• Hallo,

    ich leide nun seit fast 4 Jahren an einen Morbus Sudeck (CRPS).
    Bei mir entstand der Sudeck nach einer Fraktur im Handgelenk. Habe es leider zu spät gemerkt.
    Meine rechte Hand und der Unterarm sind ziemlich geschwollen (mal mehr, mal etwas weniger), Schmerzen sind eigentlich immer da. Bewegung ist überhaupt nicht mehr möglich da die Gelenke versteift sind. Der rechte Arm ist praktisch unbrauchbar. Er hängt nur da und scheint gar nicht mehr zu mir zu gehören. Daraus resultieren natürlich auch weitere Probleme.

    Wer sich auch mit einem Sudeck herumquält wäre es schön die Geschichte zu lesen.

    Sudeck, auch CRPS genannt, ist eine schmerzhafte Erkrankung der Gliedmaßen, meist als Folge einer leichten Verletzung oder eines operativen Eingriffs, die mit Hautveränderungen, Schwellung und Bewegungsstörungen einhergeht und im Endstadium zum kompletten Funktionsverlust der betroffenen Extremität führen kann. Als Ursache wird eine Störung der Schmerzweiterleitung im zentralen Nervensystem vermutet, die zu einer überschießenden Reaktion des Sympathikus führt. Die Therapie sollte frühzeitig begonnen werden und umfasst im Wesentlichen Krankengymnastik, physikalische Anwendungen, Schmerztherapie und Sympathikusblockade.

    Der Schmerz ist das wichtigste Symptom des Morbus Sudeck. Er wird als sehr stark, anhaltend, brennend und tief beschrieben und kann sich durch Belastung, Bewegung und bei vielen Patienten bereits durch geringste Berührung verstärken. Oft kommen noch Missempfindungen wie Kribbeln hinzu.

    Die Beweglichkeit der betroffenen Extremität ist beim Morbus Sudeck einerseits durch die Schmerzen eingeschränkt, andererseits kommt es zur Versteifung der Gelenke. Außerdem können Zittern und Muskelkrämpfe auftreten. Im schlimmsten Fall führt die erhöhte Muskelspannung zu einer vollständigen Versteifung von Fingern oder Zehen.

    Die Krankheitsdauer variiert sehr stark. Milde Formen können nach einigen Wochen ausheilen, in vielen Fällen hält der Schmerz jahrelang an, in manchen Fällen lebenslang. Bei manchen Patienten wechselt die Intensität der Erkrankung, es gibt Phasen der Besserung (Remission), die Wochen bis Jahre anhalten können, oder Phasen der Verschlechterung

    Sind noch weitere Erklärungen erwünscht, dann bitte melden !!!
    Ich befinde mich leider gerade deswegen in einer Klinik wo ich nun auch wieder hin muss.

    lg
    sweety

  • Hi Sweety!

    Ich versuche das gerade mal ernsthaft zu verstehen. Ich muss sagen, dass ich von so einer Krankheit bis vor kurzem noch nie was gehört habe. Womit meine erste Frage wäre, wie verbreitet das denn ist.
    Verstehe ich das außerdem richtig, dass zum Beispiel durch eine Verletzung die Nervleitung gestört wird?
    Sei mir nicht böse wenn ich so dumm und plump frage, aber es interessiert mich und ich möchte es gerne verstehen :smiling_face:
    Und was macht man dagegen wenn man diese Krankheit hat? Also so medizinisch gesehen? Und was machst Du in dieser Klinik?

    So, genug dumme Fragen gestellt.

    LG
    Raja

  • Hallo Raja,

    sweety hat mir den Link zu diesem Forum gegeben mit dem Hinweis, dass du einige Fragen zu CRPS / SUDECK hättest, ich werde mal versuchen dir diese zu beantworten.

    Die Zahl der Neuerkrankung soll bei 40.000 im jahr liegen, allerdings werden viele dieser Erkranknugen erst viel zu spät erkannt, im Frühstadium werden nicht mal die Hälfte diagnostiziert.

    Dabei ist die frühzeitige Diagnosestellung bei Sudeck (alte Bezeichnung) CRPS (complexes regionales pain syndrom) sehr wichtig.


    die genaue Ursache für die Entstehung von CRPS ist bsihernoch nicht bekannt. Früher ging man davon aus, dass nur Frauen über 40 mit einer labilen Psyche an Sudeckerkranken, zudem wurde behauptet, dass die Betroffenen ängstlich, unsicher, eingeschüchtert, alleine, workerholics etc wären. Dies ist aber mittlerweile widerlegt.

    Ich verusch mal die Entstehung (eine Möglichkeit, denn es werden ständig neue Ideen in derFachpresse veröffentlicht):
    Morbus Sudeck - CRPS (complexes regionales Schmerzsyndrom)

    CRPS entsteht zum Beispiel nach Arm - oder Beinbruch oder nach Verstauchung, durch eine Prellung oder auch ohne ersichtlichen Grund.

    In der ERklärung nehme ich eine Verstauchung zur Verdetulichung.
    Bei einer Verstauchung senden die Nerven Schmerzimpulse an das Gehirn, das Gehirn reagiert nur unzureichend und sendet wenn überhaupt nur minimale Mengen körpereigenes Schmerzmittel an die verletzte Stelle. Da das Gehirn nicht so reagiert wie es soll senden die verletzten Nerven immer weiter Impulse, das Gehirn reagiert trotzdem nicht.
    Irgendwann heilt die Verletzung nach längere zeit ab, (es kommen ja geringe Mengen von botenstoffen zu der verletzten Stelle), da das Gehirn aber nicht auf die Impulse reagiert hat senden die Nerven weiter Schmerzimpulse obwohl es eigentlich keinen Grund mehr gibt. geschieht dies über einen längeren Zeitraum werden die Schmerzen chronisch.

    Durch die anhaltende Reizüberlastung kommt es zu Fehlfunktionen. Das Gehirn versucht die Schmerzen irgendwie abzustellen und sendet daher bestimmte Botenstoffe die zum einen den Haarwuchs anregen, die Haut verfärben, für vermehrtes Schwitzen sorgen oder für andere typische Symptome. Um die Schmerzen irgendwie einzudämmen gibt das Gehirn Botenstoffe ab, die dazu führen, dass die erkrankte Stelle nicht mehr so viele Nährstoffe erhält, dadurch nimmt das Knochengewebe ab. Ein Knochen befindet sich ununterbrochen im Wandel. Einige Zellen bauen Knochengewebe ab andere bauen im Gegenzug neues Knochengewebe auf. Durch die Überlastung des Gehirns und durch den Versuch die erkrankte Stelle irgendwie zu beruhigen wird der Stoffwechsel in der betroffenen Extremität herabgesetzt, die knochenaufbauenden Zellen erhalten nicht mehr ausreichend Nährstoffe und es
    kommt zur Abnahme des Knochengewebes, es bilden sich Veränderungen die einem Schwamm ähneln.

    Da die Nerven über den Sympathikus (dickes Nervenbündel im Wirbelkanal) an das Gehirn geleitet werden und diese Nerven nicht auf ununterbrochene Impulsübertragung eingestellt sind, kann es dazu kommen, dass die Schmerzimpulse auf andere Nervenfasern überspringen. Dadurch kann es passieren, dass jemand der ursprünglich eine Verstauchung im Knöchel hatte plötzlich ohne ersichtlichen Grund dieselben Beschwerden in der Hand bekommt. In der Hand läuft dann dasselbe Programm ab. Die Nerven sind
    irritiert senden Impulse, das Gehirn reagiert unzureichend und der Schmerz wird chronisch.

    Die therapiemöglichkeiten sind weitgefächert, extrem wichtig ist es, dass der CRPS Patient während der Therpaie KEINE Schmerzen hat. Schmerzen wirken auf den Sudeck wie Spiant auf Popey, der Schemrz nimmt extrem zu.

    Die Grundpfeiler der Therpaie sind eine Schmerztherapie, oft sind Opiate erforderlich.
    Zudem ist eine schmerzfreie Bewegungstherapie, Lymphdrainage zur Anregung des Stoffwechselns und der Lymphgefäße wichtig, ebenso sollte der Betroffene regelmäßig Massagen für den rücken erhalten, da meist nach maximal zwei Jahren Bandscheibenprobleme auftreten aufgrund der Fehl und Schonhaltung, mit regelmäßiger Massagetherapie kann man diese Foglebeschwerden etwas aufhalten.

    Ansonsten bekommen CRPS Patienten je nachdem ob sie an CRPS SMP (Schmerz wir über den Sympatikus aufrecht erhalten) oder SIP (Schmerz wird nicht über den Sympathikus aufrechterhalten) Nervenblockaden, Schmerzmittelkatheder oder eine ähnliche therpaie.

    Auch Medikamente aus der Osteoporose Therapie werden bei uns eingesetzt.

    Es gibt zudem Ärzte die auf antidepressiva und Antiepileptika schwören zur unterstützung der Opiattherapie.

    Viele Betroffene bekommen zum Schutz und zur Unterstützung der Betroffenen Extremität eine Orthese (individuell angepasste Schiene aus Plastik) in der die Extremität ruhig gestellt wird.

    Der Erfolg der Therpaie richtet sich danach wie früh die Diagnose gestellt wird, im ersten Stadium rechnet man bei richtiger Therpaie mit sechs bis neun Monaten, im zweiten Stadium mit neun bis achtzehn Monaten und im dritten Stadium gibt es eigentlich so gut wie keine chance mehr auf Ausheilung, meist bleiben die Schemrzen dann ein Leben lang bestehen und der Betroffene ist auf Dauer arbeitsunfähig.

    Leider stellen viel zu viele Ärzte die Diaqgnose zu spät und weisen den Patienten wegen der Beschwerden in die Psychiatrie ein, da sie keine Erklärung für die (eindeutigen) Symptome finden. Dadurch geht vielen Betroffenen wichtige Zeit verloren, das ist auch der Grund wieso wir es uins zur Aufgabe gemacht haben Sudeck / CRPs bekannt zu machen und für mehr aufklärung zu sorgen.

    Wenn du also noch Fragen hast immer raus damit.

    Viele Grüße

    Luca
    (Admin Sudeck-CRPS - Forum)

  • Hey Luca!

    Vielen vielen Dank für diese wirklich ausführliche Erklärung!

    Hm, was ich mich frage ist, wenn die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen mit 40.000 doch recht hoch liegt, wie ich finde, warum ist über diese Krankheit dann doch recht wenig bekannt? Schließlich ist sie ja schon ziemlich scherwiegend finde ich.

    Ansonsten lass ich das jetzt nochmal sacken und wenn ich noch Fragen habe melde ich mich nochmal.

    LG
    Raja

  • Hallo Raja,

    so viel ist das gar nicht, nimmt man die Schätzung mit 40.000 Neuerkrankung wären es 0,05 % der Deutschen die jährlich neu an CRPS erkranken.

    Nimmt man die offizielle Zahl, die zwischen 5.000 und 10.000 Neuerkrankungen liegt hat man zwischen 0,006% und 0,01%

    Daher ist auch kein Pharmakonzern bereit Millionen in die Forschung zu stecken, mit uns verdient man einfach zu wenig. Bekommen die "Abfälle" aus der Osteoporose-Therapie, Rheuma-Therapie und (idiotischerweise) Alzheimer-Therapie.

    Wenn du noch Fragen hast immer raus damit, freu mich über jeden der sich für CRPS interessiert. Interessiert es dich eigentlich nur so oder bist du oder ein Bekannter, Verwandter oder Freund an CRPS erkrankt?

    Demnächst wird in der Welt ein ausführlicher Artikel (geplant ist eine Doppelseite) in "Der Welt" über CRPS erscheinen, wenn es dich interessiert geb ich dir bescheid sobald der Erscheinungstermin feststeht.

    Viele Grüße

    Luca
    Admin von Sudeck-CRPS - Forum

  • Hi Luca!

    Es interessiert mich sozusagen "nur so". Na ja, bin halt glaub ich ein bisl anders als viele andere, die wenn sie von sowas hören sagen "Aha, gibt es, ja gut, mir egal". Es interessiert mich schon wovon Leute so betroffen sind und wenn dann hier jemand berichtet möcht ich schon genau wissen was es ist irgendwie. /Grad alles etwas unzusammenhängend... Kopfweh und Bett ruft.

    Ist schon hart, dass für etwas "seltenere" (find die Anzahl immer noch hoch) Krankheiten einfach nicht geforscht wird. Sowas kann man in heutiger Zeit eigentlich kaum gauben. Aber trotzdem hört man es in vielen Fällen. Das die Menschheit immer nur aus so Profitgeiern besteht...

    Tut mir jedenfalls echt leid, dass so wenig getan wird und ich hoffe, dass Du mit Deinen Bemühungen Erfolg haben wirst. Kannst mir gern mal bescheid sagen, wenn dieser Artikel erscheinen soll.

    Geh dann nun mal schlafen, bevor ich hier weiter unzusammenhängendes schreibe...

    LG
    Raja

  • etwas von sweety aus der Klinik:


    Hallo Leute,
    Tag 25 in dieser Klinik. Ihr wisst, dass es hier schon so einige Vorfälle gab und dass ich lieber woanders wäre als hier.
    Heute war mein Entlassungstag. Er war es.
    Ich denke so einige von euch würden mir diesen Schritt nicht zutrauen (ich hätte das ja selbst von mir nicht gedacht), aber ja, ich habe mich heute freiwillig auf die Station 124, auf die psychosomatische Station verlegen lassen.

    *Abendrunde*

    Fragt mich nicht warum genau ich diesen Schritt gewagt hab, denn das weiß ich selbst nicht so genau. Ich weiß, ich habe einige Probleme (Tagebuch) die es gilt in den Griff zu bekommen, aber warum ich gleich die stationäre Schiene gewählt habe weiß ich nicht. Ich bin mir auch keineswegs sicher, ob dieser Schritt der richtige für mich ist, aber zu meinem "Neuanfang" gehört das wohl dazu...

    Mir geht es heut ausgesprochen gut, eigentlich fast zu gut, was mir Angst bereitet. Eigentlich müsste ich heulen und miese Gedanken haben, aber komischerweise fühl ich mich stark und lache. Ich weiß nicht ob es an mir, der Situation oder an meinen Medis liegt. Auch bin ich mir darüber bewusst, dass meine Stimmung jederzeit umschlagen kann. Ich werd es erleben! Im Moment geht's mir aber gut.

    Da ich Dirty nicht zu sehr beanspruchen möchte (ich diktiere, er schreibt, und muss es sogar noch ins Forum übertragen) werde ich alle weiteren Gedanken für heute für mich behalten.

    Ich danke allen die an mich denken, die für mich da sind und an mich glauben. Ich werd euch die Treue halten.


    Viele liebe Grüße
    sweety

  • Dann will ich mal ein riesen Paket voller Kraft und guten Mutes in Richtung Hauptstadt schicken.

    Pass auf dich auf Sweety!

    Ich bin mir ganz sicher dass du den richtigen Schritt getan hast, geh in die Richtung und du wirst aus der ganzen Sache rausfinden.

    Besuchstag naht!

  • Hallo ihr süßen,

    heute melde ich mich mal PERSÖNLICH bei euch. Nein, habt keine Angst, denn ich bin noch immer in der Klinik..., nicht weggerannt, nicht ausgebrochen ;).
    Ich habe nur entdeckt wie man hier ihn Internet kommen kann und so werde ich euch nun wohl öfter mal besuchen, wenn es die Zeit zulässt. Ich freue mich sehr darüber, das ich mein Tagebuch nun wohl wieder schreiben kann und den Dirty muss ich nun auch nicht mehr belästigen (er hat es aber gern getan hoffe ich) ;).

    Mir geht es gut hier, besser als auf meiner letzten Station. Einige Kontakte hab ich auch schon geknüpft. Es ist alles okay und bis jetzt bereue ich die Entscheidung in die psychosomatische zu gehen NICHT. Ich fühl mich gut...

    Liebe Grüße an alle, besonders jedoch an Fanzis, gelberose, Dirty und Luca..., winke, winke...

    lg,
    sweety

  • Beitrag von andivander (30. April 2024 um 23:30)

    Dieser Beitrag wurde von Franz aus folgendem Grund gelöscht: Einen Beitrag zu zitieren und weiter nichts dazu zu schreiben, eher sinnfrei. Zudem ist der Link auch nicht mehr funktionsfähig ... (1. Mai 2024 um 09:24).

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