Partner rückfällig. Könnte Rat und offene Ohren gebrauchen.

  • Liebe Community,

    mein Partner hatte im Januar/Februar seinen letzten Rückfall. Er hat dann 12 Wochen lang eine stationäre Langzeittherapie gemacht (nachdem er selbst feststellte, dass seine ambulante Therapie in der Gruppe 1x wöchentlich nicht ausreichte) und ist seit dem in der Nachsorge. Es lief auch wirklich gut. Aber jetzt ist er leider wieder rückfällig geworden. Mir war schon klar, dass das auch nach einer Langzeit noch passieren kann. Es braucht ja auch Zeit, bis sich das wirklich alles gefestigt hat denke ich mir.

    Allerdings mache ich mir große Sorgen, da so ein Rückfall eben lebensbedrohlich sein kann, je nachdem wovon er rückfällig wird. Er ist schon ein paar Mal auf der Intensivstation gelandet, wo es nur noch abwarten hieß.

    Deswegen suche ich Rat, wie ich ihm helfen könnte. Bisher haben seine Familie und ich immer abgewartet, bis er am Ende war und meist dann selbst eine kaum lesbare Nachricht geschickt hat, dass er Hilfe braucht. Oft hat man ihn dann nur noch bewusstlos vorgefunden und konnte direkt den Krankenwagen rufen. Wenn man es "zu früh" versucht hatte ist er meist nicht mitgegangen und die Sanitäter konnten nichts tun. Das ganze dauerte in der Regel so 1-2 nervenaufreibende Wochen.

    Ich überlege eben, ob ich diesmal früher nach ihm schauen soll. Aber ob das was bringt? Ich vermute er ist erst seit 1, 2 Tagen rückfällig. Ich weiß nicht ob er sich direkt komplett zudröhnt oder er eventuell am Anfang noch ein bisschen empfänglich für mich wäre.

    Man weiß einfach nicht, was man machen soll. Ich will ihn nicht zusätzlich noch stressen und Druck machen und damit weiter reindrücken, aber wartet man zu lange kann es tödlich enden.:frowning_face:

    Wir sind seit 2 1/2 Jahren zusammen, in denen er sich auch Hilfe gesucht hatte und es kontinuierlich besser wurde. Sein eigentlicher Konsum war vor meiner Zeit, allerdings ist er bisher immer wieder zwischendurch rückfällig geworden. Die Abstände werden immer länger und jedes Mal denkt man "ok, vielleicht war es ja das jetzt gewesen und es geht vorwärts". Aber so langsam verliere ich die Hoffnung.

    Gibt es hier Süchtige, die bereits seit mehreren Jahren clean sind? Wie verlief das denn bei euch? Habt ihr vielleicht auch eine Langzeittherapie gemacht wonach ihr aber trotzdem erstmal noch rückfällig geworden seid bevor ihr es endgültig geschafft habt?

    Liebe Grüße und einen schönen Abend:red_heart:

  • Wenn jemand durch seinen Konsum auf der Intensivstation landet, dann glaube ich man muss direkt fragen, was ihn so quält, dass er sterben will.

    Wenn jemand es sich so gibt, dass er blau anläuft, dann sehe ich nur noch die eine Interpretation, dass er suizidal ist, und unmittelbar vor seinem Selbstmord steht.

    Wenn sowas mehrfach passiert, dann müsste noch der Unbesonnenste, der leben will, selber erkennen und einsehen, dass er ein Problem mit seiner Konsumform oder Dosierung hat.

  • Also ich konnte zum Ende meiner Hochzeit nicht mehr dosieren und verpasste mir immer wieder ungewollte Überdosen ...

    Mit Suizidalität hatte das nichts zu tun!

    Aber deswegen fragte ich ja, um welchen Suchtstoff es sich handelt.

  • Es geht um GHB und das Problem dabei ist der Entzug, da er dann ins Delirium fällt. Er ist nicht suizidal. Beim letzten Rückfall war es "nur" Alkohol und da hat er dann ganz normal den Entzug in der Psychiatrie gemacht. Schlimm wird es nur wenn GHB/GBL ins Spiel kommt.

    Und er hat es mir mal so erklärt, dass er während dem Rückfall überlegt, wie er es anstellt wieder aufzuhören, dabei ist er so überfordert, dass er "erstmal" noch was nimmt, um sich zu beruhigen und später "in Ruhe" weiter darüber nachzudenken. Das macht es natürlich immer schlimmer und er weiß immer weniger weiter. Teilweise gibt er sich dann irgendwann auf, weil er selbst so enttäuscht und verzweifelt ist, dass er trotz allem schon wieder rückfällig geworden ist. Dass das keinen Sinn ergibt weiß er selbst. Darüber kann man sehr gut mit ihm reden, wenn er wieder nüchtern ist. Er versteht auch selbst nicht, warum es immer noch passiert, obwohl er jetzt eine ansonsten glückliche Beziehung hat, er macht sein Fachabi nach, schreibt nur Einsen und hat im Grunde eine tolle Perspektive. Früher als er nichts hatte und da teilweise wirklich suizidal war hatte er gedacht, dass es daran liegt. Doch eine Sucht hört eben nicht einfach auf, wenn man wieder glücklich wird.

  • Ich schaffe heute leider keine ausführliche Antwort mehr. Morgen Vormittag erledige ich das, wenn es dir dann noch reicht :baby:

    Einmal editiert, zuletzt von Franz (18. Oktober 2018 um 12:05) aus folgendem Grund: Schreibfehler korrigiert, Handy macht immer Webb anstatt wenn ;)

  • Ich schaffe heute leider keine ausführliche Antwort mehr. Morgen Vormittag erledige ich das, Webb es dir dann noch reicht :baby:

    Natürlich, dankeschön schon mal! Ich bin einfach froh über jeden Austausch in dieser Zeit, da sowas wirklich an die Substanz geht.

  • OK, GHB kenne ich nicht.

    Beim Spritzen habe ich niemals jemals schnell abgedrückt (sicher nicht, ohne die Qualität zu kennen). Immer stufenweise und erst die Wirkung abgewartet, und sowieso nie hohe Dosen injiziert. Das habe ich aber auch nicht umfangreich betrieben.

    Ich kenne es, dass es das letzte ist, das ich von einem Therapiekumpel erzählt bekam, dass er blau angelaufen war. Ich fragte ihn noch, wie denn sowas jemals passieren kann. Mir war es aber auch nicht klar, dass er im Nachhinein ganz eindeutig suizidal war, und das auch so ausgesprochen wurde. Wie schlimm es um ihn und seine ganzen schweren Probleme stand. Ein paar Monate später war er tot durch Überdosis.

    Es gibt immer einen Grund, Drogen zu nehmen, sich abzuschotten, dem Rausch hinzugeben, zu fliehen. Das ist extremes Verhalten, gerade mit solch vorhersehbar schwerwiegenden Folgent. Das bedarf schon eines starken Motivators/Impulses.

    Natürlich sind einige Monate Drogenfreiheit nach vermutet jahrelanger Abhängigkeit auch keine Garantie.

    Es macht schon immer Mut, wenn die Abstände zwischen den Rückfällen länger werden, oder Rückfälle schneller gestoppt werden. Dann gibt es ziemlich offensichtlich wohl schon irgendeine positive Entwicklung.

    Z.B. eine Erwartung, dass man doch jetzt glücklich zu sein habe, weil man ja "alles" habe oder "eigentlich keine Probleme mehr" habe, greift zu kurz.

    Der Mechanismus des Rückfalls, was sich in den Gefühlen, Gedanken, der Person in der Phase vor dem Rückfall abspielt: das hat es nötig solide aufgearbeitet zu werden, wenn das aufhören soll.

    "Nur Alkohol"-rückfall mit stationärem Entzug ist auch nicht nur, sondern sehr extrem. Alkohol ist eine harte, sehr giftige Droge mit schrecklichen Folgen. Zumal, wenn körperliche Abhängigkeit bestünde: das wäre sehr extrem.

    Dass es keinen Sinn ergibt Drogen zu nehmen, oder dass man selbst nicht versteht, warum man rückfällig wird, ist ja schon mal eine Aussage.

    Will er denn rausfinden oder wissen, warum er immer wieder rückfällig wird?

  • Servus Worried,

    die schwierigen Entzüge, gerade in Hinsicht Delirium, bei GHB/GBL sind bekannt.

    Hier ein Link der das Gut darstellt ==> GHBprotocol_duits.pdf

    Die von dir geschilderte Beschreibung, wie sein Rückfall vonstatten geht, trifft es sehr genau. Enttäuschung und Verzweiflung verstrickt dich bei so einem Rückfall, aber auch ich halte es für einen Vorteil, wenn er so eine Situation so genau beschreiben kann.

    Eine glückliche Beziehung, eine tolle Perspektive, sind sehr hilfreich, aber schützen leider nicht unendlich vor weiteren Rückfällen.

    Wie du ja selbst schreibst, hört eine Sucht nicht einfach auf …

    Wie strider schon schrieb, kann man es als positiv bewerten, wenn die Abstände zwischen den Rückfällen größer werden.

    Hier ist aber auch zu beachten, es wird oft beschrieben, dass jeder weitere Rückfall alles auch irgendwie schwieriger macht.

    Du hast in deinem ersten Beitrag nach Süchtigen gefragt, welche länger Clean sind und eventuell Langzeittherapie hinter sich haben.

    Langzeittherapie ist schwer einzugrenzen, vor 30 Jahren bedeutete das 18 Monate, heute ihr nur noch 3-6 Monate.

    Ich habe eine dreimonatige Therapie gemacht und war dann über elf Jahre Clean. In den ersten Jahren habe ich hin und wieder noch Cannabis konsumiert, gelegentlich auch Alkohol getrunken, wobei das eher nicht relevant war.

    Wie gesagt, wurde ich nach gut elf Jahren rückfällig!

    Zu dieser Zeit steckte ich in einer Scheidung und musste meine damalige Firma in die Insolvenz führen. Beides hatte aber nichts mit meiner früheren Suchterkrankungen zu tun.

    Der Rückfall ist nicht einfach so passiert, nein, den habe ich bewusst herbeigeführt, weil ich mit der damaligen Situation einfach nicht umgehen konnte.

    Zu dieser Zeit habe ich immer einige Tage konsumiert und wieder abgesetzt, aber alte Probleme tauchen recht schnell wieder auf.

    Auch jetzt hatte ich große Probleme mit dem dosieren, soll heißen, ich verpasste mir immer wieder zu viel.

    Nach einigen Wochen habe ich mich selbst in die Psychiatrie einweisen lassen, war dort einige Wochen und konnte für den Moment den Rückfall stoppen.

    In dieser Zeit wurde bei mir Hepatitis C festgestellt, welche ich schon aus der früheren Drogenzeit gehabt haben musste. Begleitend wurde auch eine Fibrose der Leber diagnostiziert und ich entschloss mich zu einer Interferon Therapie.

    Letzteres habe ich unterschätzt, die damaligen Medikamente haben in etwa die gleichen Nebenwirkungen, wie man es von einer Chemotherapie kennt.

    Nach einigen Wochen war das Virus nicht mehr nachweisbar, zu dieser Zeit war die Standardtherapiedauer zwölf Monate. Das habe ich entsprechend gemacht, alle Virentests - während der Therapie und auch zum Ende - waren immer negativ.

    Kaum hatte ich diese Therapie abgeschlossen, wurde ich erneut rückfällig. Bei diesem Rückfall lag ich etwa eineinhalb Tage bewusstlos in der Wohnung, landete anschließend im Krankenhaus und musste dort viele Wochen verweilen. Bei so einer Bewusstlosigkeit, wo man dauerhaft auf einem Körperteil liegt, kann sich ein sogenanntes Kompartmentsyndrom entwickeln. Bei mir bedeutete das, dass zum Teil Gefäß und Oberschenkel betroffen war, zusätzlich ein Nierenversagen eingetreten ist. Neben Dialyse, wurden in zig Operationen nach und nach mehr Muskelgewebe entnommen.

    Mit der ersten Reha, war ich gut ein halbes Jahr im Krankenhaus, seitdem gab es noch einige Nachfolgeoperationen und alle ein bis zwei Jahre erneut Rehamaßnahmen.

    War das nun Glück oder Glück im Unglück?

    Ich will damit sagen, es gibt immer Hoffnung, auch wenn es einschneidende Umstellungen im Leben mit sich zieht.

    Heute bin ich wieder verheiratet, meine mittlerweile erwachsenen Kinder haben immer zu mir gehalten und wenn auch gehbehindert, geht es mir heute wirklich gut.

    2007 habe ich ein Studium zum psychologischen Sucht Berater begonnen und abgeschlossen, versuche mit eigenen und erlernten Erfahrungen andere zu unterstützen.

    Eine Überzeugung habe ich jedoch aus dem ganzen gewonnen, hätte ich es rechtzeitig mit passenden therapeutischen Maßnahmen angegangen, wäre mir vermutlich viel erspart geblieben.

    Das erste was jeder lernen muss, ist Hilfe anzunehmen, aber das fällt vielen Menschen schwer.

    Wie du geschrieben hast, wartet man zu lange, kann es tödlich enden. Genau aus diesem Grund sollte dein Freund überlegen, ob er nicht seine therapeutischen Maßnahmen noch etwas intensiviert.

    Hoffnung aber gibt es immer :thumbs_up:

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