Hallo!
Meine Mutter ist alkoholkrank solange ich denken kann. Meine Kindheit war, um ehrlich zu sein, einfach nur schlimm. Ein ewiger Kampf um Zuneigung, denn Missachtung war die Regel. Ich hatte mich so sehr für den Alkoholismus meiner Mutter geschämt und habe jedes Mal gehofft, dass es aufhört, wenn sie mal ein paar Tage nicht getrunken hat aber letztlich wurde ich doch immer wieder aufs Neue enttäuscht. Diese Gefühle begleiten mich bis heute.
Mittlerweile bin ich über 30 und habe selbst eine Familie. Wenn z.B. Familienfeiern anstehen, zerbreche ich mir schon Monate zuvor den Kopf darüber, ob meine Mutter wieder betrunken kommen wird.
Die Alkoholkrankheit meiner Mutter wurde in der Familie immer totgeschwiegen und auch ich habe mich nie getraut ihr was zu sagen.
Nun werde ich bald heiraten und es sollte ja der schönste Tag meines Lebens werden. Das hat mich nun vor einer Woche dazu veranlasst meiner Mutter nun endlich zu sagen, dass ich sie nicht mehr sehen möchte, wenn sie das Trinken nicht aufhört. Der Kontakt zu meiner Mutter ist somit abgebrochen.
Mein Gefühl sagt mir, dass das längst überfällig war, aber trotzdem plagen mich Zweifel, ob das wirklich Richtig war. Viele Verwandte und Freunde versuchen den Suchtkranken zu helfen oder bieten Unterstützung an. Aber dazu fehlt mir einfach die Kraft und um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass das was ich mein Leben lang erlebt habe (kann ich hier alles nicht wiedergeben) hinter mir lassen kann. Zudem denke ich, dass ich nicht die Person sein kann, die helfen kann, da ich in alle den vielen Jahren zu sehr Co-Abhängig war. Vielleicht wirkt meine Sichtweise für viele oberflächlich, aber was ich jahrelang emotional mitgemacht habe hat mich extrem geprägt und ich wünsche mir einfach nur, dass das vorbei ist.
Kann das jemand verstehen, oder hat jemand vielleicht ähnliches erlebt.
Julula
Alkoholkranke Mutter
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Hallo Julula,
das kann man alles sehr gut verstehen und eines muss dir klar werden - du trägst keine Verantwortung!
Es ist schlimm wenn man als Kind so aufwachsen muss, Eltern sollten die Kinder beschützen, nicht in so eine verzwickte Lage bringen.
Auf der anderen Seite ist es so, 'Alkoholismus ist eine Suchterkrankung und deine Ma kann nach so langer 'Abhängigkeit wohl nicht mehr aus ihrer Haut.Wenn da eh schon 'Co-Abhängigkeit im Spiel war (was ja meist ein oder mehrere Familienmitglieder betrifft), dann ist das wichtigste für dich immer erst der Eigenschutz!
Ein Kontaktabbruch ist also völlig in Ordnung, schon weil du beschreibst, dass du keine Kraftreserven dafür übrig hast.
Um sich von dem Ganzen zu lösen, da wäre eventuell eine Therapie sinnvoll. Ich glaube nicht, dass ein reiner Kontaktabbruch alles für dich erledigen wird - kurzfristig vielleicht
Allein schon das es dich Monate belastet, wenn solche Feiern anstehen, das zeigt doch, wie weit du in das System verflechtet bist.Was deine Mutter angeht, die wird nur mit professioneller Hilfe aus dem Schlamassel raus kommen!
Der erste Schritt ist aber, sie muss sich eingestehen, dass eine Suchtkrankheit vorliegt.
Dann muss sie Hilfe annehmen, nach so langer Suchterkrankung ist es so gut wie unmöglich, da allein den Weg zu finden ...Hab bitte keine Gedanken, ob du oberflächlich reagierst, noch sonst was. Du hast schlimmes erlebt und darfst sehr wohl entscheiden, mit wem du Kontakt haben willst.
Natürlich könntest du z.B. den Besuch einer Suchtberatung abhängig machen, dass du überhaupt wieder mit deiner Mutter redest.
Doch erwarte nicht zu viel, leider klappt es nicht immer im ersten oder zweiten Anlauf ...LG Franz
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Hi Julula,
ich kann das ABSOLUT nachvollziehen und verstehen.
Obwohl -und gerade auch - weil ICH ja auch der Suchtkranke bin.
(Ich bin zwar trocken und clean - aber trotzdem krank)Ich habe es in meinen schlimmsten Jahren zumindest geschafft, mich - mit all meinem Druffsein - meinen Eltern zu ersparen.
Was es uns ermöglichte, wieder aufeinander zuzugehen, seit ich clean lebe.
Du wirst deine Mutter und ihre Krankheit nie "loswerden können", das ist klar.
Aber du hast JEDES RECHT der Welt, endlich DEIN Leben zu leben & das tust du nun ja auch.Helfen und CoAbhängigkeit sind zwei sehr verschiedene Sachen, wie du ja erkannt hast.
Es besteht auch ne - kitzekleine - Chance, dass deine Mutter für nen Moment wahrnimmt, was da alles schief läuft & gegensteuert.
Wäre dann ein heilsamer Schock, aber ist eher selten der Fall.Also, mein Verständnis hast du & ich wünsche dir alles Gute. LG.Ganesha
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Ja absolut aus beiden Sichten. Ich bin auch in einer Suchtfamilie aufgewachsen und dann leider selber süchtig geworden.
Alles liebe, Future
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Morgen julula,
also ich kann dich vollkommen verstehen und finde es richtig, dass du den Kontakt abgebrochen hast. Es ist auch für jemand aussenstehenden einfacher zu helfen als für jemand der eng verwandt ist, ganz klar. Da hängen viele Emotionen mit drin. Und wenn du sagst, du kannst dass alles nicht mehr, ist erstmal Kontaktabbruch dass Beste, würd ich sagen.
Ich kann das was du da beschreibst wirklich gut nachempfinden. Meine Mutter hatte auch ein Alkoholproblem. Ich wusste,wenn ich die Tür nach der Schule aufsperrte und mir laute Musik entgegenfönte,dass heute kein guter Tag wird. Sie war auch häufig aggressiv geworden, wurde handgreiflich meinem Papa gegenüber, und noch vieles mehr....es war secht schlimm.
Kann deine Zweifel auch gut verstehen. Aber letztendlich kann sie sich auch erstmal nur selbst helfen, und vllt ist dein Kontaktabbruch ein Anstoss für sie :), gerade weil das Ganze ja auch totgeschwiegen wird
Also hab keine Zweifel mit deiner Entscheidung. Ich find sie völlig ok.Ganz liebe Grüsse, pInK
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hi julula
ich schliesse mich den vorschreibern an. du hast das recht dazu, es ist sogar ein sehr wichtiger schritt, und es ist evtl auch der auslöser, dass sich endlich was bewegt. ich will dir nicht zuviel hoffnung machen, aber wenn dann nun die ganze familie auf der hochzeit ist, nur sie fehlt - dann wird das schweigen vielleicht doch gebrochen? erklär doch mal, du hattest du dich bisher nie getraut IHR was zu sagen... aber mit den anderen verwandten doch drüber gesprochen? oder bisher mit überhaupt niemandem? und hast du geschwister? hat sie geschwister?
ich habe auch damals den kontakt abgebrochen mit meiner alkoholkranken mutter. ihr gesagt, dass ich sie erst wiedersehen will, wenn sie nüchtern ist. daraufhin war fast ein jahr lang funkstille - und eines tages stand sie vor der tür, koffer gepackt für die entzugsstation.
vielleicht solltest du dich mal informieren, ob es nicht in deiner nähe eine selbsthilfegruppe gibt für angehörige von alkoholikern. im internet gibts da einen haufen seiten. du kannst sicher hilfe gebrauchen im umgang mit all den dingen, die da auf dich zukommen.
viel kraft dir
lg
doris -
Hallo!
Ich bin euch allen sehr dankbar für den Zuspruch und ich bin froh zu hören, dass ich da mit meinen Gedanken und meinem Entschluss nicht falsch liege. Nur wenn man sich das ganze Leben mit den Gedanken um die Suchterkrankung der Mutter auseinandersetzen musste, ist es nicht ganz einfach von Heute auf Morgen ein neues Leben ohne diese Gedanken anzufangen. Zunächst muss ich mir vielleicht auch erst mal dessen Bewusst werden, was nun anders ist und wird.
Wir waren übrigens drei Kinder. Ein Bruder hat sich vor ca. 2 Jahren das Leben genommen und war offensichtlich auch suchtkrank. Ich glaube, dass das auch der Punkt war, an dem ich mir ernsthaft begonnen habe, mir Gedanken zu machen und mir im Laufe der letzten zwei Jahre mehr und mehr bewusst wurde, dass mich der Kontakt zu meiner Mutter kaputt mach. Einen anderen Weg, wie diesen, den ich jetzt gehe, gibt es für mich glaube ich auch nicht. Wenn ich bei meiner Mutter war und sie einen klaren Moment hatte war und wäre ich nie in der Lage gewesen, mit ihr in über ihr Problem zu sprechen. Denn dann war ich wie hypnotisiert, ... habe vielleicht einfach den Moment des relativ normalen genossen und war zu sehr gelähmt um das Thema anzusprechen. Eben das ewige und alte Muster, schon aus früher Kindheit, ... die immer wieder kehrende Hoffnung, dass doch alles gut wird. Fällt mir schwer, dieses Gefühl in Worte zu fassen.
Mit meinen Geschwistern habe ich auch nie über das Thema gesprochen. Wahrscheinlich hat jeder versucht auf seine Weise damit klar zu kommen. Mich für meinen Teil hat es zu sehr belastet um überhaupt darüber reden zu können. Kann ich bis heute nicht wirklich, selbst meinem Partner habe ich noch nicht erzählt, dass ich den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen habe.
Allerdings glaube ich auch, dass Menschen, die nicht betroffen sind auch nicht verstehen, wie es mir und vielen anderen ergeht. Außenstehende werden vielleicht sagen, dass ihnen nicht mal auffällt, dass meine Mutter betrunken ist. Aber ich merke es und es belastet mich jedes Mal in der selben massiven Form und hat mich all die vielen Jahre in und bei MEINEM Leben begleitet.Julula
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Es muss raus, friss nicht alles in dich hinein Julula!
Die bevorstehende Hochzeit sollte Grund genug sein, nun einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen ind ich würde dir wirklich ans Herz leben, besprich das mal mit einem Therapeuten oder wenigstens einer Beratungsstelle.
Und mit deinem Zukünftigen solltest auch schnell reden, es soll doch nicht jetzt schon was zwischen euch stehen
Genau das ist ja der Punkt, lass es nicht zu, dass du deine Mutter irgendwo dazwischen packst ...Ok, mancher bekommt es vielleicht wirklich nicht mit wenn jemand trinkt, doch meiner Erfahrung besagt eher - die meisten wollen es nicht sehen.
LG Franz
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Hallo Franz,
da hast du wohl so Recht. Die Hochzeit habe ich bewusst ins nächste Jahr geplant um noch reichlich Zeit zu haben, um mit allem klarer zu werden und einiges zu ordnen. Ich überlege, ob es ggf. sinnvoll ist eine Stelle für Familientherapie aufzusuchen, den ich muss meinem Kind die ganze Sache auch irgendwie erklären und bin Ratlos, wie ich das anstellen soll. Außerdem wäre es sowohl für mein Kind als auch für mich wichtig, mal abzuklopfen, ob wir den Tod meines Bruders gut und überhaupt verarbeitet haben. Ein Familientherapeut könnte mir vielleicht sagen, was für uns alle gut und richtig ist.
Der Grund dafür, dass ich mit meinem Partner nicht darüber spreche ist, dass ich gerne sprechen würde, aber eben nur so viel wie ich mir zumuten kann und ich habe einfach Angst, dass er fragt und zu tief in den Wunden bohrt. Außerdem habe ich ja über Jahre gelernt, dass man nach außen hin immer toll sein soll und von unschönen Dingen nix erzählen soll.Viele Grüße
Julula -
hi,
weißte, Ehrlichkeit und Offenheit ist so verdammt wichtig.
Auch wenn es schwer ist.
Und es ist so ziemlich das Beste, wenn es darum geht, diese elendigen Muster zu durchbrechen,
die uns so zu schaffen machen!
Man kann mit seinem Gesprächspartner auch ein NonVerbales Zeichen verabreden, wenn er nicht tiefer bohren soll...
(Wie das "TimeOut" beim Basketball oder so)...Ich denke aber auch, dass eine Familientherapie wirklich das Allerbeste wäre.
Im Forum zu schreiben hilft begleitenderweise auch recht gut.Ist klasse, dass du HANDELST !!! LG.Ganesha
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Hallo Julula,
ich kann ich da vollkommen verstehen. Ich habe exat das gleiche hinter mir. Solange ich denken kann und konnte hat meine Ma getrunken. Mal mehr, mal weniger. Aber ganz ohne war es nie.
Ich weiß nicht wie oft ich mich in Grund und Boden geschämt habe. Sogar mal gesgat habe ich hätte keine Mutter mehr. Früher mußte ich immer Bier holen als in klein war. Das habe ich irgendwann
verweigert als ich Begriffen habe was sache ist.
Für vieles gab es früher kein Geld. Für Alkohol aber immer. Auch die Männlichen Freunde meiner Ma, sozusagen meine Stiefväter haben allesamt getrunken. Das Familienleben ist irgendwann nicht mehr das gewesen was es mal war. Sehr heftige Streitereien, Gewalt, Wohnortflucht, Frauenhäuser usw........
Das ging sogar soweit das ich ihr vor 5 Jahren das Sorgerecht für meine kleinen Geschwister ( heute 16,14) entziehen ließ. Ich sah keinen andere möglichkeit mehr was zu tun. mein ganzes Leben lang haben ich und andere versucht sie davon abzubringen. Nach einem total Absturz haben wir sie sogar in eine Entzugsklinik einweisen lassen. Monate war sie dort, und alle hatten Hoffnung weil sie sich positiv verändert hat. Aber lange gehalten hat es nicht.
Letztes Jahr im Oktober mußten wir sie ins Krankenhaus bringen lassen. Sie lag reguns.und orientierungslos in ihrem Sessel im Leberkoma. Tage später mußte ich entscheiden alle Lebenserhaltene Maßnahmen einzustellen und die Geräte abzustellen. Sie ist zum Schluß so gestorben wie sie es wohl wollte. Sie hatte nie die Kraft davon runter zu kommen. Egal was immer auch geschah.
Ich habe sie nicht zur Hochzeit mitgenommen weil sie zu betrunken war. Nicht zur Kommunion der KInder meinr damaligen Freundin eingeladen, aus Angst sie käme betrunken, und aus Angst sie überhaupt anderen vorstellen zu müssen. Ich habe gehasst, geflucht, geschrien, gebettelt und geweint. Habe sie verstoßen, verleumdet und gemieden wo es ging. Ich kenne jeden Trick von ihr. Konnte selbst am Telefon von ihr einschätzen wie viel sie getrunken hat. Selbst wenn sie immer sagte sie hätte nicht getrunken. Aber natürlich hatte sie. Zu Geburtstagen, Weihnachten und was weiß ich nicht noch alles.
Aber so Sauer ich zeit meines Lebens war. Ich habe die letzten 3 Stunden ihres Lebens an ihrem Bett gesessen. Aber den schlimmsten Entschluß getroffen den man überhaupt treffen kann. Und bis zum letzten Herzschlag hielt ich ihre Hand. Und ich habe in den 3 Stunden mit ihr meinen Frieden gemacht. Alles habe ich vergeben. Ich kann es nie vergessen, aber ich kann es vergeben weil ich weiß sie konnte nicht anders.
Ich könnte noch wer weiß wie lange weiterschreiben. Soviel gäbe es dazu zu erzählen.
Mache dich nicht selber fertig für die Entscheidung die du getroffen hast. Glaube mir sie ist richtig. Und das einzige was du tun kannst. Ich habe gelernt das niemand, aber auch wirklich niemand einen Alkoholkranken helfen kann. Außer er selber. Und solange er selber das nicht erkennt, gibt es nichts was du tun kannst. Außer das was DU für dich selber tun kannst.
Mich hat alles in vielen Bereichn bis heute in meinem Leben beeinflußt. Und teilweise sogar behindert. Du solltest so etwas nicht zulassen.
Alles gute. ich denke du tust das richtige !
J. -
hallo Julula,
ich kann mich da auch nur den andren anschliessen. Ich hatte auch grosse Probleme über dieses Thema zu reden. Als ich in Langzeittherapie war wegen meiner Drogensucht war dies aber unter anderem Thema und da hab ich langsam gelernt darüber zu sprechen. Ging aber auch nur Schritt für Schritt. Ich weiss was da alles an Gefühlen hochkommen kann, ich fühl mich bei dem Thema direkt in die Kindheit zurückversetzt, fühle nochmal die Verzweiflung, die Angst, den Hass und das alles was ich als Kind hatte.Aber es tut einfach gut dann doch darüber zu reden, die Gefühle zu fühlen und Verständnis vom gegenüber zu bekommen. Dann fühlt man sich auch nicht mehr so alleine.
Und die Idee mit dem Zeichen von Ganesha find ich super.
Ganz leieb grüsse
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Hallo Jerry,
deine Geschichte ist wirklich schlimm. Auch ich durfte als kleines Kind für meine Mutter Bier kaufen, aber ich war weder in Frauenhäusern, noch hatte meine Mutter Lebensparter, die getrunken haben. Allerdings gab es bei mir nie ein Familienleben, wenn überhaupt, dann ein vorgespieltes ... für andere. Im Prinzip mochte mich meine Mutter nie, sie war launisch und ich wusste nie in welcher emotionalen Lage ich sie morgens, mittags oder wann auch immer antreffe. Es kam sogar oft vor, dass sie (z.B. nach einer Klassenfahrt) zwei Tager oder länger einfach nicht mit mir geredet hat. Nicht mal ne Begrüßung gab es, einfach kein Wort. Das war wirklich eine verdammt harte Zeit.
Dass meine Mutter mal sterben würde, da habe ich mir auch schon oft so meine Gedanken gemacht und ich wüsste nicht, was wie ich empfinden würde. Ganz erlich, als ich Kind war hatte ich mir mal eine Weile gewünscht, dass sie tot ist. Ich keann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ich an ihrem Bett sitzen und ihre Hand halten könnte, dafür empfinde ich einfach eine zu tiefe Abneigung gegen sie. Trotzdem weiß ich dass ich bei dem Tod meiner Mutter in ein tiefes Loch fallen würde, denn dann ist es so endgültig, dass ich nie in meinem Leben eine Mutter hatte, die mich auch nur einen Funken geliebt hat. Jedoch kann ich sagen, dass ich alles dafür getan habe, von ihr geliebt zu werden. Als kleines Kind habe ich alles versucht um ihr zu gefallen und auch die letzten Jahre habe ich sie doch immer (in der Hoffnung sie kommt nüchtern) eingeladen. Doch immer endete es in Ablehnung, Scharm und Entäuschung und in ewig kreisenden Gedanken über die nächste Situation in der ich ihr betrunken begegne. Gedanken von Trauer, Angst, Entäuschung und dieses ewige glähmt sein vor Hilflosigkeit sind immer da gewesen. Ein ewiger Kreislauf.Mir tut es wirklich gut mir nun endlich mal alles von der Seele zu schreiben und ich bin dir und all den anderen dankbar für euer offenes Ohr. Ich fühle mich für den Moment nicht so alleine mit meinen Gedanken und bestärkt in dem was ich nun vorhabe.
Viele Grüße
Julula -
Hi Julula,
du ahnst nicht wie sehr wir da auf einer Welle liegen. Die Abneigung zu ihr war mal so groß das ich jedem der es hören wollte sagte, dass es mir völlig egal wäre wenn sie vor meiner Tür im Rinnstein liegen würde. Und das war es wirklich. Ich hasste sie wie die Pest für alles was wir erleben und überstehen mußten. Ich habe ihr sogar mal eine geknallt bevor ich ihr meine geschwister nahm. Dafür das sie mit 3.8 Promille mit Schaum vor dem Mund auf dem Sofa lag, und meine Brüder völlig Panisch bei mir angerufen haben weil sie dachten sie wäre Tod. Und ich muß zugeben ich hätte ihr noch eine geknallt wenn mich mein schwager nicht davon abgehalten hätte. In diesem Moment war da soviel Wut, Hass aber auch Trauer und tiefe endlose Hoffnungslosigkeit und pure verzweifelung.
Das ich jemals so an ihrem Bett gesessen hätte, dass wäre mir im Traum nicht eingefallen. so weit weg war ich von ihr. Und auch an dem abend als mir gesagt wurde sie liegt im Krankenhaus, wollte ich erst nicht hin. Meine erste Reaktion war das ich sagte ich würde hinfahren wenn ich mal Zeit habe. Es ist meiner Cousine die ausgebildete Arzthelferin ist zu verdanken das ich schon am nächsten Tag da war. Sie sagt es wäre sehr sehr ernst.
Im Krankenhaus erfuhr ich das sie seit Tagen nicht gegessen haben muß. Sie sah verwahrlost aus, und hat mich und meine Schwester erst gar nicht erkannt. Erst bein zweiten mal im Zimmer erkannte sie mich. Ich hätte Schwören können das sie mich nach allem was ich tat nicht hätte sehen wollen. Aber dem war nicht so. Und als ich das merkte war mir klar das sie mir nicht egal ist. Auch wenn ich sehr oft vorher etwas anderes gesagt habe.
Trotz allem war sie unsere Mutter, ganz egal ob wir diese unglückliche Kindheit hatten oder nicht. Auch wenn es jetzt Kitschig klingen mag, aber nachdem ich die Entscheidung getroffen habe die Geräte abzustellen, habe ich ihr gesagt das ich sie liebe-trotz allem- und das es ok sei wenn sie jetzt geht. Das ich mich um die Jungs und um meine Schwester kümmern werde. Das sie keinen Grund hat zu bleiben wenn sie nicht will. Das sie einfach nur gehen soll. Wohin auch immer. Danach hat es keine 10 Minuten gedauert, und sie ist gegangen.
Jahrelang habe ich über alles geschwiegen. Nie auch nur ein Wort erzählt. Es war immer wie ein ewiges Geheimnis.
Ich kenne deine ewige Hilflosigkeit. Dein gelähmt sein. deine Trauer und deine Verzweifelung. Und ich kenne diesem Kreislauf, der einfach nicht aufhören will. Die Schlaflosen Nächte und die Angst die einen nicht los läßt. Du tust wirklich das richtige. es sit überhaupt das einzige was du tun kannst.
Um alle dem, und noch dem einen oder anderen zu entfliehen, habe ich angefangen im letzten Jahr mir das Zeug in den Körper zu hauen. Kannst du in meinen Posts lesen. aber geholfen hat es nicht. Ganz im gegenteil.
Liebe Grüße zurück
J. -
Dieses Thema hat wohl nun 2 denen es irgendwie hilft, das ist für mich perfekte Selbsthilfe
Julula, wenn ich es richtig verstanden habe, dann willst du dein Kind in eine Therapie miteinbeziehen?
Dann kann ich nur sagen, bitte mach das, es wird euch helfen!
Wie alt ist dein Kind?
Das kannst du eventuell auch über das Jugendamt machen, wenn du sonst nichts findest - viele Therapeuten sind oft auf Monate ausgebucht.
Wäre dann eine intensive Familienhilfe, also keine 'Angst, hat nix mit dem Jugendamt zu tun. Die sind nur Träger der Aktion, die Therapie wird extern stattfinden.
Ich empfehle so was mit gutem Gewissen, weil ich das selbst bei meinen Kids angeleiert habe ...Bei der Suche einer geeigneten Stelle für familientherapeutische Gespräche kannst dich an uns wenden, wenn nicht das richtige findest - wir unterstützen da gern.
Und Jerry, jetzt ist es raus, finde ich gut, dass du dich hier so ausführlich eingebracht hast und damit noch Unterstützungs leistest
Sollte aber auch dir besonders gut tun, oder?LG Franz
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(auch wenn es jetzt kurz OFF Topic sein mag:
Ich habe mich sehr gefreut, wie sich das Thema entwickelt hat & finde auch: das ist Selbsthilfe vom Feinsten!)
Sowas trägt eigentlich alle Beteiligten!LG.Gane
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Hallo Franz und gane,
dass ist wirklich mehr als gut. Und es tut mehr als nur besonders gut. ich trage das schon ewig mit mir rum. Aber wem hätte ich vorher davin erzählen sollen ? Ich müter wer weiß wem auf Knien danken das ich euer Forum hier gefunden habe. In jeder hinsicht.
Wahrscheinlich würde ich mir heute noch den Löffel geben. Ohne eure Hilfe. Und wahrscheinlich hätte ich weiterhin nur Bruchstücke erzählt ohne Julula. Wie auch immer es sei. Ich laße nach wie vor die Finger vom Zeug.
Also danke gane, denn ich bleibe weiter Stur !!
Ich bin nicht der Typ der gerne von sich erzählt. Ist nicht so mein Ding. Aber man kann und sollte sich mal in neue Gewässer wagen.
Ich nehme so gut wie nichts mehr. Bin runter reduziert. Zwar Zittere ich noch wie blöd manchmal, und heute Nacht konnte ich nicht Schlafen. Aber das wird wohl dazu gehören.
Es ist gut so wie es ist !
J. -
Hi Jerry und natürlich auch Julula,
als ich mit mit den harten Sache aufgehört hatte, war das ähnlich:
Ich hatte den Tod meiner Frau zwar akzeptiert - aber meine "Trauerarbeit" bestand lediglich darin, nach Asien zu flüchten und mich wegzuballern.
(Ist jetzt bissel sehr überspitzt ausgedrückt - triftt es aber schon im wesentlichen)
Ich hatte dann Phasen hier im Netz, da riß ich öffentlich alle Wunden aus, kehrte Innen nach Außen & das war sooo eine immense Erleichterung!!!Auch wenn es weh tut: So beginnt die Heilung!!!
Und als ich dann las, was bei euch beiden gerade so geht - da sah ich mich einfach gespiegelt & kann es so gut nachvollziehen!Freut mich wirklich sehr... LG.Gane
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Gane,
ich habe es nicht so mit damit das innere nach außen kehren.... aber wenn damit die Heilung beginnt, dann fange ich damit an. Für mich war der erste Schritt meine Mutter nicht mehr zu verleumden.
Dazu zu stehen. Egal ob nun alle mit dem Finger auf mich Zeigen oder nicht. Hier bei und in der Stadt ist die ganze Geschichte rum. Und das beste mittel damit umzugehen war der Frontalangriff.
Und auch bei mir ist das gerade eine riesen Erleichterung. Und es wird bestimmt nicht das letzte sein was ich hier sage...
Es tut einfach nur gut.....
J. -
Hallo!
Ich bin so froh, hier von meiner Geschichte erzählt zu haben und ich denke, insbesondere Jerry, aber sicher auch viele viele andere hier verstehen was ich sage. Wem soll ich schon in meinem nahezu perfekten Leben -so würde es wohl jeder außenstehende betrachten- davon erzählen. Ich habe duch den Austausch mit euch so viel Ballast abwerfen können, den ich über all die Jahre mit mir getragen habe. Die ewigen Gedanken, Sorgen, Ängste, Frust, ... habe ich immer versucht mit mir alleine auszumachen. Das ist wirklich furchtbar anstrengend und manchmal hätte ich einfach nur platzen können. Als ich eure ersten Antworten gelesen hatte, habe ich zunächst regelrecht gezittert, ... vielleicht aus Angst, mich mit dem was da in mir arbeitet auseinanderzusetzen "von Gesicht zu Gesicht". Klingt etwas blöd, aber kann es nicht besser umschreiben.
Jedenfalls habe ich hier etwas loswerden können was mich so sehr vereinnahmt hatte! Jetzt gibt es Platz für Neues, für Perspektiven. Und die Energie, die ich in der Vergangenheit für den Umgang und das Wegschieben der negativen Gefühle aufbringen musste, bleibt mir nun um für mich positive Dinge anzugehen.
Klar wird nicht von Heute auf Morgen alles gut, aber der Anfang ist gemacht.Ihr habt, was mich betrifft, einfach großartiges geleistet. Auch wenn es doch nur ein paar Worte waren. Aber das kann manchmal so sehr helfen. Danke!
Julula
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