da nochmal richtig an die Droge, so kurz vor Therapie? Wie habt Ihr das erlebt, bei Euren Angehörigen oder Euch selbst? Ich will's einfach verstehen.

    Mir selbst geht's zunehmend Scheiße damit, denn es führt mir jedes Mal vor Augen, dass unsere Beziehung in so Phasen null und nichtig ist und erst wieder ins Spiel kommt, wenn das letzte Cr verraucht und der dreitägige Monsterkater langsam überwunden ist. Eigentlich endet unsere Beziehung wöchentlich, weil er immer wieder für Tage abtaucht. Genau so hab ich ihm das neulich gesagt. Er hat das gar nicht verstanden, dass ich das so sehe. Denn da war er ja gerade wieder mal aufgetaucht und da, und ich bin doch die Frau, die er liebt und mit der er sogar zusammenleben will. Eine einzige Achterbahnfahrt.

    Ich werde in dieser entscheidenden Phase jetzt zu ihm halten. Wie ich ihn gehen lasse, wenn er die Therapie nicht antritt, weiß ich noch immer nicht. Aber es muss sein, das ist klar...

  • Eine für alle Konsumenten zutreffende Antwort kann man da sicher nicht geben.

    Aber so mancher will sich "von der Drogen verabschieden", also schlägt nochmal kurz vor Therapie richtig zu ...

    Leider springen da auch immer wieder Leute ab und treten nicht an :frowning_face:

    Wie immer, erklären kann es nur der jeweilig Betroffene :winking_face:

    Was dich selbst betrifft, da solltest wirklich 2 Ansätze haben.

    Zum einen, schön wenn ihn unterstützen willst, aber letztlich wird nur er was ändern können.

    Zum anderen, solange er nicht von Therapie zurück ist und dann auch clean bleibt, solltest vlt alle Beziehungsplanungen auf Eis legen!

    Sollte er aber wirklich abspringen und diese großartige Chance vertun, dann kann es nur bedeuten, dass du sofort Abstand nimmst.

    Tust du das nicht, wird er dich immer um den Finger wickeln :face_with_tongue:

  • Hallo Franz,

    ja, so war es wohl, genau wie Du schreibst "von der Droge verabschieden". Hat nochmal die gesamte Monatszahlung vom Amt auf den Kopf gehauen - und sagt selbst, dass ihm das Zeug letztlich nur Stress und Paranoia bringt.

    Aber Sonntag tauchte er nach vier Tagen wieder auf und nahm den Faden in Sachen Therapie wieder auf, regelte gestern dann letzte Sachen. Heute früh hab ich ihn vor der Klinik abgesetzt. Ein erster wichtiger Schritt. Aber eben auch nur der allererste, ich weiß. Trotzdem bin ich erstmal erleichtert. Er kriegt Unterstützung, und ich kann auch mal für mich sortieren, wie es weitergehen soll. So wie die letzten Monate jedenfalls nicht....

    Liebe Grüße,

    RunningFree

  • Hallo,

    mittlerweile ist mein Freund seit zwei Monaten in Entgiftung und Therapie, und es geht ihm momentan soweit ganz gut. Für mich stelle ich aber gelegentlich fest, dass die zwei Jahre tiefe Spuren bei mir hinterlassen haben und ich bei kleinen Abweichungen - sei es, dass ich ihn nicht erreiche oder dass er auf Nachrichten Mal nicht antwortet - mit starker Verunsicherung reagiere und mir ausmale, dass er alles abbricht und rückfällig wird. Habe in puncto Abtauchen und Sich-tot-Stellen wegen Konsums einfach viel mitgemacht. Ich will so aber wirklich nicht sein und war in früheren Beziehungen auch nie so.

    Daher mal generell die Frage: Habt Ihr eine Idee, wie man diese Gedanken gehen lassen kann? Und gibt es Warnzeichen für sich anbahnende Rückfälle und vielleicht auch Möglichkeiten, wie ich als Partnerin da irgendwie intervenieren könnte im Fall eines Falles - oder bin ich da eh auf völlig verlorenem Posten? Das sind ja auch wichtige Themen, wenn irgendwann das Ende der Therapie naht. Ich kann und will ihn ja dann nicht immer bewachen und möchte mich nicht von Sorgen vor Rückfällen auffressen lassen....

    Danke und lG

    RunningFree

  • Ich kann und will ihn ja dann nicht immer bewachen und möchte mich nicht von Sorgen vor Rückfällen auffressen lassen

    Das ist das Problem. Er muss demonstrieren, dass er die erneute Chance, die du ihm zu geben bereit bist, auch verdient. Du musst ihm im wahrsten und eigentlichen Sinne des Wortes verzeihen. Wenn eines von Beiden nicht stattfindet, werdet ihr eine schwierige Zeit mit einer meiner Meinung nach schlechten Prognose haben.

    Ich hatte es an anderer Stelle schon mal geschrieben: Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen auf beiden Seiten ist eigentlich die einzige Chance, die ihr habt. Wenn einer von euch Beiden das nicht will oder nicht kann, dann wird es wahrscheinlich nicht funktionieren. Nicht mit dieser Historie.

    Aber du schreibst ja, dass er seinen Teil bereits tut. Dann musst du nun deinen Teil auch leisten - und hoffen.

  • Hallo RunningFree,

    ja, es gibt Anzeichen. Mein Exfreund hat während der ersten Therapie ganz grundlegende Dinge gelernt. Dazu gehörte z. B. sich täglich zu pflegen, das Bett täglich zu machen, den Haushalt in Ordnung zu halten. Als ich festgestellt habe, dass er in alte Verhaltensmuster zurückfällt, wusste ich, der Rückfall ist nicht mehr weit. Das war z. B. Zähneputzen ausfallen lassen, die nächste Dusche noch 2-3 Tage rauszögern, in der Küche die benutzten Teller stehen lassen etc.

    Ich verstehe dich total, ich habe vor paar Wochen wieder mit Dates angefangen und sehe diese Veränderung im Vergleich zu früher bei mir auch noch. Die aufkommende Angst wenn man länger als normal nichts von seinem Gegenüber hört. Ich glaube da wartet noch einiges an Arbeit in Bezug auf uns selbst auf uns.

    Sei dir bitte darüber im Klaren, dass die Therapie sowas wie eine Käseglocke ist. Dein Freund ist weitgehend von der Außenwelt angeschnitten, dort klappt es super mit Veränderung, Suchtdruck überwinden etc.

    Die eigentliche Herausforderung kommt erst danach, wenn er in sein gewohntes Umfeld zurückkehrt. Eigentlich sollte er umziehen, sich einen neuen Freundeskreis aufbauen. Das war der Knackpunkt bei meinem Ex. Er kam wie ein neuer Mensch aus der Therapie zurück, wir waren beide glücklich. Kaum war er aber wieder Ei sich zuhause, hat es 3 Tage bis zum Rückfall gedauert. Er war nicht bereit, sein Leben zu ändern. Sollte dein Freund ähnlich gestrickt sein, wird es auch bei ihm nicht lange dauern und um ehrlich zu sein, musst du dich mit der Möglichkeit eines Rückfalls jetzt schon auseinandersetzen. Ich war so naiv zu glauben, jetzt würde alles gut und danach war der Schlag ins Gesicht umso härter.

    Kümmere dich um dich, das ist das beste was du in dieser Situation tun kannst!

  • musst du dich mit der Möglichkeit eines Rückfalls jetzt schon auseinandersetzen.

    Ein kluger Ratschlag!

    Auch wenn ich nach den Schilderungen diesbezüglich persönlich wenig Hoffnung habe, schließe aber auch die Möglichkeit nicht aus, dass er seine Lektion nun wirklich und endgültig gelernt hat bzw. lernt. So etwas kommt tatsächlich vor. Gib ihm eine Chance, aber mache ihm auch klar, das ein Rückfall unvermeidlich, unverrückbar und unwiederbringlich ein Ende eurer Beziehung bedeutet.

    Wie er die Chancen erhöhen kann einen Rückfall zu vermeiden hat Helga ja angedeutet.

    Kümmere dich um dich, das ist das beste was du in dieser Situation tun kannst!

    Sehe ich genauso.

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