Hallo zusammen,
ich wende mich an Euch, weil meine Familie gerade an der MDPV Sucht meines Bruders zerbricht und wir vor einem sehr kritischen Wendepunkt stehen, nämlich der Hilfe durch Nichthilfe.
Mein Bruder, promovierter Mediziner, 29 Jahre, war vor zwei Jahren noch selbstständiger, niedergelassener Arzt und hat gutes Geld verdient. Er hat eine Hardcorekifferphase hinter sich (das härteste Konsummuster was ich je bei einem Kiffer sah, und das will was heissen) und ist dann irgendwann auf Designer-Drogen umgestiegen. Eine der Designer-Drogen heisst MDPV. Nach dieser Droge ist mein Bruder absolut abhängig.
MDPV = Methylendioxypyrovaloron ist eine als Research Chemical oder als Badesalz frei im Internet bestellbare Substanz die einen ganz dreckigen Rausch und einen unfassbaren Nachlegedrang verursacht. Der Konsument nimmt ganz schnell die zigfache-hundertfache Rauschdosis in einer Session (bzw. mein Bruder macht das). So eine Session dauert bis zu 4-5 Tage und endet erst wenn eine so tiefgehende körperliche Erschöpfung aufgrund Schlafentzugs und Drogenwirkung eingetreten ist, dass erst einmal eine Woche dauerpennen angesagt ist. Mein Bruder braucht so um die zwei Wochen um sich von so einer Session so weit zu erholen, dass man wieder vernünftig mit ihm reden kann, vorher ist er extrem teilnahmslos und eindeutig nicht im Besitz seiner kognitiven Fähigkeiten.
In der Zwischenzeit war mein Bruder dreimal in Therapie, hat seine Selbstständigkeit als Arzt aufgeben müssen und wird seit ca 1,5 Jahren von meiner Mutter ausgehalten. In dieser Zeit hat mein Bruder ständig weiterkonsumiert, und ständig gelogen und ständig weitergemacht. Ich habe meiner Mutter schon vor langer Zeit gesagt, dass irgendwann der Schritt "Hilfe durch Nichthilfe" gegangen werden muss, aber meine Mutter hat es lange herausgezögert. Jetzt sind wir allerdings soweit, dass es nicht mehr weitergeht und alle Beteiligten am Ende ihrer Kräfte angekommen sind.
Nun stellen wir uns also die Frage, wie wir meinen Bruder mit der Hilfe durch Nichthilfe konfrontieren. Wir haben alle Angst, dass mein Bruder seiner selbstzerstörerischen Ader freien Lauf lässt wenn wir ihm die materielle Unterstützung verweigern. Bisher wurden alle negativen Folgen seines Tuns von ihm abgehalten, und jetzt wird halt der Wendepunkt kommen wo er zum ersten Mal die Folgen seines Tuns spüren wird.
Zusammengefasst also meiner Frage: Wie leitet man die Hilfe durch Nichthilfe richtig ein? Mein Bruder sitzt momentan drupp in der Wohnung meiner Mutter und kann in diesem Zustand nicht denken oder diskutieren. Was machen wir jetzt mit ihm? Einfach rausschmeissen halte ich für absolut falsch, wir wollen ihm aber auch deutlich klarmachen, dass jetzt Schluss mit Lustig ist und wir sein Verhalten keine Sekunde weiter akzeptieren werden.
Ich habe mir überlegt:
1. Schritt: Den Jungen nüchtern pflegen und aufpäppeln bis er wieder denken kann.
2. Schritt: Dann ein ganz ernsthaftes aber positives Gespräch führen in dem klar gemacht wird, dass nur die materielle Zuwendung aufhört, wir ihn aber nicht fallen lassen und dies alles tun um ihm zu helfen.
3. Schritt: Ihn so lange kontrollieren und bewachen bis er dann endlich in einer Langzeitklinik oder einer betreuten Wohngemeinschaft für Süchtige.
4. Schritt: Loslassen und Ihn seinen Weg gehen lassen. Egal für welche Richtung er sich entscheidet.
Ich bin mir nicht sicher ob dies der richtige Weg ist. Meine Mutter ist halt panisch vor Angst, dass er sich was antut wenn er kein Geld mehr bekommt. Wir alle haben Angst dass er sich was antut und wissen deswegen nicht, ob ihn rauszuschmeissen der richtige Ansatz ist. Vielleicht hilft aber auch nur der Schockeffekt. Wir wissen es nicht.
Vielen Dank für Eure Gedanken zum Thema Hilfe durch Nichthilfe.
Gruß,
firestarter