Selbstverletzung weil alles gut läuft

  • Seit 4 Tagen läuft bei mir eigentlich alles recht gut zumindest im Hinblick auf das letzte jahr ich hab keinen übermäßigen Stress ich komm klar mit den Menschen mit denen ich sonst nicht klar komm bzw. die Fronten sind nicht mehr ganz so hart wie sie das mal waren Privat läuft alles so wie es soll also nicht schlimmer als sonst auch. Eignetlich könnt ich zufrieden sein mit mir und meinem Leben Aber...
    Ich bin ich nicht und hab mir den kopf zermadert warum das so ist aber klar ohne Erfolg. Heut morgen dann in der Therapie sagte mein Therapeut vielleicht bräuchte ich das den Ärger und den stress ich solle doch mal mit jemandem Streit anfangen oder mir zur abwechslung mal wieder irgendwo weh tun.vielleicht würde es dann besser werden zumindest mit meinen Gedanken. Ich finde das total bes..... Weil ich doch gerade dabei bin mit der blöden Ritzerei aufzuhören und jetzt rät der mir ja praktisch es wieder zu tun
    Ich versteh die Welt nicht mehr
    Versteht das einer von euch ???
    wär für Ideen sehr dankbar
    eine leicht verwirrte Fenella

  • :confused_face: Nee, sorry, aber das verstehe ich nun ganz und gar nicht... Okay, ich bin auch ein Mensch, der immer mal wieder Reibereien braucht (mein Freund kann davon ein Lied singen :grinning_squinting_face: ), aber SVV deswegen? Nie unds nimmer! Sorry, aber was für ein Idiot ist dein Therapeut? Wenn meiner mir das gesagt hätte, hätte ich ihm den Vogel gezeigt!!!! Wann hast du denn deine nächste Stunde? An deiner Stelle würde ich nochmal nachfragen, ob er das wirklich so gemeint hat...

    Liebe Grüße
    rose

  • also verstehen kann ich das auch nicht, dass er das sagt.

    aber den grundgedanken kann ich nachvollziehen.. zumindest gehts mir hin und wieder so, dass ich mich auch verletzte, wenns mir gut geht. ja, wenns mir richtig gut geht. aber eben einfach nur um zu merken, dass das alles real ist, so gut wie's läuft, in dem moment. dass ich das alles nicht nur einfach träume oder mir einbilde.

    ich weiß nicht, vielleicht hat er sich sowas in der art ja dabei gedacht... aber weiß man's?

    liebe grüße
    fibra.

  • Hallo Fenella,

    Deinen Therapeuten verstehe ich auch nicht. Frage ihn doch mal, ob er einen Süchtigen auch geraten hätte, einen Rückfall zu bauen und wieder zu trinken, oder zur Nadel zu greifen.

    Rückfall weil es uns gut geht? -- Ja!
    Zumindest unter Süchtigen kommt es häufiger dazu und ist mir selbst auch mal passiert. Unter Süchtigen gilt die Regel," pass besonders gut auf, wenn es dir schlecht geht, aber auch, wenn es dir besonders gut geht."

    Wenn man fragt warum diese Regel, hört man, ist so. Wir sind eben süchtig.

    Diese Phrasendrescherei hat mich nie befriedigt. Ich habe weiter gefragt und meine sagen zu können, daß wenn es uns eigentlich gutgehen müßte, weil die äusseren Umstände danach sind, kommt die Enttäuschung, daß es uns nicht wirklich gut genug geht. -- Wir fühlen uns nicht erlöst, wir fühlen uns nicht geborgen, wir erleben keine harmonische Verschränkung mit unserer Umwelt, (Anna Freud), oder ozeanisches Gefühl, (Anni Reich).

    Der Psychoanalytiker, Michael Ballint hat dagelegt, daß alles menschliche Streben, selbst der Sadomasoschismus, der Sehnsucht nach der vorgeburtlichen Harmonie im Mutterleib entspringt. Dieser harmonischen Verschränkung mit der Umwelt, Mutter.

    Unsere Sehnsucht gilt etwas, das wir bewußt nicht erreichen können.
    Lediglich in den Momenten der Regression, in denen wir nicht tun, sondern uns etwas geschiet, können wir diese Harmonie empfinden. Diese Regressionen sind bekannt, als die Momente von Geburt, Sterben, Orgasmus, und ansich auch das nächtliche Einschlafen, auch das können wir nicht tun, sondern geschiet uns.
    Sucht erscheint mir ebenfalls eine von dieser Sehnsucht angetriebene, aber bösartige, Regression. Auch der Süchtige verliert die Kontrolle.

    Aber auch ich kann das Alles nur Ansatzweise erfassen und nicht vollständig verstehen.

    Stellt sich ansich noch die Frage, wie es denn damit s,g, Normalen ergeht.
    Auch hier kann ich nur mutmaßen, daß deren neurotisches Korsett stabiler ist, so daß sie diese Sehnsucht kaum bewußt warnehmen. Aber auch über mehr seelische Elastizität verfügen, so daß sie gar nicht so tief fallen.

    Wenn ich mich zu erinnern versuche, mich mal als Kind von meiner Mutter, von meinen Eltern mal wirklich angenommen und geborgen gefühlt zu haben. Dann gelingt mir das kaum, ja im grunde nicht.

    Das Kind in mir auch zulassen können und mich selbst annehmen ist zu einem wichtigen Schritt meiner Entwicklung geworden, aber ich bin immer noch dabei.

    Gruß Stehaufmänne

  • Sehnsucht nach Geborgenheit und Angenommensein - das kann ich nur zweimal unterstreichen. Frieden, am liebsten im ganzen Kosmos..*lach - das wird es wohl niemals geben, Utopie, Wunschvorstellung, Illusion. Realität ist ANDERS.

    Das Leben ist voller Disharmonien. Streit muss ja auch nichts schlechtes sein. Also das mit den Reibereien habe ich auch schon ganz gerne, wenn es nicht zu doll unter die Gürtellinie geht und dann unnötig das Verletzungskonto in die Höhe treibt.

    Wenn man einen anderen verstehen möchte, muss man sehr nah an ihn heran und ein Streit ist meines Erachtens eine gute Gelegenheit den anderen in einem außergewöhnlichen Zustand zu sehen. Es hält die Beziehung irgendwie auch lebendig.

    Falsche Harmonie ist etwas Grausames, mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich spüre, jemand ist scheinheilig freundlich und friedlich, obwohl er innerlich eher zornig auf mich ist. Da ist mir ein ehrlicher Wutausbruch lieber. Oder so Menschen, die so verdächtig lieb zu allen und jedem sind, obwohl man ihnen diese Heiligkeit irgendwie nicht so ganz abkauft. Ich kenne auch Menschen, die sind wirklich so, dass sie niemals streiten, aber die kommen auch authentisch rüber und ich weiß, wie lange sie an sich selbst gearbeitet haben, um dieses Ideal leben zu können.

    Streit kann auch Energien puschen, ein Energieschub sein.

    Vielleicht meinte der Therapeut das so in der Art, aber ich finde es unverantwortlich, dass er dich darüber im Unklaren lässt. Frage ihn am besten in der nächsten Stunde. Vielleicht gab es ja ein Missverständnis, warum auch immer?

    Wie Stehaufmänne schon schreibt, die wirklich wichtigen Dinge im Leben geschehen einfach ohne unser Dazutun. Ich habe auch den Eindruck, je mehr ich etwas WILL, desto eher scheitert es. Der eigene Wille, das Ego, verhindert Glücklichsein. Es gibt da so einen Zustand des inneren Gewahrseins, eine Perspektive, die nicht wertend ist und nicht subjektiv. Wenn ich mich da hineinbringen kann, gelingen z.B. Beziehungen sehr gut. Aber ich falle auch wieder aus diesem Zustand heraus und dann kommt mein ICH WILL mir wieder in die Quere. In manchen Büchern wird ein ähnlicher Zustand als FLOW beschrieben, im Fluss sein, alles fließt, geschieht wie von selbst...

    Oft habe ich gemerkt, dass die Dinge, in die ich viel Kraft und vielleicht auch Gewalt gesteckt hatte, gar nicht gut liefen. Etwas, dass von außen kommt und ich kann es annehmen gelingt dagegen mühelos.

    @ Wenn du magst, Stehaufmänne, dann erzähl doch mal von deinem inneren Kind?

    Also mein inneres Kind ist schüchtern und ängstlich, hat Angst nicht angenommen, nicht genug geliebt zu werden, möchte Schutz und Geborgenheit.

    Dieses innere Kind steht konträr zu meiner realen Ausstrahlung. Da wirke ich selbstbewusst, stark, dynamisch, eher kontraphobisch. Niemand würde darauf kommen, dass es in mir drinnen ein solches Rehlein geben könnte. Und dennoch ist es da.

    @ fenella_feuerfee: Erzähl mal von dem Therapeutengespräch und trau in erster Linie dir selbst. Du weißt im Grunde, wo es lang geht. Dein Therapeut hilft dir, aber du hilfst dir auch selbst sehr viel. Ich glaube an dich!

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