Sex- und Pornographiesucht

  • Hallo zusammen. Mein Nick ist "aronopus", und ich habe mich heute früh hier in diesem Forum registriert. Es ist unbestritten und mir auch in zahlreichen Therapien klar und erkennbar geworden, dass ich eine Suchtpersönlichkeit aufweise. Jahrelang war ich abhängig von Benzodiazepinen, um mit diesen Mitteln meinen übersteigerten Drang nach sexueller Betätigung und Konsum von Pornographie zu betäuben bzw. die zwangsläufige Frustration zu kompensieren; denn durch das stetige Ansteigen der Begierdenspirale konnte dem Streben nach einem nicht genau definierten ultimativen Kick nie gerecht werden. ...
    Es heisst ja, die Summe der Süchte bleibt bei einer Suchpersönlichkeit durch die so genannte Suchtverschiebung immer gleich. - Zum Jahreswechsel 2007/2008 schaffte ich es selbstständig durch einen kalten Entzug, von den Benzos wegzukommen. Ich war lediglich im Januar 2008 eine Woche in der Klinik für Innere Medizin zur kardiologischen Abklärung, weil in Folge des Substanzentzugs mein Kreislauf zusammengebrochen war und Kammerflimmern einsetzte.
    Seither habe ich wieder die Suchtproblematik hinsichtlich Sex/Pornographie an der Backe. Ich habe in meinem Profil innerhalb der Pinnwand heute früh schon grobe Informationen über meine Problematik und mich selbst angeboten. Wer sich angesprochen fühlt oder mir gern ein feed-back vermitteln möchte, möge dort noch nachlesen. - Das sollte für den Augenblick genügen.
    Herzliche Grüße an alle
    aronopus

  • Herzlich Willkommen hier aronopus,

    ich stell mir deine Sucht ja ganz schön unangenehm vor - aber das ist ja auch irgendwie jede Sucht. Aber über substanzgebundene Süchte lässt sich leichter reden. Deine kommt mir da ähnlich tabu-behaftet wie die deutlichen Selbstverletzungen vor.
    Es liest sich zumindest nicht schön. Klingt für mich, wie ein Rad, das immer fester angezogen wird und so baut sich viel Spannung auf.
    Allerdings stimme ich dir nicht zu, daß die Summe der Süchte immer gleich bleibt, man ienfach verlagert. Das ist - so vermute ich, häufig dann der Fall, wenn man einfach das Suchtmittel weglässt, ohne irgendeine Bewegung in der Psyche. Denn ansonsten habe ich den Eindruck, daß man doch ne Menge durch Erkenntnis verändern kann. Ich bin aber auch ein ausgesprochener Fan vom Hinterfragen, Überprüfen und gegebenenfalls neu einordnen und neue Positionen beziehen.

    So ist für mich ein ganz gutes Werkzeug geworden, mir immer wieder die Frage zu stellen, was ich denn eigentlich für ein Gefühl erreichen möchte. Und dann auch mal auf Alternativen zurückgreife.

    An sich - so denke ich - sind die Süchte vom Prinzip her alle ganz ähnlich. Man macht sich selbst zum Sklaven und streift die Fessel nicht ab. Im Gegenteil, schon der Gedanke, die Fessel - das Suchtmittel - loszulassen, lässt Angst aufkommen.


    LG Wattewolke

  • Hi,

    ich heiße dich auch mal willkommen & schließe mich der Wolke an:
    Die Summe der Süchte kann durchaus weniger werden, aber am Muster sollte man arbeiten, klaro.

    LG.Ganesha

  • Hallo Aronopus :wink:

    Du lässt intressante Thesen raus (da erkenne ich mich doch glatt wieder) und bei mir ist es irgendwie umgekehrt:

    Wenn ich Cannabis und/oder Alkohol konsumiere hatte, dann drehte ich sexuell komplett auf. (Hinweis: Bin zum Glück am Tag 51 cleanfrei und so soll es bleiben).

    Würde mich als Transgender betrachten und habe mit Erotik und Co. das eine oder andere verrückte Ding (nicht nur) im Cyberspace gedreht - quasi Taschengeld dazuverdient. Stoffgebundene Süchte (THC & ALK) und die eben nicht stoffgebunde Sexualität sind emotionell verschmolzen.

    Letztendlich frage ich mich oft, was normale Sexualität denn nun wirklich sei. Wahrscheinlich kommt es darauf an, daß Du Dich selber akzeptierst, ohne wirklich verletzend zu sein.

    G24h - nur für heute :63:

    Mickey


  • Lieber Mickey! Vielen Dank für Deine verständnisvolle und offenherzige Rückmeldung. Diese hat mir noch einmal einen neuen Aspekt eröffnet: Bestimmte stimulierende Stoffe, die ich auch schon - allerdings nur zeitlich und punktuell begrenzt - komsumiert habe, waren immens in der Lage, meinen Sexdruck noch zu intensivieren. Wie gesagt: Seltsamerweise waren es in meinem Fall wirklich nur die Benzodiazepine, die eine stark dämpfende Wirkung zu zeitigen vermochten. Interessant finde ich Deine These, dass stoffgebundene Stoffe bzw. die Sucht nach denselbigen und extraordinäre Sexualität emotional verschmolzen sind. Und gleichfalls hoch interessant finde ich Deine Frage, was "normale" Sexualität sein soll. Unterstreichen kann ich unbedingt, Deinen Nachsatz, dass (Fremd-)Verletzung quasi tabu ist. Die Bewertungen und Definitionen, was "normale" Sexualität oder ethisch-moralisch vertretbares sexuelles Ausleben sein soll, halte ich für relativ und nicht universell verbindlich feststellbar. Ich hätte großes Interesse daran, wie Du persönlich darüber denkst. Hinsichtlich eines Meinungsaustausches und einer Diskussion bin ich sehr, sehr aufgeschlossen und kenne (fast) keine Tabus. Ich könnte mir vorstellen, dass ein intensiverer Austausch gerade mit Dir, sehr Gewinn bringend für mich sein könnte. In diesem Sinne... Ich hoffe, Du meldest Dich wieder.
    Mit herzlichen Grüßen
    aronopus

  • Zitat von aronopus;160450

    Die Bewertungen und Definitionen, was "normale" Sexualität oder ethisch-moralisch vertretbares sexuelles Ausleben sein soll, halte ich für relativ und nicht universell verbindlich feststellbar.


    Hmm... da würde ich liebend gern widersprechen können. *g*
    Ich sehe das folgendermaßen: Alles was nicht in den Bereich unerwünschter physischer oder psychischer Schädigung Zweiter fällt, liegt für mich durchaus innerhalb des Normbereiches und ist daher legitim. Auch wenn ich persönlich eine für Viele wahrscheinlich ziemlich langweilige '0815'-Sexualität pflege.
    Obwohl gerade Letzteres unter dem Einfluss von Amphis nicht unbedingt immer gegeben war. :winking_face: Ich muss eigentlich gestehen: Das Einzige was ich am Crystal vermisse, sind die 'perversen' Nächte mit meiner besseren Hälfte. (Frei nach Charlie Harper: "Hey? Gibt's überhaupt ein schlecht-pervers?")

    VG, WbD

  • @ aronopus & @ wrongbydesign :wink:


    vieles der abgrenzenden Sexualität scheint wohl im globalen Bereich des Fetischismus zu liegen. selbstverletzendes Verhalten ist eine Kern-Komponente und primärer Hauptbestandteil. Daneben liegt gesellschaftliche Stigmatisierung vor.

    Eine weitere Problematik ist die Identitätsfindung, bin ich mehr auf das maskuline oder feminine Identität ausgerichtet? Wie sind meine Gefühle, denke ich vielleicht eher weiblich? Wenn ich nüchtern bin, fühle ich mich als Reisende - irgendwie unterwegs - noch nicht wirklich transsexuell! Bin ich vielleicht nur eine virtuelle Dragqueen im Cyberspace? Bin ich ein Zwitterwesen, das sich nur innerhalb eines emotionellen Rollenspiels wiederfindet? Ist es das extravagante Element im Leben?

    Wahrscheinlich habe ich viele Tabus im Rotlicht gebrochen und sowohl die Anbieter- als auch Nachfrageseite bedient, virtuell als auch real. Monetäre Aspekte waren nebensächlich, es war der ultimative Kick im Drogenrausch.

    Nunmehr – am Tag 52 cleanfrei – weiß ich nicht, in welche Richtung meine Emotionalität steuert, habe weiterhin relativen Suchtdruck (THC & ALK) und bin mir weiterhin im unklaren. Da nunmehr keine substantiellen Drogen im Körper ihre Wirkung zeigen, fühle ich mich emotionell verloren. Hatte mich bei Thc & ALK für einen kalten Entzug entschieden, habe hart gearbeitet – es ist immer noch ein Kampf mit Leib und Seele. Der Suchtteufel ist immer präsent. Der Gedanke an die Synergie von stofflicher und nicht stoffgebundener Sucht treibt mich manchmal fast in den Wahnsinn, eine Art Schizophrenie.

    Momentan bin ich ohne festen Partner, das tut meiner Psyche nicht gut. Habe hier über mehrere Jahre mit (biologischen) Frauen zusammengelebt, die meine feminine Seite akzeptiert hatten.

    Ach ja, mit dieser Problematik hatte ich mich bereits in einem anderen Thread beschäftigt, der ganz nützlich sein kann: (Klick – Klick)

    https://www.suchtundselbsthilfe.de/forum/stoffgeb…E4t-drogen.html

    Die eine Frage bleibt: Wohin entwickelt sich meine geschlechtliche Selbstfindung, stehe ich offen zu meiner Rolle?

    G24h – nur für heute :63:

    Mickey

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