Erfahrungsbericht: Psychiatrie

  • Der folgende Text basiert auf meinen eigenen Erfahrungen [verfasst: September 2006] in der Psychiatrie.

    VORSICHT - er könnte triggernd wirken!


    Vorweg:

    Sorry, ist etwas lang & vielleicht wiederholt sich auch manches, da ich es bereits in einem anderem Forum gepostet habe, wo noch Fragen etc. auftauchten, die ich eben nochmal genauer beantwortet habe...

    Hier würde ich euch nun gerne meine Erfahrungen aus der geschlossenen & offenen Psychiatrie mitteilen.

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    • Alles begann im März 2006.
      Ich ging mit meiner Mutter zur psychiatrischen Abteilung und stellte mich samt Problem(en) vor. Ich war total verunsichert...Gedanken wie: "Bin ich 'krank' genug, um überhaupt in eine stationäre Abteilung kommen zu können?" oder "Wie wird es sein, wenn ich aufgenommen werde?" oder "Ist es die richtige Entscheidung?" gingen mir durch den Kopf.
    • Kurz etwas, wie es ablief, bevor ich mich dort vorstellte:
      Ich war in ambulanter Behandlung, dort wurde mir geraten (und ich habe es, wenn ich mich recht erinnere, auch selbst vorgeschlagen) in stationäre Behandlung zu gehen. Meine Eltern wurden 'hergelotzt' und aufgeklärt, am nächsten Tag fuhren wir schon zur Psychiatrie.

      Ich stellte mich also beim Sekretariat vor, irgendwei aufgeregt, ängstlich aber auch voller Hoffnung auf eine Lösung meiner Probleme. Ich sollte in ein paar Stunden nochmals kommen und hatte dann ein Gespräch mit einer Therapeutin. Nachdem ich auch ihr alles geschildert hatte, wurde meiner Mutter und mir mitgeteilt, dass ich vorerst in den 'geschützten Bereich' der Psychiatrie kommen würde - in die Geschlossene. Wieder tausende Gedanken in meinem Kopf: "Bin ich wirklich so gefährdet?" und "Was denken nur meine Eltern? Es tut mir so leid!".
      Ich durfte noch nichtmal mehr Sachen von zu Hause holen, wurde sofort dorthin gebracht. In der Geschlossenen sprach ich mit meiner zukünftigen Therapeutin, dabei saß auch meine zukünftige Bezugsperson (dazu nachher mehr). Und schon wieder musste ich alles erzählen. Dann wurde ich ärtztlich untersucht & kam auf Station in den sogenannten "Ruheraum". Ein Raum, der Kameraüberwacht ist - dort drin befindet sich nur eine dicke Matte, sonst nichts. Die Tür ist innen mit Gummi beschichtet.Ich war so unsicher und irgendwie eingeschüchtert....alles so fremd und ungewohnt. Dann wurde ich durchsucht, damit ich keine Spitzen oder sonstig gefährlichen Gegenstände reinschmuggel (war aber auch nicht der Fall ). Klamotten mit Schnüren musste ich abgeben und bekam stattdessen 'ungefährliche' Kleidung. Mein Ring und meine Armbanduhr wurden mir ebenfalls abgenommen, zum Selbstschutz. Schließlich bekam ich die Regeln der Station, einen Wochenplan etc.

      Die Geschlossene ist in zwei Seiten eingeteilt. Seite A und B. Ich war vorerst auf Seite A. Auf jeder Seite befanden sich jeweils 7 Patienten. Nach ein paar Tagen erfuhr ich, wer meiner Bezugspersonen waren.


    • Was sind Bezugspersonen?
      Jeder Patient auf dieser Station hatte 2 Bezugspersonen, eine weibliche und eine männliche. Diese Personen/Betreuer sind die haut Ansprechpartner während des Aufenthalts, wissen über deine Problematik bescheid und helfen dir beispielsweise bei Aufgaben, die dir der Therapeut zu bewältigen gibt.

      Damit ihr eine noch besser Vorstellung davon bekommen könnt, wie es in der geschlossenen Kinder- & Jugendspychiatrie (KJP) so aussieht, erstmal kurz was dazu. Ich hatte ERWARTET, dass dort alles weiß aussieht, wie in einem Krankenzimmer, mit Plastikstühlen etc.. Aber in der Geschlossenen waren die Wände gelb/orange gestrichen & es hingen schöne Bilder an der Wand.in Zwischen Seite A und B war ein 'Atrium', d.h. eine art kleiner Wintergarten (ein überdachter kleiner Platz, wo aber frische Luft reinkam). das Atrium war mit Panzerglas umrandet, auch die Fenster in den Patientenzimmern bestanden aus Panzerglas - falls jemand ausrasten sollte, kann es nicht brechen. Ins Atrium durften die Seiten immer nur abwechselnd rein, dort konnte man Tischtennis spielen oder auch zu festgelegten Zeiten (sechs Mal pro Tag) rauchen. Es war alles sehr übersichtlich (die Zimmer waren um einen großen Ess- & Wohnraum gebaut), ist ja auch logisch, so hatten uns die Betreuer (wenn wir nicht gerade in unseren Zimmern waren) immer im Blick. Achja, auf jeder Seite gab es jeweils 1 Mädchen & 1 Jungen Bad und Klo.

      Ich fand es in der Psychiatrie zwar anfangs schon etwas beängstigend, weil ich einfach neue Situationen & Leute nicht....naja, soo gerne hab bzw. da total aufgeregt bin...aber andererseits war ich auch froh, endlich mal zu Hause raus zukommen, da meine Mutter mich mit ihrem Hausfrau-die-sich-um-die-Kinder-kümmert-und-immer-für-sie-da-ist schon etwas nervte. Ich liebe sie, keine Frage, aber ich fühlte mich immer etwas kontrolliert.
      Ich hatte fast jeden Tag ein Gespräch mit meiner Therapeutin und nach einer Nacht im Ruheraum durfte ich auch in ein Zimmer - vorerst alleine. Jetzt hatte ich aber schnell ein kleines, großes Problem:
      Man darf dort ab 16 rauchen, ich bin ja 17, ABER meine Eltern wussten nicht, dass ich rauche. Also überwund ich mich ein zweites Mal (da ich es ihnen vor drei Jahren schonmal erzählt hatte, sie mich aber so nervten, dass ich meinte, ich hätte aufgehört zu rauchen) und erzählte ihnen PER TELEFON *lol*, dass ich rauche und ob sie mir bitte Zigaretten mitbringen könnten. Sofort, wie aus der Pistole geschossen, kam von meinem Vater ein NEIN. Ich war so enttäuscht & verärgert. Da man alleine nicht aus der Geschlossenen kommt, hatte ich also keine Kippen. Diese - eigentlich Kleinigkeit - brachte mich seit langer Zeit nochmal zum weinen. Ich war wütend, dass ich es meinen Eltern überhaupt erzählt hatte, wenn es ja (in meinen Augen) letzendlich sowieso nichts gebracht hatte. Hinzu kam auch noch, dass eine Patientin (ich nenne sie einfach mal Marie) tierischen Terror machte, das nahm mich total mit, ich hatte irgendwie mit ihr Mitleid. Tja, so kam es, dass ich wieder r*tzte & S-Gedanken hatte =/. Soviel, wie ich in der Psychiatrie gedacht habe, hab ich bestimmt noch nie vorher gedacht. An jenem Tag kam dann auch noch so einiges anderes hoch (und das alles nur wegen den Kippen), z.B. dass ich bald wieder Ergotherapie hatte - ich HASSTE sie! Und dass es, "wenn ich aus der Klapse bin nicht besser sein wird als vorher". Glücklicherweise rief meine Mutter später an und meinte, sie würde mir doch noch Ziggies mitbringen - im Gegensatz zu meinem Vater raucht sie nämlich ab und an.


    • Ergotherapie:
      In der Ergotherapie macht man künstlerische Sachen, man kann beispielsweise aus Ton oder Holz etwas basteln oder Seidenmalerei uvm.
      Als ich das erste Mal Ergotherapie hatte (nachdem ich eine Woche in der Geschlossenen war), war meine Therapeutin gleich so "freundlich" und wollte mich mit meinen Ängsten konfrontieren. Ich war schon aufgeregt, weil ich nicht wusste, wie es in der ErgoThera genau abläuft und ich den Therapeuten noch nicht kannte - aber meine Therapeutin musste natürlich noch einen drauf legen (eigentlich im Nachhinein auch verständlich, man soll ja auch weiterkommen ^^). Meine Aufgabe während der Ergotherapie: So viele Fehler wie möglich zu machen!
      Ich hatte solche Angst davor & es war mir so peinlich, dass ich mal wieder weinte :angry_face: Zum Glück musste ich es dann nachher doch nicht machen, hab mich so gesträubt . Naja, ich hasste die Ergotherapiestunden trotzdem, weil ich alleine mit dem Therapeuten war und mich immer total beobachtet fühlte....
    • Marie [-> Namen geändert]:
      Dieses Mädchen war mindestens 2 Monate fast ausschließlich im Ruheraum!! Sie war ziemlich agressiv anderen gegenüber - aber ich kann mir das auch gut vorstellen, wenn ich so lange in einem kleine Raum eingesperrt wäre, ohne Gesellschaft etc., da würd ich auch irgendwann durchdrehn....Jedenfalls hat sie abends meistens total laut gegen die Wände gehämmert, sodass man, wenn man auf der selben Seite war, es hörte....das fand ich echt schrecklich. Hat mich immer total runtergerissen. Und am schlimmsten war es, als sie irgendwann fixiert wurde (auf nem Bett). Das war sowieso total blöd: Im Flur nach dem Eingang stand das Bett immer schon bereit und immer wenn ich da mal vorbei ging, lief mir ein schauer über den Rücken, selbst wenn ich es selbst nicht erleben musste. *hach*

      In der Therapie sprach ich immer mit meiner Therapeutin über meine Probleme, wie ich sie lösen könnte und was ich mir vornehmen möchte. Ich machte auch mal eine Liste mit Situationen, die mir Angst machen & arbeitete diese dann Stück für Stück mit meinen Bezugspersonen & Therapeutin durch....alles haben wir nicht geschafft, da ich nach einem Monat ja auf die Offene kam.

      In der Geschlossenen gibt es übrigens einen strukturierten Tagesablauf, mit ein paar Gruppen, Schule, Ergo- & Therapie zwischendurch.
      Am 30. 03. 06 ging ich zum ersten Mal zu einer sogenannten 'Körperwahrnehmungsgruppe'. Die Gruppe wird normalerweise nur den Patienten von der Offenen angeboten, da es auch in dem Gebäude ist, allerdings hielt meine Therapeutin es für mich für nötig und da ich jetzt auch nicht dauernd Terror gemacht habe, konnte ich auch mit einem Betreuer dorthin gehen, ohne Schwierigkeiten zu machen. Meine Therapeutin meinte noch, "dass ich froh sein könnte, dort mitmachen zu können, dass es etwas besonderes wäre" . Leider machte auch diese Gruppe nicht sonderlich Spaß - mir machte sie eher Angst, noch mehr als die Ergotherapie, da man soviel über Gefühle sprach und mit dem Körper arbeitete (tantzen etc.), was ich garnicht mag - vorallem nicht vor Anderen. Ein paarmal hab ich mich auch gedrückt, bzw. war so stur und dickköpfig, dass mich keiner überreden konnte, mit zu machen....naja, keine gute 'mitarbeit', aber da war bei mir eben eine Blockade [k.A.ob das so geschrieben wird -.-].

      Meine Therapeutin wusste natürlich, wie sie da vorgehen musste....so art 'Erpressungen' bzw. Belohnungen, wenn ich etwas (mit)machte. Beispielsweise hieß es, dass ich am Wochenende nur mit meinen Eltern für soundsoviel Stunden raus könne, wenn ich dies und jenes erledigt hätte - waren natürlich für mich alles irgendwie unangenehme Dinge *gruml*. Einmal hab ich da auch ein Wochenende sausen lassen....ich weiß aber nicht mehr, was ich da wieder machen sollte. Jedenfalls etwas, was mir sehr unangenehm war/sehr viel Angst machte.

      Nach ca. 1 1/2 Monaten wurde ich ganz plötzlich, ich erfuhr es zwei Stunden vorher , auf die Offene verlegt. Erst dachte ich: Na toll, wenn ich schon auf ne Offene komm, kann ich auch gleich nach Hause, ich will nicht mehr! Aber dann gings doch ganz gut...


    • Wie alt waren die Kinder so?
      Auf der Geschlossene war das jüngste Kind, was ich mitbekommen habe, 8 Jahre alt. Im Prinzip können dort aber auch noch jüngere Kinder hinkommen (mir wurde von einem Betreuer erzählt, dass das jüngste Kind wohl sogar erst 5 Jahre alt war). Und dann gehts eben bis 18 Jahre, danach kommt man in die erwachsenen Psychiatrie.

      Und auf der Offenen gibt es Einteilungen in Altersunterschiede.
      Es gibt eine 'Kinderstation', dort sind Kinder bis 12/13/14 Jahre (kommt auch immer auf die Reife an). Und dann gibt es noch 3 Stationen für Jugendliche, welche keinen Unterschied aufweisen, nur eben damit mehr Jugendliche aufgenommen werden können ...dort sind dann eben Jugendliche von frühestens 12 bis höchsten 19 Jahren - eigentlich werden zwar die 18-jährigen schon auf eine Erwachsenenstation geschickt, aber wenn jemand beispielsweise mit 17 dort aufgenommen wird, kann er/sie auch noch über dessen volljährigkeit auf der Station bleiben.


    • Die unter 14-jährigen haben meistens eines/mehrere der folgenden Probleme:

      -> Agressivität
      -> Hyperaktivität
      -> Trauma
      (-> Suizidgefährdung [nur selten bei unter 10-jährigen, würd ich sagen])
      -> von zu Hause immer wieder abgehauen
      -> häufig die Schule geschwänzt/verweigert bzw. große Schulprobleme/Schulangst

      Das sind so die Probleme bei jüngeren Kids, die ich mitbekommen habe. Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass man, wenn man dauernd von zu Hause wegläuft, dann in die Geschlossene kommt *uff* - aber da gabs auch einige Fälle bei uns.


    • Bei Jugendlichen kommen dann noch diese Probleme hinzu, die auftreten können (welche meines Wissens nach bei Kindern nicht so häufig auftreten, aber, wie heißt es noch gleich? Es gibt auch Ausnahmen.):

      -> Essstörungen
      -> Depressionen
      -> "Suizidgedanken"
      -> SVV
      -> Drogenprobleme
      -> Angststörungen
      -> Zwangsstörungen
      -> Schizophrenie
      -> ....


    • Wie alt war der/die Jüngste mit Suizidgefährdung & was war der Grund?
      Ich habe einen 13-jährigen kennen gelernt, der tierische Angst vor der Schule hatte. Und daher wollte er sich vermutlich auch suizidieren. Außerdem hatte er auch Figurprobleme (weshalb er aber nicht im Krankenhaus war) und wurde evtl. auch dadurch 'runtergezogen', fand sich vielleicht selbst nicht hübsch oder wurde gehänselt....aber so viel habe ich mit ihm dann auch nicht zu tun gehabt bzw. mit ihm über seine Probleme geredet.


    • Was für eine Therapie hatte ich & wie lief es sonst noch so ab?
      Mit mir haben sie Verhaltenstherapie gemacht, wegen meinen Ängsten und da ich auch oft zu nichts motivierbar war, mussten sie mich mal...'aktivieren' *lach*.
      Meine aller größte Aufgabe in der Offenen war es, erstmal Ziele zu finden....das war echt nicht leicht, so ein richtiges Ziel hab ich glaub ich immer noch nicht, aber sinnlos finde ich mein Leben momentan nicht mehr unbedingt.
      Ich habe viel über meine Probleme gesprochen und sollte dann beispielsweise Situationen angehen, die mir unangenehm waren (z.B. mit Fremden telefonieren o.ä.), außerdem haben wir gemeinsam einen Recourssenplan gegen Su*z*dgedanken & R*tzen erstellt (den ich aber nicht gut anwenden kann bzw. möchte ) uuuund....was haben wir noch so gemacht?....und ich hab meine Zukunft in die Hand genommen, d.h. mir Gedanken gemacht, was ich werden möchte/machen will (auch wenn ich noch nicht ganz sicher bin) und schonmal Bewerbungen für ein Praktikum angefertigt.
      UND ich habe mich auf ein Beratungsgespräch im BIZ vorbereitet - was bei meiner Angstliste leider ganz weit oben stand....was ich aber machen sollte, damit ich mir klarer über meine Berufswahl werde & zur Übung, wegen der Angst.
      Ich hatte auf der offenen Station auch oft Familiengespräche, wo ich meine Eltern oder meinen Bruder kommen ließ und wir gemeinsam über Dinge, die wir uns mal sagen wollten, sprachen.
      Achja und dann musste ich während der ganzen stationären Behandlung jeden Tag eine Kurve anfertigen, worauf zu sehen war, was ich gemacht habe und wie es mir dabei ging (auch um zu sehen, wann bzw. weshalb meine Stimmung schlechter wurde).
  • Ergänzung:

    Naja, auf der Offenen Station hatte ich schon durch die verschiedenen Gruppen, in welche ich eingeteilt wurde, so eine art Verhaltenstherapie. Ich hatte nach einiger Zeit, auf der OFFENEN Station, folgende Gruppen:

    1) Jogginggruppe
    2) Jugendlichengruppe
    3) Körperwahrnehmung
    4) Mädchengruppe
    5) Projektnachmittag
    6) Soziale Kompetenzgruppe
    7) Textiles Werken
    :smiling_face_with_sunglasses: Theatergruppe

    Naja, war schon ziemlich viel, aber die Betreuer wollten mich eben in Gang bringen & ansonsten hätte ich wahrscheinlich nur geschlafen -.-
    Manche Gruppen wollte ich haben & mochte ich, andere fand ich total blöd - musste sie aber mitmachen. Jetzt noch etwas zu den Gruppen, was man da so gemacht hat etc.:

    1) Jogginggruppe:
    - Wollte ich hin:
    Jain. Nicht so ganz, aber ich war auch nicht so abgelehnt.

    - Was macht man da?:
    Man joggt *gg*. Wir sind immer mit 1-2 Betreuern (die haben ein paar Gruppen geleitet, waren aber nicht auf einer speziellen Station als Betreuerinnen tätig) gejoggt, immer eine Wiesen- & Waldstrecke hinter der Bult. Je nachdem, wie lange man brauchte, konnte es zwischen einer viertel Stunde und einer halben Stunde dauern - wir brauchten meistens nur eine viertel Std.

    - Wie fand ich die Gruppe?:
    Manchmal besch*ssen, manchmal aber auch schön. Es tat auch mal gut, wieder etwas Sport zu machen und es weckte bei mir etwas Ergeiz (manchmal). Außerdem merkte ich, dass ich ganz gut joggen kann und dass es nicht nur ein Oma-Sport ist . Aber das ich die Zigarette immer erst hinterher bekam UND das das Joggen von 8.30-8.45 Uhr ging, fand ich sche*ße - viel zu früh und so lange auf ne Ziggi warten.

    2) Jugendlichengruppe:
    - Wollte ich hin?:
    Nicht wirklich, aber mein Therapeut hat mich 'gezwungen'.

    - Was macht man da?:
    Meist kreative Dinge. Sie wird von einer Kunsttherapeutin geleitet & von meinem ehemaligen Therapeuten (aus diesem Grund wollte ich da auch nicht gerne rein ). Am Anfang sagen wir immer, wie es uns geht. Was haben wir so gemacht? Wir haben beispielsweise zusammen auf ein großes Stück Papier ein Bild von der Gruppenkonstellation & -gemeinschaft gemalt; oder einen Karton von außen & innen gestaltet, so wie wir wollten und für uns wichtige Dinge, die beschützt werden sollten, hinein getan. Oder wir haben eine Kurzgeschichte geschrieben, welche wir nachher vorlesen sollten. Oder wir haben über Gefühle gesprochen...und nachher haben wir natürlich immer unsere gemachten Sachen begutachtet & etwas dazu berichtet.

    - Wie fand ich die Gruppe?:
    Blöd! Weil ich im Beisein von anderen nicht so gerne kreative Dinge erstelle....oder über Gefühle rede. Außerdem hasste ich es, dass mein Therapeut dabei war...irgendwie fand ich es bei ihm....peinlich? Zu privat? Keine Ahnung, ich fühlte mich so beobachtet von ihm & dachte, er würde wieder sofort alles analysieren...

    3) Körperwahrnehmung:
    - Wollte ich hin?:
    NEIN. Aber auf der Geschlossenen wurde ich ja schon 'gezwungen' und auch hier versuchte ich oft, ohne Erfolg, abzubrechen.

    - Was macht man da?:
    Diese Gruppe wurde von derselben Kunsttherapeutin geleitet, welche auch in der Jugendlichengruppe mitwirkte und noch von einer Betreuerin meiner Station. Wir haben am Anfang mal wieder in einem Kreis berichtet, wie es uns geht. Danach haben wir verschiedenste Dinge gemacht, aber vieles, was mit dem Körper zu tun hat, z.B. im Raum umher gehen oder tanzen zu Musik; die Augen schließen und vom Partner leicht angestubst werden, so als wäre man ein Baum und würde vom Wind hin und her geschauckelt; oder es lag um jeden herum eine Schnur auf dem Boden und wir konnten per Schnur umrücken 'Annäherungsversuche' zu einer anderen Person machen - welche aber, wenn es ihr zu eng wurde, mit ihrer Schnur uns wieder wegdrängen konnte und und und....

    - Wie fand ich die Gruppe?:
    Irgendwie angsteinflößend. Zum Einen hatte ich vor dieser Betreuerin anfangs Angst, weil es einem vorkam, als könnte sie in einen hineinschauen - sie traf es immer genau auf den Punkt, wusste genau, wie man gerade fühlte etc., etwas unheimlich....und da ich ja auch nicht so gerne meine Gefühle zeige...grauenhaft -.-
    Außerdem waren mir manche Übungen unangenehm.

    4) Mädchengruppe:
    - Wollte ich hin?:
    JA. Ausschlaggebend dafür war wohl vorallem, dass meine 'Lieblingsbetreuerin' (welche allerdings nur einige Gruppen leitete und nicht auf der Station, sondern im sogenannten Gartenhaus tätig war), eine Sozialpädagogin, die Gruppe leitete.

    - Was macht man da?:
    Man spricht über Frauensachen .
    Einfach ganz relaxt, worauf man gerade Lust hat, vielleicht, was Frauen gerne in der Freizeit machen oder an Männern hassen oder oder oder. Einmal sollten wir z.B. 5 Sachen sagen, die uns an unserem 'Frau-Sein' besonders gefallen.

    - Wie fand ich die Gruppe?:
    Schön. Echt toll, hab mich jedes Mal drauf gefreut.

    5) Projektnachmittag:
    - Wollte ich hin?:
    JA.

    - Was macht man da?:
    Man geht mit 2 Betreuern (der Sozialpädagogin, die ich so nett finde & einem Heilerziehungspfleger) einen Nachmittag raus und unternimmt etwas. Das ganze geht von 14.00 Uhr mittags bis 18.00 Uhr abends. Wir sind z.B. Bowlen gegangen, im Restaurant gewesen und und und…die Vorschläge haben wir gemacht & abgestimmt und auch mit organisiert.

    - Wie fand ich die Gruppe?:
    Sehr schön – meistens jedenfalls. Manchmal war die Gruppengemeinschaft nicht soo toll, aber im Prinzip war es immer sehr nett.

    6) Soziale Kompetenzgruppe:
    - Wollte ich hin?:
    Jain. Weiß nicht genau.

    - Was macht man da?:
    Man lernt, wie man im sozialen Umfeld Konflikte gut lösen kann, wie man auf andere wirkt und wie man GUT wirken kann, wie man selbstbewusst & sicher anderen gegenübertritt, seine eigene Meinung vertritt & sein Recht durchsetzt etc. Wir haben oft Rollenspiele gemacht, wo Alltagssituationen nachgespielt werden sollten und nachher geguckt wurde, wie diejenigen reagiert haben, was sie erreichen wollten und ob sie da richtig vorgegangen sind. Dann sind wir auch mal raus gegangen und haben beispielsweise in Geschäften Sachen gefragt oder wir haben uns telefonisch über etwas Auskunft geholt (zur Übung, mit sozialen Situationen umgehen zu können).

    - Wie fand ich die Gruppe?:
    Mal ganz gut, mal schlecht und Angst einflößend. Diese Gruppe hat mir aber auf jeden Fall etwas gebracht und war bei mir auch notwendig, doch gerade deshalb kamen oft auch Angstsituationen vor…Die Rollenspiele fand ich allerdings nicht so hilfreich, da es einfach anders ist, als wenn man im einer realen Situation jemandem gegenüber steht. Im Rollenspiel übernimmt man eher eine Rolle und ist nicht man selbst, reagiert vielleicht auch nicht so, wie man normalerweise reagieren würde (z.B. selbstbewusster als im ‚realen Leben’).

    7) Textiles Werken:
    - Wollte ich hin?:
    JA.

    - Was macht man da?:
    Ich habe miterlebt, wie die Gruppe gegründet wurde *stolz-guck*. Dort haben wir genäht, also das Nähen beigebracht bekommen (Stiche etc.) und sogar Schablonen für einen klienen Teddybären bekommen, welchen wir dann nähen wollten – leider habe ich mich, bevor wir damit angefangen haben, selbst entlassen. Aber davor haben wir ein ‚Maskottchen’ gemacht, da wir ja die GründerInnen waren, d.h. jeder hat ein Körperteil eines Teddys genäht, aus dem Stoff, den er wollte und später kam ein total crazy Teddy heraus in verschiedensten Farben & Fellen. Das war sozusagen unser Versuchsteddy – ein Übung für die weiteren Teddys, die natürlich besser werden sollten *gg*.

    - Wie fand ich die Gruppe?:
    Echt toll! Meine Lieblingsgruppe! Da hab ich auch gemerkt, dass mir Nähen Spaß macht und die Betreuerin (die 9 Katzen hat) fand ich auch total nett!! Nebenbei konnte man noch nett plaudern und Kaffee trinken, echt schön .

    :smiling_face_with_sunglasses: Theatergruppe:
    - Wollte ich hin?:
    Eher nicht.

    - Was macht man da?:
    Wie der Name schon sagt, theaterspielen . Hab keine Lust, mehr darüber zu schreiben *sry*…

    - Wie fand ich die Gruppe?:
    ich war nicht so oft da, weil ich erst gegen Ende rein kam, aber so mein Ding wars nicht, weil ich Theaterspielen nicht sooo toll finde und…naja :angry_face: aber ich musste hin, mal wieder Verordnung von meinem Therapeuten.

  • Ergänzung:

    Ich bin nun aus dem Krankenhaus entlassen. Ich war vom März 1 1/2 Monate auf der Geschlossenen, danach direkt bis Anfang August auf der Offenen - wo ich aber schließlich abbrach (gegen ärztlichen Rat), weil ich einfach genug von den Betreuern hatte und überhaupt...ein paar Tage kam ich (leider) wieder auf die Geschlossene, es hat doch nicht so geklappt, wie ich es mir vorgestellt hatte - mir ging es ziemlich schnell wieder schlechter & so entschloss ich gemeinsam mit meinen Eltern, dass es wohl besser wäre, nochmal zum Krankenhaus zu fahren. Also:
    März - April/Mai = Geschlossene
    April/Mai - August = Offene
    Danach ein paar Tage zu Hause und in der Geschlossenen schließlich nochmal 2-3 Wochen (bis die Schule wieder anfing).

    Mittlerweile geht es mir wieder besser, ich habe auch nicht vor, nochmal in die Psychiatrie zu kommen, vielleicht klappts ja.

    Zitat

    Wie haben es deine Eltern erfahren/ aufgefasst?

    Das ich Ängste hatte, wussten sie eigentlich schon von meiner Kindheit an, direkt habe ich es dann bei ihnen angesprochen, als ich auf der Suche nach einem ambulanten Therapeuten war. Das war keine große Besonderheit für sie, sie wussten ja, dass ich manchmal etwas Angst hatte. Von meinen anderen Problemen wussten sie da allerdings noch nichts, die haben sie erst nach und nach erfahren, als ich ins Krankenhaus gebracht wurde. Manches hat sie schon geschockt - aber vorallem waren sie (glaube ich) damit etwas überfordert, wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten und waren somit auch sehr hilflos. Aber trotzdem, auch wenn sie vielleicht nicht alles direkt verstehen konnten, haben sie es versucht und mich so gut es geht unterstützt. Sie fanden es ganz gut, dass ich mir selbst Hilfe geholt habe bzw. darauf aufmerksam gemacht habe.

    Zitat

    Ist es dir nicht schwer gefallen mit deinem Bruder über deine Probleme zu reden?

    Doch, anfangs ist es mir sehr schwer gefallen, da ich ansonsten auch nicht viel mit ihm zu tun hatte & auf einmal auch so viele Emotionen mit ins Spiel kamen (welche wir beide bisher eher nicht zuließen). Aber das Ziel bei unseren Gesprächen war es auch, dass unser 'Verhältnis' besser wurde bzw....ich hatte oft das Gefühl, keinen Bruder zu haben, dass fand ich sehr schade und wollte etwas daran ändern.

    Zitat

    Was ist das für ein Gefühl aus der Psychatrie rauß zu sein?

    Anfangs ist es schon etwas komisch, man vermisst die anderen Patienten oder auch Betreuer etwas, so war es jedenfalls bei mir und der Tagesablauf ist ja auch erstmal wieder ungewohnt bzw....ganz anders. Andererseits ist es aber auch toll, endlich wieder 'frei' zu sein und das Leben besser in den Griff zu bekommen, zu wissen, dass man nicht dauernd einen 'Aufpasser' an seiner Seite haben muss sondern auch ganz alleine Dinge tun kann etc. Es sind schon gemischte Gefühle. Mittlerweile bin ich ganz froh, dass ich den Schritt gewagt habe (Psychiatrie) und mir nach und nach immer mehr helfen lassen habe, sodass ich jetzt wirklich schon besser zurecht komme. Ich bereue es nicht/kaum, dort gewesen zu sein, möchte aber natürlich, wenns geht, nicht nochmal dort hin.

    Zitat

    Was mich mal interessiert haette ist, wie die Leute aus deinem Umfeld also deine Freunde (oder Mitschüler?) und so reagiert haben. Kommen blöde Bemerkunken von wegen Psycho usw?

    Manche Freunde waren schon etwas schockiert, weil sie mir garnicht angemerkt hatten, dass ich so viele Probleme habe/hatte. Aber die wahren Freunde haben mich unterstützt und fanden es toll, dass ich mir Hilfe geholt habe. Es gab auch welche, die meinten: "Du gehörst nicht in die Klapse, du bist nicht krank!" - solche Sätze finde ich...nunja, etwas diskriminierend, da es ir zeigt, dass Menschen mit wirklich psychischen Störungen wohl minderwärtiger sind als Menschen, die nicht psychische Störungen haben. Und man kann sich auch darüber streiten, ab wann jemand als wirklich 'krank' bezeichnet werden kann und wann noch nicht.
    Auch meine Mitschüler waren verständnisvoll. Manchmal merkte ich schon, dass einige Freunde/Mitschüler es nicht so ganz wahr haben wollten oder es nicht ganz begreifen konnten, wieso ich diesen 'Abrutscher' hatte, aber begreifen kann es ja eigentlich (wenn überhaupt) auch nur der Betroffene selbst.

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    Meine Diagnose:

    1) Suizidalität
    2) Sozial Phobische Züge
    3) selbstverletzendes Verhalten
    4) Endogene Depression

    In die Geschlossene kam ich wegen akuter Suizidalität. Diese Suizidalität entstand bei mir jedoch durch meine Ängste (sozial phobische Züge). Ich wollte nicht wirklich sterben, ich wollte immer nur (mir) sehr unangenehmen/angstmachenden Situationen entgehen - und dachte, Suizid wäre der einzige 'Fluchtweg'.

    Meine Eltern wussten, wie ich schonmal schrieb, bevor ich in die Psychiatrie kam nur etwas von meinen Ängsten. Bevor ich dann schließlich in die Psychiatrie kam, wurde ihnen noch von meinem ambulanten Therapeuten mitgeteilt, dass ich eben an (akuter) Suizidalität leiden würde. Ich hätte es meinen Eltern am liebsten verschwiegen. Aber leider ging es ja nicht bzw. jetzt im Nachhinein finde ich es viel besser, dass sie aufgeklärt sind & ich es ihnen nicht verheimlichen konnte. Tja, dass war natürlich ein Schock für sie und mir tat es auch so leid. Ich hatte so...Schuldgefühle? Und machte mit Vorwürfe, dass meine Eltern nun an ihrer Erziehung etc. zweifelten, da ich Suizidgedanken hatte. Meiner Meinung nach waren sie 'unschuldig', es lag eben an meinen Ängsten, dass ich aus dem realen Leben flüchten wollte, aber nicht daran, dass meine Eltern sich nicht gut um mich gekümmert hätten o.ä.

    Ich verletzte mich selbst, da ich nicht wusste, wie ich meine negativen Gefühle sonst rauslassen sollte. Wenn ich auf jemanden wütend war oder auch wenn ich vor etwas Angst hatte, r*tze ich mich. Eigentlich ziemlich unlogisch, dass ich mir weh getan habe, wenn andere mich aufregten. Oder weil ich Angst vor etwas hatte. Aber da ich meine Gefühle bis vor kurzem noch nicht wirklich zeigen konnte/wollte, sondern eine..."art Schutzmauer aufgebaut hatte", wie mein Therapeut immer zu sagen pflegte, hatte ich mir das R*tzen als 'Druckablasser' angewöhnt.

    Die Depression wurde bei mir in der Offenen diagnostiziert. Ich war total unmotiviert, irgendwas zu tun, lag eigentlich, wenn es ging, immer nur im Bett und hatte Lust auf: Garnichts. Selbst Dinge, auf die ich mich vorher gefreut hatten, waren für mich nun belanglos (z.B. das M'era Luna Festival 2006, wo ich hin wollte). Manchmal fühlte ich mich auch einfach nur leer - d.h. ich saß einfach nur da und hatte das Gefühl, an nichts zu denken. Ein Tag kam mir manchmal viel zu lange vor & ich war oft traurig, obwohl es keinen wirklichen Grund gab. Wurde meine Stimmung zu traurig bzw. down, dann bekam ich wieder Suizidgedanken (jetzt auch in mir nich angstmachenden Situationen).

  • Zitat

    Was hat mir die Therapie gebracht?

    Ich habe mich aus der offenen Psychiatrie ja schließlich selbst entlassen, weil ich mit den Betreuern nicht so gut klar kam. Wieso? Sie verlangten schließlich viel mehr von mir. Anfangs waren es nur meine leichteren Ängste, die ich angehen sollte, doch nun waren es die Situationen, die mir sehr viel Angst machten, welche ich 'durchhalten' sollte. Ich hatte keine Chance, zu fliehen. Natürlich hätte ich sagen können: "Nein, ich arbeite nicht mit! Ich habe zu große Angst davor, ich kann es einfach nicht und basta!" Aber was bringt ein stationärer Aufenthalt, wenn man (auch nicht Schritt für Schritt) seine größten Ängste/Probleme doch nicht angeht, sich auf die Hilfe/Unterstützung der Betreuer & Therapeuten nicht einlassen kann?
    So ähnlich bekam ich es auch von den Betreuern zu hören. Dass ICH es wollen muss, mitmachen muss, damit der Aufenthalt etwas bringt. ICH müsste es wollen, weil sie mich nicht zwingen könnten etc.
    Aber ich war einfach zu unmotiviert & ängstlich als dass ich etwas hätte von mir aus veändern können. Einerseits wollte ich meine Ängste angehen, bei den schwächeren ging es ja auch. Aber Situationen, die mir sehr viel Angst machten wollte ich zwar auch angehen, durch die Angst davor ging es jedoch nicht. Die Angst war Stärker als mein Wille, sie zu besiegen. Also dachte ich mir: "Ich entlasse mich selbst. 1. Bin ich wohl noch nicht bereit, meine großen Ängste anzugehen & 2. regen mich die Betreuer auf, wenn sie nur davon reden, dass ich es wollen muss." Und dann habe ich mich selbst entlassen.

    Als ich schließlich wieder auf die Geschlossene wegen Suizidgefahr kam, musste ich ein paar Tage im Ruheraum verbringen. Ich durfte erst raus, wenn ich (falls ich nicht mehr vorhatte, mich umzubringen) dem Oberarzt verständlich begründen konnte, wieso ich mich nicht mehr suizidieren wollte.
    Aber die Zeit im Ruheraum hat mir wirklich etwas gebracht. Denn auf einmal kotze es mich richtig an, die ganze Zeit in diesem kleinen Raum zu hocken und nicht frei entscheiden zu können, wann man raus darf etc. Ich hatte keine Gesellschaft, wurde von der Videokamera beobachtet und fühlte mich einfach...besch*ssen.

    Da merkte ich folgendes, was ich noch im Ruheraum notierte, damit ich meine Gedanken besser ordnen & dem Oberarzt endlich gut erklären konnte, weshalb ich mich nicht mehr umbringen wollte:

    Ich will leben
    Bisher wollte ich mir meist das Leben nehmen, um Situationen, welche mir Angst machen, aus dem Weg gehen zu können, d.h. es war für mich eine Art "Fluchtweg". Wenn mir etwas zu stressig oder zuviel wurde/zuviel Angst machte, habe ich auch recht schnell an Suizid gedacht, weil es für mich irgendwie der einfachste Weg erschien, ausweichen zu können.
    Ich denke, in den letzen 4-5 Monaten, wo ich in der Psychiatrie war, habe ich schon etwas Angst verloren bzw. Erfolge gehabt und gemerkt, dass ich vor manchen Dingen garnicht soviel Angst haben muss (z.B. hatte ich vor einem Beratungsgespräch im BIZ total viel Angst, was ich im Nachhinein aber garnicht schlimm fand). Allerdings habe ich mich in dieser Zeit nie wirklich auf die Hilfe Anderer eingelassen und ich wollte meine Suizidgedanken auch nicht loswerden, sondern hielt (vielleicht auch unterbewusst) an ihnen fest.
    ------------------
    Als ich mich schließlich selbst entlassen habe, hatte ich mir noch keinen konkreten Termin festgelegt, an welchem ich mich umbringen wollte, aber ich war davon überzeugt, dass ich mich früher oder später suizidieren werde. So kam es, dass ich schon in der ersten Nacht, wo ich zu Hause schlief, Pläne schmiedete, wann, wie etc. ich es machen würde. Ich glaube, ich bekam wieder so schnell Suizidgedanken, weil ich 1. an ihnen festhielt, 2. zu der Zeit die Psychiatrie sowie den Suizid als "Flucht (-ort)" ansah, was soviel heißen soll wie: "Wenn ich doch überleben sollte, komme ich in die Psychiatrie und kann wieder vor dem "wahren Leben" fliehen..." und 3. war meine Zukunftsangst noch nicht ganz verflogen bzw. ich habe das Negative, Angstauslösende der Zukunft viel größer und mächtiger wahrgenommen als die schönen Dinge und meine bisherigen Erfolge im/am Leben.
    ------------------
    Doch auch wenn ich gesagt habe: "Dann und dann möchte ich mich so und so umbringen", war ich mir innerlich immer etwas unschlüssig, da der Hauptgrund für meinen Suizid die Angst war, ich aber nicht wirklich behaupten konnte, dass mein Leben blöd wäre oder ich nicht mehr leben möchte. Ich wollte eben nur ausweichen (vor der angstauslösenden Situation). Und weil ich nie zu 100% entschlossen war, mir das Leben zu nehmen, habe ich wohl vorher auch immer geredet und beispielsweise meinen Eltern etwas davon erzählt. Ich war mir selbst so unsicher, ob ich mir das Leben nehmen soll oder lieber doch nicht, dass ich durch Andeutungen an andere Hilfe bekommen wollte - welche ich bisher ja auch immer bekam.
    -------------------
    Jetzt, wo ich zum 2. Mal auf der Geschlossenen bin, habe ich einmal richtig nachgedacht oder....vielleicht sollte ich eher schreiben: Mir ist aufgefallen, dass ich mein Leben nicht in der Psychiatrie verbringen möchte, was MIR zeigt, dass ich das reale Leben "vermisse". Und jetzt ist mir klar geworden, dass ich nicht mehr vor dem Leben flüchten möchte, sondern vielmehr Hilfe von Anderen annehmen und mein Leben so positiv es geht leben will!
    -------------------
    Als ich die Therapie auf der Offenen abbrach, wollte ich keine ambulante Therapie weiter machen....vielleicht, weil ich so darauf fixiert war, dass es sowieso alles nichts mehr bringt und ich mich umbringen werde? Ich weiß es nicht genau. Jedenfalls möchte ich nun, wenn ich einmal entlassen werde, ambulante Therapie weiter machen, damit ich nicht wganz alleine dahstehe und wieder in so eine Ich-weiß-weder-vor-noch-zurück-Phase komme. Es gibt noch (oder wieder?) viele Dinge im Leben, auf die ich mich freue und die ich erleben möchte UND ich möchte nicht, dass meine Angst mich so unter Kontrolle hat, wie sie es bisher hatte. Endlich bin ich mir sicher, dass ich leben will! Schließlich möchte ich doch noch eine Ausbildung finden, die mir Spaß macht; eine eigene Katze halten; mein eigenes Geld verdienen und irgendwann ausziehen bzw. meine eigene Wohnung haben; später eine Familie gründen und und und....
    ---------------------
    Ich weiß selbst nicht genau, wieso, aber irgendwie hat es bei mir "klick" gemacht und auf einmal weiß ich, dass ich nicht sterben will!

    Den Text habe ich dem Oberarzt nicht gezeigt (wie ich es erst vorhatte), aber ich hatte ein zweites Gespräch, über dieselbe Fragestellung (Warum willst du dich nicht mehr...), ich musste nun mit in die Visite kommen und dort meine Begründung vor dem Oberarzt und noch anderen Personen abgeben. Ich hatte echt schiss. Was, wenn sie mir nicht glaubten oder es nicht verstanden? Doch schließlich formulierte ich den obigen Text in ca. 2 Sätzen, kurz und knapp, mit den wichtigsten Dingen und - ich durfte einen Tag später aus dem Ruheraum raus. Sie glaubten mir.

    Von da an war ich wieder sehr motiviert und hatte zum ersten Mal nach den 4-5 Monaten richtig das Gefühl, dass ich auf keinen Fall mehr sterben möchte. Es wundert mich jetzt noch etwas, dass der Aufenthalt dort eine so schnelle und gute Wendung für mich nahm.
    Zugegeben, es hat lange gedauert, bis ich auch wirklich Hilfe annehmen konnte, aber wer weiß wie lange es gedauert hätte, wenn ich nicht in der Psychiatrie gewesen wäre.

    Der Aufenthalt auf der offenen Station ist zwar etwas...blöd geendet, aber er hat mir trotzdem viel gebracht. Ich habe nämlich bemerkt, dass ich in der Zeit viel offener geworden bin & mehr aus mir rauskomme. Mir fällt es leichter, meine Gefühle preis zu geben, ich r*tze nicht mehr & habe auch viel weniger Angst als zuvor! <- Das ist das, was mir am Wichtigsten war und jetzt (meiner Meinung nach) auch sehr sehr erholsam ist. Ich kann ohne 1000 Puls vor die Klasse treten, melde mich sogar freiwillig für ein Referat (wo ich vorher so Angst vor hatte) und mir fällt es nicht mehr schwer, alleine in einem Geschäft nach etwas zu fragen o.ä.
    Die Gruppen, welche ich in der Offenen hatte, haben dazu bestimmt viel beigetragen, dass ich jetzt so bin, wie ich bin.

    Ich bin total froh, dass es sich so verbessert hat. Anfangs, als ich in der Psychiatrie erst 2 Wochen oder so war, hatte ich noch bedenken, ob der Aufenthalt auch etwas bringt - wahrscheinlich war das einer der Gründe, weshalb ich mich auch zu Anfang nie richtig auf die Hilfe einlassen konnte.


    THE END

  • Hallo anonym,

    ich danke dir für deinen Beitrag, deine Offenheit, deinen Mut und deinen
    Lebenswillen.

    Ich wünsche dir, was ich mir selbst vor langer Zeit wünschte:
    Ich möchte meine Gefühle warnehmen, annehmen und ausdrücken können (nicht müssen), ob das Anderen nun passt, oder nicht.

    Stehaufmänne

  • Ich habe selten, nein eigentlich noch nie, einen so ausführlichen und einfühlsamen Bericht lesen dürfen.
    Vielen dank dafür.

  • hey,
    da muss ich damaged zustimmen!
    aber ich hab noch ne frage: was war in der zeit mit schule? weil du hast ja geschrieben, dass du nach deinem aufenthalt in der klinik wieder gegangen bist... musstest du dann die klasse wiederholen, oder wie war das so??
    danke schonmal :smiling_face:

    gruß blackeye

  • Huhu :smiling_face:

    Freut mich, wenn euch mein Bericht gefällt bzw. wenn er nützlich ist.

    Zitat

    Original von Blackeye
    was war in der zeit mit schule?

    ICH hatte die ganze Zeit über keine Schule. Und da ich ja ca. 5 Monate dann im Unterricht gefehlt habe, musste ich auch die Klasse wiederholen, ja.
    Aber es gibt durchaus Patienten, die ENTWEDER im Krankenhaus Einzelunterricht haben, bei einer extra Lehrerin der Station ODER, wenn sie stabil genug sind, auch vom Krankenhaus aus ihre alte oder eine neue Schule besuchen können. Bei letzteren fängt es erst mit 2-3 Stunden an, dass man wieder außerhalb Unterricht hat und (meist kurz vor der Entlassung) dann kann es auch sein, dass man wieder an allen Unterrichtsstunden teilnimmt, nur eben danach wieder ins Krankenhaus geht.

    Das ist also bei jedem unterschiedlich.
    Ich wollte nicht zur Schule, da sie u.a. auch Grund für meinen verdüsterten Blick war. Und, glücklicher Weise musste ich auch keinen Einzelunterricht haben bzw. nur das erste Mal auf der Geschlossenen, auf der Offenen war ich befreit ;).

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