Tavor-Entzug nach 10 Jahren Abhängigkeit

  • Hallo zusammen,
    ich bin Minou und neu hier und freue mich, hier mal schreiben zu können.

    Ich war 10 Jahre lang abhängig von dem Benzodiazepin Tavor in nicht unerheblicher Dosis von 4mg pro Tag. Nach einem sehr schweren Autounfall mit wochenlangem künstlichen Koma kam ich nach Aufwachen noch in der Uniklinik in Berührung mit Tavor und konnte es mir in den vergangenen 10 Jahren nicht mehr abgewöhnen, alle ambulanten Versuche scheiterten.
    Leben konnte ich mit Tavor eigentlich ziemlich gut, man kann seinen Tagesablauf total strukturieren, wie auf einer rosa Wolke. Darin besteht natürlich die große Gefahr der Abhängigkeit, weil das Leben anfangs so herrlich stressfrei erscheint.
    Irgendwann jedoch ist mir das Ganze entgleist, es gab kein Zurück mehr, die Tabletten müssen ständig mit Privatrezepten beschafft werden und wehe, man hat mal keine....!!!
    Anfang diesen Jahres habe ich endlich den Tavor-Entzug gewagt in einer psychiatrischen Klinik stationär. Innerhalb von 6 Wochen wurde ich "entzogen" unter der sehr hohen Dosis eines "Ersatzmedikaments" (Gabapentin-Antiepileptikum), da die Gefahr von Krämpfen nach so langer Zeit doch schon gegeben ist.
    In der Klinik ging es mir zwar nicht gut, aber durch dieses Gabapentin, dass an denselben GABA-Rezeptoren wirkt wie Tavor, war der Entzug zu schaffen.
    Jetzt aber zu meinem eigentlichen Thema:
    Was ich allerdings nicht wusste und was ich meinen behandelnden Ärzten zum Vorwurf mache, ist der Horror, der ambulant dann auf mich zukam und der leider auch nach fast 9 Wochen Abstinenz von Tavor immer noch anhält. Nach schrittweisem Runterdosieren von gabapentin traf mich der EIGENTLICHE ENTZUG mit einer solchen entsetzlichen Wucht, es ist nicht in Worte zu fassen. Das ging von psychotischen Sinnestäuschungen über Wahrnehmungsstörungen (dauernd schien der Boden schief zu sein, Möbel rückten bedrohlich nah etc) bis zu der Unerträglichkeit von hellerem Licht und einer scheußlichen Geräuschempfindlichkeit. dazu kommt eine extreme körperliche Schwäche, jeder Handgriff tut weh, an Armen und Beinen schienen Bleigewichte zu hängen. Niemand hat mich, trotz langjähriger Forschungen in dieser Klinik, darüber aufgeklärt und so dachte ich natürlich, ich werde verrückt und war sehr verzweifelt. Leider sind in manchen Fällen, besonders nach so langen Jahren der Einnahme, diese Entzugserscheinungen persistierend. Eigentlich auch zu verstehen, denn die Rezeptoren im Hirn wurden 10 Jahre lang kleingehalten und jetzt versucht das ganze System einen "Weg aus dem Elend" zu finden.
    Meine Frage wäre jetzt: Gibt es hier Leser, die ähnliche Erfahrungen nach jahrelanger Einnahme von Benzos gemacht haben und auch noch monatelang von diesen grauenhaften Entzugserscheinungen gequält wurden?????
    Finde es toll, dass ich mir das mal von der Seele reden konnte und freue mich über Antworten. Glg

  • Hallo minou,

    nun hat es doch geklappt, wunderbar, an was es auch immer gelegen haben mag :winking_face:

    Um es nochmal zusammenzufassen, du hast 6 Wochen klinisch entzogen und jetzt nach weiteren 3 Wochen hast du immer noch solch starke Entzugserscheinungen?
    Ok, natürlich bist du überrascht, aber ich denke, das sind auch deine Ärzte bisserl.
    Eventuell sollte man mit dem Gabapentin etwas langsamer runter gehen?

    Es ist aber bei jedem anders, daher hätten zwar die Ärzte darauf hinweisen können, aber genau kann man die Auswirkungen leider nicht vorhersagen.
    Wie du selbst anmerkst, nach 10 Jahren muss man aber dem Körper wirklich Zeit geben, bis sich alles wieder weitgehend normal einstellt - ich denke das kann sich auch noch ne Zeit hinziehen ...
    Was passiert jetzt?
    Hast du weiter Kontakt zur Klinik?
    Machst du ambulant was? Psychotherapie? SHG?

    Ich geh davon aus, es melden sich noch welche, die speziell mit 'Benzos so ihre Erfahrungen haben/hatten.

    Eventuell wäre ja unsere virtuelle Sucht-SHG was für dich, schau dir mal die Beschreibungen dazu an ==> https://www.suchtundselbsthilfe.de/forum/stoffgeb…fe-e-v-%22.html

    LG Franz

  • Hallo Franz,

    danke für Deine Antwort.
    Bin am 16.2 aus der Klinik raus, seit fast 10 Wochen auf 0 mg Tavor und hab total protrahierte Entzugserscheinungen nach scheiß Runterdosieren von Gabapentin und ohne Aufklärung der "forschenden Mediziner" in diesem "weltbekannten Forschungsinstitut" in München. Glaube, Du weißt von welcher Einrichtung ich da rede. War auf der Privatstation, aber das ist auch vollkommen egal, jedenfalls ist das überhaupt keine Suchtklinik, sondern für sehr schwer depressive und psychotische Menschen. Das war leider das absolut Falsche, es gab auch nicht die Bohne einer Nachbetreuung, nix!!!!! Stattdessen arrogante junge Mediziner, die allesamt in die Forschung gehen wollen und auch der smarte, sehr bekannte Chef und Direktor dieses Instituts ist in erster Linie Neurowissenschaftler. Meiner Meinung nach braucht es für einen Medikamentenentzug speziell ausgerichtete Kliniken, das ist so ganz anders und so unendlich grauenhaft, weil eben so langwierig und die Gefahr von Psychosen u protrahierten Entzugssymptomatiken.
    Werde ein Neuroleptikum nehmen, bin ambulant in psychiatr. Behandlung weiter und kämpfe verzweifelt gegen das Grauen dieses Zustands. Rückfällig bin ich nicht geworden, wenigstens ein Erfolg, klingt mir zwar grad wie Hohn, na ja.
    Liebe Grüße von Minou

  • Hi Minou,

    es ist nicht "wenigstens ein Erfolg", du bist erst mal von dem Zeug runter und das ist nun mal Voraussetzung, um die nächsten Schritte zu gehen.
    Aber leider hast wohl wirklich ein paar "schlechte" Ärzte erwischt, weil deren Karriere dürfte nichts mit deiner Behandlung haben :frowning_face:
    Es gibt zwar schon spezielle Kliniken, aber die wenigsten behandeln nur Medi-Konsumenten.

    Diese versetzten Entzugserscheinugen sind blöd, aber bist du sicher das es wirklich am Gabapentin liegt?
    Grade bei Medikamenten kommen solche nachfolgenden Probleme schon sehr häufig vor.

    Was ist für eine Gabe von [FONT=Helvetica, Arial]Neuroleptika ausschlaggebend? Ok, viele dieser Medikamente lindern solche "Nachwehen", doch sollte man schon echt schauen, was man nun weiter einnimmt.
    Dein Therapeut, ist das ein Suchtspezialist? Muss er nicht sein, aber ich würd einfach so viel wie möglich erfahren :grinning_squinting_face:

    Aber bitte, sieh mal genau hin, du hast einen Hammer hinter dir und das solltest dir auch selbst zugestehen und dich mal loben und belohnen :smiling_face:

    LG Franz

    [/FONT]

  • Servus Franz,

    werde mich bei euch im Selbsthilfe forum virtuell anmelden und danke für die Antwort.

    Die versetzten Entzugserscheinungen liegen wohl eher an der tavor- Abhängigkeit über so viele Jahre. Nein, das gabapentin ist ja eher wie Methadon bei Heroin, aber wenn das Methadon dann auch noch weg ist, dann kommt wohl der echte Entzug. Bei mir hat das diese psychotischen Reaktionen ausgelöst und um das ein wenig in den Griff zu kriegen, werd ich das Neuroleptikum (das auch eine antidepressive Wirkung haben soll) heute abend beginnen, vorübergehend zur Stabilisation natürlich nur. Bevor ich total am Rad drehe, lieber das erstmal.Mein Therapeut ist eine psychiatrische und neurologische Praxis in München, super nette und einfühlsame auch kompetente Frau.
    Glg, Minou

  • Hi du,

    angemeldet bist ja bereits :smiling_face:
    Oder meinst du die virtuelle Sucht-SHG?

    Das wollte ich hören, dass gut aufgehoben bist, ambulant :smiling_face:

    Was soll man da sagen, es wird langsam, aber es wird ...

    LG franz

  • Hallo minou,

    wenn du magst erstell dir doch mal ein Postfach. Dort kannst du auch einfach nur mal so schreiben, wenn dir grad was auf der Seele liegt, und bekommst auch unabhängig vom speziellen Benzo-Thema Antworten. Soweit ich den Überblick hab, ist hier zur Zeit niemand aktiv, der von Benzodiazepinen abhängig war. Ich selbst weiß nur, dass dieser Entzug wohl einer der härtesten ist, daher hast du von mir schonmal einen Riesenrespekt, dass du das durchziehst.

    progressive

  • Ein Postfach schadet nie, doch verlagert sich in der letzten Zeit etwas viel dort hin :winking_face:

    Außerdem weiß ich von zig Leuten die Probleme mit 'Benzos haben/hatten, doch is grad alles bisserl lahm ...

    LG Franz

  • Jo, hast schon Recht. Hatte mir nur gedacht, weil minou sonst nirgends geschrieben hat bisher, und daher eben auch wenig Antworten bekommen hat. Und hier in so nem Fachthema ist es halt blöd, einfach nur mal gute Wünsche aufzuschreiben.

    Vielleicht meldet sich ja auch noch jemand, der einen Benzo-Entzug hinter sich hat und mit Erfahrungen weiterhelfen kann.

  • Hi Progressive,

    danke für deine Antwort und das mit dem Postfach, warum nicht?!
    Ich geh mal davon aus, dass die Leute, die einen Benzo Entzug nach so vielen Jahren gemacht haben, vielleicht was besseres zu tun haben, als mir zu schreiben, hihi. Wenn ich gewußt hätte, was da auf mich zukam, hätte ich das wohl auch nie gemacht mit dem Entziehen.
    Wenn ich wieder normal bin und das hoffe ich sehr, werde ich diese Mißstände an schlechten, karrieregeilen Ärzten und alles, was hier schief gelaufen ist, ÖFFENTLICH machen! Es dürfte ja auch im Interesse von Mitpatienten sein, die allesamt beim stationären Entzug auf ihre Ärzte vertrauen, denen aber leider hilflos ausgeliefert sind (grade in einer Psychiatrie). Es kann nicht sein, dass in Deutschland mit seinen hunderttausenden Benzo-Abhängigen, eine solche Wüste an Ignoranz und "nach mir die Sintflut-Denken" herrscht!!!!
    Ich bin der Meinung, darüber sollte aufgeklärt werden, auch wenn das jetzt sehr wütend und subjektiv klingt. Ist es aber nicht!
    Ich jedenfalls hänge in dieser beschissenen Nummer drin und kann jetzt ambulant und am Ende meiner Kräfte, rumdoktern (natürlich mit Arzt zusammen) und hoffen, dass dieses Grauen irgendwann mal aufhört.
    Lg, Minou

  • schade, dass minou nicht mejr da ist. aber vllt meldet sich hier doch nochmal jemand, der einen benzoentzug gemacht hat?!...

    ich habe knappe 2.5jahre Benzos genommen, alle gängigen durch, nicht wenig davon und plus mischkonsum.
    den entzug habe ich kalt zuhause gemacht. nun bin ich seit 1jahr und 4tagen davon weg, aber habe alle protrahierten entzugssymptome,
    die es gibt. daran bin ich selber schuld, ich weiß... :wall:

    kennt das alles noch jemand???

    lg

  • Hallo littlealilien,

    ich habe auch schon mehrere benzo- Entzüge hinter mir, mal langsam reduziert, mal kalt von einen Tag zum anderen. Das ist kein einfacher Entzug und dauert sehr lange, bis man wirklich davon weg ist. Bei meinen letzten Entzug von einem Tag auf den anderen, hatte ich nach 3 Monate immer noch Entzugserscheinungen.

    Was meinst du mit Mischkonsum?

    Ich würde einen kalten Entzug nicht mehr machen, sondern nur noch unter ärztlicher Aufsicht.

    Was mir gegeben wurde bei Entzüge unter ärztlicher Aufsicht, war Doxepin, ein Antidepressiva, was auch bei Entzugserscheinungen hilft.

    Jetzt bist du ja schon über ein Jahr weg davon, ich denke das ist psychische Abhängigkeit und eigentlich auch die schlimmere.

    Um nicht wieder in Versuchung zu kommen, würde ich mal mit einem Arzt sprechen, es gibt bestimmt eine Lösung, dass es Dir wieder besser geht. Jetzt hast du das so super geschafft da kannst du wirklich stolz drauf sein!

    Mach dir das immer wieder bewusst!

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne melden.


    lg Lana

  • hi lana...
    gern melde ich mich. was meinst du damit?

    Zitat

    Um nicht wieder in Versuchung zu kommen, würde ich mal mit einem Arzt sprechen, es gibt bestimmt eine Lösung, dass es Dir wieder besser geht.

    ich habe diese protrahierten entzugssymptome:

    [ta=Franz]Text entfernt, bitte Urheberrechte beachten!
    [/ta]

    zudem noch extreme muskelsteifigkeit und schmerzen.

    mit mischkonsum meine ich Thc, Alkohol, amphe, koks, hero (gezogen nicht gespritzt).
    es war mir egal, ob ich sterbe beim entzug. ich war kurz davor, vorallem weil ich auf 37kg war eineinhalb jahre lang.

    LG

  • Zitat von Franz;184695

    Diese versetzten Entzugserscheinugen sind blöd, aber bist du sicher das es wirklich am Gabapentin liegt?
    Grade bei Medikamenten kommen solche nachfolgenden Probleme schon sehr häufig vor

    es kann durchaus sein, dass er sie erst dann gemerkt hat. mich haben die in der geschlossenen auch mit medis vollgestopft. nur dadurch habe ich die protrahierten entzugssymptome nicht gemerkt.
    erst als ich in der offnen entscheiden konnte, dass ich keine medis mehr will, bemerkte ich diese symptome!

    die symptome kommen also nicht vom gabapentin sondern von den benzos!!!

  • hi littlealien,

    ich bin neu hier und kenn mich mit Benzos gut aus.ich habe über 10 jahre alles geschluckt was es so gibt und das in sehr hoher dosis. dann gab es ein entscheidendes erlebnis in meinem leben und ich habe in 5 wochen stationär entgiftet. das klappte körperlich sehr gut nur anschließend erlebte ich zwei jahre die hölle, (depris, zähne verloren, zugenommen, angstattacken, konnte nicht mal mehr zum briefkasten gehen). geholfen hat mir dann das ad trevilor, ich weiss das ist nicht ideal von einer tablette zur anderen, aber es ging nicht anders. die haben mir super geholfen, keine Angst mehr und ich konnte wieder außer haus. nach einer tagesklinik (5 wochen) habe ich wieder zum arbeiten angefangen und war dann 5 jahre clean. jetzt habe ich blöde kuh nur aus dummheit wieder mir Oxazepam angefangen, hohe dosis (300 mg) meine akzeptanz von Benzos ist sehr hoch. ich schleiche jetzt daheim aus und bin zur zeit auf 20 mg. nächste woche möchte ich wieder arbeiten dass lenkt mich am besten ab und ich habe dann wieder einen geregelten tagesablauf. halte duch es lohnt sich, die entzugserscheinungen werden besser. in den meisten kliniken wird aus kostengründen viel zu schnell heruntergefahren. in der klinik (geschützter bereich) geht es einem dann noch gut, aber zuhause wartet der alltag und die alten probleme auf einen, das ist dann der wirklich schwere teil. ohne tabletten , die man ja nicht ohne grund geschluckt hat, das leben zu meistern. hoffentlich finden sich noch andere hier, die ihre erfahrungen mit Benzos mitteilen.

  • oha, da hast du ja auch viel hölle erlebt.

    ich habe die Benzos kalt entzogen. ich war negativ, als ich in die geschlossene eintrat, weil ich nur noch gerade so einen fuß vor den anderen setzen konnte. ich war froh, dass ich noch meinen namen wusste, ganz ehrlich!

    dort haben sie mich mit Melperon, Doxepin und seroquel zugeschüttet. ich habe generell und immernoch eine sehr hohe toleranz bzgl tabletten.
    erst als ich alles von einem tag auf den anderen absetzte, merkte ich die entzugssymptome.

    seit 2 monaten nehme ich wieder seroquel, die unter 200mg gar nichts bewirken.

    lg

  • Hallo, littlealien,

    ich bin zwar schon älter, aber die Seele vergißt nie...
    Meine Abhängigkeit fing in frühster Jugend an mit "Tropfen gegen Magenschmerzen", von denen ich nach und nach gleich der Verschluss abnahm zum Tropfen und sie trank (Belladonnaextrakt), die ein Schrei der Seele waren, was aber niemand erkannte, schon gar nicht in den 70-er Jahren. So kam es, wie es kommen musste... ich geriet in die Benzodiazepin-Abhängigkeit - in der Klinik nach Sui*id-Versuch gleich noch für zuhause verschrieben...
    Meinen letzten Rückfall - mein Mann hatte sich in eine Andere verliebt, für mich ein Weltuntergang - hatte ich 2000, war in einer Klinik. Der Entzug war furchtbar. Sollte dann in eine Blind-Studie und 1/4 Jahr dortbleiben. Kam mir wie ein Versuchskaninchen vor und entließ mich gegen Revers. Stieg "von heute auf morgen" (Sonntag entlassen, Montag auf Arbeit) wieder in den Arbeitsprozess ein, was gut gelang.
    Nun habe ich seit 2011 Erwerbsunfähigkeitsrente auf Dauer. Hab zu spät eine Therapie in einer Spezialklinik angefangen (2005), die das wahre Ausmaß zutage brachte, d. h. meine wirklichen Diagnosen (Posttraumatische Belastungsstörung auf Borderlineniveau). Andere Diagnosen verbergen sich dahinter, die vorher als alleinige Diagnosen ambulant "behandelt" wurden: Depression, Angsterkrankung, Benzodiazepinabhängigkeit, Abhängige Persönlichkeitsstörung, zu DDR-Zeiten "Neurose".
    Seit ich meine wirkliche Diagnose habe, kann ich daran arbeiten und tue es auch. Es ist ein täglicher Kampf und manchmal fehlt die Kraft. Am schlimmsten ist das ALLEIN-SEIN. War es nie, denn ich war beziehungsabhängig. Das ist Horror pur! Seit 3 1/2 Jahren bin ich nun allein und habe oft das Gefühl, nicht mehr zu leben. Es fehlt "der Kick", aber genau der war es ja, der mich zugrunde richtete. Meine Musik war damals Rosenstolz. Sie verkörperten, was in mir war.
    Ich kann nur jedem raten, nicht so lange mit einer Therapie zu waren! Immer musste ich arbeiten gehen, bis es nicht mehr ging!
    Es ist mühselig, den richtigen Therapeuten zu finden. Ich fand ihn in dieser Klinik 2005. Er hat mir quasi das Leben gerettet. Er hat mich angenommen und wertgeschätzt, obwohl ich ihm ALLES über mich erzählt habe und es nicht glauben konnte, dass er mich immer noch mochte!!! Jahre hat er mich begleitet und mir den Weg bereitet zu meinem ICH. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar!

    Manchmal denke ich, ich halte es nicht mehr aus, denn mir fehlt die Luft zum Atmen, ein Stein liegt auf meiner Brust. Und ich weiß: Nur "meine Benzos" könnten mir diesen wegnehmen. Aber ich weiß auch: Es würde nur TAGE dauern, bis ich wieder "voll drauf" wäre und mein Konsum ins Unermeßliche steigen würde!!!
    Da aber meine Leber nicht mehr so gut ist und ich noch ne Weile leben will, verzichte ich schweren Herzens.

    Ich versuche, dem Leben das Beste abzugewinnen und das ist verdammt schwer!!! Ich habe mich ziemlich zurückgezogen und manchmal ist die Sehnsucht übergroß. Doch nie wieder will ich in diese Hölle, in der ich war. Das ist das einzige Argument, das mich davon abhält, wieder Benzos zu nehmen oder mich in eine neue Beziehung zu stürzen, von der ich eigentlich schon vorher weiß, dass ich wieder nur verliere und die nur für den Moment reicht. Aber das war mir damals egal, weil ich ein NICHTS war. Jetzt lerne ich, es mir mir auszuhalten und das ist das Schwierigste überhaupt. Dann fehlt mir auch noch meine Arbeit, die ich aber nicht mehr geschafft hab. Ein Teufelskreis. Aber ich liebe trotz allem das Leben und versuche mich einzubringen, besuche ehrenamtlich Menschen im Pflegeheim. Dort erfahre ich Dankbarkeit und Wertschätzung. Vielleicht erfüllt sich ja nochmal mein Wunsch, nicht mehr allein sein zu müssen. Aber inzwischen weiß ich, dass damit nicht alles steht und fällt...

    Danke fürs Lesen und alles Gute für Dich!
    Solltest Du noch Fragen haben: ich antworte gern.

    Schöne Pfingsten wünsche ich. :ge:

  • hallo elbi und alien,

    was heißt denn "du bist schon älter", ist doch quatsch, es kommt nicht auf das alter an. ich bin ja auch schon mittelalter.
    ein problem mit der einsamkeit kenn ich auch. früher als ich jung war konnte ich mich nicht auf beziehungen einlassen, denn schon die kleinste abweichung von meinem alltag lösten angstattacken aus. mir wurde dann immer furchtbar schlecht und ich musste mich auch übergeben. das macht sich natürlich bei einem date nicht so toll. jetzt ist es mit meinen attacken besser aber jetzt hab ich das gefühl, mein leben ist schon gelaufen. keine kinder, keine familie mehr ein paar freunde, das war es dann auch schon. von außen sieht man mir das nicht an und ich überspiele diese einsamkeit inzwisschen perfekt aber in mir drin ist einfach dieses loch das ich dann immer wieder mit Benzos zuschütten will.

    euch allen noch schöne pfingsten

  • Hallo littlealien,

    mit diesen Mischkonsum war bestimmt die Hölle für dich, ich kenne das auch, dass sind keine einfachen Entzüge.

    Ich meine mit einen Arzt sprechen, um nicht in Versuchung zu kommen, wieder in irgend eine andere Sucht zu gehen.

    Damit meine ich nicht das du wieder Benzos usw. nimmst. Es gibt ja auch nicht Stoffgebundene Süchte zum Beispiel, Spielsucht, Kaufsucht, Putzsucht, usw.

    Wie ich dir schon geschrieben habe kann eine psychische Abhängigkeit echt heftig werden, wenn die Gründe die zur Sucht geführt haben, nicht aufgearbeitet worden sind, kann es auch zur einer Sucht - Verschiebung führen. Und somit ist man dann wieder in den Teufelskreis drin.

    Ich habe mich mit den Thema Sucht jahrelang beschäftigt. ich war in Kliniken, ich habe Gruppen besucht und viel darüber gelesen mich mit anderen ausgetauscht und dadurch viele Erfahrungen gesammelt, was natürlich nicht bedeutet das dies zum Erfolg führt.

    Ich habe mal von einem Gruppenmitglied erfahren, es verhält sich mit der Sucht so, wenn man mit der Sucht anfängt ist man in einem falschen Zug eingestiegen und wenn man mit der Sucht aufhört, aus diesen Zug wieder ausgestiegen.

    Damit ist es aber nicht getan, man muss also die ganze Strecke die man gefahren ist wieder zurück fahren und im richtigen Zug einsteigen und wieder neu fahren. Das ist nicht einfach. Das heißt deine Vergangenheit aufarbeiten.

    Ich weiß nicht ob du mich verstehst?

    Sucht bedeutet " kranke Seele " man kann auch süchtig sein wenn man nichts nimmt! Ich denke das deine Seele oder Psyche Hilfe braucht, ich denke da an eine Therapie, die für dich passt. Ein Arzt kann das besser entscheiden. Du kannst dich doch auch nochmal körperlich untersuchen lassen um Gewissheit zu bekommen woher diese Symptome kommen.

    Nach über einem Jahr ohne Medis usw. sollte es dir eigentlich gut gehen, da stimmt was nicht.

    Da du noch Entzugssymptome hast zeigt das noch nicht alles in Ordnung ist. Das kann auch psychosomatisch sein ohne körperlichen Ursachen, du kannst dir nicht vorstellen wie heftig das werden kann.

    Ich selber habe da eine echte Leidensgeschichte hinter mir und habe immer noch damit zu tun.

    Jetzt hast du schon einige Antworten bekommen, was dir bestimmt auch hilft.

    Ich wünsche mir wirklich für dich, dass du es schaffst deine Sucht zum Stillstand zu bringen.

    lg Lana

  • lana
    lieben dank dir... :er:

    ich finde das bsp mit dem zug sehr schön erklärt. ich verstehe es, ja. ich bin grad dabei meine vergangenheit aufzuarbeiten, aber es ist halt nicht leicht. nach 14jahren polytox muss ich da noch hart dran arbeiten.

    es ist dann wohl psychosomatisch. allerdings würde ich gerne wissen wann es weggeht. die extreme körperwahrnehmung und schmerzenwahrnehmung, starre und steife muskeln, magenschmerzen, kopfschmerzen, etc etc... das ist echt nur zum k***...

    ich wohne im betreuten wohnen für drogen- und medikamentenabhängige (clean-WG).
    ich habe da jede woche einmal gruppe und ein einzel in der woche. hier sind zwar keine suchttherapeuten,
    aber sozialpädagogen mit zusatzausbildung.
    zudem habe ich einen Psychiater, der mich einmal im monat sehen möchte.
    ich nehme seroquel 100-300mg pro tag fest und alle 7-14tage gehe ich zur institutsambulanz wegen der diagnose Posttraumatische Belastungsstörung, die ich habe. was selbsthilfegruppen angeht habe ich Angst. ich habe sowieso unter menschen Angst, am schlimmsten ist es bei gruppen. ich bin froh, dass ich mich in die gruppe, die wir hier einmal die woche haben, reintraue.

    LG

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