Seine Pornosucht gefährdet mein Seelenheil...

  • Hallo zusammen,

    ich weiß, viele die hier schreiben haben Angehörige, die mit weitaus zerstörerischen Süchten zu tun haben, als das bei meinem Partner der Fall ist. Aber ich weiß mir mit meinen gerade mal 24 Jahren einfach nicht mehr zu helfen, schäme mich, mit meinen engen Vertrauten darüber zu reden und hoffe deshalb, vielleicht hier ein wenig Verständnis oder gar Hilfe zu finden.

    Sei über zwei Jahren bin ich mit meinem Freund zusammen. Er ist der Traummann schlechthin, das dachte ich zumindest von Anfang an. Nach gut 6 Monaten sind wir bereits zusammen gezogen und so kam es, dass ich ihm langsam auf die Schliche gekommen bin. Er konsumiert Pornografie. Etliche Male am Tag sitzt er vor seinem Laptop und befriedigt sich selbst beim schauen von im Internet frei zugänglichen Pornos. Sogar wenn ich nur einen Raum weit entfernt bin..

    Ich fühle mich gedemütigt, schmutzig, traurig, nicht "ausreichend genug" und einfach trostlos und leer. Natürlich habe ich ihn darauf angesprochen, er versprach mir immer wieder, mir zuliebe damit aufzuhören, aber natürlich hat er es nicht getan. Vielleicht 1-2 Tage durchgehalten und dann ging alles wieder von vorne los.
    In mir ist irgendwann ein extremer Kontrollzwang entstanden - ihn bloß nicht alleine lassen. Immer zu Hause sein wenn er zu Hause ist und nie von seiner Seite weichen, nie früher ins Bett gehen, mich nie mit meinen Freundinnen treffen, ich habe sogar die Uni regelmäßig geschwänzt, um ihn kontrollieren zu können, weil ich mit dem Gedanken nicht leben konnte, dass er es wieder tun würde, wenn ich nicht da bin. Und dann würde ich wieder nach Hause kommen und seine Umarmung wie Feuer auf meiner Haut brennen und ich mir vor ihm ekeln..

    Ich merke, wie mein Leben aus den Fugen gerät, das Leben, das noch so viel für mich zu bieten hat. Mein Verstand sagt mir: Lauf, so lange du noch kannst. Aber mein Herz weiß, dass ich mit diesem Mann meine Zukunft verbringen und Kinder haben möchte. Und dass ich nicht kampflos aufgeben möchte, egal wie sehr es mich zerfrisst.

    Er ist nicht dazu bereit, sich von einem Therapeuten Hilfe holen zu lassen, auch eine Paartherapie möchte er nicht. Deshalb muss ich irgendwie einen Weg finden, mit dem wir uns selbst helfen können. Hat jemand schonmal Erfahrung damit gemacht oder Lösungsvorschläge?

    Vielleicht noch ein paar Details die er mir in einem offenen Gespräch dazu verraten hat (ich denke schon, dass er es auch will)... er sagt, es sei ein "Teil" von ihm, der direkt nach den Bedürfnissen essen und atmen komme. Er hat schon mit 14 angefangen (ist jetzt 28), Pornos zu konsumieren und die Spirale hat sich, besonders in Zeiten des Singleseins immer weiter hoch geschaukelt. Zudem konsumiert er eher die "harten" Sachen, die man in einem normalen Sexleben eher nicht ausübt.. schon in sadistische Richtungen. Das Verlangen sei immer in seinem Kopf.

    Es bricht mir das Herz zu wissen, dass der Mensch, den ich zu kennen glaube, eine Seite an sich hat, die ich verabscheue und die sich mit meiner Vorstellung von einer glücklichen Beziehung nicht vereinbaren lässt. Aber erkennt es als Sucht an und deswegen habe ich irgendwie die Hoffnung, dass es zu schaffen ist. Oder was meint ihr?

    Ich wäre euch wirklich sehr dankbar für einen Kommentar.

  • Hallo Verzweifelte,

    das ist schon harter Stoff, was er sich da anschaut. Ich bin meinem Mann auf die Schliche gekommen, als ich im Bad aufm Hängeboden Zeitungen mit Kontaktanzeigen gefunden hab. Klar hab ich ihn zur Rede gestellt und dabei erfahren, das er sich 3-4 mal täglich befriedigt. Die Texte machen ihn an, nicht die Frauen. Er will nur mich und keine andere. Okay, soweit so gut. Danach hab ich angefangen, mal den Browser-Verlauf zu kontrollieren und dabei festgestellt, das er mehrmals täglich Pornos anschaut (was er dabei tut ist auch klar). Seine Erklärung war, er hätte diesen Druck und würde ihn lieber SO abbauen, als das er mich betrügt. Okay, mit der Erklärung kann ich leben. Unser Sex hat sich nicht verändert, obwohl er sich Sachen anschaut, wo mir übel geworden ist. Keine Gewalt aber andere grenzwertige Praktiken. Da ich nicht soviel Lust habe, ist diese Lösung etwas, womit ich leben kann.

    Du musst Dir klar werden, ob Du unter diesen Bedingungen weiter mit ihm zusammen sein möchtest.

    Zitat

    Und dann würde ich wieder nach Hause kommen und seine Umarmung wie Feuer auf meiner Haut brennen und ich mir vor ihm ekeln..

    Ich meine, wenn Du Dich schon zum Kontrollfreak entwickelt hast, solltest Du Dir darüber mal Gedanken machen. Du hast ja schließlich auch ein Leben und wenn sogar das Studium drunter leidet... Das Problem ist wie bei allen Süchten: Du kannst niemandem helfen, der nicht bereit ist, sich helfen zu lassen.

    Ich wünsche Dir genug Egoismus und Stärke.
    LG die Löwin

  • Hallo Löwenmama,

    also hast du dich einfach damit abgefunden, dass es so ist, wie es ist?

    An Sexualität hat es bei uns eigentlich nie gefehlt, im Gegenteil. Daher kann ich es noch weniger verstehen. Wenn ich jetzt selbst eher lustloser wäre, okay, aber dem ist nicht so. Die einzige Situation, in der ich die Lust verliere, ist natürlich die, wenn ich weiß, dass er wieder diese Filme angeschaut hat. Dann kann ich diesen Kloß in meinem Bauch nicht dazu bringen, so zu tun, als wäre nichts gewesen, um ihm Zuneigung entgegen zu bringen. Andererseits reagiere ich vielleicht auch so heftig, weil ich ihm zeigen möchte, dass ich das nicht mit mir machen lasse und dass er mich mit seinem Verhalten abstößt und das für mich auch ein Trennungsgrund wäre.

    Ich habe ihn schon damit konfrontiert, dass es, sollte sich sein Verhalten nicht ändern, zur Trennung kommt. Aber ich weiß nicht recht, ob er mir glaubt. Und ich weiß auch nicht recht, ob ich mir selbst glaube.
    Unserer Beziehung fehlt es eigentlich an nichts. Von dem, was er da anschaut, lässt er nicht mal ansatzweise irgendetwas auf mich abfärben. Er ist liebevoll und zärtlich und wäre nie darauf bedacht, etwas zu tun, das ich nicht wollen würde.
    Aber dass er DAS tut, sich diese Pornos ansehen.. das tut wohl mehr weh als ein Schlag ins Gesicht.

    Ich habe vor kurzem in einem Roman etwas über die Abhängigkeiteiner Frau von ihrem schlagenden Mann gelesen, der seine Frau in Momenten der Wut geschlagen hat und dem es jedesmal unendlich leid tat, der aber nicht damit aufhören konnte. Und sie konnte ihn nicht verlassen. Ich habe mir gedacht: Bei so einem Mann würde ich niemals bleiben.
    Aber jetzt frage ich mich, ob es nicht indirekt vergleichbar ist mit meiner Situation - es ist zwar kein körperlicher, aber ein für heftiger seelischer Schmerz, der mir meine Unbeschwertheit genommen hat.

    Oder bin ich einfach zu prüde, zu egoistisch oder zu anspruchsvoll, dass ich nicht verstehen/akzeptieren kann, das er das tut?

    In meinem Kopf schwirrt halt immer die Frage: Wird er irgendwann mehr wollen als nur Filmchen anschauen?

    Ich wüsste wirklich gerne, ob es denn einen Weg heraus gäbe, WENN er (so wie er nun sagt) bereit wäre, dafür zu kämpfen. Aber es müsste wohl sehr wahrscheinlich einer ohne Therapeuten sein..

  • Ja, in gewisser Hinsicht schon. Ich muss aber auch erwähnen, das es zu Zeiten seiner Selbständigkeit am Schlimmsten war. Nun, nach der Insolvenz der Firma, ist er viel ausgeglichener und ich glaube, das Selbstbefriedigung nicht mehr so zwanghaft für ihn ist.

    Zitat

    Die einzige Situation, in der ich die Lust verliere, ist natürlich die, wenn ich weiß, dass er wieder diese Filme angeschaut hat.

    Das müsste dann aber ein Dauerzustand sein, oder hab ich Dich da falsch verstanden?

    Du musst das für Dich entscheiden: Kann ich damit leben, dass er sich diese Filme anschaut und wir ein zärtliches, "normales" Sexleben haben oder ist diese gesamte Situation unerträglich für mich?

    Ich hatte mal eine Freundin, für die war es ein großes Problem, das ihr Mann sich selbst befriedigt hat obwohl sie bereit war, alle seine Wünsche zu erfüllen. Als sie sich dann beruflich umorientiert hat und zu einer Domina wurde, hat sie aus ihm ihren Sklaven gemacht und, soweit ich weiß, sind die beiden nun glücklich mit ihrer Sexualität. Auch das kann eine Variante sein, vielleicht braucht er eine "strenge Herrin", die ihn für diese Selbstbefriedung bestraft? Ist nur mal ein Gedanke....

    Ich denke, wenn Du Dir sicher bist, wie Du in dieser Beziehung weiter mit dieser Problematik umgehen möchtest, kannst Du auch erst entscheiden, wie es weiter gehen soll.

    Ich wünsch Dir einen schönen Sonntag
    LG die Löwin

  • Allem Anschein nach bist Du einer Illusion aufgesessen, denn Dein Traum entpuppt sich als ein verklemmter unsicherer Mann, der widerum andere Träume verfolgt. Aber dies ist kein Grund zur Sorge, denn dies ist eher die Regel als die Ausnahme. Ich denke Du hast einen sehr wichtigen Schritt gemacht, indem Du Dir HIER Luft verschaffst und über diese Dinge sprichst.

    Was mich indes beunruhigt ist Dein Synonym "Verzweifelte". Verzweiflung, wie im übrigen auch Liebe, ist eine höchst persönliche Angelegenheit und in keinster Weise an andere Personen gekoppelt. Es kann trügerisch sein, wenn frau einen anderen Kanal für die eigene Verzweiflung verantwortlich macht. Dein Traummann ist weder für Dein Glück noch für Dein Unglück zuständig.

    Trifft dies hier:

    Zitat

    Ich fühle mich gedemütigt, schmutzig, traurig, nicht "ausreichend genug" und einfach trostlos und leer.

    auch zu abseits Deiner Beziehung(en)?

    Auf seine Pornokonsum möchte ich hier nicht eingehen, denn dies ist seine Angelegenheit. Wenn es Dich -verständlicherweise- zermürbt, denn letztendlich ist dies ein Seitensprung, dann liegt es an Dir die Dinge anzusprechen und ggf. die Konsequenzen zu ziehen.

    Ich werte es als gutes Zeichen, dass

    Zitat

    Ich merke, wie mein Leben aus den Fugen gerät

    Manchmal braucht es reinigende Gewitter, um voran zu kommen.

    Wünsche Euch Beiden viel Glück

    LG, A.

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