MDPV-Sucht meines Bruders und Hilfe durch Nichthilfe

  • Hallo zusammen,

    ich wende mich an Euch, weil meine Familie gerade an der MDPV Sucht meines Bruders zerbricht und wir vor einem sehr kritischen Wendepunkt stehen, nämlich der Hilfe durch Nichthilfe.

    Mein Bruder, promovierter Mediziner, 29 Jahre, war vor zwei Jahren noch selbstständiger, niedergelassener Arzt und hat gutes Geld verdient. Er hat eine Hardcorekifferphase hinter sich (das härteste Konsummuster was ich je bei einem Kiffer sah, und das will was heissen) und ist dann irgendwann auf Designer-Drogen umgestiegen. Eine der Designer-Drogen heisst MDPV. Nach dieser Droge ist mein Bruder absolut abhängig.

    MDPV = Methylendioxypyrovaloron ist eine als Research Chemical oder als Badesalz frei im Internet bestellbare Substanz die einen ganz dreckigen Rausch und einen unfassbaren Nachlegedrang verursacht. Der Konsument nimmt ganz schnell die zigfache-hundertfache Rauschdosis in einer Session (bzw. mein Bruder macht das). So eine Session dauert bis zu 4-5 Tage und endet erst wenn eine so tiefgehende körperliche Erschöpfung aufgrund Schlafentzugs und Drogenwirkung eingetreten ist, dass erst einmal eine Woche dauerpennen angesagt ist. Mein Bruder braucht so um die zwei Wochen um sich von so einer Session so weit zu erholen, dass man wieder vernünftig mit ihm reden kann, vorher ist er extrem teilnahmslos und eindeutig nicht im Besitz seiner kognitiven Fähigkeiten.

    In der Zwischenzeit war mein Bruder dreimal in Therapie, hat seine Selbstständigkeit als Arzt aufgeben müssen und wird seit ca 1,5 Jahren von meiner Mutter ausgehalten. In dieser Zeit hat mein Bruder ständig weiterkonsumiert, und ständig gelogen und ständig weitergemacht. Ich habe meiner Mutter schon vor langer Zeit gesagt, dass irgendwann der Schritt "Hilfe durch Nichthilfe" gegangen werden muss, aber meine Mutter hat es lange herausgezögert. Jetzt sind wir allerdings soweit, dass es nicht mehr weitergeht und alle Beteiligten am Ende ihrer Kräfte angekommen sind.

    Nun stellen wir uns also die Frage, wie wir meinen Bruder mit der Hilfe durch Nichthilfe konfrontieren. Wir haben alle Angst, dass mein Bruder seiner selbstzerstörerischen Ader freien Lauf lässt wenn wir ihm die materielle Unterstützung verweigern. Bisher wurden alle negativen Folgen seines Tuns von ihm abgehalten, und jetzt wird halt der Wendepunkt kommen wo er zum ersten Mal die Folgen seines Tuns spüren wird.

    Zusammengefasst also meiner Frage: Wie leitet man die Hilfe durch Nichthilfe richtig ein? Mein Bruder sitzt momentan drupp in der Wohnung meiner Mutter und kann in diesem Zustand nicht denken oder diskutieren. Was machen wir jetzt mit ihm? Einfach rausschmeissen halte ich für absolut falsch, wir wollen ihm aber auch deutlich klarmachen, dass jetzt Schluss mit Lustig ist und wir sein Verhalten keine Sekunde weiter akzeptieren werden.

    Ich habe mir überlegt:
    1. Schritt: Den Jungen nüchtern pflegen und aufpäppeln bis er wieder denken kann.
    2. Schritt: Dann ein ganz ernsthaftes aber positives Gespräch führen in dem klar gemacht wird, dass nur die materielle Zuwendung aufhört, wir ihn aber nicht fallen lassen und dies alles tun um ihm zu helfen.
    3. Schritt: Ihn so lange kontrollieren und bewachen bis er dann endlich in einer Langzeitklinik oder einer betreuten Wohngemeinschaft für Süchtige.
    4. Schritt: Loslassen und Ihn seinen Weg gehen lassen. Egal für welche Richtung er sich entscheidet.

    Ich bin mir nicht sicher ob dies der richtige Weg ist. Meine Mutter ist halt panisch vor Angst, dass er sich was antut wenn er kein Geld mehr bekommt. Wir alle haben Angst dass er sich was antut und wissen deswegen nicht, ob ihn rauszuschmeissen der richtige Ansatz ist. Vielleicht hilft aber auch nur der Schockeffekt. Wir wissen es nicht.

    Vielen Dank für Eure Gedanken zum Thema Hilfe durch Nichthilfe.

    Gruß,

    firestarter

  • Also für mich hört sich das alles sehr vernünftig an - also Deine angedachte Vorgehensweise. Aber hier im Forum werden sicherlich noch andere zu Wort kommen. Krasse Geschichte......

    LG Mickey

  • Hallo firestarter,

    was sagen denn Leute von Beratungsstellen?

    Und auf jeden Fall mein Mitgefühl. Was ne Sch...Situation.

    Viel Kraft für Euch
    LG Wolke

    Sorry, daß ich sonst gar nichts konstruktives beisteuern kann

  • Servus firestarter,

    schön mal wieder was von dir zu hören, doch der Anlass ist natürlich voll Mist :frowning_face:

    Du stellst wohl die schwierigste Frage für Unbeteiligte, ihr stellt euch als Betroffene ganz sicher die krasseste Frage, was muss man tun um wen zu seinem Glück zu zwingen ....

    Früher hat man generell als Antwort bekommen, rauswerfen und auf die Nase fallen lassen.
    Auch heute ist es natürlich immer ein Weg, doch hab ich früher einige sterben sehen, weil man diesen Weg gewählt hat.
    Jetzt kommt aber zu der Sache der wichtigste Punkt, der Süchtige selbst wählt seinen Weg und daher kann man in den meisten Fällen nur ihm selbst alles weitere zuschreiben.

    Schreibt sich einfach, doch das sage ich ja als Ex-Junkie, weil ich halt überzeugt bin, jder kann clean werden, wenn es ihm das wichtigste wird und man alles dafür tut.
    Diese Einsicht bekommt man aber oft erst in scheiß Situationen, wenn man eben allein da steht, im Knast landet, auf der Straße sitzt ...
    Als Angehörige muss man sich klar sein, ihr könnt euch auf den Kopf stellen, wenn dein Bruder nichts einsieht, dann könnt ihr leider nichts machen. Nicht mal unter 'Zwang, weil das wäre ja auch noch eine Variante, weil wenn er aus einer Einweisung entlassen wird, dann kann er sich auch den Rest geben - und jeder wird mal wieder entlassen.

    Vom Prinzip her ist er also schon gestorben und man kann nur auf ein Wunder warten, dass er vielleicht doch wieder aufersteht.
    Wie aber kann man das unterstützen? Leider sehr begrenzt :frowning_face:

    Dein Schritt 1 ist sicher zu überlegen, man kann ihn kaum voll dicht auf die Straße setzen.
    Selten geb ich zu bedenken, dass man auch mit einer Einweisung arbeiten könnte und die wird nur von Erfolg gekrönt sein, wenn er selbst keine Entscheidungen treffen kann!
    Schritt 2 gab es vermutlich hunderte mal schon, oder? Ich weiß nicht ob man sich da nicht selbst mehr weh tut, als dass man erreicht. Einschätzen könnt aber nur ihr das, wobei das als Angehörige meist auch schwer fällt, weil zumindest deine Ma in einer gewissen 'Co-Abhängigkeit steckt, wenn se das alles irgendwie finanziert.
    Schritt 3 erübrigt sich, einen Süchtigen kontrollieren halte ich für unmöglich, wenn er machen kann was er will ...
    Schritt 4 ist eben wieder der Punkt, von dem ich bereits viel geschrieben habe. es wird immer so sein, dass er die Entscheidung treffen wird.

    Ungern, ich wiederhole mich, trotzdem bin ich der Meinung, manchmal ist lieber ein Angehöriger sauer, aber man zwingt wen zu seinem Weg. Doch in allen Fällen, als Angehöriger muss man sich klar machen, man trägt in keinem Fall irgendeine Schuld.

    Ich frage mich auch, wie steht es um die körperliche Verfassung, wenn diese Phasen 2 Wochen dauern und er zu nichts fähig ist?

    Unbedingt einen Arzt und Beratungsstelle hinzuziehen!!

    Viel Glück und vor allem Kraft ...
    LG Franz

  • hallo firestarter ,


    deine genannten 4punkte hören, lesen sich gut.
    dein bruder hat wahrscheinlich noch ein problem. als mediziner steht er in der hirachie weit oben. da ist es unsagbbar schwer helfen zu wollen. auch findet man in dieser kreisen selten jemand, der es gebacken kriegt, von seiner Sucht loszukommen. meist begründet sich das dasein, dass e alles sinnlos ist und sterben müssen wir ja nun alle. ich hatte das pech oder glück, dass ich mein sterben überlebte. man sagt es so dahin, aber wenn man im nachhinein das sterben erlebt, fühlt sich das schon anders an.
    was will ich damit sagen, gegen Sucht ist der außenstehend machtlos. Sucht hatte für mich etwas irres, ich war irre. ich kann zwar nur von der alksucht sprechen, kann mir aber vorstellen, dass andere süchte genau so gefährlich sind.
    ich kenne einige fälle, da mußte sich die partner todsaufen, weil er von allen seiten aufgefangen wurde. der süchtige quält sein umfeld, er nutz es unbewußt aus. und wenn da noch ein paar da bleiben, die ihm helfen wollen, geht das meist in die hose.
    bleibt immer wieder die frage, bringt er sich schnell oder langsam um und welcher weg ist besser?
    es ist furchtbar in so einer lage zu sein.

    lg uwe

    Franz, du sprichst mir aus dem herzen.

  • Das Problem, das wir haben, wenn er sich selbst zerstört, ist halt nicht wer daran Schuld ist. Meine Mutter würde ihres Lebens nicht mehr froh werden, wenn mein Bruder das nicht übersteht, egal wer da Schuld dran ist. Das spielt überhaupt keine Rolle. Ich male mir die Situation aus:

    Man steht am Grab und sagt "Es war nicht meine Schuld." Nicht unbedingt das was ich unter einem Happy End verstehe. Es ist halt unser Fleisch und Blut.

    Das Problem ist dass er schon immer, auch als kleines Kind, diese selbstzerstörische Ader hatte. Das kombiniert mit absoluter Abhängigkeit und einem Leben das seit 2 Jahren kontinuierlich den Bach runter geht und jetzt an einen großen Wendepunkt kommt, ist nicht unbedingt eine gute Mischung. Vielleicht schätzen wir ihn ja auch falsch ein, und in ihm ist einer kleiner, trotziger Fighter, der ihn wieder auf Kurs bringt. Vielleicht musser einfach mal aufm Boden aufschlagen um zu verstehen und endlich zur Erkenntnis "Ich will ohne das Zeug leben weil es mein Leben zerstört" kommen.

    Das Problem ist halt folgendes: Ich glaube nicht, dass tief in seiner Seele dieses "Ich will aufhören" wirklich da ist. Ich glaube ihm nicht, wenn er sagt dass er aufhören will. Es ist für mich ein gewaltiger Unterschied, ob jemand diesen Funken in seiner Seele hat oder nicht. Solange dieser Funken der Erkenntnis nicht da ist, kann nichts positives passieren. Jede Therapie, alle Versuche die ohne diesen Funken unternommen werden sind halt einfach nur Fassade, möglicherweise nur eine riesengroße Lüge um weiter finanzielle Unterstützung von Muttern abzugreifen. Quasi das Vorschauspielern des "Ich versuche es ja aber bin zu schwach", obwohl wir es eigentlich mit einem "Ich hab keinen Bock darauf zu verzichten finde aber euer Geld geil" zu tun haben.

    Ich habe immer noch die Hoffnung, dass die Konfrontation mit den vollen Auswirkungen seines Handelns diesen Funken wecken können. Denn es ist nie verloren. Wenn sogar Heroin-Süchtige wieder auf Kurs kommen, dann muss es doch auch mit MDPV-Süchtigen möglich sein. Ich denke wir werden ihn aufpäppeln, ihm vermitteln dass wir ihn niemals fallen lassen werden aber sein Verhalten unter keinen Umständen mehr akzeptieren, ihm erklären was wir tun, und dann aufhören ihn vor den negativen Auswirkungen seiner Sucht zu bewahren. Ich hoffe wirklich, dass das meine Mutter und mein Bruder das überstehen.

    Wir werden sehen.

    Viele Grüße

    EDIT:

    Er ist an sich gesund was die körperliche Verfassung angeht. Aber diese Sessions sind so zerstörend und erschöpfend, dass er dauerpennen muss und eine gewisse Zeit braucht um wieder denken zu können.

  • hallo firestarter,

    gib ihm doch mal diese antworten zu lesen.
    in diversen foren gibts geschichten, die nüchtern werden lassen.
    so etwas kann auch zum nachdenken führen, nachdenken über die eigene Sucht.

    lg uwe

  • Eine einfache Idee: Drehe Deinem Buder einfach den Geldhahn zu (Kreditkarten wegnehmen, etc.), so dass er keine liquiden Mittel für Drogenkäufe zur Verfügung hat. Sofern er bei seinem Dealer keinen Kredit hat, könnte diese etwas radikale Lösung funktionieren.

    LG Mickey

  • Hey Mickey,

    Zitat

    (Kreditkarten wegnehmen, etc.)


    Nur mal so: Wenn du mir als erwachsenen Mann meine Kreditkarten wegnehmen wolltest, hätte ich die binnen von Minuten als gestohlen gemeldet, gesperrt, mir neue geordert und dich wegen Diebstahls angezinkt, und mir Kraft meiner verzweiflungsgeborenen Wut vielleicht gleich noch eine Nötigung ausgedacht, die ich dir auch noch andichte. Hat rechtlich zwar dann keine Relevanz mehr, aber du erst einmal den Ärger für nichts und wieder nichts. Und im Nachgang wäre ich mit absoluter Sicherheit die nächste Zeit einer Argumentation noch weniger zugänglich als ohnehin schon.

    Anders sieht es natürlich bei von mir erhaltenen Geldmitteln aus. In der Hinsicht gibt es für mich eine ganz simple Prämisse: Gibt niemals einem Süchtigen Geld in die Hand. Ein offenes Ohr, solange ich Ehrlichkeit mutmaße, etwas zu Essen und für enge Freunde und Familie auch mal zeitlich begrenzt ein Obdach. Zuletzt auch Hilfe, bei allem was einer Neuordnung dienlich sein könnte, aber ich fülle weder Anträge aus, noch rufe ich irgendwo an, suche aber gern die Nummer raus. :winking_face: Das war es dann auch schon.

    Ansonsten, ja, kann ich dem Thread eigentlich nichts weiter beifügen. Ich halte es für unrealistisch, einen Süchtigen zu seinem Glück zwingen zu wollen.

    Dieses extreme Erholungsbedürfnis nach langen Stimulanzien-Sessions ist mir wohl vertraut, gibt's bei Crystal ähnlich, und ich finde es überhaupt nicht hilfreich, wenn einem das ermöglicht wird, man ein Loch hat, in dem man sich verkriechen kann, und sich erst einmal ein paar Tage ausschlafen kann. Hinterher sieht die Welt gleich wieder ganz anders aus, man fühlt sich vital, erholt, alles halb so schlimm, so lässt sich's leben... und zur Feier des Wohlgefühls erst einmal eine ordentliche Bahn, da kann der Tag kommen. :winking_face: Oder anders gesprochen, benötigt man auch als Stimulanzien-Abhängiger nur ein paar Sachen um zufrieden vor sich hin zu leben: Unterkunft, Essen, Drogen... und im Rausch findet sich die Beschäftigung allemal.

    Viele meiner damaligen Druffie-Kumpels sind auch nicht so psychisch labil wie Meinereiner, sind nicht Depressiv und suizidal in Therapie gelandet, wohnen noch heute mit über 30 bei ihren Eltern und ballern sich munter weiter die Synapsen raus... nur mal so am Rand angemerkt.

    LG
    WbD

  • Zitat

    Das Problem ist halt folgendes: Ich glaube nicht, dass tief in seiner Seele dieses "Ich will aufhören" wirklich da ist. Ich glaube ihm nicht, wenn er sagt dass er aufhören will. Es ist für mich ein gewaltiger Unterschied, ob jemand diesen Funken in seiner Seele hat oder nicht. Solange dieser Funken der Erkenntnis nicht da ist, kann nichts positives passieren. Jede Therapie , alle Versuche die ohne diesen Funken unternommen werden sind halt einfach nur Fassade, möglicherweise nur eine riesengroße Lüge um weiter finanzielle Unterstützung von Muttern abzugreifen. Quasi das Vorschauspielern des "Ich versuche es ja aber bin zu schwach", obwohl wir es eigentlich mit einem "Ich hab keinen Bock darauf zu verzichten finde aber euer Geld geil" zu tun haben.


    Das ist genau der Punkt!
    Ehrlich gesagt, hatte ich lange lange lange diesen Funken nicht mehr!
    Ich kanns nicht fassen, ich kann nicht den Finger drauflegen, wann ich das wieder hatte.
    Ich weiß nur, dass bei mir die totale Verzweiflung war, alles schwarz (bei mir war es Opiat & Amphetamin Mischkonsum; neben vielem anderen).
    Ich glaube es war so, dass ich erstmal durch dieses riesige Verzweiflungsloch durch mußte - bei mir ging das 9 Monate lang !!!
    Dann erst kam der Funke l a n g s a m wieder zum glimmen.
    Erst als ich den Suizid damals ausgeschlossen hatte & vermutlich aus reinem Trotz jeglichen Konsum verweigerte (wie auch jeglichen Sozialkontakt),
    erst dann baute sich das langsam wieder auf.

    Zitat von WbD

    Anders sieht es natürlich bei von mir erhaltenen Geldmitteln aus. In der Hinsicht gibt es für mich eine ganz simple Prämisse: Gibt niemals einem Süchtigen Geld in die Hand. Ein offenes Ohr, solange ich Ehrlichkeit mutmaße, etwas zu Essen und für enge Freunde und Familie auch mal zeitlich begrenzt ein Obdach. Zuletzt auch Hilfe, bei allem was einer Neuordnung dienlich sein könnte, aber ich fülle weder Anträge aus, noch rufe ich irgendwo an, suche aber gern die Nummer raus. :winking_face: Das war es dann auch schon.

    Ansonsten, ja, kann ich dem Thread eigentlich nichts weiter beifügen. Ich halte es für unrealistisch, einen Süchtigen zu seinem Glück zwingen zu wollen.

    JEPP!!! Lg.Ganesha

  • Hallo firestarter..

    Ich habe ein ähnliches Problem mit meinem Bruder (25)...Nur leider ist mir das erst jetzt wirklich klar geworden, da ich 400 km von zuhause weg wohne...Ich habe niemanden in der Familie mit dem ich darüber reden kann (Vater tot, Mutter psychisch krank)..Dürfte ich dich bitte fragen, wie es bei dir weiter ging???

    Liebe Grüße Tande

  • Hallo Tande,

    firestarter ist ja - so glaub ich - nicht allzu häufig hier im Forum, es kann also ein bisserl dauern, bis Du da ne Rückmeldung bekommst. Aber du könntest doch auf jeden Fall selber noch ein Thema dazu aufmachen und da deine Sorgen und Gedanken schildern, vielleicht gibt es ja dennoch einen Austausch, der dir die Situation erleichtert.

    LG Wolke

  • Mahlzeit,

    ja ich bin nur selten hier.

    Update: Nachdem ich nun jahrelang auf meiner Mutter eingeredet habe, hat sie nun endlich die finanzielle Unterstützung eingestellt. Sie ist/war leider extrem co-abhängig und hat meinem Bruder einen grotesk luxuriösen Lebensstil ermöglicht obwohl er sie wie Dreck behandelt. Jeder wochenlange Trip meines Bruder versetzt meine Mutter in einen panischen Angstzustand, sie hat Panik dass mein Bruder stirbt. Das beste ist, dass mein Bruder dass genau weiss und es ihm so scheissegal ist, dass er sein Verhalten bislang nicht geändert hat.

    Die Auswüchse der Co-Abhängigkeit meiner Mutter gipfelten dann darin dass mal eben der 2000 Euro Dispokredit ausgeglichen wird, alle Rechnungen, Miete, Maklergebühren, neue Wohnungseinrichtung usw bezahlt wurden. Dazu lächerliche Handauflegetherapie und natürlich noch Auto, Benzin usw.. Aus Dank hat mein Bruder sich unbeschwert seiner Sucht hingeben können, was dann wieder Todes/Verlustängste bei meiner Mutter auslöste.

    Ich bin unendlich dankbar, dass meine Mutter es endlich eingesehen hat. Der Geldhahn ist jetzt seit einem Monat zugedreht. Das Auto dass mein Bruder fuhr gehört meinem Vater. Der hat das Auto jetzt einkassiert, weil mein Bruder immer wieder aufm Trip voll drupp gefahren ist.

    Und oh wunder, mein Bruder entdeckt auf einmal die Sparsamkeit. Zum Amt zu gehen und Hartz4 zu beantragen ist offensichtlich unter seiner Würde, er denkt immer noch er könnte in naher Zukunft als Mediziner praktizieren, was natürlich Bullshit ist. Ohne eine stabile Verhaltensänderung (ich rede jetzt erst einml von mindestens 12 Monaten drogenfrei) muss der gar keine Bewerbungen schreiben, der hat ja momentan gar keine Stressresistenz. So lebt er also gerade von seinem 6000 Euro Dispokredit und hat sich schon ausgerechnet wie weit er damit kommen wird.

    Sein Plan ist wohl jetzt erst einmal klar zu kommen und dann in zwei Monaten wieder zu arbeiten. Ich glaub nicht das das funktioniert, ohne eine ausreichende Stabilisierung wird er wohl wieder unter dem Jobstress zusammenklappen und wieder trippen.

    Naja, auf jeden Fall hat er sich seitdem er mit den Reserach Chemicals angefangen hat in ein ziemliches Arschloch verwandelt.

    Grüße

  • Es hat auf mich den Eindruck als scheint euer Verhältniss zueinander nicht gut zu sein und du nicht viel von ihm hältst so wie du schreibst.
    Ich seh das so das du ein Problem damit hast, dass deine Mutter ihm mehr "Aufmerksamkeit" / Geld schenkt als dir. Irgendwie seid ihr alle Co Abhängig.
    Leider is es so das die Mutter immer ihr schwächstes Kind beschützt.

    aber es hat mich erschreckt wie du von ihm redest. Sagst du ihm das auch so direkt ins Gesicht dass er in einer Traumwelt lebt ?
    Ich kann dir nur den Rat geben in zu unterstützen wenn er sich ändern will, auch wenn es manchmal Bullshit ist was er sich vorstellt, er wird selber draufkommen.
    Aber das schlimmste für einen Abhängigen ist sich ändern zu wollen und von seinen Freunden und ANgehörigen immer noch in eine Schublade gesteckt wird.
    und bei dir liest man diese Einstellung sehr stark herraus, als könntest du ihm niemals mehr verzeihen.
    Sag ihm das zur richtigen Zeit. Mir hat es weh getan aber Klarsicht gegeben, das ein guter Freund mir zugestanden hat mir nur mehr schwer vertrauen zu können.
    Bei Abhängigen ist meist die Gefühlswelt durcheinander und über Gefühle reden hilft. alles zur richtigen Zeit
    Sonst kommen Rückfälle. oder Kontaktabbrüche.

    Wünsch euch alles Gute

  • Zitat von Tequila;260094

    Es hat auf mich den Eindruck als scheint euer Verhältniss zueinander nicht gut zu sein und du nicht viel von ihm hältst so wie du schreibst

    Wie soll das Verhältnis auch gut sein wenn der Bruder seiner Sucht ergeben ist und dabei Vater und Mutter und vermutlich alle anderen die er kennt ausnimmt und belastet. Irgendwann zieht man die helfende Hand zurück, spätestens dann wenn es sich androht das der Arm sonst abgerissen wird.

    Oder hat der Bruder das Recht die gesamte Familie zu zerstören weil die Sucht wichtiger ist ?

    Irgendwann muss da im Interesse der Familie mal Ende sein und ich kann firestarter da nur gratulieren es so zu handhaben.

    Viele Grüße:

    Siegfried

  • tut mir leid ich kenn die andere Seite nicht so gut, dafür die des Opfers (des Süchtigen) umso besser.

    Und man braucht Hilfe. Nicht in Form von Geld das ist schon richtig, aber in Form von Zuwendung.

  • Zitat von Tequila;260122

    tut mir leid ich kenn die andere Seite nicht so gut, dafür die des Opfers (des Süchtigen) umso besser.

    Und man braucht Hilfe. Nicht in Form von Geld das ist schon richtig, aber in Form von Zuwendung.

    Klar man braucht Hilfe...aber man muss sich helfen lassen wollen...ansonsten hilft da gar nix weil diie Zuneigung fuer die meisten Suechtigen Kohle fuer Sex, Drugs & Rock'nRoll ist...und das kann ja nu keine wirkliche Hilfe sein.. Und wenn jemand aus seiner Sucht nicht raus will muss man ihn gelinde gesagt fallen lassen...um sich selbst nicht zu gefaehrden. Der Suechtige erwartet Verstaendnis...hey klasse, die nicht Suechtigen erwarten das auch...

    LG Siegfried

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