Hallo!
Ich habe vor zwei Jahren einen sehr lieben Menschen über das Internet – in einem einschlägigen Forum – kennengelernt. Wir beide sind bi und leben diese Neigung regelmäßig miteinander aus. Er hatte vor unserem Kennenlernen schon viele einmalige Kontakte und war froh, dass er durch mich jemanden gefunden hat, mit dem er sich regelm. treffen kann, da wir uns auf Anhieb sehr sympathisch fanden. Ich hatte zuvor keinerlei Erfahrung und war ebenfalls froh beim ersten Versuch „den Richtigen“ zu finden. Wir hatten vereinbart, dass wir uns gegenseitig „treu“ sind und uns mit niemand anderen treffen werden. Durch Zweifel meinerseits und einigen Recherchen in div. Foren bin ich auf einige Profile von ihm gestoßen und habe ihn auch darauf angesprochen. Er meinte, dass alles nur virtuell sei und er dieses Verlangen hat in den Foren rumzuschreiben und Bilder auszutauschen, aber er nie die Absicht hat, sich real mit jemanden zu treffen. Diese Situation hatte sich dreimal wiederholt, beim vierten Mal habe ich ihn anonym angeschrieben und ein Treffen vereinbart – zu dem er auch erschienen ist. Seine Rechtferigung war, dass er nicht weiß warum er gekommen ist, vielleicht weil er einfach neugierig war und er den Verdacht hatte, dass ich es sei… Darauf hin habe ich ihm ein Ultimatum gestellt und wollte den Kontakt eigentlich zur Gänze abbrechen, weil das Vertrauen dadurch komplett zerbrach. Wir hatten ein ziemlich intensives Gespräch und er versichterte mir, dass er sein Leben ändern will und dass er den Drang täglich seine Mails und Profile zu checken nicht mehr ertagen kann und will. Ich dachte, dass er nun endlich damit aufhören und abschliessen kann, durch diesen Extremfall, da ich ihn ja inflagranti erwischte. Aber vier Monate später, ich hatte ja Zweifel dass er wirklich standhaft bleibt, entdeckte ich erneut Profile von ihm…
Das Vertrauen ist nur entgültig gebrochen, da er mit Sicherheit weiß, dass er mich mit solchen Aktionen verletzt und mir trotzdem ins Gesicht gelogen hat. Aber ich will ihm trotz allem helfen aus dieser Sucht zu kommen. Wir haben auf seinem Laptop eine Kindersicherung installiert und mich als Rechenschaftspartner eingesetzt. Das heisst ich bekomme laufen Protokolle über den Verlauf im Internet. Natürlich ist mir auch klar, dass es Möglichkeiten gibt diese Sicherung zu umgehen bzw. sich einfach einen anderen Laptop zu nehmen um wieder online zu gehen. Aber ich denke, es war mal der erste richige Schritt. Vor 2 Wochen hatte er einen Termin bei einem Therapeuten, der ihm aber sagte, dass er ihm nicht helfen kann und er auch nicht daran glaubt, dass er es jemals aus dieser Sucht schaffen wird.
Eigentlich dachte ich, das ein Profi ihn sicher wieder auf den richtigen Weg bringen kann, aber mit so einer Aussage kann man sich doch nicht zufrieden geben? Gibt es denn keine Therapie gegen Internetsexsucht bzw. Tips um es zu unterbinden? Mein Freund ist jetzt eigentlich auf sich allein gestellt, ich kann ihn nicht täglich kontrollieren, aber ich will ihm helfen, so gut bzw. solange ich kann und auch selbst psychisch verkraften kann.
Hat jemand einen Rat für mich oder ging es jemanden ähnlich? Ich würde mich gerne mit euch austauschen, da ich langsam verzweifelt bin und auch aufpassen muss, damit ich nicht co-abhängig werde!
Danke schon mal im Voraus!
Lg Dreamer
Angehöriger eines Internetsexsüchtigen braucht Rat!
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Hallo Dreamer,
ich weiß nicht recht wo ich anfangen soll, aber ich geh mal als erstes zum Punkt Therapie!
Es kann natürlich sein, dass dieser Therapeut keine Therapien für dieses Gebiet anbietet, doch gibt es natürlich Möglichkeiten eine Sexsucht zu behandeln.
Heute gibt es sogar spezielle Kliniken, die sich darauf spezialisiert haben, genauso aber auch zig Therapeuten - siehe auch unsere Datenbank!Ganz ehrlich zweifle ich die Aussage auch an, dass ein Therapeut so was von sich gibt!
Warum sollte man es nicht aus dieser 'Sucht entfliehen können?
Wenn diese >Aussage stimmen sollte, dann kann man nur sagen, leider hat dein Freund dann einen sehr sehr schlechten Therapeuten angetroffen!Auf der anderen Seite wissen wir nicht was bei dem Erstgespräch alles besprochen wurde und je nachdem was dein Freund da berichtet hat, kann man natürlich auch eine Therapie in Frage stellen.
Ich frage mich, in wie weit hier aber nicht schon eine 'Co-Abhängigkeit vorliegt, also bei dir.
'Co-Abhängigkeit bedeutet ja nicht ausschließlich eine ungewollte Unterstützung, auch extreme Eifersucht könnte ein Kriterium dabei sein.
Generell ist es schon auch ziemlich krass, wenn du deinem Freund so massiv nachspionierst, sorry ...Ob es nun eine Ausrede war, dass er dem Treffen nur zugestimmt hat, weil er eh dich vermutet hat, das mag ich mal bezweifeln.
Trotzdem hast du mit der Aktion doch auch wesentlich dazu beigetragen, dass es soweit gekommen ist.
Vertrauen ist das von beiden Seiten nicht mehr, oder?Was ganz wesentliches ist nun noch der Punkt, dass deine Hilfe sehr beschränkt ist, wenn man wem aus der 'Sucht helfen will.
Normal hätte sich dein Freund anmelden müssen, er muss sich Hilfe suchen, er muss sich um das alles kümmern!Die Kindersicherung halte ich eher für unsinnig, das umgehen kann man aus einschlägigen Seiten entnehmen
Zudem halte ich es nicht für sinnvoll das genau du ihn da nun überprüfen sollst.
Sicher muss man sich überlegen wie man das angeht, doch sollte sich doch eher wer unabhängiges der Sache widmen, oder?Versteh mich bitte nicht falsch, es ist sicher lobenswert wenn du dich "seinem" Problem annehmen willst, doch letztlich kann nur er selbst den passenden Weg suchen und finden.
Es gibt in jeder größeren Stadt Beratungsstellen und Therapeuten, wie gesagt auch spezielle Kliniken.
LG Franz
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Hallo Franz!
Danke für deine Antwort!
Mir ist bewusst, dass meine Hilfe sehr beschränkt ist - ich versuche halt ihn regelm. darauf anzusprechen, wie es ihm dabei geht und biete mich als seine Vertrauensperson an. In wie weit er dieses Angebot annimmt kann ich nicht beurteilen, da ich von ihm nur höre "es geht schon" - "ich bin noch standhaft" etc. Leider Sucht aber er auch nicht das Gespräch, um mir zb zu sagen, dass es sehr schwer ist abstinent zu bleiben o.ä. ... Deshalb bin ich mir auch nicht sicher, dass er mir in dieser Angelegenheit zu 100% vertraut bzw. sich mir anvertraut. Das Verständnis dazu habe ich und das weiß er, auch wenn es mir vielleicht nicht gefällt was ich hören könnte... Betreffend der Therapie kann ich ihm nur glauben, dass er es versucht hat - aber ich an seiner Stelle würde mich damit nicht zufrieden geben, wenn ich wirklich mein Leben ändern will. Ich habe ihm auch klar gemacht, dass er das alles nicht für mich machen darf sondern nur für sich selber, auch für seine Lebensqualität.
Und wie stehen die Erfolgschancen, wenn man sich "selber" therapieren will? Ich vermute das erfordert sehr viel Selbstdisziplin und bisher wars ja erfolglos... Oder gibt es Tips wie man das angehen kann?
Wenn ich ihm weiter beistehen soll, kann ich dann von ihm verlangen, dass er mir einen Beweis erbringt, der mir zeigt, dass er wirklich davon loskommen will? Eigentlich sollte er selbst die Initiative ergreifen und etwas unternehmen...
Die Co-Abhängigkeit meinerseits ist schon durchaus gegeben, da muss ich dir recht geben. Und ich weiß auch nicht, ob sich das jemals wieder legen wird bzw. mein Vertrauen ihm gegenüber wieder aufgebaut wird.
LG
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