Kokainsucht- Wut, Verzweiflung, Trennung?

  • Hallo zusammen,

    ich erhoffe mir vielleicht ein paar Tipps, wie ich mich besser verhalten kann. Habe oft das Gefühl so hilflos zusein und weiss nicht mehr was richtigg ist.

    Mein Mann konsumiert Kokain. Anfangs war es nur ganz selten, ich hab sogar ab und zu mit gemacht, eben mal zum Party feiern. Im Lauf der letzten drei Jahre wurde es immer mehr udn inzwischen ist er bei fast täglichem Konsum.
    Ich wusste das alles vorher nicht, aber anscheinend hat er das Drogenproblem schon seit vielen Jahren. Wir führen gemeinsam eine Firma, das heisst wir leben und arbeiten zusammen und haben eine 4,5 Jahre alte Tochter.
    Das Koks hat viel verändert, in unserer Beziehung, iin der Familie und auch im Job.
    Ich habe ihm nun die Pistole auf die Brust gesetzt und ihm gesagt, dass er gehen muss, wenn sich nicht was ändert. Da er das ja auch selber "will" (naja...) geht er nun Ende Januar in eine stationäre Therapie. Ich bin so wütend auf ihn, alles ist kaputtgegangen.
    Wir hätten es so schön gemeinsam haben können...
    Ich sitze fast jeden Abend allein im Wohnzimmer, er im Esszimmer kokst und zockt Poker. Ich kann dann nichts mehr mit ihm anfangen, wenn er drauf ist, er redet nict und zockt nur... Mich macht das alles so krank. Ich hab schon einen richtigen Hals auf ihn, mag ihn gar nicht mehr sehen und diese Suxht widert mich richtig an. Dann ist da natürlich noch die finazielle Seite, wir kämpfen seit Jahren um unsere Firma und das Geld sitzt nicht so locker. Wir reissen uns richtig den Arsch auf und arbeiten viel. Umso wütender macht mich das dann wenn tausende von euros zum Fenster rausgekokst werden. Oft habe ich wenig Zeit für meine Tochter, wegen der Arbeit und dann denke ich mir eben oft: Für seine Koks scheisse gehe ich hier arbeiten und reiss mir den Arsch auf. Das macht mich so sauer. Ich kann dann auch fast nict mehr normal mit ihm umgehen, bin zickig und bissig. weil es mich so ankotzt. Ich spüre auch, dass meine Gefühle immer mehr kaputtgehen, ich empfinde kaum noch Liebe für ihn, alles geht an Arsch. Ich habe ihm schon so oft gesagt, dass es nicht geht, dass er einfach Geld vom Geschäftskonto nimmt, aber kann ich z.B. die Karten einfach wegtun, verstecken? Dann rastet er wahrscheinlich aus und beschimpft mich.... Ich bin verzweifelt. Irgendwie gehht es nun nur noch darum bis zur Therapie durchzuhalten... Aber wie? Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ist es vielleicht alles schon zu spät??? LG LISA

  • Hallo Lisa

    Naja alles zuspät ist es erst wenn man auf dem Friedhof liegt.

    Aber es Hört sich nicht gerade so an das er das wirklich will, scheint ihm noch viel zu gut zu gehen bei dir.
    Eine Therapie macht erst sinn wenn man wirklich kapituliert hat vor der Sucht und den aufrichtigen wunsch hat davon loszukommen.
    Die Therapie ist kein Wundermittel und noch lange kein Garant davon loszukommen.
    Leider kannst du nicht viel machen das ist sein Job sein Kopf.

    Mach ihm klar wie schlecht es dir dabei geht vielleicht rüttelt das ein bisschen wach.
    Das sind nur meine Gedanken dazu.

    Wünsch dir alles Gute und viel Kraft den Scheiss durzustehen
    Toni

  • Hallo lisaleise,

    zuerst einmal begruesse ich Dich recht herzlich hier in unserem Forum.

    Du hast Deinem Mann die Pistole auf die Brust gesetzt und somit genau das richtige gemacht. Du hast eine klare Grenze gezogen nach dem Motto, bis hierhin und nicht weiter. Er sagt jetzt das er in eine Therapie will und so wie Du Dich dabei ausdrueckst hast Du so Deine Zweifel daran. Hat er denn schon einen Therapieplatz bzw. zumindet einen Termin fuer die stationaere Entgiftung ? Wenn nicht, dann setze ihn weiter unter Druck....halte Deine Grenze aufrecht, lass die bloss nicht weich werden....

    ...uebrigens, das empfehle ich Dir als Suchtkranker, ich kenne da eher seine wie Deine Seite...aber wenn uns Suechtigen nicht klare Ansagen gemacht werden dann machen wir in unserer Sucht ganz normal weiter. Die Sucht kann nur gestoppt werden, heilbar ist sie nicht. Der Ausstieg aus der Sucht wird aber auch nur dann funktionieren wenn er es wirklich will. Halbherzigkeiten oder anderen zu liebe bringt das nicht viel. Das ist dann doch meist zum Scheitern verurteilt.

    Ob es zu spaet ist fuer Eure Beziehung kann Dir keiner sagen, das wirt Du ganz alleine feststellen muessen. Auf eines wirst Du Dich aber einstellen muessen. Solange wie er an seiner Sucht haengenbleibt wird die Beziehung so wie es aussieht wohl den Bach runter gehen. Selbst nach einer erfolgreichen Entgiftung und anschliessender Entwoehnungstherapie wird sich Dein Mann veraendert haben. Du wirst nie wieder den Mann zurueck bekommen der er vor der Sucht war. Ihr werdet beide nicht daran vorbei kommen Eure Beziehung neu zu pruefen.

    Im Moment also die Grenzen aufrecht halten. Helfen kannst Du ihm nur wenn er sich helfen lassen will. Du musst im Moment auf Dich achten damit Du nicht dabei kaputt gehst. Die Karten wegnehmen bringt nicht viel, die sind sofort neu gekauft. Sinnvoller waere es zu vermeiden das er an Geld rankommt, aber auch das wird sicher in Aerger enden. Wichtig ist das Du Dich jetzt in erster Linie um Dich und Deine Tochter kuemmerst. Von ihm solltest Du aber ganz klare Termine einfordern...schliesslich brauch er eine Einweisung fuer eine Entgiftung...wann holt er die bei seinem Hausarzt ?

    Viele Gruesse:

    Siegfried

  • Ich weiss, dass ich eigentlich nicht viel machen kann.... Aber was meinst du wäre richtiges Verhalten?
    Es fällt mir ganz schwer die liebevolle und verständnisvolle Ehefrau zusein, dazu bin ich zu wütend und enttäuscht, immer wieder halt. Er wirft mir vor, dass ich nicht genug Verständnis für seine "Krankheit" aufbringe, nur an mich denke, ihn mit meinem "rumgeflenne" fertigmachen will. Aber es ist gar kein normaler Umgang im Alltag möglich. Ich habe mich inzwischen so weit distanziert, dass ich nicht mehr ausflippe und streite, wenn er sich was holt. Einfach weil das auch nichts bringt, er geht ja sowieso. Aber ist das nicht auch eine Art kapitulation? Denkt er dann nicht, wenn ich nicht mehr ausflippe, es ist geduldet was er tut? Mache ich es ihm dadurch noch leichter zu konsumieren? Ich habe einfach den ewigen Kampf nicht mehr ausgeahlten, gutes Zureden, "Verbote", Ablenkung, nichts hat geholfen, am Ende ist er immer losgefahren und der ganze Stress war umsonst. Deswegen lasse ich ihn einfach gehen, ich kann es eh nicht halten. Natürlich macht es mich trotzdem wütend und traurig, gerade an einem solchen Abend wie gestern. Heilig Abend, sass ich dann alleine vor dem Fernseher.

    Soll ich ihm den Konsum erschweren, indem ich beispeilsweise meine EC-Karten wegtue (er hat selbst keine)? Was ist richtiges Verhalten?

  • Lieber Siegfried,
    danke für deine Antwort. Er hat bereits eine festen Termin zur stationären Aufnahme in Tönisstein. Die Kur hatten wir schon im Sommer beantragt, nur da ging es nicht, weil wir ja selbstständig sind und ich alleine die Arbeit nicht geschafft hätte. Nun ist es auch nicht viel besser, aber wir haben vereinbart, dass er trotzdem geht, weil sonst nicht nur die Firma den Bach runter geht, sondern alles andere, unsere Beziehung, Familie etc. auch noch.
    Der Termin ist am 21. Januar. Also absehbar. Er soll dort bereits entgiftet hinkommen, dass heisst seit zwei Wochen nicht konsumiert haben. Ich hoffe, dass das klappt! Die Zeiten in denen er nicht kokst, sind auch kein Zuckerschlecken,da er da unausgeglichen und aggressiv ist.

    Er weint ja auch manchmal selbst und sagt, dass er so nicht weitermachen will, ein schlechter Vater ist und und und. Depri eben.

  • Hallo lisaleise,

    Die Kur hatten wir schon im Sommer beantragt, nur da ging es nicht, weil wir ja selbstständig sind und ich alleine die Arbeit nicht geschafft hätte. Nun ist es auch nicht viel besser, aber wir haben vereinbart, dass er trotzdem geht, weil sonst nicht nur die Firma den Bach runter geht, sondern alles andere, unsere Beziehung, Familie etc. auch noch.


    Damit habt IHR EUCH aber auch gemeinsam dieses Problem an die Backe geklebt wenn ich das mal so ausdruecken darf. Das Problem ist ja das gleiche, viel Arbeit, eigentlich fehlt er dann im Betrieb, aber seine Gesundheit geht vor weil EUCH die Suchtkrankheit kaputt macht. Ihn als direkt betroffenen Suechtigen und Dich als Angehoerige. Ich hoffe sehr fuer Euch das es dann auch am 21. Januar beginnt und nicht wieder vor sich hergeschoben wird.

    Die Zeiten in denen er nicht kokst, sind auch kein Zuckerschlecken,da er da unausgeglichen und aggressiv ist.


    ....das ist leider ganz normal und das sind meiner Meinung nach ganz normale Entzugserscheinungen eines kalten Entzugs. Er sollte bis zur Wahrnehmung des Termins nicht in einen kalten Entzug reinspringen. Es ist da sinnvoller bis dahin den normalen Konsum beizubehalten. Ein kalter Entzug kann lebensbedrohlich werden. Bei der stationaeren Entgiftung ist er unter medizinischer Aufsicht und kann auch zielgerichtet behandelt werden. Das ist zu Hause nicht moeglich.

    So ganz ohne Suchtmittel wird es wohl nicht gehen bis er in die Entgiftung geht. Vielleicht ist ja eine Reduzierung moeglich, aber auch hier rate ich zu hoechster Aufmerksamkeit und Vorsicht. Ich weiss ja nu echt nicht wieviel er konsumiert und wie sein Koerper auf eine Reduzierung reagieren wird. Da sind ja physische wie psychische Aspekte bei zu beachten. Was vermieden werden sollte...ich denke mal vermieden werden muss ist eine Dosiserhoehung weil es ihm dann noch schwerer fallen wird diese Entgiftung zu beginnen.

    Zu klaeren ist ja jetzt wie IHR es regeln koennt das seine Arbeitskraft waehrend der Entgiftung ersetzt wird. Da gibt es verschiedene Moeglichkeiten wie Schaffung eines Minijobs oder einer Teilzeit-/Vollzeitstelle, Nutzung von Fremdarbeiter durch eine Zeitarbeitsfirma oder Vergabe von Auftraegen an Nachunternehmer. Egal auf welche Loesung IHR EUCH bei diesem Arbeitsproblem einigen koennt solltet IHR Gedanken daran verschwenden dieses als langfristige Perspektive zu betrachten. So koennt Ihr dafuer sorgen das Ihr Euch etwas Druck von den Schultern nehmt, die gesamte zu erbringende Arbeitsleistung auf mehr Schultern verteilt wird. Das erzeugt weniger Druck, Ihr gewinnt vielleicht an Freizeit und habt dann vielleicht auch mal Zeit zum Luft holen und um etwas zu entspannen. Jetzt steht IHR nur im Dauerstress und wenn das nach seiner Entgiftung so bleiben wird ist es sehr wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit bis er rueckfaellig wird. Macht Euch jetzt schon mal Gedanken darueber wie es nach der Entgiftung und/oder Therapie weitergehen soll. Wenn sich da nichts aendert wird die ganze Sache wenig Sinn machen. Wenn er/Ihr danach nichts an seinem/Eurem Verhalten aendert dann wird es fuer keinen einfach. Schafft Euch also irgendwie Entlastung oder schraubt "nur" die finanziellen Vorstellungen etwas runter um unnoetigen Stress zu vermeiden.

    Viele Gruesse:

    Siegfried

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