Soziale Ängste und die Angst vor Nähe

  • Solange ich von guten Bekannten umgeben bin, kann ich souverän auftreten. Es macht mir dann auch nichts aus, eine Diskussion einzugehen und eigene Standpunkte zu vertreten, weil ich von diesen Menschen keine Zurückweisung erwarte, obwohl ich einmal anderer Meinung bin. Bei Fremden ist das hingegen anders. Da scheue ich mich davor überhaupt den Mund aufzumachen, weil ich Angst habe, einen schlechten Eindruck zu hinterlassen und fühle mich emotional in eine Zeit aus meiner frühen Jugend zurückversetzt in der ich stark gemobbt worden bin. Rational weiß ich, dass das nur ein Überbleibsel von Emotionen einer vergangenen Wirklichkeit sind und mit dem Hier und Jetzt nichts mehr zu tun haben. Mein Gefühl jedoch sagt mir etwas anderes und kann nicht damit aufhören ständig Parallelen zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu ziehen. Manchmal verliere ich mich dann in apathatischem Schweigen und ich bilde mir ein dass man mir die Furcht ansieht, die immer mehr in mir aufkeimt und mich so nur noch verletzlicher macht. Daher fällt es mir unheimlich schwer, neue Kontakte zu knüpfen. Nüchtern wohlgemerkt. Unter Alkoholeinfluss ist das eine andere Geschichte...

    Soviel zur sozialen Angst. Die Angst vor Nähe ist mir fast noch unangenehmer. Sie bezieht sich auf Menschen, zu denen ich eine starke emotionale Bindung habe, die ich jedoch gut zu verbergen weiß, so dass ich wiederum meinem Gefühl entgegengesetzt kühl und unnahbar wirke. Sobald mir so ein Mensch, wie z. B. mein Bruder, näher kommt, bekomme ich Panik und blocke total ab. Dann setzen dieselben sozialen Ängste ein, die ich unter Fremden bekomme und ich distanziere mich noch mehr. Ich schätze, ich tue das, um nicht abgewiesen und verletzt zu werden, aber rein von der Logik her macht mein Verhalten absolut keinen Sinn. Dadurch kapsle ich mich noch mehr von meiner Umwelt ab und ich fühle mich eingekerkert in einer emotionalen Einsamkeit, die ich kaum ertrage kann. Dann sehne ich mir die Zeit herbei, in der Alkohol und Drogen noch Teil meines Lebens waren ...

    Seitdem ich clean bin, wird mir dieses Problem erst wieder so richtig bewusst. Mit einer Tavor, ner Line Subutex oder nem Gläschen Wein, ging das alles ganz locker. Da war mir alles egal. Aber jetzt, in meinem neuen Leben, merke ich wie sehr ich darunter leide...
    Kennt das jemand? Wie komme ich da nur raus? Weiß jemand einen Rat?
    Hab mir schon überlegt, ob ich statt meines momentanen AD's vielleicht auf Paroxetin umsteigen sollte, da das ja das non-plus-ultra bei sozialer Phobie ist, aber eigentlich komme ich ja gut mit dem Fluoxetin klar, aber naja, keine Ahnung, ich weiß auch nicht...

  • hallo stella83,
    ich glaube, es ist keine gute idee, das medi zu wechseln, wenn du gut damit klar kommst. und Paroxetin und Fluoxetin sind beides ssris und so gravierend würde sich ein wechsel da eh nicht auswirken.

    besser wäre bei deinen geschilderten problemen eh eine gute Verhaltenstherapie. in der analyse scheinst du ja selbst schon ziemlich gut zu sein. ich finde mich z.t. auch selbst in deiner beschreibung wieder.

    logisch ist das verhalten übrigens dennoch (auch wenn es nicht so scheint), nur ungünstig:
    es wird dich wohl mal geschützt haben und du warst mit diesem verhalten in einer gewissen weise erfolgreich. dich konnte niemand verletzen bzw. nicht so leicht, solange du nicht gezeigt hast, dass du jemanden magst.

    es scheint auch so zu sein, dass du mit den wieder aufkeimenden problemen einen ansatz hast, warum du (ich übrigens auch) überhaupt so sehr den drogen verfallen warst. löst du deine konflikte, löst du auch einen guten teil deiner Sucht auf, denke ich.

    lg
    bender

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!