Hallo zusammen, ich habe hier Anfang Mai von meinem Alkoholproblem berichtet.
Jetzt habe ich endlich die Möglichkeit alles anzufangen oder wie man es sieht- beenden!
Gewerbe ist abgemeldet und ich kann endlich professionelle stationäre Hilfe in Anspruch nehmen.
Ich habe bereits eine Einweisung und einen Termin zum Entzug für nächste Woche.
Ich freu mich, ich habe Angst, ich weiss nicht was mich erwartet.
Könnt ihr bitte über eure Entzugserfahrungen schreiben? Wie ist der ablauf bei euch gelaufen? Was machen die da mit einem???
Da ich unter schweren Angstzuständen leide, habe ich riesen schiss davor, weil ich in meinem bisherigen Leben fast nur negative Erfahrungen mit Ärzten gemacht habe.
Kennt ihr die LWL Klinik in Münster????
Danke im voraus.
glg
Jasmin
Ablauf Entzugsklink/ Erfahrungen
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Hallo
Naja, das ist sicher von Klinik zu Klinik unterschiedlich. Und sicher ist es auch nicht Sinn der Sache, dir die Angst komplett auszureden, so ein Erlebnis muss auch irgendwo abschreckend sein, um seine Wirkung zu haben. Beim ersten mal ist jeder sehr entsetzt und schwört sich eher, sowas nieee mehr mitzumachen, die, die das schon kannten und entspannt reingingen haben da bei Weitem sicher nicht soviel profitiert.
Hmh, was kann ich dir mitgeben...
Der Ablauf dort wird recht trist sein. Sehr viel Veranstaltungen sind dort nicht, es geht rein erstmal darum, diese Tage körperlich gut rum zu kriegen, teils auch mit starken Medikamenten, so dass viele dort eh nicht so klar dabei sind, dass sie sich auf komplizierte Aktivitäten konzentrieren könnten. Lass dir am besten gleich am ersten Tag alles genau erklären, es gibt schon Patienten, die sowas gerne machen und dir alles sagen, wann es wo was gibt. Und wo ein Plan hängt.
Die ersten Tage wirst du in einem Überwachungsbereich sein, wie der bei euch ist kann ich nicht sagen. Bei uns war in den Zimmern Videoüberwachung und in regelmäßigen Abständen wurde Blutdruck gemessen und jeden Tag war Arztvisite. In den ersten Tagen bekommst du einige Medikamente, je nachdem wieviel du vorher getrunken hast, wie deine Blutwerte waren etc. Zum Beispiel Medis, um die Entzugserscheinungen runter zu halten, Krampfschutz, Vitamine, Magenschutz und halt auf Bedarf Beruhigungsmittel oder was du sonst so brauchst. Mein Rat ist, frag gleich am ersten Tag nach, was du an Bedarfsmedizin bekommst. Das ist die, die du dir beim Pflegeteam abholen kannst, wenn du es brauchst. Du musst keine Qualen erleiden und keine schweren Ängste ausstehen, gönn dir etwas zur Beruhigung, das brauchen die meisten dort. Das fährt dich vielleicht weit runter, so soll es aber auch sein, du nimmst ne Auszeit und brauchst die auch.
Die Medikamente werden dann aber auch relativ schnell wieder runtergefahren, wenn du rausgehst soll ja nichts mehr übrig sein, wenn möglich.Tipp: Versuch dort Sozialarbeiter/-pädagogen hinterher zu laufen, die sind dafür da, dir bei der weiteren Planung deiner Therapie zu helfen. Je früher du dich drum kümmerst, desto besser. Die helfen dann auch bei allen Anträgen etc. Wenn man erstmal mit Entzug angefangen hat, hat man da eher keinen Kopf dafür...
Die ersten Tage wirst du nicht rausgehen dürfen, dann nur mit Begleitung und dann irgendwann auch allein. Auch TV gucken ist in den ersten Tagen nicht erlaubt. Das dient deinem Schutz.
Vielleicht gibt es ne Ergotherapie, also Malen, Basteln etc, und Gruppen mit unterschiedlichen Themen. Jeden Abend gibts ne Tagesabschlussrunde, wo drüber gesprochen wird, wie alles läuft, ob es in der Runde irgendwelche Probleme gibt.Dinge, die hilfreich waren zum Mitnehmen:
Löslicher Kaffee (!)
Waschzeug, Handtücher
Trinken (originalverpackt)
Bequeme Kleidung
Kamm, evtl. Fön
Medikamente werden dir abgenommen, die kannst du dann vom Pflegepersonal holen oder sie werden vom KH gestellt. Darüber nicht überraschen.
Mitgebrachte Sachen werden alle durchsucht, unangenehm, aber muss sein.Keine Angst vor den Leuten dort, die sind alle mit sich selber sehr beschäftigt. Wenn du dich sehr alleine fühlst, im Raucherraum ist meistens was los
Ärzte sind ein notwendiges Übel, ich muss aber sagen, dass die bei uns in der Klinik alle erstaunlich nett waren.Wünsche dir alles Gute dabei
Mamono -
Vielen Dank Mamono,
also das hört sich ja alles nicht so an, als wenn es für mich "passend" ist.
Ohne Fernseher, keine frische Luft alleine? Videoüberwachung?
Mein Problem ist meine Angst, die PAnikattaken, das sind die Gründe warum ich trinke. Ich vermute danach bin ich kaputter als vorher. Ich finde eine Psychiatrie wäre für mich sinnvoller, wo auf mein eigentliches Problem, der Angst eingegangen wird. Das Problem "Alkohol" ist daraus nur geboren, weil es mir die Angst nimmt.
ich habe tagsüber kein bierdurst, ich trinke, sobald die Angst kommt. heute vormittag hab ich nicht getrunken, hab gebügelt, sauber gemacht- trotz der Hitze. Erst eben hab ich mir ein glas bier trinken müssen.(wegen angst)
ich weiss echt nicht was richtig und falsch ist.
vg
Jasmin -
Hallo
Was ist denn dann "passend" für dich? Weitertrinken? Dann nur zu. Aber dann vergiss auch das mit dem Angst verlieren etc. Solange du weiter trinkst, wird auch die Angst nie vergehen.
Natürlich wird sie erstmal schlimmer. So ist Sucht. Du hast Angst, also trinkst du. Dann hast du Angst und trinkst auf einmal nichts mehr. Und dann sagt der Körper, muss ich wohl mehr Angst haben, damit sie mir gibt, was ich brauch. Das ist der psychische Entzug.
Aber wegen des Körperlichen gehst du da hin, weil es gefährlich ist, weil du dir den Körper kaputt machen kannst damit. Du gehst da hin, damit du einmal in Sicherheit bist vor allem, was körperlich schieflaufen kann (und das ist einiges) und, damit du in Sicherheit vor dir selber bist, damit du nicht bei der ersten Gelegenheit gleich mal wieder was reinzischt, weil das ja alles so anstrengend ist und den Entzug verschieben wir mal lieber auf später...Häng dich nicht an den Sachen auf, die in den ersten drei Tagen passieren, du wirst auch mal drei Tage ohne den TV durchstehen, nimm was zum Lesen mit und nimm Kontakt zu Mitpatienten auf. Die freuen sich.
Die Alternative ist doch, zuhause unter der Bettdecke, und keiner kommt wenn was passiert.Gib dem eine Chance, und geh halt im Anschluss in die Psychiatrie. Aber dort wirst du nur noch mehr eingesperrt, keine Ahnung warum das so viel schöner sein soll und dort werden sie doch immer auch erst auf einen Entzug bestehen, weil auf Droge ist niemand richtig therapierbar.
Grüße
Mamono -
Hallo Jasmin
Genau auf dem Level war ich auch mal, nicht Alk ist mein Problem sondern das psychische was mich trinken läßt....Der Zahn wurde mir im Lauf der Zeit gezogen. Denn das eine spielt ins andere. Und Angst mußt nicht haben. In den meisten Entzugskliniken arbeiten fähige Psychiater, die sich echt damit auskennen. Ich hab einmal ne "normale" Entgiftung" gemacht und einemal ne "qualifizierte". Der Ablauf ist immer ähnlich. Wie Mamono schon schrieb.
Wenns schlimm ist bekommst Medis, meist Diazepam, wenn du nicht viel getrunken hast gehts ohne. Die Unruhe hält man aus. Auch wenn man sich das nicht vorstellen kann. Es geht.
Trotz Sozialphobie bin ich meist sehr gut zu recht gekommen. Ja, Ergotherapie, Frühsport, Gruppen...mehr ist meist nicht. Ich trink auch nicht viel und schon gar nicht tagsüber..trotzdem ist ne Entgiftung ne wichtige Sache. Damit einem bewußt wird, wie es anders geht. Kaffee ist in manchen Kliniken verboten.
Und; allen Patienen geht es ähnlich. Laß dich von den ganz obercoolen bloß nicht abschrecken, die haben genauso viel Angst wie du. Für die meisten steht einiges auf dem Spiel. Die müssen entziehen, da geht es dir doch viel besser. Du machst das freiwillig, sei stolz drauf!
lg
desty -
Ihr habt ja Recht!
Ich hab mich wirklich selbst dazu entschieden und ich muss endlich dazu stehen, dass ich süchtig bin.
Gestern hat mich das nur so erschrocken mit Videoüberwachung, nicht vor die Tür, kein Tv....ich leide nun mal unter starken Angstzutänden mit schweren Panikattaken und dann macht sowas Angst. Aber ich habe mich für eine - wie ich hoffe gute Klinik entschieden.
Ich werde Mittwoch den Weg gehen!
Desty: hast du auch unter Angstzuständen gelitten und dann getrunken? Darf ich dich fragen wie du es alles geschafft hast und wielange schon?
Mamono: danke für deine 2. Antwort, du hast JA RECHT!!!! Ich danke dir für deine ehrlichen Worte....
lg
Jasmin -
Hallo,
ich bin heute aus der Klinik zurück!
Es sollte 10 Tage dauern, ich durfte schon nach 5 gehen, weil ich keine körperlichen Entzugssymtome hatte, bis auf meine schon vorher gewesenen Angstzustände, wo ich ich mir so 3x in den 5 Tagen Atosil Bedarf geben lassen habe. MEHR NICHT!!! Zum Glück besteht bei mir noch keine "körperliche Abhängigkeit" wie mir gesagt wurde. Ich bin so froh und dankbar dorthin gegangen zu sein! Jetzt werde ich weiter in eine Suchtambulanz gehen und leider habe ich erst im November einen Termin bekommen um in einer Tagesklinik meine Angst professionell bekämpfen kann.
Für mich war diese offene Entzugsklinik eine wertvolle und wichtige Erfahrung. Mit Menschen zu reden, die dasselbe Problem haben. Und es diente definitiv als abschreckendes Beispiel. Dort waren Menschen denen es tausend mal schlechter ging als mir und das zu sehen war hart!!!!
Ich hoffe ich gehe weiter den Alkfreien Lebensweg, bisher hatte ich noch nicht einmal verlangen danach. Aber ich weiss auch das wird irgendwann kommen.
Die Klinik war offen ohne "Videoüberwachung", Taschen wurden auch nciht durchsucht, raus durfte ich in den Garten von anfangan, über das Gelände beireits nach 24 std. mit begleitung.
Es war echt nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt habe.
lg
Jasmin -
Hallihallo.Möchte auch mal eine Erfahrung weitergeben die vor meiner Nase stattgefunden hat.Ich hatte einen Kollegen,der wurde durch einen Unfall zum Frührentner,Alles war ihm egal,hat so am Tag 1-2 Flaschen Baccardi -cola getrunken,sich nicht mehr regelmässig gewaschen usw.Dann hat er eine Frau kennengelerntm und die hat ihm ganz klar gesagt,entweder Alkohol oder ich.Und ob es einer glaubt oder nichr,von da an hat er keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken,ist ein ganz neuer Mensch und die Beiden immer noch zusammen.Sowas gibt es auch.
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Hallo
@sniff in
Ja, sowas gibt es und es ist dem mann zu vergönnen, dass er es so gut überstanden hat und wohl noch nicht so tief gefallen ist, wie so manche anderen. Weil, wer wirklich abhängig ist, sollte immer in Begleitung von Ärzten entziehen, weil das kann durchaus auch gefährlich werden. Aber da hat er Glück gehabt.Jasmin
Oh, das ist toll zu lesen, dass du es so gut weggesteckt hast! Da kannst du wirklich stolz auf dich sein!Das freut mich sehr für dich, ich hab mir ja schon sorgen gemacht, weiß ja, wie es ablaufen kann und, wie es ist, wenn man da mit Ängsten zu kämpfen hat...
So anstrengend und schwer es teils war, ich hoffe, es bleibt dir als wertvolle Erfahrung erhalten!Liebe Grüße
Mamono
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