• Hallo liebe Mitglieder,

    mein Name ist Andi, bin 22 Jahre und lebe momentan noch bei meiner Patchworkfamilie, da ich noch studiere.
    Mein Vater und seine Freundin sind nun seit ca 5 Jahren zusammen und leben seit ca 3 Jahren zusammen. Anfangs waren beide glücklich und haben viel Zeit miteinander verbracht. Seit ca 2 Jahren läuft es aber nicht mehr so wirklich gut, da seine Freundin immer mehr im Wohnzimmer vereinsamt, da er die meiste Zeit vor dem PC sitzt. Zum Verständnis: Er programmiert irgendwelche Programme (Bots) für Browserspiele, damit diese im Hintergrund laufen können ohne das er nachschauen muss, wie das Spiel läuft. Er programmiert hauptsächlich an diesen Bots und hat eigentlich kein wirkliches Interesse an diesen Spielen.
    Mein Vater betreibt dieses Programmieren mittlerweile dermaßen exzessiv, dass er selbst an seinem freien Wochenende, wo er wirklich Zeit für seine Freundin hätte, sein Arbeitszimmer nur zum schlafen, pinkeln oder wenn vielleicht noch zum Essen verlässt und oft nicht vor 3 Uhr ins Bett geht. Soweit ich das beurteilen kann, hat er vorher mehr sinnvollere Dinge erledigt am PC. Allerdings stellt er dieses neue Hobby insofern als sinnvoll, da er das Programmierte gerne auf Aktien anwenden würde, was er letztendlich doch nie machen wird. Außerdem nervt ihn alles und jeden und wenn man ihn darauf anspricht wird er zwar nicht agressiv, aber er wirkt schnell genervt und ist beleidigt. Reden hilft eigentlich nicht und wenn dann nur stunden- oder höchstens tageweise. Seine Freundin ist eigentlich eine recht aktive Frau, die gerne etwas unternimmt. Mein Vater hingegen ist ein regelrechter Stubenhocker. Das höchste der Gefühle in den letzen 2 Monaten war ein 4 stündiger Volkfestbesuch. Am Abend saß er wieder vor dem PC und sie wiedermal alleine im Wohnzimmer. An Arbeitstagen sieht es eigentlich nur schlimmer aus, da in der Arbeit schon 8 bis 10 Std vor dem PC sitzt, müsste man eigentlich meinen er hätte genug für den Tag. Die Realität sieht leider anders aus, er kommt heim, begrüßt kurz seine Freundin und geht hoch ins Arbeitszimmer und setzt sich vor den PC, wo er den restlichen Abend meistens alleine verbringt. Wir haben versucht die verschiedensten Aktivitäten vorzuschlagen und zumachen. Oft endet es aber mit "Keine Lust" - "Ich bin kaputt von der Arbeit". Seine Freundin verzweifelt immer mehr, sie ist mittlerweile soweit, dass sie am Wochenende allein ihre Bekannten und Verwandten besucht. So langsam sind meine Familie und ich mit unserem Latein am Ende. Ich habe Angst, dass er durch seine PC-Sucht seine Beziehung kaputt macht und dadurch noch weniger soziale Kontakte hat, als eh schon. Vielleicht könnt ihr uns ja ein paar Tipps oder einen Rat geben, was wir tun können.

    Liebe Grüße Andreas

  • Servus Andreas,

    auch wenn man normal kaum ne Ferndiagnose stellen kann, alles was du schreibst, das deutet wirklich auf eine Suchtentwicklung hin.
    Gerade die Ausflüchte, er bräuchte das ja für seine Aktien, dass sind Hinweise, dass er sich selbst was vor macht.

    Was hat denn bisher mal Stunde oder Tageweise geholfen?
    Hat er denn früher andere Hobbys gehabt?

    Meinst du nicht, dass es direkt oder indirekt was mit der Beziehung deines Vaters zu tun hat?
    Ok, er vernachlässigt dich genauso (gibt es noch andere Geschwister?), aber das läuft vielleicht ja nur automatisch mit.
    Programmiert er beruflich auch oder macht er da am PC andere Tätigkeiten?

    Eine vielleicht merkwürdige Frage noch zum Abschluss - ist es sicher, dass er am PC programmiert oder könnte er da auch was ganz anderes machen?

    Übrigens finde ich es wirklich toll, dass du dich als Sohn da so drum bemühst :smiling_face:


    LG Franz

  • Hey,

    danke Franz, das Problem an dieser ganzen Geschichte ist, das diese Entwicklung nicht einmalig war bei ihm. Allerdings scheint es diesmal ernster da sich die Symptome, wie Verlust des Zeitgefühls noch extremer darstellen als vorher. Er hatte vorher eine siebenjährige Ehe (auch Patchworkfamilie) , die aus ähnlichen Gründen kaputt gegangen ist. Hier war das Programmieren nicht im Vordergrund, sondern das Surfen an sich.

    Zu deinen Fragen:

    Geholfen hat meistens nur ein handfester Streit mit seiner Freundin oder eine Standpauke von mir, allerdings verlieren selbst diese Maßnahmen immer mehr an Wirkung. Oft sieht er sich beim Streit im Recht und fragt seine Freundin am nächsten Tag beleidigt, ob sie sich wieder beruhigt habe um wieder vernünftig reden zu können.

    Nun er hat einige Zeit mal an Kaffeemaschinen gebastelt. Rückblickend war es mehr ein PC Ersatz und somit hat er es in der kurzen Zeit genauso exzessiv betrieben wie sein jetziges Programmieren. Ganz früher ist gerne viel geschwommen, aber selbst solche sportlichen Aktivitäten halten meist nicht länger als eine Woche an.

    Tja, diese Frage hab ich mir und seine Freundin sich auch immer wieder gestellt. Aber das hat er bisher auf das heftigste bestritten, nach einem solchen Streit war er meist auch wieder mehr im Wohnzimmer anzutreffen und hat sich Stundenweise vom PC gelöst.

    Nun ich bin 22 Jahre, da fühlt man sich nicht wirklich vernachlässigt, mir gehts eigentlich mehr darum, dass er sich nicht wieder alles kaputt macht, was er sich mit seiner Partnerin aufgebaut hat. Ich habe leider keine leiblichen Geschwister.

    Ja er programmiert berulich schon recht viel, aber er hat auch sehr viel verwaltungstechnische Arbeit zu erledigen, da er Abteilungsleiter in einer Firma ist.

    Er versucht seiner Freundin des öfteren dieses Programm zuerklären und welche Probleme er wie gelöst hat, diese Programme laufen mittlweile auf 3 Rechnern gleichzeitg 24 std am Tag und 7 Tage die Woche. Außerdem verfügt er über ein derartiges Detailwissen, dass ich es bezweifle dass er andere Sachen macht, ausschließen kann ich es aber nicht. Klar Onlinebanking oder Email checken oder so geht nebenbei, da er ja aufgrund der Browserspiele eh online ist.

    Gruß Andreas

  • Ok, nochmal kurz, sonst unterstellt man mir auch eine extreme Forensucht :winking_face:

    ich denke, es ist mal für den Moment nicht wichtig ob da nun eine 'Sucht besteht oder nicht.
    Damit muss und kann sich sowieso nur dein Pa auseinandersetzen, ihr als Angehörige könnt eh nur begleitend beistehen.

    Was könnt ihr also nun machen?
    Vor allem die Freundin deines Vaters muss sich nun überlegen was se will.
    Ok, du hast beschrieben, sie macht schon viel allein, aber das kann es ja nicht sein.

    Wenn man 'Sucht akzeptiert, dann bewegt man sich am Rande einer 'Co-Abhängigkeit - sicher etwas überspitzt geschrieben, doch trifft es leider oft zu.

    Ich sehe da nur einen Weg, ihr solltest gemeinsam erneut das Gespräch suchen.
    Dabei muss klar sein, es muss genügend Zeit vorhanden sein - nicht dass dein Pa dauernd zum PC drängelt :winking_face:
    Oft hilft da auch ein neutraler Ort, vielleicht in der Natur oder so.

    Dann müssen wirklich die Fakten auf den Tisch, der wesentliche Punkt wird sein, dass die Beziehung so kaputt gehen wird. Das muss mal klar so gesagt werden, man kann als Partner nicht einfach alles hinnehmen.
    Dann sollte jeder Beteiligte mal sagen, wie man sich die weitere Zukunft vorstellen könnte - also das WE gehört der Beziehung, am Abend kann er ja 1-2 Stunden am PC sein.
    Es muss aber die Gewichtung anders gelegt werden und das muss man deinem Pa klar zeigen, entweder ändert sich da was oder man wird so nicht mit ihm weitermachen können.
    Genauso muss auch klar sein, es geht da nicht um ne Änderung von paar Tagen, es muss grundsätzlich anders werden.

    Wenn auf so einem Weg keine Einigung und Besserung erzielt werden kann, dann hilft nur noch eines - man muss zusammen zu einer Suchtberatung gehen.
    Sollte er dem dann noch immer nicht zustimmen, dann sehe ich nur 2 Möglichkeiten:

    • man akzeptiert es so
    • man trennt sich


    Das alles mag sich jetzt hart anhören, doch ich meine, hier sind klare Suchttendenzen vorhanden und solche kann man nur mit klaren Abmachungen aus dem Weg gehen.
    Manchmal muss man auch wen mal vor vollendete Tatsachen stellen, sonst wachen Abhängige ja nie auf :winking_face:

    Wenn auch das größte Problem dein Pa hat, auch ihr als Angehörige leidet drunter und habt einen heftigen Weg vor euch.
    Aber da zählt am Ende nur eines, man muss sich selbst insoweit schützen, dass man nicht daran zu Grunde geht - an der 'Sucht des Partners oder an 'Co-Abhängigkeit.

    Man geht natürlich nicht einfach aus einer Beziehung raus, wenn solche Versuche nun wirklich nichts bewirken, dann würde sich noch ne Angehörigenberatung anbieten - wir helfen gern bei der Suche einer geeigneten Stelle (vielleicht dann Wohnort per PN oder Mail).

    Viel Erfolg und schau die Tage immer mal vorbei, vielleicht kommen ja noch weitere Vorschläge von anderen Forenmitgliedern :smiling_face:

    Viel Erfolg, alles Gute für euch!

    LG franz

  • Hallo Defcon,

    es könnte auch einfach eine Problemverlagerung sein. Vielleicht versucht dein Vater so etwas zu verdrängen oder zu kompensieren. Vor dem Rechner sitzen lenkt ungemein ab, man kann seine Gedanken und Gefühle wunderbar in den Hintergrund drängen. Dieses extreme focussieren auf das Programmieren hat evtl einen ernsten Hintergrund und aus diesem Verhalten kann durchaus eine Abhängigkeit entstehen.
    Ich kenne dieses Verhalten von mir. Ich bin Exdrogie, Borderlinerin, Depressiv und habe aktuell auch den Arsch voll Problemen, wie Beziehungsstress, Rückfälle usw usw. Aber was mache ich?! Anstatt meinen Arsch hoch zu bekommen und mich ersntahft an die Lösung der Probleme zu setzten, stehe ich auf, setze mich vor den Rechner und zocke, gehe wieder ins Bett. Dies ist mein Tagesablauf. Wenn du mich fragst, was in den letzten Wochen passiert ist, könnte ich dir keine Antwort geben. Ich vernachlässige Freunde und Familie. Mein Freund handhabt das zZ genauso, da auch er mit der aktuellen Situation nicht klarkommt. Nur wir haben den "Vorteil", dass wir beide dieses Verhalten an den Tag legen und somit das zusammenleben "nicht beeinträchtigt" wird. Der Unterschied ist, ich weiß wieso ich mich so verhalte. Mir ist bewusst woher dieses Verhalten stammt und woran ich arbeiten muss um es zu ändern. Aber dein Vater weiß es anscheinen nicht und sieht auch die drohende Gefahr nicht. Aber woher auch!?
    Es ist ein Teufelskreis, man kapselt sich von der Umwelt ab und kümmert sich nicht mehr um soziale Kontakte. Und irgendwann steht man alleine da.
    Vielleicht solltest du deinem Vater mal eine ambulante Therapie vorschlagen in denen er die Hintergründe und Motive erläutern und an diesen dann arbeiten kann.
    Setze dich vielleicht vorher mit seiner Freundin zusammen. Ihr könnt einige Punkte ausarbeiten und sie deinem Vater vorlegen. Und am Besten nicht um den heißen Brei herum reden sondern direkt klären was Sache ist. Darüber müsst ihr euch, vor allem seine Freundin, natürlich in aller Ruhe Gedanken machen.

    Ich hoffe, dass ich dir in irgendeiner Sicht helfen konnte. Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute.

    Lieben Gruß,
    unerkannt.

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