Wie reagieren bei Angehörigen mit Spielsucht?

  • Hallo,

    ansich hat es mich ja in dieses Forum getrieben aufgrund meiner Cannabissucht (9 Tag ohne), aber es gibt da noch ein weiteres Problem in meinem Leben und zwar mein Vater!
    Mein Vater ist spielsüchtig und belügt alles und jeden! Ich wohne derzeit mit ihm zusammen und kriege es somit in erster Hand mit. Er treibt sich nächtelang in Spielhallen rum, erfindet aber immer wieder neue Geschichten wo er gewesen sei. Z.B. Heute nacht ist er um 4 Uhr nach Hause gekommen, auf die Frage wo er war kam die Antwort bei einer Bekannten (er meint ein Frau wo er die Nacht verbracht hat), daraufhin habe ich ihn gesagt er solle mir doch mal sein Handy zeigen und zwar die Anrufliste oder die Nachricht. Konnte er nicht und meinte dann er wäre einfach so hingefahren. Mal ganz im Ernst wer fährt auf nem Sonntag Abend bei einer Frau vorbei die er letzte Woche kennengelernt haben will ohne sich anzukündigen?!
    Er steht absolut nicht zu dem was er macht und belügt seit Jahren die gesamte Familie. Meine Mutter hat er dadurch bereits verloren, sie hat sich letztes Jahr von Ihm getrennt wegen der Spielsucht und der daraus resultierenden dauernden Belügerei! Woher wir wissen das er sich in Spielhallen rumtreibt? Meine Mum hat ihn 2x erwischt! Beim einen Mal war ich sogar unbewusst (zu dem Zeitpunkt) der Helfer. Ich habe seinen Wagen gesehen vor einem Restaurant was wir öfters besucht haben und bin darauf darein weil ich halt der Meinung war er würde dort mit meiner Mutter sitzen. Ganzen Laden abgesucht nix gefunden, dann halt Mutter angerufen und gefragt wo sie denn sind, sie war zu Hause und meinte nur zu mir er sei wohl auf nem Notdienst (er ist Handwerker) dort. Gegenüber von dem Restaurant ist eine Spielhalle. Meine Mutter wusste zum damaligen Zeitpunkt natürlich bereits davon und hat sich dann halt auch gedacht er sei in der Spielhalle und ist direkt dahin gefahren und hat vor dem Ausgang auf Ihn gewartet und ihn währenddessen angerufen und natürlich ist sie beim Anruf belogen wurden.
    Es ist also nicht nur reine Vermutung! Seit dem meine Mutter Ihn nach fast 30 Jahren Ehe deswegen verlassen hat und ausgezogen ist, ich mein Studium gerade angefangen hatte und auf der Suche nach ner günstigen Wohnung war bin ich halt da eingezogen. Meine Mutter hatte mir natürlich die Wahrheit dann gesagt warum sie ihn verlassen hat. Ich finde hier auch regelmäßig Anzeichen dafür (z.B. Feuerzeuge von Spielhallen)

    Ich weiss wirklich nicht mehr weiter mit Ihm, denn inzwischen hat er um die 100.000 € Schulden, hat seit Mai nen Gewerbeverbot für seine eigene Handwerksfirma (arbeitet bisher aber sozusagen illegal weiter), hat seine Frau (meine Mutter) verloren, hat unser Verhältnis damit nachhaltig beschädigt, leiht sich Geld wo er nur kann (z.B. bei meiner Schwester, ich weiss von einem Kredit von 30.000€ bei einer befreundeten Firma) und zerstört damit die gesamte Familie.

    Ich habe ihn mehrfach Hilfe angeboten, dass wir gemeinsam schauen wie man das hinbekommen kann. Aber er steht in keinster Weise dazu und verkauft uns alle immer wieder für dumm. Entweder belügt er einen er sei ewig nicht mehr dagewesen oder er müsse sich nicht vor mir rechtfertigen und überhaupt sei er ja gar nicht spielsüchtig.

    Mich macht das wirklich fertig, andauernd vom eigenen Vater belogen zu werden und man muss sich das mit angucken wie der eigene Vater der mal ein wirklich gutlaufenden Handwerksbetrieb hatte sich und seine Firma ruiniert bzw. ruiniert hat.

    Wie soll ich mich am Besten verhalten? Ich habe aus meiner Sicht bereits alles probiert...

    Z.B.
    -Versucht mit ihm zu reden
    -Ihm Sachen aus dem Internet ausgedruckt zum Thema Spielsucht und kommentarlos auf dem Wohnzimmertisch gelegt
    -Briefe geschrieben wie sehr mich das belastet und das er unser Verhältnis damit zerstört
    -Ultimaten gestellt das mir das bald scheissegal ist wenn er nicht endlich dazusteht und sich Hilfe Sucht

    Scheint alles nix zu bringen! Bald ist es soweit und ich werde mir ne neue Wohnung suchen (was ich eh zwangsläufig muss, da es nur noch eine Frage der Zeit ist bis er ganz untergeht und auch aus der Wohnung fliegt) und ihn einfach fallen lassen.

    Dies ist wirklich mein letzter Versuch, danach werde ich den Kontakt zu Ihm abbrechen und Ihm sein Schicksal überlassen, auch wenn mich das seelisch noch mehr belasten würde!

    Obwohl ich auch gerade im "Entzug" von Cannabis bin konnte ich immer vor 5 Uhr einpennen, heute macht mich das aber so fertig das ich noch immer wachliege.
    Falls ich ein bischen wirr geschrieben habe, so tut es mir leid, ich bin vollkommen fertig und meine Gedanken laufen gerade Amok.
    Ich weiss auf jedenfall auch woher ich meine suchtanfälligkeit habe...

    Bin für jeden Tipp dankbar!
    Gruß
    Der Hamburger

  • Hallo Hamburger,

    du beschreibst eine klassische Suchterkrankung, man sieht hier recht deutlich, dass es eigentlich egal ist von was man abhängig ist.
    Die Auswirkungen sind meist immer dieselben, große familiäre Probleme, haufenweise Schulden, Verlust von Arbeitsplatz oder eben Firma, Lügen, Lügen und noch mehr Lügen.

    Es ist immer sehr schwer wenn jemand um konkreten Rat oder eine genaue Vorgehensweise fragt.
    Eines kann man aber immer mit Sicherheit und ohne große Bedenken empfehlen:
    achte auf dich selbst und schütze dich vor einer eventuellen Co-Abhängigkeit!

    Da du ja eben selbst ein Problem mit dem 'Cannabis angegangen bist, musst du wirklich ganz besonders auf dich selbst schauen.
    Man musste auch nicht erklären, dass keine Hilfe der Welt ankommen würde, wenn der Abhängige keine Hilfe annehmen will oder kann.
    Ich finde auch dass du eigentlich alles gemacht hast was Du als Sohn anbieten kannst.
    Leider scheint es hier um einen Fall zu gehen, um erst Einsicht eintritt, wenn es im Großen und Ganzen schon zu spät ist.
    Zu spät ist es eigentlich zwar nie, doch mit solch einer Schuldlast, keine Arbeit, keine Familie und keinen Freunden dürfte es für deinen Vater sehr sehr schwer werden.

    Letztlich sehe ich auch nur diesen einen letzten Versuch, wo du ihm noch einmal klar alles auf den Tisch knallst, aber auch klar sagst, dass du weiteren Kontakt unter diesen Umständen nicht verkraften ist und daher nicht mehr willst.
    Man kann mir immer ein Angebot offen lassen, wenn er sich dann wirklich ändern will oder muss, kann er wieder auf deine Hilfe und Unterstützung zurückgreifen.

    Wie gesagt, Sie jetzt unbedingt ein eigenes Ding durch und Wände wieder übliche Kräfte erfasst, kannst du dich dem Problemfall „Vater“ annehmen.

    Liebe Grüße
    Franz

  • Hallo Franz,

    danke für die Antwort. Man macht sich halt aber auch selber Vorwürfe, von wegen "habe ich wirklich alles getan was ich konnte"!
    Und du schreibst das es Fälle gibt, wo die Suchtkranken erst aufwachen, wenn es im Großen und Ganzen zu spät ist, da frage ich mich wieviel später soll es bei Ihm denn aber noch werden?! Wieviel kann man denn noch verlieren, und darüber hinaus, um aufzuwachen!
    Durch das Gewerbeverbot wird er um eine Insolvenz nicht herumkommen, nun habe ich aber heute von meiner Mutter gehört, die wohl mit Ihm gesprochen hatte, das er vor hat über seinen Bruder ein neues Gewerbe anzumelden. Ich hätte die Insolvenz und der daraus resultierenden begrenzten geldlichen Mittel (als Angestellter - Existenzminimum) die ihm zur Verfügung gestanden hätten, aus Suchtblick, gar nicht als so übel empfunden.
    Nun, wenn es so kommt, über das neue Gewerbe wird er wieder Möglichkeiten haben (sicherlich nicht ganz legale Möglichkeiten) über ausreichend Geldmittel zu verfügen um seiner Spielhallensucht nachzugehen (z.B. nicht offiziell abrechnen von Notdiensten oder ähnlichem)

    Aber gut er hat mein letztes Ultimatum auch kommentarlos verstreichen lassen und somit werde ich versuchen mich davon freizumachen! Auch wenn das natürlich einfacher gesagt als getan ist, denn wen würde sowas nicht belasten?!

    LG

  • Hi Hamburger,

    tja, gute Frage, wann ist wer am Boden?
    In dem Fall ist es ja eigentlich schon, doch scheint es noch nicht angekommen zu sein ...

    Schade das sein Bruder das auch noch unterstützt, aber wenn er will, dann kann man nichts machen.

    Ich kann nur aus Erfahrung sagen, auch das wird nicht helfen, alles nur verschlimmern und eben dann auch noch mit gewaltigen Straftaten enden.
    Im Knast aber gibt es dann die Möglichkeit eher nicht und das war schon für viele die letzte Rettung.
    Klar wird da auch gespielt, doch wer da nicht seine Spielschulden begleicht, der wird recht schnell und deutlich drauf hingewiesen :winking_face:

    Vorwürfe sind also echt nicht angebracht, wo er nun auch noch dein letztes Angebot ausgeschlagen hat.
    Schnell ausziehen und deiner Ma beistehen, mehr kannst leider da nicht machen :frowning_face:

    Pass auf dich auf, solche Belastungen könne dich mal runter reißen und das soll auf keinen Fall dabei raus kommen!

    LG Franz

  • Hallo Franz,

    ich glaube nicht das sein Bruder was davon weiss! Er kann ja auch hervorragend Geschichten erzählen (von wegen Wirtschaftskrise, die Leute haben kein Geld für Handwerker ausgegebn oder ähnliches)! Zu der Seite der Familie besteht aber auch nur sehr sporadischer Kontakt (glaub das letzte Mal habe ich den Onkel und meine Cousins vor 3-4 Jahren gesehen, obwohl sie in der selben Stadt wohnen)
    Deine persönliche Meinung, sollte man Ihm das stecken? Mein Vater würd mich natürlich hassen dafür, ala "willst du mich kaputt machen?"

    Und Knast für Ersttäter in Steuerhinterziehung, wenn es denn überhaupt entdeckt wird (was im Handwerk, machen wir uns nix vor, mehr schlecht als recht aufdeckbar ist) ist glaube ich auch nicht die Regel oder?! Selbst wenn es mal zu einer Entdeckung kommt, dann wird er wegen nen paar hundert Euro ja nicht gleich in den Knast müssen?!
    Weil so sehr ich sein Verhalten hasse, es ist mir ja durchaus bewusst das es mehr die Suchtkrankheit ist die in sowas tun lässt, Knast wünsche ich Ihn deswegen nun nicht!

    Vielen Dank für die Antworten, ist auf jedenfall nen bischen Seelenbalsam!
    Lg

  • Hi,

    ich habe das wohl überlesen.
    Ich würde das - aus eigener Erfahrung & Beobachtung - auch so sehen, dass deinem Vater nicht zu helfen ist.
    Jedenfalls nicht im Moment.
    Solange Geld aufzutreiben ist, wird er spielen!
    Natürlich merkt er IRGENDWO, was Sache ist, aber ich kenne das.
    Als es bei mir so schlimm war mit der Zockerei arbeitete ich ja in so ner Halle.
    Und zwar täglich damals.
    Ablauf immer der gleiche: Nacht frustriert nach Hause, mit dem festen Vorsatz: Morgen spielst du nicht!
    Damit hat man sich dann den Feierabend schöngeredet, ging ins Bett, stand morgens auf &WUßTE: Heute ist der Tag, heute spiele ich nicht!!!
    Dann die Halle aufgeschlossen, Kaffee aufgesetzt.....und bevor der fertig war, hatte ich bereits wieder drei Automaten laufen!
    Das ging damals so um die 2 Jahre so.
    Ganz ehrlich: Hätte ich nicht die Suchterfahrungen von den harten Drogen gehabt, wäre ich da nicht rausgekommen.
    UND, ich kämpfe da heute noch gegen an, während harte Drogen eher in den Hintergrund getreten sind.

    Ich fand/finde die Spielsucht ähnlich schlimm wie meine Pulverabhängigkeit.
    Für mich persönlich sogar noch ne Stufe übler: Beim Zocken fing ich an, Freunde zu belügen, das gabs vorher nicht...

    Was ganz wichtig ist: Schaue, das du da rauskommst!
    Kümmere dich um DEIN Cleanbleiben - du siehst ja, dass du genetisch vorbelastet bist!
    Wenn dein Vater mal wirklich "runterkommt", könntest du ihm - als cleaner Sohn - dann ev. bissel unterstützen.
    Viel mehr geht da leider nicht.

    LG.Gane

  • Danke auch dir Ganesha für deinen Beitrag!
    Ich werde mich da nun auch versuchen komplett rauszuhalten, er muss jetzt den Schritt zur Hilfe direkt oder zu mir finden!
    Auch wenns schwer fällt!

  • Servus Hamburger,

    gute Frage, ob man dem Onkel was stecken soll.
    Ich weiß nicht, ich würde es vermutlich sogar sagen, aber das kommt auf das Verhältnis zum Onkel drauf an ...

    Knast, ach ja, das gibt sich dann schnell von selbst!
    Es ist dann ja nicht nur Steuerhinterziehung, das Firmengeflecht is illegal, Gewerbeverbot steht auch unter Strafe usw.
    Das hat alles ja kein Ende, zudem, lass mal was passieren bei der Arbeit und ein anderer wird geschädigt - dann kracht es und Geldstrafe ist da ja wohl eh nicht mehr möglich :grinning_squinting_face:
    Zudem werden weitere Sachen folgen, mal Betrug oder Untreue, ich hoffe er bekommt schnell die Kurve!

    LG Franz

  • Das lässt sich schlecht beurteilen, mit dem Onkel...
    Gilt halt abzuwägen, zwischen gebotener Infopflicht und relativer Aussichtslosigkeit.
    Außerdem wäre es schon gut, den Mann zu informieren, bevor ihn dein Vater auch noch 'abzockt'.
    Man war dann ja auch ehrlich & vielleicht hat dein Onkel als Bruder ja mehr Autorität. *seufz*

    Naja - die Abwägung wirste ja kennen!!! LG.Gane

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