(Drogen-) Psychose - und keiner hat's gemerkt!

  • Ich habe ja schon desöfteren über diese seltsamen Zustände geschrieben, die ich seit meinem Drogenkonsum habe. Ich habe es oft beschrieben als einen Rausch, der nicht aufhört, obwohl man sauber ist und das Gefühl von bestimmten Substanzen nicht mehr runterzukommen bzw. "auf etwas hängengeblieben" zu sein.

    Oft bildete ich mir auch ein, ich hätte irgendetwas in meinem irreparabel zerstört und sei deshalb ständig so verpeilt und hätte deshalb meine Konzentrationsfähigkeit für vollkommen verloren. Sei auf gut deutsch verblödet.

    Ich fühl(t)e mich permanent wie in einem Delir, durchwälzte auch Internetforen, um herauszufinden, ob ich eine Amphetaminintoxikation erlitten hätte, das einen derartigen Zustand auslöst. Fragte mich, ob es vielleicht ein Schaden wäre, den die Benzos in mir verursacht hätten, da ich mich phasenweise auch ähnlich paranoid, verwirrt und verängstigt wie auf einem Benzoentzug fühl(t)e. Dann ständig diese seltsam-krassen Gefühlsschwankungen - mal ein richtig unnatürliches High-sein, bei dem ich zu für mich völlig untypischen Leistungen fähig war und auf der anderen Seite wiederum jene extremen Abstürze in die Depression, an denen ich völlig kraftlos war, desillusioniert, apathisch und mich völlig in mich selbst zurück zog/ ziehe, weil mich alles überfordert und weil ich mich selbst wie der größte jämmerliche Vollidiot auf dieser Erde fühle - dicht gefolgt von jenen paranoiden Ängsten und der Annahme, es seien eh alle gegen mich - jeder lästere über mich und in Wahrheit steckten alle unter einer Decke... So ähnlich ging es mir früher immer, wenn ich gekifft habe.

    Nun weiß ich 100 % ig, dass ich eine Psychose habe - genauer genommen eine bipolare Störung. Warum das kein Arzt gemerkt hat, obwohl ich oft genug auf meine Befürchtung hingewiesen habe, ist mir völlig rätselhaft. Vielleicht, weil ich trotz meiner zerfahrenen Gedankenwelt doch recht sortiert wirke - etwa wie jemand, bei dem die Birnen im Kopf nicht gar so hell brennen, der sich aber dennoch große Mühe gebe, um sich immer von seiner besten Seite zu zeigen. Ganz abgesehen davon, ist es auch nicht typisch für einen Psychotiker, der sich seiner Psychose bewusst ist.

    Es kann aber auch daran liegen, dass ich schon eine ganze Weile - eben wegen meiner Befürchtung psychotisch zu werden - abends immer ein niederpotentes Neuroleptikum eingenommen habe - was letztendlich den definitiven Ausbruch in einer Manie verhinderte und mich daher immer in einer Hypomanie zurück hielt.

    Als ich jedoch zum Rauchen aufhörte - siehe Thread https://www.suchtundselbsthilfe.de/forum/stoffgeb…tw%F6hnung.html - wurden dieses wahnhafte Erleben (alle reden über mich), das Gedankenchoas, die Derealisationen und die paranoiden Ängste jedoch extremer und so erzählte ich meinem Neurologen davon, der wieder darauf beharrte, dass ich KEINE PSYCHOSE hätte, sondern lediglich sehr ängstlich sei und mir gegen diese Angst Dipiperon für die Nacht verschrieb - ein niederpotentes Neuroleptikum mit einer dennoch höheren Potenz als mein vorheriges (Atosil).

    Schon nach der ersten einnahme von 20 mg bemerkte ich am Folgetag eine Veränderung in meinem Kopf. Meine Gedanken verlangsamten sich und die Depressionen wurden stärker. Ungeachtet davon nahm ich das Medikament weiter ein, erhöhte bis auf 40 mg und spürte am 5. Tag, wie alles plötzlich "heller", klarer, "farbiger" und echter wurde - sprich: die Derealisationen schwächten ab. Darüber hinaus wurden meine Gedanken klarer - so dass ich wie jetzt z. B. wieder in der lage war, mich länger auf eine vorrangige Sache zu konzentrieren, als mich in unwichtige Einzelheiten zu verlieren oder irgendeiner fixen Idee nachzujagen. Auch kann ich das, was mir durch den Kopf geht konkreter in Worte fassen.

    Ich habe weiter erhöht und bin jetzt bei 60 mg. Ich merke, wie ich langsam "runter" komme und und ruhiger werde und wie ich langsam wieder so etwas wie Gefühle habe. Früher war alles taub, endlos weit weg und völlig durcheinander.

    Ich würde gerne wissen, was passiert, wenn man von einer (Hypo-) Manie runterkommt. Was erwartet mich? Werden die Depressionen, die Ängste und die Paranoia schlimmer, oder pendelt sich mein Dopaminspiegel lediglich auf ein annähernd normales Gleichgewicht ein???

    glg,
    stella

  • Hallo Stella,

    Ich kenne das Gefühl nicht genau zu wissen, was mit einem nicht stimmt und nur darüber mutmaßen zu können. Es ist geradezu erleichternd dann zu erfahren, wo eigentlich das "Problem" liegt. Ich mache mir aber ein wenig Sorgen um dich. Es klingt so an, als würdest du selbständig ohne weitere ärztliche Absprache deine Dosierung vornehmen. Das das auch gehörig nach hinten losgehen kann, weisst du, glaube ich, selbst. Auch wenn es dir momentan besser geht, was natürlich schön ist :winking_face: .
    Und hey, klar, manche Ärzte nehmen einen einfach nicht ernst und haben nicht wirklich einen Plan - deine scheinen zu dieser speziellen Unterspezies zu gehören. Aber ich denke, du solltest dringendst einen Arztwechsel vornehmen, falls du es noch nicht getan hast und dir dort sowohl die Diagnose als auch die Medidosis bestätigen lassen.

    Mehr kann ich leider nicht sagen, weil um deine Frage zu beantworten, fehlt mir das nötige Wissen :smiling_face:

    lg,
    grany

  • hallo grany,

    ja natürlich kann ich an meiner medikation nicht länger auf eigene faust rumexperimentieren. ich habe mir am dienstag auch extra frei genommen, um noch kurzfristig einen termin bei meinem neurologen zu bekommen. ich habe ihm mein erlebnis mit Dipiperon und meinen verdacht geschildert, doch er hat mir dennoch nicht so wirklich geglaubt. seines erachtens sei ich Depressiv und hätte eine angststörung; aber er hat mir trotzdem eine neue medikation für meine vermeintliche psychose verordnet (auf meinen eigenen wunsch). jetzt nehme ich seit dienstag ablify. er sagte, ich soll mich ganz langsam hochdosieren bis auf 10 mg und dann noch einmal zu ihm in die sprechstunde kommen und meine erfahrungen mit abilify berichten. ich habe jetzt bis gestern 2,5 mg genommen, heut morgen 5 mg und übernächste woche möchte ich bei 10 mg sein. ich mache das bewusst so langsam, da ich starke, teils sehr unangenehme, nebenwirkungen habe. ich bin einerseits sehr schläfrig und auf der anderen seite extrem unruhig. außerdem sehe ich verschwommen und habe kaum mehr hunger. dennoch werd ich das jetzt durchziehen egal wie hart es wird, weil ich mir sicher bin, dass ich jetzt auf dem richtigen weg bin. in spätestens 2 wochen werde ich beschwerdefrei sein. glaube, hoffe ich.

  • hi. mich würde dein Krankheitsverlauf interessieren, ich selbst nehme seit 8 Jahren ebenfalls Abilify, jedoch nicht gegen die von deinem Arzt genannte Störung.

  • Beitrag von Blackster (7. Dezember 2017 um 06:35)

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  • Beitrag von Blackster (7. Dezember 2017 um 07:11)

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