Porno-Sammel-Wahn

  • Hallo,
    ich möchte hier meine Geschichte vorstellen.
    Ich bin 42 Jahre alt, verheiratet und pornosüchtig.
    Seitdem ich den Zugang zum Netz gefunden habe, war ich auf der Suche nach eindeutigen Bildern und Geschichten.
    Mit der größer werdenden Bandbreite wuchsen auch die Filme von kleinen Filmchen zu Filmsequenzen zu ganzen Filmen, die Flatrate ließ alle Hemmungen fallen.
    Ich sammelte alles und archivierte es, unfähig irgendetwas zu löschen. Ich hatte mehr Filme als ich mir je in Ruhe ansehen könnte und spielte sie höchstens mal an, um zu sehen, was alles geschah.
    Anfangs getrieben von Neugier auf das Unbekannte war ich zunehmend von dem fasziniert, was Menschen tun und was sie mit sich tun lassen. Dazu las ich Unmengen nicht mehr nur erotischer Geschichten und verbrachte gerade damit einen Großteil an Zeit.
    Irgendwann kam natürlich meine Frau dahinter, vor ca. 5 Jahren. Es waren halt nicht nur ein paar Filmchen, sondern Berge von Filmen jeglicher (legalen) Spielart des Genres. Unter der andauernden Suggestion litt auch unser Sexualleben (oder es verstärkte die Auswirkungen von Krankheit und Nebenwirkungen von Medikamenten).
    Meine Frau forderte mich auf, mit diesen Dingen aufzuhören. Sie fühlt sich davon angeekelt und hatte Angst, dass mir der virtuelle Kick irgendwann nicht mehr genügt und ich mir in der Realität jemanden suche, gewisse Sachen auszuleben.
    Ich versprach es ihr, löschte den überwiegenden Teil der "Sammlung" (von einigen "Schätzchen" konnte ich mich wohl nicht trennen) und gelobte Besserung. Auch versuchten wir gemeinsam neue Ansätze, um nach mehr als einem Jahrzehnt der Partnerschaft wieder mehr zueinander zu finden.

    Aber ich selbst empfand mein Treiben als gar nicht so schlimm, und setzte mein Tun auf verringertem Niveau fort. Im Laufe der Zeit stieg die Intensität wieder an. Das Spielchen wiederholte sich - nicht nur einmal.
    In besseren Phasen reduzierte ich den Konsum auf Amateurbilder und Geschichten, später kamen die kostenlosen Sexcams dazu; früher oder später landete ich dann aber doch bei den einschlägigen Filmen.
    Selbst, wenn ich meinte, dass es nun auf so geringem Niveau laufen würde, dass sich niemand daran zu stoßen braucht, eskaliert es irgendwann. Irgendwann kommt der Wahn: Muss ich haben! Muss ich haben! Muss ich haben!
    Und nebenbei natürlich das Lesen der Geschichten, die einen vielleicht auch mal dazu verführen, sich das beschriebene mal wieder bildlich anzuschauen und einen aus der realen Welt transportieren.
    Dann wurde ich wieder erwischt, die nächste Löschaktion (immerhin gründlicher werdend) - aber nicht das Ende.

    Das Ende kam jetzt! Nachdem ich vor ein paar Wochen den letzten "Peak" hatte, war ich es selber leid.
    Es ging auch ca. 4-5 Wochen lang gut. Dann kam wieder so ein Rückfall und ich geriet durch Zufall in einen ungesuchten E-Mail-Austausch erotischer Fantasien mit einer fremden Frau. Ich fing es wohl an, so dass ich vor mir selber den Vorwand fand, mir nicht wieder Filme anzuschauen und Geschichten zu lesen. Die Nachrichten wurden heißer, die Bezeichnungen leidenschaftlicher und ehe man es sich versah, verwendete ich Kosenamen - und hier erwischte mich meine Frau erneut.
    Sie war zu Recht schwer getroffen, denn konkret betrogen hatte ich sie bis dato nie - der persönliche Kontakt und die Verwendung der Namen war aber eine neue Dimension, die sie zu Recht als Betrug empfand.

    Es ist leicht nachzuvollziehen, dass gerade das Bewusstsein, sie dermaßen verletzt zu haben, mir zu schaffen macht. Und meiner Frau reichen die Beteuerunen, die zu Lippenbekenntnissen verkommen sind, auch nicht mehr. So muss ich etwas aktiv tun, um von dieser Sucht wegzukommen.
    Trotz allem gab es selbst in den Hochzeiten meiner Sucht Grenzen: Ich suchte nur die kostenlosen Angebote und blieb im legalen Bereich
    [TA=Franz]Aussage wegen Selbstgefährdung entnommen![/TA]
    Darum soll es hier aber nicht gehen, sondern um den Missbrauch von Vertrauen und die Wiederholung von Handlungsmustern entgegen anderslautender Versprechungen.
    Ich bin nun inzwischen bereit einzugestehen, dass ich einer Sucht unterliege, dass eine kleine Dosis dazu ausreicht, wieder in die Heimlichkeit abzutauchen und das alte Verhalten wieder aufleben zu lassen.
    Ich will aber genau dorthin nicht zurück, denn dieses Verhalten bedroht inzwischen meine Ehe.

  • Hallo Hagen und willkommen hier,

    da scheint sich ja bei dir eine ganze Menge Leidensdruck über die Jahre aufgebaut zu haben, und wie du schon selbst so gut erkannt hast, scheint das Ganze bei dir einen ausgesprochenen Suchtcharakter angenommen zu haben.

    Hast du schon einmal über den Gang zu einem Therapeuten nachgedacht? Diese Problematik findet zunehmende Verbreitung und entsprechend gibt es tendenziell immer mehr Anlaufstellen, die sich auf eben jenes Gebiet spezialisiert haben.

    Du plagst dich ja nun schon länger damit herum und ich vermute, dass die persönlichen Baustellen über die Zeit nicht weniger geworden sind, so dass die Lösungsfindung im Alleingang sich wohl auch zunehmend schwieriger gestalten wird.

    Ich denke auch, dass ein dementsprechender Gang für deine Frau wohl enormen symbolischen Wert hätte und ihr zeigen würde, dass du bereit bist etwas in dieser Sache zu unternehmen, dir an ihr und deiner Ehe ewas gelegen ist.

    Was hältst du davon?

    LG
    WbD

  • Danke für deine Antwort, WrongByDesign,
    aber bei Therapeuten gibt es solche, die dir helfen, und solche, die dir erzählen, was du hören willst. Wäre da nicht sowieso ein großes Widerstreben meinerseits, mein Problem jemandem zu erzählen, wie sollte ich sicher sein, dass ich nicht an jemanden der zuletzt genannten Sorte gerate.
    Zur Zeit bin ich auch relativ zuversichtlich, dass ich mein Problem in den Griff bekomme. Immerhin habe ich nie darüber meine Pflichten gegenüber Beruf oder Familie vergessen, höchstens die Entwicklung anderer "Hobbies" vernachlässigt.
    Ich habe einen "Patronus" gefunden, einen guten Gedanken, an den denke, wenn ich auf dumme Ideen komme. Dann fällt es mir nicht mehr schwer, meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten.
    Ich hoffe, dass dieser gute Gedanke noch sehr lange diese Funktion erfüllen kann.

  • Zitat von Hagen;206004

    aber bei Therapeuten gibt es solche, die dir helfen, und solche, die dir erzählen, was du hören willst. Wäre da nicht sowieso ein großes Widerstreben meinerseits, mein Problem jemandem zu erzählen, wie sollte ich sicher sein, dass ich nicht an jemanden der zuletzt genannten Sorte gerate.

    Nun, sicher sein kannst du dir da wohl nie so recht, wirst es spätestens an ausbleibenden Erfolgen bemerken oder nicht. Ich kann nur sagen, dass ich an letztgenannte Sorte noch nie geraten bin. Gerade die jüngeren Therapeuten habe ich als sehr enthusiastisch und bemüht wahrgenommen. Letztlich ist's am wichtigsten, dass die Chemie zwischen Therapeut und Klient stimmig ist, und das bemerkt man ziemlich frühzeitig.

    Dein generelles Ressentiment kann ich gut nachvollziehen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie furchtbar übel mir zumute war, als ich seinerzeit meinen Hausarzt nach einer Überweisung fragen musste, ganz zu schweigen von meinem ersten Kontakt zu einem Psychologen. Verflog schnell, hat sich mehr als gelohnt.

    Nun, dann wünsche ich dir, dass deine aktuelle Bewältigungsstrategie reichlich Früchte trägt, und würde mich freuen, wenn du uns auf dem Laufenden hältst. :smiling_face:

    LG
    WbD

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