Hallo zusammen,
ich bin Minou und neu hier und freue mich, hier mal schreiben zu können.
Ich war 10 Jahre lang abhängig von dem Benzodiazepin Tavor in nicht unerheblicher Dosis von 4mg pro Tag. Nach einem sehr schweren Autounfall mit wochenlangem künstlichen Koma kam ich nach Aufwachen noch in der Uniklinik in Berührung mit Tavor und konnte es mir in den vergangenen 10 Jahren nicht mehr abgewöhnen, alle ambulanten Versuche scheiterten.
Leben konnte ich mit Tavor eigentlich ziemlich gut, man kann seinen Tagesablauf total strukturieren, wie auf einer rosa Wolke. Darin besteht natürlich die große Gefahr der Abhängigkeit, weil das Leben anfangs so herrlich stressfrei erscheint.
Irgendwann jedoch ist mir das Ganze entgleist, es gab kein Zurück mehr, die Tabletten müssen ständig mit Privatrezepten beschafft werden und wehe, man hat mal keine....!!!
Anfang diesen Jahres habe ich endlich den Tavor-Entzug gewagt in einer psychiatrischen Klinik stationär. Innerhalb von 6 Wochen wurde ich "entzogen" unter der sehr hohen Dosis eines "Ersatzmedikaments" (Gabapentin-Antiepileptikum), da die Gefahr von Krämpfen nach so langer Zeit doch schon gegeben ist.
In der Klinik ging es mir zwar nicht gut, aber durch dieses Gabapentin, dass an denselben GABA-Rezeptoren wirkt wie Tavor, war der Entzug zu schaffen.
Jetzt aber zu meinem eigentlichen Thema:
Was ich allerdings nicht wusste und was ich meinen behandelnden Ärzten zum Vorwurf mache, ist der Horror, der ambulant dann auf mich zukam und der leider auch nach fast 9 Wochen Abstinenz von Tavor immer noch anhält. Nach schrittweisem Runterdosieren von gabapentin traf mich der EIGENTLICHE ENTZUG mit einer solchen entsetzlichen Wucht, es ist nicht in Worte zu fassen. Das ging von psychotischen Sinnestäuschungen über Wahrnehmungsstörungen (dauernd schien der Boden schief zu sein, Möbel rückten bedrohlich nah etc) bis zu der Unerträglichkeit von hellerem Licht und einer scheußlichen Geräuschempfindlichkeit. dazu kommt eine extreme körperliche Schwäche, jeder Handgriff tut weh, an Armen und Beinen schienen Bleigewichte zu hängen. Niemand hat mich, trotz langjähriger Forschungen in dieser Klinik, darüber aufgeklärt und so dachte ich natürlich, ich werde verrückt und war sehr verzweifelt. Leider sind in manchen Fällen, besonders nach so langen Jahren der Einnahme, diese Entzugserscheinungen persistierend. Eigentlich auch zu verstehen, denn die Rezeptoren im Hirn wurden 10 Jahre lang kleingehalten und jetzt versucht das ganze System einen "Weg aus dem Elend" zu finden.
Meine Frage wäre jetzt: Gibt es hier Leser, die ähnliche Erfahrungen nach jahrelanger Einnahme von Benzos gemacht haben und auch noch monatelang von diesen grauenhaften Entzugserscheinungen gequält wurden?????
Finde es toll, dass ich mir das mal von der Seele reden konnte und freue mich über Antworten. Glg