• Hallo liebe Leute,

    mein Name ist Anni und ich bin relativ durch Zufall auf dieses Forum gestoßen.

    Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll. Letztendlich hat mich mein Beruf, sowie die Sorge meines besten Freundes, der auch mein Arbeitskollege ist, dazu gebracht, mich mit dem Thema Essstörungen intensiver auseinanderzusetzen. Bereits seit 2013 dreht sich alles bei mir um das Thema gesunde Ernährung, Diäten und Sport. Ich war zu der Zeit ziemlich übergewichtig, nachdem ich aus gesundheitlichen Gründen mit dem Handballspielen aufhören musste. Da dieser Sport eins der wichtigsten Dinge in meinem Leben war, fiel ich entsprechend in ein tiefes Loch, nachdem mir mein Arzt mitteilte, dass ich nicht mehr weiterspielen könnte. Resultat war Kummerfressen was das Zeug hält. Irgendwann hab ich dann, also im Jahr 2013, den Dreh bekommen und meine Ernährung wieder umgestellt, kalorienarm, kohlenhydratarm, sowie fettreduziert gelebt, mit großem Erfolg. Nun ist es so, dass ich normalgewichtig bin und an und für sich auch gut zurecht komme. Mit dem Thema Diäten, Fasten und Sport habe ich nie wirklich abschließen können. Seit gut einem Jahr befasse ich mich täglich und in jeder freien Minute damit, wie ich eine weitere Kalorienzufuhr sparen kann, wie ich die Kalorien am Wochenende wieder verbrennen kann usw. Letztendlich befasse ich mich hauptsächlich damit, eine Gewichtszunahme unter jeden Umständen zu vermeiden und auch ist es mein Ziel, und das verfolge ich wirklich strikt, noch weiter abzunehmen. Dies führt dazu, dass ich seit längerer Zeit häufig faste oder sehr wenig Nahrung zu mir nehme. Infolge dessen machen sich natürlich extreme Heißhungerattacken bemerkbar. Manchmal bin ich nicht Herrin über diese Attacken und verschlinge alles, was mir in den Weg kommt, bis mir schlecht ist und ich mich am liebsten übergeben würde. Dies mach ich natürlich nicht, mit dem Hintergrund, dass dies in eine Ess-brech-Sucht enden könnte. Vor kurzem war es dann soweit, dass ich einer Heißhungerattacke auch während der Arbeit nicht widerstehen konnte, den Kühlschrank geplündert habe und schließlich weinend in meinem Büro saß. So hat mich schließlich mein bester Freund vorgefunden. Mir war das Ganze ziemlich peinlich und auch wurde ich von einem extremen Schuldgefühl übermannt. Er äußerte, dass er sich extreme Sorgen machen würde, da ich auch seiner Meinung nach wenig essen würde und er befürchtet auch, dass mein Fasten überhand nimmt und ich in eine Essstörung reinrutschen würde oder diese gar hätte. Krankhaft hat er mein aktuelles Ziel genannt. Ich selbst sehe das natürlich nicht so, habe ihm aber versprochen, mir mal Rat einzuholen. Und nun meine Frage....meint ihr, dass ich in eine Essstörung gerate oder gar eine entwickelt habe? Im Rahmen meiner Recherchen konnte ich so nichts finden, was so auf mich zutrifft. Weder Magersucht noch Bulimie kommen in Frage. Ich bin selbst etwas ratlos...

    Ich danke euch für eure Hilfe!

    Liebe Grüße,

    Anni

  • Servus Anni90,

    hab es mal in den richtigen Bereich verschoben, Antwort kommt morgen früh, weil ich grade unterwegs bin :winking_face:

    Aber vlt kommt ja derweil schon von anderen eine Antwort ...

    LG Franz

  • Hi Anni,

    naja, ich denke die Frage ob du eine Essstörung hast oder nicht, kann/sollte dir nur ein Arzt/Psychologe oder du selbst beantworten. Dass sich das von dir beschriebene Verhalten außerhalb des gesunden Umgangs mit Essen und Gewicht befindet, ist aber offensichtlich. Auch das Ausmaß deiner Scham ist ein Indiz dafür.

    Die Frage stellt sich, ob du das auch so siehst? Weil aus deinem Text geht eine ambivalente Wahrnehmung hervor, einerseits kommst du "gut zurecht" gleichzeitig aber sprichst du von Kontrollverlust, etc. Die Frage ist doch: wie willst du denn leben? Nimmst du weitere Freßattacken, eine Essstörung und Kontrollverlust in Kauf um abzunehmen? Hoffst du (noch), dass du Kalorien einsparen kannst, ohne Heißhungerattacken zu unterliegen und du dich "nur zusammenreißen" musst o.ä.?

    Für die Diagnose einer Bulimie braucht es auch kein Erbrechen, das gibt es auch als sog. non-purging. Nur weil man nicht erbricht oder andere Kriterien nicht erfüllt, bedeutet es nicht, keine Essstörung zu haben. Vom Verlauf her ist es meist so, dass die Hemmschwellen eh mit der Zeit nachlassen und auch weitere Kriterien erfüllt werden.

    Ich kann dir nur dringend empfehlen, der Frage nicht anhand von zusammengeschusterter Internetdiagnostik nachzugehen, sondern mit externer Unterstützung zu reflektieren. Z.B. durch Arzt, Therapeut, Ernährungsberater, Beratungsstelle o.ä. Es ist auch zumeist im Verlauf so, dass die Hemmschwellen abnehmen, die Scham und Schuld zu und das ambivalente Verhalten zwischen Fasten/Hungern und Essanfällen mit der Zeit extremer werden. Das lässt sich nicht einfach mit "Willen" oder "Kontrolle" in die andere Richtung bringen. D.h. auch so Kontrollverluste wie du den im Büro beschrieben hast, werden irgendwann vermehrt auftreten - wahrscheinlich.

    Auch wenn du keine Essstörung hast, lohnt es sich doch auch so, sich rechtzeitig beraten zu lassen, da du deinen Selbstwert scheinbar unlängst an dein Gewicht/Essverhalten gekoppelt siehst, oder?

  • Hi Grany danke für deine Antwort. Ich selbst kann es mir nicht erklären, ob es in Richtung Essstörung geht. Mich extern beraten zu lassen kommt aktuell für mich nicht infrage, letztendlich sehe ich dazu vermutlich auch keinen Grund. Trotz des hin und wieder vorhandenen Kontrollverlustes bei den Heißhungerattacken glaube ich schon alles noch relativ kontrollieren zu können.

    Nach wie vor hoffe ich immer noch Kalorien zu sparen, genug abzunehmen, nicht zuzunehmen, ohne Heißhunger. Allerdings muss ich mir selbst auch eingestehen, dass dies wohl nicht möglich ist und ohne zu fasten, gelingt es mir nicht...denn wenn ich ehrlich bin kann, fällt es mir schwer, ohne Schuldgefühl zu essen. Dennoch habe ich weiterhin das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben. Und ja mein Selbstwert ist ziemlich an mein Gewicht und generell an mein Äußeres Erscheinungsbild geknüpft...

    Liebe Grüße

    Anni

  • Servus Anni90,

    warum kommt eine Beratung nicht in Frage?

    Es ist zumindest der leichtere Weg, wobei auch Ärzte und Therapeuten in Frage kommen würden ...

    ohne Schuldgefühl zu essen

    Das zeigt doch dein Problem!

    Etwas unter Kontrolle zu haben ist dabei nicht ausschlaggebend, vielmehr was für einen Aufwand die Kontrolle erfordert und was passiert, wenn die Kontrolle fehlschlägt :winking_face:

    Als Beispiel:

    Ein Heroinabhängiger geht brav arbeiten, schwimmt im bürgerlichen Leben ganz normal mit (kenne einige solcher Fälle, welche das über viele Jahre so praktizieren), ist der dann weniger süchtig als andere Konsumenten?

    Ein wichtiges Kriterium von Suchtkrankheiten ist abgesehen vom Konsum: Verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf den Beginn, die Beendigung oder die Menge des Konsums.

    Selbstwert ist ziemlich an mein Gewicht und generell an mein Äußeres Erscheinungsbild geknüpft...

    Hier beschreibst du es ja selbst sehr genau ...

    Ok, unsere Gesellschaft ist leider weitgehend so eingestellt, man sieht nur das äußerliche Erscheinungsbild.

    Egal warum man etwas dicker ist, der Betroffene ist nach weitläufiger Meinung immer selbst Schuld!

    Das es aber psychische oder aber auch körperliche Gründe haben kann, ist dabei zweitrangig ...:wall:

    Du schlägst dich mit deinem "Problem" schon 5 Jahre rum, es ist sicher manchmal extrem Anstrengend und erfordert enorm viel Kraft, oder?

    Das wird nicht aufhören, es wird immer schwerer, grade wenn es dann auch andere mitbekommen.

    Langfristig ist also nicht mal die körperliche Auswirkung das größte Problem, ich denke es wird psychisch immer schlimmer!!


    Zudem musst du immer davon ausgehen, es gibt unerwartete schwere Situationen im Leben die einfach jeden mal treffen können.

    Wenn so was eintritt und dazu hat man Probleme wie du, dann ist es nicht mehr aushaltbar!

    Oft kann man auch gar nicht selbst erkennen warum solche Probleme auftreten, es kann alles mögliche dafür verantwortlich sein.

    Meiner Erfahrung nach hat es zumindest bei den meisten grundsätzlich nichts mit dem Essen an und für sich zu tun.

    Eine therapeutische Begleitung kann dir jedenfalls sehr helfen, einfach weil du dich da nicht "verstecken" musst.

    Du schreibst zwar, du hast mit Handball aufgehört (ich übrigens auch mit 16 wegen Knieverletzung), aber war es da allein?

  • Hallo Franz, eine Beratung kommt aus diesem Grubd für mich nicht in frage, da ich die Notwendigkeit nicht sehe, da ich für mich an und für sich alles unter Kontrolle habe...allerdings ist es tatsächlich so, dass es eine Menge Kraft kostet. Und es kostet auch viel Kraft nicht aufzufallen, mit der Diät, welche ich durchziehe. Von was für Situationen sprichst du da und in wie fern wäre diese mit meinem „Problem“ nicht aushaltbar? Es ist nicht leicht für mich so ehrlich zu sein, aber ich habe enorme Angst vor einer Gewichtszunahme...vielleicht auch deswegen nicht der Weg zur Beratung...wenn wirklich eine Essstörung vorliegt, wird es auf eine Therapie hinauslaufen und ich weiß nicht, ob ich das kann...und will.. Ich war damals schlicht und ergreifend zu dick, nachdem ich mit denn Frustfressen gestartet bin..da war der Auslöser das ich mit dem Spielen aufhören musste...Handball war mein Leben und in dem ganzen Essen habe ich halt gefundene damals

  • da ich die Notwendigkeit nicht sehe

    Das genau ist eigentlich der therapeutische Ansatz, weil die Notwendigkeit kaum gesehen wird.

    Erst wenn gesundheitliche Probleme zu Tage treten, man direkt drauf angesprochen wird oder wie auch immer - dann erkennt man das Problem vielleicht.

    Doch dann ist es doch schon sehr spät (nicht zu spät, aber ....) und externes Eingreifen oder Hilfe wird viel schwerer und länger.

    Von was für Situationen sprichst du da

    Wie so oft kommt man mit einigen Problemen im Leben klar, aber wenn zufällig (oder in deinem Fall irgendwelche extremen gesundheitlichen Probs) auftreten, wird es schnell zu viel.

    Ob du Therapie kannst, das wirst du nur heraus finden, wenn du es versuchst.

    Aber nicht jede Beratung führt automatisch zu Therapie, vlt helfen vertraute, ehrliche Gespräche oder eine Selbsthilfegruppe ...

    Das Wollen kann dir aber keiner abnehmen, solange keine "Zwangstherapie" einsetzt und das dürfte in den seltensten Fällen in Frage kommen.

    Warum meinst du setzt du dich hier mit deinem Problem auseinander?

    Ich würde vermuten, du hast das Problem erkannt, aber lostest eben aus, welche Möglichkeiten du hast :winking_face:

  • Hallo Franz,

    letztendlich setze ich mich damit auseinander, weil ein Außenstehender sich Sorgen macht. Versteh bitte das es nicht leicht ist, zu mir selbst ehrlich zu sein....irgendwie hab ich doch das Gefühl, dass mit mir was nicht stimmt. Bestes Beispiel jetzt die Tage...gestern Abend hatte ich Weihnachtsfeier...aus Angst vor einer Gewichtszunahme habe ich zwei Tage lang so gut wie nichts gegessen und bin jetzt wach, um aufs Laufband zu gehen...Doch kann ich es für mich selbst noch nicht als ein Problem kategorisieren. Ich meine handelt es sich um eine wirklich gravierende Störung oder „nur“ um ein problematisches Essverhalten?

    Ich selbst habe gelernt meine Schwierigkeiten selbstständig zu lösen und keine Unterstützung/Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sollte mit mir tatsächlich etwas nicht stimmen muss ich es irgendwie selbstständig ohne externe Stellen in den Griff bekommen. Auch darf meine Familie auf gar keinen Fall etwas erfahren, das wäre eine Katastrophe. Sie würden sich so für mich schämen.....

    Meinst du es gibt Möglichkeiten es selbstständig in den Griff zu bekommen?

  • ...okay ich habe nichts mehr unter Kontrolle..die letzte Woche war schlimm. Hungern, exzessiv Sport treiben, einmal nach dem Essen übergeben. Ich weiß nicht was ich tun soll...diese permanenten Angst einer Gewichtszunahme. Dieser Druck, der auf mir liegt. Eine Therapie oder Beratung kommt nicht in Frage. Die Menschen die hier in den Einrichtungen arbeiten kennen mich von Berufswegen her und ich schäme mich so sehr, dass ich da rein geschlittert bin. Mein Mann fängt auch an Fragen zu stellen. Da wir aktuell beide Urlaub haben fällt das Hungern natürlich auf...und der extreme Sport. Hat irgendjemand Erfahrung damit gemacht es ohne professionelle Hilfe in den Griff zu bekommen? Ich habe Angst.... ich danke euch

  • Sorry Anni90,

    aber ich denke ohne Hilfe wird das nie und nimmer klappen.

    Auch darf meine Familie auf gar keinen Fall etwas erfahren, das wäre eine Katastrophe.

    Das kann ich mir nicht vorstellen, wenn jemand in der Familie lebensbedrohlich erkrankt ist - und so muss man dein Problem einfach mal klar benennen.

    Sollte die Familie dennoch so denken/handeln, dann tut es mir leid, aber dann wirst du wohl auf Familie verzichten müssen.

    Vielleicht solltest mal überdenken, ob nicht genau daher deine Krankheit kommt ...

    Mein Mann fängt auch an Fragen zu stellen.

    Das wäre doch nun ein Grund offen mit der Sache umzugehen, oder wie stellst du dir deine Ehe weiterhin vor?

    Vielleicht glaubst du, es könnte einfach heimlich behoben werden, aber glaub mir, dein Umfeld bemerkt doch längst Probleme.

    Die Menschen die hier in den Einrichtungen arbeiten kennen mich von Berufswegen her und ich schäme mich so sehr, dass ich da rein geschlittert bin.

    Nun, dann wirst eben eine Einrichtung in einem anderen Ort wählen müssen.

    Als erstes solltest eine Institutsambulanz aufsuchen, da kann alles weitere geklärt werden - ja, für so akut halte ich deine Situation!!

    Nächste Schritte könnten eine Reha sein, da würde nicht mal Arbeitgeber oder Umfeld erfahren was genau bei dir los ist - wobei der engste Kreis meiner Meinung eingebunden gehört.

    Ich hoffe dir wird endlich klar, es geht hier nicht um ein kleines Problemchen, welches in paar Tagen erledigt sein kann.

    Essstörungen in dem Ausmaß haben viele Ansatzpunkte, die kann nur ein erfahrener Therapeut und noch besser ein stationärer Aufenthalt leisten.

    Mal von körperlichen Auswirkungen abgesehen, es liegen ja psychische Probleme im Vordergrund, welche nicht einfach durch ein Selbsthilfebuch oder ähnliches verschwinden.

    Es geht vielmehr um lang anhaltende therapeutische Begleitung, nicht um eine Hauruck-Aktion.

    Versteh bitte das es nicht leicht ist, zu mir selbst ehrlich zu sein

    Keine Frage, das ist auch ein schwerer Vorgang, aber der wird dir unter Umständen das Leben retten!

    okay ich habe nichts mehr unter Kontrolle..die letzte Woche war schlimm. Hungern, exzessiv Sport treiben, einmal nach dem Essen übergeben.

    Nun, das ist eine ehrliche Selbsterkenntnis, aber nun bist du dran - handle!!

  • Puh Franz, deine Worte muss ich erstmal sacken lassen...meine Familie ist mir sehr wichtig, doch werden sie sich sehr für mich schämen. Das Ansehen ist meiner Familie sehr wichtig und auch meinem Mann, der mitunter auch viel Druck auf mich ausübt. Ob meine Familie der Auslöser ist oder mit meinen Schwierigkeiten im Zusammenhang steht weiß ich nicht. Ich habe gerade wahnsinnige Angst... meinst du es gibt auch ambulante Möglichkeiten? Und damit meine ich auch, dass meine Familie weiterhin Süden vor gelassen wird..ich brauche sie doch würde es in einer Katastrophe enden...

  • Ich habe in der letzten Nacht Kontakt per Mail zu einer Frauenberatungsstelle aufgenommen. Diese ist ca 30 km von meiner Heimatstadt entfernt und ich hoffe, dass sie sich in der nächsten Woche zurückmelden. Und ich hoffe, dass ich auch in der Lage sein werde, den Termin wahrzunehmen, falls es zu einem kommen sollte. Meinen besten Freund und einzigen richtigen Vertrauten habe ich auch informiert. Gestern Abend brach es erneut über mich hinein. Wir hatten Freunde zum Essen da und haben etwas kommen lassen. Im Anschluss daran fühlte ich mich so schlecht, leer, als Versagerin und dann wieder dieser Gedanke, dass sich heute Morgen ein paar Gramm mehr auf der Waage befinden könnten. Ich habe nach gewisser Zeit unser Wohnzimmer verlassen, bin an den Kühlschrank und habe Sahne getrunken (ich bin laktoseintolerant). Trotz des ganzem Szenario was sich danach abspielte, die Schmerzen etc. fühlte ich mich besser....zu solchen Mitteln kann ich also doch greifen. Ich bin doch gestört....ein Monster...

    Franz, du fragtest mich, ob die Nachfragen meines Mannes nicht ein Grund wären, um nun offen damit umzugehen. Meine Ehe ist alles andere als einfach. Wie in meiner letzten Nachricht schon geschrieben, spielt das Ansehen auch für meinen Mann eine sehr große Rolle. Weiter geschehen Dinge in meiner Ehe, die ich manchmal nicht richtig einordnen kann. Er wünscht sich so sehr Kinder und um diesen Plan umzusetzen setzt er alles in Bewegung. Auch dann, wenn ich damit nicht einverstanden bin...oder dann, wenn ich bereits schlafe. Das macht es nicht unbedingt leichter. Und wenn er dann erfährt das ich so eine Irre bin, dann ist alles vorbei...und dabei liebe ich ihn und nehme aus Liebe zu ihm auch alles in Kauf, was er mit mir macht....

  • Hallo Anni90,

    ein großer Schritt in Richtung gesundes Leben! Wirklich mutig, aber auch der einzige Weg, wenn du die Richtung verändern willst. Klar, dass es erstmal schlimm erscheint, das gewohnte zu verlassen und etwas zu verändern, das kostet auch sicherlich innere Sicherheit. Aber es muss schließlich anders werden, um anders zu sein. Und wenn du es selbst in die Hand nimmst, hast du wieder mehr Kontrolle in deinem Leben, auch wenn es sich vielleicht erstmal nach dem Gegenteil anfühlt.

    Es hat ja auch einen Grund, warum du die Sachen die du schreibst hier schreibst. Ein Teil von dir scheint ja schon bereits zu ahnen, wo was los ist. Ich will dich nicht schocken, aber ich mache auch so Sachen der Verharmlosung nicht mit. Ich habe jetzt lange drüber nachgedacht, aber Transparenz wärt am längsten. Und ich denke du hättest sowas nicht geschrieben, wenn du es nicht eigentlich wissen würdest:

    Zitat

    Weiter geschehen Dinge in meiner Ehe, die ich manchmal nicht richtig einordnen kann..

    Auch dann, wenn ich damit nicht einverstanden bin...oder dann, wenn ich bereits schlafe.

    Ich formuliere es mal um: Dein Ehemann schläft also mit dir, auch wenn du dagegen bist oder nicht zustimmen kannst, weil du schläfst? Das ist in Deutschland eine Vergewaltigung: 177.html . Und daran ändert auch eine Ehe oder ein Kinderwunsch nichts. Kein Wunsch rechtfertigt das. Du liebst ihn? Liebt er auch dich? Überleg mal, wie du reagieren würdest, wenn dir deine beste Freundin das von ihrem Mann erzählt.

    Ist okay, wenn du das erstmal auf sich beruhen lassen willst. Aber bitte fang auch an bei der Beratungsstelle, wenn du Vertrauen fasst darüber zu sprechen. Bloss weil du darüber sprichst, mit welchen Worten auch immer, heisst das nicht, dass sich irgendetwas verändert! Auch hier nicht. Du verlierst nicht deine Familie oder deinen Mann, weil du mit jemand fremden darüber sprichst. Du hast die Kontrolle darüber, was passiert, wenn du redest, heisst das nicht, dass etwas anderes passiert - darüber kannst du dann gesondert entscheiden. Also hab keine Angst, da mal mit jemanden gemeinsam hinzuschauen. Erstmal ändert sich im Außen gar nichts, wenn du nicht willst.

  • Hallo Grany, danke für deinen Zuspruch. Ich bin nach wie vor sehr verunsichert, was die Kontaktaufnahme angeht. Aber vermutlich ist es tatsächlich der einzige Weg und nun ja duhast schon recht, wenn du schreibst, dass ich es irgendwo vermutlich längst wusste, das bei mir etwas nicht stimmt. Dennoch schäme ich mich sehr für das, in was ich hineingerutscht bin.

    Ich weiß nicht, ob ich es Vergewaltigung nennen würde oder nennen kann (ich schätze ich möchte nicht in Kategorie Opfer fallen...). Aber ja, er macht es ohne meine Zustimmung und ja auch dann, wenn ich schlafe. Ich lasse es mir ja auch gefallen, warte ab bis es vorüber ist. Ich würde nicht sagen, dass es sich unter diesen Umständen um eine handelt. Ich neige vielleicht ein wenig zur Verharmlosung,aber aus dem Grund,dass ich mich nicht damit identifizieren kann und vermutlich auch eine Art Selbstschutz, den ich mir aufgebaut habe.

    Ich denke schon, dass er mich liebt, sonst hätte er mich nicht geheiratet und wünscht sich Kinder mit mir. Im Großen und Ganzen läuft es sonst auch ziemlich gut in meiner Ehe würde ich sagen. Wir haben uns gemeinsam als Team viel aufgebaut. Und bis auf, nennen wir sie Übergriffe, sind wir auch ein Team.

  • vermutlich ist es tatsächlich der einzige Weg

    Ja, dem dürfte so sein und je mehr du über deine Situation berichtest, um so mehr wird das klar ...

    Ich wünsche dir dabei viel Glück, aber du wirst sehen, es wird dir gut tun - darüber zu reden und auch klar gesagt zu bekommen, dass du keine Schuld trägst.

    Dennoch schäme ich mich sehr für das, in was ich hineingerutscht bin.

    Dafür besteht überhaupt kein Grund, aber natürlich weiß ich, dass genau das oft das Problem ist.

    Man muss ja immer stark und gesund sein - es wird erwartet!

    Ich hoffe du kannst es bald aus einem anderen Blickwinkel sehen - nicht du hast dich zu schämen!!

    Natürlich möchte keiner Opfer sein, aber wer das alles ertragen muss, wie soll man das denn sonst nennen?

    grany hat schon viel dazu geschrieben und das teile ich zu 100%!!

    Eine etwas intime Frage noch, also bitte einfach überlesen wenn für dich unpassend - verhütest du?

    Ich frage, weil ich mir irgendwie nicht vorstellen kann, dass du aktuell schwanger werden möchtest!

    Zudem wäre es eine Extrembelastung für dein Essproblem - für dich und ein Ungeborenes.

    Tja, ich kenne das, man baut sich in einer Ehe oft einiges auf und fühlt sich dem dann auch verpflichtet.

    Aber was hast du davon, wenn du wirklich krank bist und das eigentlich mitunter der Grund für deine Krankheit ist?

    Meiner Meinung nach reicht es nicht, wenn eine Ehe/Partnerschaft im Großen und Ganzen ok ist ...

    Das schlimme daran, nicht nur dein Mann, auch deine Eltern sind vermutlich gleich gestrickt und du meinst das alles ertragen zu müssen - weil es einfach erwartet wird!!

  • Die Beratungsstelle hat sich zurück gemeldet. Ich habe zügig einen Termin für Mittwochmorgen erhalten. In der Zeit wäre ich normalerweise auf der Arbeit, so bekommt zumindest niemand etwas davon mit. Ob ich diesen Termin tatsächlich wahrnehme kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Scham und Angst vor dem, was mich erwartet, könnten überhand nehmen und mir wird jetzt schon speiübel wenn ich an den Termin denke.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht doch diejenige bin, welche die Hauptschuld in sich trägt. Nicht nur die Außenwelt (beruflich als auch privat) haben hohe Erwartungen an mich, sondern ich selbst auch. Ich war immer extrem Leistungs– und zielorientiert. Ich schätze, sonst wäre ich beruflich nicht soweit gekommen, wie ich in meinen eigentlich noch jungen Jahren bin.

    Ich habe die Pille bereits vor einem Jahr abgesetzt, da ich häufig Pillenfehler hatte und meinem Körper auch nicht mehr mit Hormonen vollpumpen wollte. Seitdem hatten wir immer mit Kondom verhütet.... nein, eine Schwangerschaft wäre vermutlich unverantwortlich...

    Die Zeilen von grany kann ich nicht komplett teilen...ich lasse es ja schließlich über mich ergehen statt mich zur Wehr zu setzen

  • Ich muss ganz klar sagen, dass mein Mann kein schlechter Mensch ist. Ja, er hat nicht nur gute Seiten, aber wer hat diese schon? Ich weiß, dass es für Ausßenstehende nicht zu verstehen ist... aber wir haben wirklich gute Zeiten und im Großen und Ganzen sollte ich glücklich mit ihm sein statt mir über gewisse Situationen den Kopf zu zerbrechen. Und er trägt keine Schuld an meinem Essverhalten. Ich bin schließlich diejenige, die so handelt. Da haben Außenstehende doch gar nichts mit zu tun...

  • Ich weiß nicht genau, ob dir das hilft, aber mir ging es genauso wie dir, als ich den Termin für ein Beratungsgespräch bekommen habe.. Ich kann dir sagen, dass die Gedanken, die ich mir vorher gemacht habe, genau die selben waren wie die, die du dir jetzt machst. Im Nachhinein, haben sie die Gedanken und Ängste aber als total unnötig dargestellt. Im ersten Gespräch wird es erstmal darum gehen, dass du die Beraterin oder den Berater kennen lernst und eine gewisse Beratungsbeziehung aufbauen kannst.

    Was mir geholfen hat, ich habe mir vorher überlegt, welche Fragen sie stellen könnte und was ich darauf antworten könnte.. Ich habe das für mich vorbereitet..

    Ich weiß nicht wie viel du in der Mail über deine Situation schon geschildert hast, aber wenn du schon mal grob erzählt hast worum es geht, dann wissen die dort ja auch Bescheid und den Rest erzählst du einfach so, wie du es hier geschrieben hast. Du kannst dir auch vorher Notizen machen, wenn dir das hilft oder deine Situation aufschreiben und den Zettel dann so an die/den Berater/in geben...

    SecretMe

  • Vielen Dank SecretMe für deine Tipps. Ich habe es in der Mail alles nur angeschnitten. Immer darauf bedacht nicht zu viel preiszugeben, um nicht direkt abgestempelt zu werden. Doch dies bin ich vermutlich schon. Wie sieht denn dieser Beziehungsaufbau Ausg? Und was für Fragen werden so gestellt?

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