Staubsaugergeräusch löst Angst und Zwang aus

  • Hallo zusammen.
    In meiner Kindheit habe ich öfters mit ansehen und anhören müssen, wie größere Dinge von meiner Mutter ab- oder eingesaugt wurden – u. a. Spielsachen, unaufgepustete Schwimmringe, etc. Oft mit der Begründung: "wenn du das nicht aufräumst, sauge ich es ein". Das Geräusch von der höheren Motorfrequenz des Staubsaugers, wenn sie etwas festgesaugt hatte, macht mich heute noch "krank". Als Jugendlicher fing ich an, selbst Sachen abzusaugen, hauptsächlich meinen Lieblingsschwimmreifen. Später verbot ich ihr, in meiner Gegenwart staubzusaugen und ging damit der Konfrontation aus dem Weg. Seit etlichen Jahren führe ich einen Single-Haushalt. Für mich ist Staubsaugen etwas ganz normales und ich muss auch nichts ab- oder einsaugen.

    Vor ein paar Jahren gab es auf Kur leider ein Ereignis, das mein mich absolut zurückwarf. Eine Putzfrau saugte "permanent" ohne Düse nur mit dem Saugrohr an einem runden mit Fell überzogenem Lampenfuß rum. Das Geräusch vom Festsaugen machte mich schier wahnsinnig. Das löste aber in mir den Zwang aus, mir einen Schwimmring zu kaufen und ihn ein paar Tage später auf dem Boden in meinem Zimmer auszulegen. Ich blieb, bis die Putzfrau kam und bat sie, den unaufgeblasenen Schwimmring abzusaugen, was sie auch tat. In der Zeit hatte ich Herzrasen, eiskalte Hände und zitterte am ganzen Körper. Danach konnte ich mich aber wieder entspannen und mir ging es wieder gut.

    Seitdem habe ich immer die Angst, wieder solch einer Situation zu begegnen. So war ich bei einem Freund und seine Frau fing das Staubsaugen an und löste in mir den starken Drang aus, sie zu bitten, den Schwimmreifen abzusaugen, den ich mit in den Urlaub genommen hatte. Ich tat es aus Scham nicht, aber mich wühlte es wieder bis zum Gehtnichtmehr auf. Nun sind meine Bedenken, dass meine zukünftige Frau mit meiner Phobie und dem anschließenden Zwang nicht zurechtkommt. Außerdem mindert es meinen Lebenskomfort. Ich hätte es gerne, dass mir das Festsauggeräusch nichts mehr ausmacht und ich damit nicht mehr den peinlichen Zwang habe.

    Aber wie soll ich das selbst therapieren, wenn das überhaupt möglich ist? Eine gute Freundin fragen, ob sie den Reifen regelmäßig absaugt, so dass ich mich dran gewöhne und es mir mit der Zeit nichts mehr ausmacht bzw. der Zwang nachlässt, weil es dann nichts Außergewöhnliches mehr ist? Mir ist das im Moment zu peinlich, als dass ich mich an einen Psychologen wenden möchte...

    Ich bedanke mich sehr für Eure Vorschläge.

  • Hey worstcase!

    Ich denke, dass dir sowas bei einem Psychologen nicht peinlich sein muss.
    Ich persönlich kann für mich sagen, dass ich sowas noch nie gehört habe, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es noch viel ungewöhnlichere Dinge gibt, mit denen sich Psychologen auseinandersetzen.
    Ich habe zum Beispiel letztens ein Buch gelesen und einen Vortrag zu diesem Buch gesehen von dem Autor, der sich auf Angstforschung spezialisiert hat und es gibt weitaus mehr solche ungewöhnlichen Ängste. Angst vor langen Wörtern, Erdnussbutter, Säbelzahntiger, etc. ...
    Dass du da Hemmungen hast, versteh ich irgendwie, aber wenn es deine Lebensqualität so massiv einschränkt, würde ich vielleicht nochmal drüber nachdenken?!

    Das mit ner Freundin kannst du natürlich probieren. Ein Versuch sollte es wert sein, dass du dich bewusst der Situation stellst.

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