Hallo Zusammen,
viele von Euch sind dabei Ihr altes Leben hinter sich zu lassen, oder haben es gar schon. Mich würde interessieren, wie Ihr mit der Angst umgegangen seid, alles hinter Euch zu lassen, sei es dabei ein Suchtfreies Leben zu führen, alte Bekannte hinter sich zu lassen, Neue zu finden, einen Umzug zu planen oder einen in einer andere Stadt gemacht zu haben. Wie war es für Euch, wie fühlt Ihr Euch gerade? Wie und wodurch ist der Start in ein neues Leben entstanden? Was waren/sind Eure grössten Ängste? Wie ist es ausgegangen und welche Hürden sind/waren zu bewältigen?
Einen Sonnenreichen Tag wünscht Euch,
HexeLakritze.
Altes Leben-ganz Neu
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Hallo liebes Hexchen
Oh das sind aber sehr viele fragen auf einmal ;). Also Angst hatte ich natürlich schon sehr große als ich mich letztes Jahr dazu entschlossen hatte ein zweites mal diesen Schritt mit Entzug und LZT zu machen. Aber ich verfiel hallt auch immer mehr in Depressionen und auch in Ängste wenn ich drauf war,mein Leben niemals wenn es nötig wäre,allein auf die Reihe zu bekommen,solange ich mich von meinen Drogen abhängig mache. Natürlich liebte ich mein Hasch und meine Medis sie gaben mir ja auch den gewissen halt und meine seelischen Krücken die ich brauchte aber wiederum fühlte ich mich auch ständig in einer reingesteckten Zwangsjacke,die es mir nicht möglich machte sie einfach auszuziehen wenn ich es wollte. Ich schaffte es einfach nicht und hielt mich selbst darin gefangen und ruinierte mich seelisch und auch Finanziell natürlich. Naja dazu kam halt auch das ich meinem Sohn nie das vorlebte was eben eine richtige Mutter ihren Kindern vorleben sollte.Klar ich habe immer funktioniert und mich um ihn gekümmert aber er hat ja meine kifferei und meinen extremen Konsum später auch mitbekommen,er war ja kein Kind mehr in dem Sinne. Ja und ich wollte auch ihm endlich mal ein gutes Vorbild sein,vielleicht hab ich ja so die Chance einiges wieder gut zu machen was ich während meiner draufzeit verkackt habe. Naja und das überwog eigentlich alles meiner Angst gegenüber auf meinen Konsum zu verzichten und einen Entzug zu machen. Freunde hatte ich eh nur eine,durch unser kiffer dasein lebten wir ja eh sehr Isoliert,ja und auf die verzichte ich z.Z. da es mir halt immer noch sehr schwer fällt mich im Kopf vom Hasch zu lösen. Das Codein fehlt mir nicht muss ich sagen aber mit meiner Migräne hab ich halt immernoch zu kämpfen,zwar nicht mehr so oft die Anfälle aber ich nehme vom Neurologen aus Topiramat und ab und an Triptane. Hatte vor kurzem einen Nervenzusammenbruch auf Arbeit,da ich natürlich viel mehr meine körperlichen leiden bemerke als früher. ich betäube meinen Körper hallt nicht mehr und meine Sinne und Gefühle auch nicht und alles reagiert und ist sehr schwer zu ertragen manchmal. Ja nun bekomme ich auch noch im moment Fluorex da ich 15 Kilo zunahm und halt in eine Depriphase fiel. Suchtverlagerung hab ich extrem in Zigaretten,Kaffee,Essen und PC gesteckt. Aber trotzdem erkenne ich natürlich auch viele Vorteile meiner cleanen Zeit und nicht nur die Nachteile. Möchte natürlich clean bleiben aber es ist auch noch ein schwerer Weg für mich. Gehe in eine SHG und bin viel hier im Forum unterwegs was mir sehr hilft mich auszutauschen und unterstützung zu bekommen. Ja und lenke mich halt viel mit dem PC ab. Mache jetzt demnächst eine Schmerthera wegen meinem Rücken und eine anschließende Reha. Ja soweit von mir erstmal!!! -
Hey Hexe!
passt gut zu meiner momentanen Situation das Thema
Also angefangen, meine Leben neu zu gestalten hab ich eigentlich so richtig vor 1 1/2 Jahren. Zu dem Zeitpunkt war mein Leben an meinem persönlichen Tiefpunkt angelangt. Ich hatte mich zwar schon länger von meine Drogenvergangenheit gelöst, aber so richtig verarbeitet hatte ich praktisch nichts. Das hat mich letztendlich in meine Depression geführt, die mich dann recht schlagartig im Sommer 08 umgehauen hat. Zu dem Zeitpunkt hat aber auch einfach nichts gepasst. Ich war totunglücklich in einer Ausbildung die ich nur angenommen hab weil ich nichts anderes hatte und privat war ich viel allein und hatte mich extrem zurückgezogen. Naja dann bin ich in Therapie und hab seitdem so langsam aber sicher mein Leben umgestellt. Ich hab zum Glück den Mut gefasst und gewagt, mein Abi nochmal nach zu machen. Hab gemerkt, wie sich neue Interessen entwickelt haben und ich zumindest beruflich schonmal wieder im Leben stand. Ich hab dann ganz lange gebraucht, um mein Privatleben wieder aufzubauen. Letztendlich hab ich das erst seit diesem Jahr geschafft. Seit zwei Wochen bin ich jetzt in einer glücklichen Beziehung
Mein Leben hat sich also Stück für Stück wieder aufgebaut und ich merke, wie es vorwärts geht. Es ist so unheimlich schwer diesen Weg zu gehen, wenn man in einer tiefen Depression steckt aber ich habe gelernt, dass es IMMER wieder bergauf geht, egal wie sehr man auch am Boden zerstört ist. Ich glaube mittlerweile, dass das einer der wesentliche Punkt ist, den man als Depressionserkrankter leider oft nicht schafft zu erkennen, der aber so wichtig ist! Hab das letzte Jahr geglaubt, dass es niemals wieder bergauf geht. Solange ich in diesen Gedanken gefangen war, ging es auch keinen Schritt vorwärts. Jetzt bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich weiß, dass es wieder vorwärts geht, ich weiß einfach, dass sich alles bessern kann, man muss es nur zulassen. Ich nehm zwar immer noch Medikamente, aber ich hab mein Leben umgestellt. Ich bin ehrlicher zu mir selbst geworden und hab mir vor allem klar gemacht, dass die Ängste der Vergangenheit nur dadurch existieren, dass ich sie am Leben erhalte. Nur unsere Gedanken halten unsere Ängste am Leben, aber die Ängste gehören der Vergangenheit und ich versuche mir klar zu machen, dass ich diese Ängste nicht mehr brauche, dass sie einfach nicht mehr existieren! Ich probiere also ohne Bewertung an die Dinge heranzugehen, denn nur so werde ich letztendlich wieder frei werden. Ich weiß auch, dass ich noch sehr labil bin, darüber muss man sich im Klaren sein, aber eben genau so gut weiß ich, dass sich mit der Zeit alles normalisieren wird
Gruß dead
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Hi dead end, gut geschrieben, bringst es genau auf den Punkt. So lerne ich es gerade auch in der Therapie, nicht zu bewerten und vor allen Dingen, sich von den negativen Gefühlen zerfleischen lassen. Auch zulassen, daß es wieder aufwärts geht.
@ Hexe, hier nun meine Geschichte vom Umstellen meines Lebens, hat aber nichts mit Süchten zu tun
Ich habe sehr jung geheiratet. Wie ihr ja schon wißt, hatte ich eine sehr schreckliche Kindheit, ich habe somit den 1. Mann genommen, den ich kriegen konnte, um aus diesem Mileu rauszukommen. Wir waren sehr arm und naja Ghetto halt, wie man heute sagt. Vater nur gesoffen und geschlagen. Das ich da heil rausgekommen bin, alle achtung. Bin aber in derselben Hölle gelandet wie meine Kindheit, zwar nicht mehr körperlich mißhandelt, dafür seelisch. Ich hatte aber wo ein kleines bis ga rkein Selbstwertgefühl, daß ich alles mit mir machen lies, was er wollte. Er hat mich auch sexuell ausgenutzt für seine Zwecke. Und er ist immer fremd gegangen, immerzu, ich hab dann immer versucht, es besser zu machen, als die anderen Frauen, mich so zu kleiden, die Frisuren usw. richtig erniedrigend für mich. War auch mal mehrere Wochen im Frauenhaus, weil mein Bett besetzt war zuhause. Und da auch der Suff, schrecklich. Ich traute mich nicht zu gehen. Ich hatte sehr dominante Schwiegereltern, die mir das verboten haben und brav wie ich war, blieb ich. Ich wußte ja nicht wohin,eine Familie hatte ich nicht. Ich wurde mit 24 Jahren psyschich krank, Panikattacken, Angstzustände.Ich war ausgelaugt und denke ich hatte auch ein Burne out. Kinder, haushalt, arbeiten, einkaufen. Mein mann hat nichts gemacht. Nun auch noch krank. Ich bin dann stationär aufgenommen. viertel Jahr Therapie und ich wußte damals schon, ich muss da weg, traute mich nicht. So war ich meist ein dreiviertel Jahr arbeiten und zuhause und ein viertel Jahr immer in der Geschlossenen, ging nichts mehr. Meinem Mannwar das übrigens peinlich. Ich tat nichts mehr, lies alles über mich ergehen. 15 Jahre lang, davon 8 Jahre krank. Und immer soll ich schuld gewesen sein. Die Familie hat es umgedreht, wenn ich nichtkrank wäre, würde meine Ehe besser laufen. Hab ich auch so gedacht und dran geglaubt.
Nach 15 Jahren hatte ich dann die Wahl, entweder ich erhänge mich, hatte ich wirklich vor oder ich trenne mich. Ich rief im Krankenhaus an, ob sie mir da helfen können. Sie nahmen mich auf und die Sozialarbeiterin des Krankenhauses half mir, die Scheidung einzureichen. Meine Kinder habe ich freiwillig abgegeben. Die Mitpatienten halfen mir bei einer Nebelaktion, alsmein Mann auf der Arbeit war, meineSachen zu holen. Möbel bekam ich von überall geschenkt, von Mitpatienten. Das war eine gute Sache. Ich durfte mir einige Patienten mitnehmen, die mir beim Umzug halfen. Das Krankenhaus war spitze. So wurde ich ein Single, was aber nicht hieß jetzt mach ichs richtig. Hängte mich dann an den nächsten Alkoholiker, mein Sohn zog zu uns und es ging wieder alles von vorne los. Also wieder aufhängen wollen. Da rief ich in einem Krankenhaus weit weg an und sienahmen mich auf. Von dort organisierte ich mit einer Mitpatienten den Umzug hier nach Magdeburg. Jetzt fing ich von vorne an, aber so richtig. Die kinder waren zwar nicht bei mir, sie wollten im harz bleiben. Dann wohnte ich ungefähr 1 Jahr lang allein, was voll gut lief und ich lernte dann vor 6 jahren Detlef kennen. Und endlich mal keinen Alkoholiker. Er ist ein Teeliebhaber. Ich wußte nur nicht, was man mit einem normalen Mann macht, ich musste keinen mehr retten wollen. Ich wußte nichts mit mir anzufangen. Ich lebte doch nur für die Alkoholiker meiner Familie. Nun sollte ich glücklich werden? Da kam erst mal ne Panik hoch, aber so nach und nach habe ich es geschafft. Hexe ich hatte nur die Wahl, entweder aufhängen oder mein Leben ändern oder am Leben kaputtgehen. Ich veränderte mein Leben, aber die Ängste sind geblieben. Das bin nun mal ich, ein kleiner Angsthase, den ich aber so langsam ganz gut leiden mag. Ich bin immer noch auf der Suche nach sowas wie einer Mutter. Von diesem Gedanken kann ich mich nicht verabschieden. Nun bin ich oma und denke eine gute. Alles, was ich meiner neuen Familie gebe, hätte ich selbst gern gehabt, aber dieser Traum wird mir nie erfülltwerden. Dieser Zug ist abgefahren. Ich muss im Hier und jetzt leben, nicht in der Vergangenheit. Einmal das Gefühl von einer Mutter in den Arm genommen werden, was würde ich dafür geben.
Entschuldige, daß ich jetzt soviel in Deinem Thema geschrieben habe, aber es sollte wohl jetzt so sein. Hab Dich lieb. Mir ist jetzt so. Hab Euch alle lieb. Ihr seid meine Familie, meine seelische Familie, meine Freunde. -
Hi Hexe,
ich kann Dir ganz genau sagen wann ich damit angefangen habe mein Leben zu verändern. Der Tod meiner Mutter hat das ganze ausgelöst. Dann gings mit kleinen Schritten weiter. Erst die Trennung von meinem Exmann, dann Sorgerrechtsstreit, Arbeitsstelle finden, Unterhalt hinterherrennen usw usw. Als das alles so einigermaßen lief fing ich an mein Suchtproblem näher zu betrachten. Bis ich aber stark genug war wirklich was zu ändern verging noch ne Menge Zeit. Dann lernte ich meinen neuen Partner kennen, da war ich noch süchtig, er wusste es nicht. Nach und nach habe ich Ihm immer ein wenig mehr erzählt...aber das komplette Ausmaß kannte er noch lange nicht. Dann kam mal ein Bericht im TV, über Entzüge in Thailand, in dem Kloster. Wollte ich machen. Hatte mich auch beworben und wurde von der Producentin angerufen. Wäre für die Serie we are family gewesen. Allo kosten von mir und meinem Partner würden übernommen werden. Max eine Std Drehzeit tgl. Jederzeit abbrechbar, auch dann werden Kosten übernommen. Meine Vorraussetzung war das meine Kids komplett raus gehalten werden und mein Freund und ich unkenntlich gemacht werden. Wir machten dann einen Termin aus. Ich sprach mit Oli. Er wollte das unbedingt mit mir tun, hat mir sehr viel bedeutet. Keine Ahnung warum, aber ich beschloss schonmal "anzufangen" runter zu reduzieren. Damit es dann dort nicht so schwer wird. Tja, und Plötzlich war ich sauber. Ging über einige Wochen, ich hatte ständig nur Thailand vor den Augen. Den Termin konnte ich dann absagenfand ich aber nicht so dramatisch. Es ging echt über einen langen Zeitraum, mehrere Wochen...wir sind umgezogen und ich habe alles hinter mir gelassen das mir mal wichtig war. Freunde, teilweise auch Familie, bereue es aber nicht, bin sehr Glücklich wie es ist. Ich weis das ich immer dran bleiben muss, das die Gefahr ständig da ist...das wichtigste für mich war das es wenigstens eine Person gibt (Oli) der ich alles erzählen kann, das hat mir sehr geholfen. Im Grunde denke ich aber das es keinen Sinn macht Umzuziehn, den Job zu wechseln usw. Andere Umgebung, gleiche Sucht. LG, Carmen
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*Staun* also, was ich aus den bisherigen Beiträgen entnehmen kann, wäre in der Reflexion, das trotz Angst, sich jeder auf einem sehr glücklichen Weg in seinem neuen Leben befindet. Carry, bei Dir musst` ich herzhaft lachen, die Geschichte mit Thailand, werde ich so schnell wohl nicht vergessen
:D.
Was mich so wundert ist der radikale Schnitt im Freundes- und Bekanntenkreis, dieses völlig auf sich allein gestellt sein und trotzdem weiter zu gehen, dafür ziehe ich vor Euch echt den HutMuss schwer sein...
Bei Tine finde ich die Unterstützung aus dem Krankenhaus wirklich enorm, so etwas hört man selten.
Dead end hat einen neuen Partner auf dem Weg gefunden, genau wie Carry und Tine.
Und ich habe festgestellt, das alle ihr neues Leben weiter gehen, also nicht stehen geblieben inmitten der neuen Umstände und immer weiter an sich arbeiten.
Hat das etwas mit der persönlichen Einstellung zu tun? Ich kenne einige Menschen die auf ihrem Weg stehen geblieben sind und es wundert mich immer warum sie stehen bleiben und keine neuen Wege ausprobieren. Ob die Angst einen so blockieren kann? Ich stelle mir das ähnlich wie bei meinen Meerschweinchen vor, wenn sie sich erschrecken, fallen sie in eine Angststarre und bewegen sich keinen Zentimeter mehr, solange bis die Gefahr vorbei ist -
Das hört sich alles immer so einfach an beim durchlesen. Aber es gab auch Zeiten von Stillstand, in denen sich gar nichts getan hat. Und ganz ehrlich, ich schätze ohne Oli wär ich soweit auch nicht gekommen.
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Hi Hexe, ich hatte auch viele Zeiten des Stillstands und oft hab ich mich einfach treiben lassen egal, wo es hinführte. Aber ich muss ganz ehrlich gestehen, ohne meinen Deti, meinem 2. Mann, auf den ich mich erst überhaupt nicht einlassen wollte, wäre ich nie soweit gekommen und eben auch durch die Hilfe des Krankenhauses. Ich wurde eben dann in meinem "2. Leben" auch tüchtig in den Hintern getreten, daß ich aus dem Selbtmitleid herauskam. Das Krankenhaus hat mir geholfen, aber auch tüchtig getreten. Manchmal hab ich die gehaßt die Schwestern. Sie haben mir auch mal das Bett ganz hochgestellt, daß ich mich tagsüber nicht hinlegen konnte. Wenn ich mich nicht getraut habe, zu irgendeiner Therapie zu gehen, haben sie mir eine Schwesternschülerin an die Seite gestellt. Ich hatte manchmal solchen Schwindel und mußte trotzdem alles machen. Sie duldeten keinen Stillstand und auch mein jetziger Therapeut nicht. Der verlangt einen Tagesplan jeden Tag und den muss!!!! ich einhalten. Auch ihn hasse ich oft dafür, aber er hat Recht. Stillstehen ist nicht gut und im Selbstmitleid zerfließen und immer wieder sagen, wie schlimm es in der kindheit war, hilft mir nicht. Ich darf und soll darüber traurig sein, aber ich soll mir auch immer bewußt machen, daß es eben so war und daß ich das beste daraus machen kann. Immer wieder in der Vergangenheit leben, bringt einen letzen Endes um. Ist bei mir jedenfalls so.
Angst umgibt mich jeden Tag, aber ich merke auch eine Veränderung in mir. Gerade die letzen Tage. Ich dachte immer, ich kenne keinen Sinn im Leben, aber es ist doch auch ein schöner Sinn, sich um seine Familie zu kümmern, dafür da zu sein, daß mein Mann glücklich ist, daß er mich hat. Es muss nichts weltbewegendes sein. Und daß meine Herkunftsfamilie mich nicht mag, Schwamm drüber, ich habe ein neues Leben und wer nicht in mein neues Leben mitwill, den kann ich auch nicht zwingen, dann habe ich eben keine Eltern, dafür werde ich jetzt um so mehr als Mutter gebraucht. Es sollte alles so sein. Und wenn ich falle, dann habe ich Euch und das macht mich ruhig. -
Hey Hexe, ich denke schon, dass die innere Einstellung ganz maßgeblich an der Entwicklung Anteil nimmt. Bei mir gings auch lange Zeit nicht vorwärts, weil ich wie gesagt der Meinung war, dass es eh keinen Sinn mehr hat, weiterzukämpfen. Durch diese negative Selbstsuggestion blockiert man sich total und dann gehts auch nicht weiter. Ich kann auch jeden Menschen verstehen, der mit seinen Kräften am Ende ist und aufgibt, es ist so schwer in solch einer Lebenslage wieder neuen Mut zu fassen. Ich bin ja selbst teilweise noch recht labil und war auch schon soweit, dass ich mir das Leben nehmen wollte. Ich weiß auch nicht, was mich dann letztendlich davon abgehalten hat aber irgendwann hat sich meine Einstellung geändert, ich wollte wieder Leben! Hab auch jetzt noch oft Tage, an denen ich sehr Depressiv bin aber ich probier mir dann immer vor Augen zu halten, dass auch die schönen Momente wiederkehren und es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Der Körper hat immer einen Grund, warum er sich eine Auszeit gönnt. Man muss nur eben auch offen dafür sein, sein Leben umzugestalten, mehr auf das zu hören, wer man wirklich ist und was man tatsächlich für Bedürfnisse hat. Das ist oft nicht so einfach umzusetzen, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich bin aber ganz fest davon überzeugt, dass es möglich ist. Ich glaube auch, in uns Menschen steckt viel mehr Potenzial als die heutige Schulmedizin auch nur ansatzweise erahnen kann. Ich denke wir müssen nur lernen, wieder mehr auf uns selbst zu hören
Grüße dead :wink:
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Nabend,
interessantes Thema, hat viele Gedanken in mir ausgelöst. Auch ist mir klargeworden, dass endgültiges aufhören zu Kiffen schon auch ein altes Leben ganz neu ist. Vielleicht klarer als mir lieb ist. *g*
Bei mir selbst verändert sich seit ca. 2,5 Jahren eigentlich fast alles. Bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, immer da gewohnt, und hab dann irgendwann nach vielen Jahren Sozialhilfe/AlgII einen Job in einer Großstadt 100km entfernt gefunden. Drei Monate zwischengefahren, dann mit meinem damaligen Freund umgezogen. Ich arbeite da immernoch, mein längster Job bisher, und das erste Mal, dass ich finanziell selbständig überleben kann. Ich denke das hat viele weitere Veränderungen ausgelöst.
Angst in dem Sinn hab ich eigentlich keine, nicht die Angst die einen in Starre fallen lässt, ich kenn das noch von früher. Wie es ausgegangen ist kann ich auch noch nicht sagen, fand dieses Thema aber trotzdem grad interessant.
Marion
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Ich bin morgens an meinem 19 Geburtstag aufgewacht.. und das wars.. ja das wars.. hab ich mir gedacht.. ich bin aufgestanden und habe meine spritzutensilien entsorgt, das letzte gramm dope im klo heruntergespült und auch die kapsel morphium habe ich vernichtet aber jetzt wo ich überlege erst nach 3-4 tagen.. hatte grad noch soviel für einen schuß und den wollte ich zur sicherheit behalten in einem metalldöschen hab ich das aufgehoben. an meinem geburtstag gabs keine gratulation und keine geschenke.. es hatte mich jeder vergessen, weil alle dachten ich würde doch sowieso wieder in der klinik liegen.. war ja erst 2 wochen nach meiner schweren überdosis und ich wieder dabei am knallen.
an viel kann ich mich nicht erinnern. ich saß am balkon und hab eine geraucht und es hat schon geflimmert weil es so heiß war.. war schon zu mittag.. ich bin ins zimmer und habe aufgeräumt und dann hab ich mich 1 woche darin eingeschlossen und habe den teufel persönlich besucht. ein bisschen abgemildert hab ichs dann doch und mich mit meiner Substitution hochsetzen lassen.. was ein kluger zug war..
als ich die klospülung betätigt hab, hab ich meine vergangenheit mit eingebettet und meine zu dem zeitpunkt fast 5 jahre andauernde Sucht.
wenn du mich heute fragst, wieso warum es müssen dir ja 1000 gedanken durch den kopf geschossen sein.. nein ich war so leer davon.. heute habe ich 1000 gedanken nicht in den ersten monaten..
die ersten monaten waren dennoch ein graus.. ich war noch nie soviel krank, bin noch nie soviel über nem klo gehängt.. im nachhinein kann ich sagen es hat gut ein dreiviertel jahr gedauert mit ständigen migräne und schwäche anfällen bis der körper wieder angefangen hat ein bisschen aufzuleben. ich hab das erste halbe jahr im grunde schlafend verbracht.. weil ich ständig gleich müde war..
ich habe mich schon distanziert von den leuten.. ganz von den dealern und ganz von den leuten die mich verführt hätten - sie probieren es bis heute. aber einen völligen kontaktabbruch in die szene, hat sich bei mir erst vor wenigen monaten vollzogen.. und ich werde dieses jahr 21.. obwohl es bei mir schon so eng war und jeder davon ausging ich würde sterben und ja im grunde hatte ich nichts zu verlieren habe ich aber sehr sehr viel aufgegeben und das sehe ich auch heute so.. ich hab nie eine andere welt gekannt durch meinen baldigen einstieg.. und ich war so sehr oft einsam und es hat mich zurück gezogen.. am anfang wurde ich von den meisten nur mit einem lächeln quittiert.. ja sie versucht mal wieder.. heute lächeln nur mehr die wenigsten.. aber mit der zeit in der ich immer klarer wurde bewegte ich mich von den anderen immer weiter weg und das war für mich lange oft unerträglich.. die immer wiederkehrende einsamkeit, hat mich immer wieder zu den leuten getrieben.. nur um dann zu merken, das ich so nicht mehr sein möchte und ich entdecke auch heute noch immer mehr was für eine illusion, diese welt ist und bis heute schrecke ich mich darüber.
ich muss heute sagen, das schwerste für mich war tatsächlich die distanz zu den leuten finden und andere strategien entwickeln wenn ich mich ärgere, frustriert bin und traurig.. ich hatte anfangs oft suchtdruck das ich manchmal wirklich gedanken hatte mich umzubringen.
ich bin aus meiner stadt nicht weggezogen.. bei mir bliebe das auch gleich.. da ich überall in österreich war und dort und hier gewohnt habe ist mir gerade die wiener oder linzer szene so wie auch vorarlberg und die angrenzende schweiz sehr bekannt.. also ein wirkliches "flüchten" wäre nicht drinn gewesen.. und ich finde es gut so.. in einem jahr werde ich meiner stadt den rücken kehren, sie ist einfach zu sehr ein dorf.. aber um aufzuhören woanders hinzuziehen das wäre bei mir ein solch sinnloser akt gewesen.. weil man überall an abhängige und gift kommt, wenn man will und vorallem ich bin durch meine strassenerfahrung sehr erfinderisch.ich benötige nicht einen cent geld und komme trotzdem an das was ich will.. deswegen ist es bei mir sinnlos mir mein geld wegzunehmen.. wenn ich will, dann finde ich immer einen weg..
ich will aber nicht und das ist der große unterschied zu früher..
bereut habe ich es nie.. nein bis heute nicht. aber es gab auch tage an denen ich mit meinem "neuen" leben sehr unglücklich war.. ich hatte manchmal wirklich zweifel ich würde den falschen weg gehen und ich seit einfach dafür gemacht süchtig zu sein und einen frühen tod zu sterben..
heute bin ich auch manchmal unglücklich aber diese zweifel habe ich nicht mehr..
was mir am meisten geholfen hat in der zeit war.. das kein tamtam gemacht wurde.. ja auch kein positiver.. es gab ab und zu ein lob und manche haben sich sehr gefreut, sich aber mit ihrer freude immer zurück gehalten - wie sie es auch heute tun.. von meinem arzt z.b hab ich 1 mal gehört du schaust echt gut aus und es ist schön.. dass er wirklich stolz ist hat er nie ausgedrückt.. aber ich kann es sehen, wie sehr er strahlt und seine begeisterung vorallem in den dingen die ich heute tue ausdrückt.. auch an seiner anteilnahme an meinem leben, weiß ich, dass es für ihn das größte geschenk ist.. was ihm leider nicht viele patienten machen können..
ich bin mir sicher mir ist das auch heute so hilfreich weil je überschwänglicher man gelobt wird umso mehr wird es mir z.b unangenehm und ich merke einen druck auf meinen schultern lassten, es jaa zu schaffen.
so tue ich es nur für mich.. manchmal hätt ich schon gern mehr lob aber was mir heute am meisten hilft.. sind die menschen.. die mich einfach normal behandeln.. wie jeden anderen menschen.. mit respekt und auf gleicher höhe und nicht mit diskrimminierung oder mitleid.. auch mitleid habe ich so viel bekommen für meine bisherige lebensgeschichte und gerade mitleid das war mein gift, wenn ich es heute betrachte.
ich bin so glücklich wenn ich einfach sein kann wie ich bin.. wenn mich meine mitmenschen als vollwertigen menschen ansehen, dem man seine meinung sagen kann, denn man auch verantwortung übergeben kann ohne zu denken, oh ich muss aufpassen.. sie ist schwach..
LG future -
Ich bin auf das Thema gekommen, weil wir uns gemeinsam entschieden haben doch sehr weit wegzuziehen. Freu`mich da echt sehr drauf, aber all`meine Freunde und Bekannte fragen mich jetzt, muss es wirklich so weit weg sein...ich finde das eigentlich weniger schlimm, 4 Stunden Autofahrt entfernt...eigentlich halte ich das für uns sogar sehr wichtig
Freunde und Bekannte sind da wesentlich Risiko unfreundlicher...
Liegt es wohl an der Sicherheit des "Alten Lebens" an der "Gewohnheit"?
Klar ist einem mulmig ein neues Leben zu beginnen...aber warum eigentlich? -
Schätze, das liegt daran, dass wir Menschen wohl generell ein Sicherheitsbedürfnis haben, und das schließt wohl Gewohnheit mit ein - gewohntes Umfeld und gewohnter Umgang etc. - Ein Umzug und damit der Start in so viel Neues verunsichert halt einfach, man weiß nicht, was auf einen zukommt sondern nur, dass nichts Gewohntes mehr da sein wird. Und daher kommt vermutlich das Unbehagen, was wir da empfinden.
Aber hey, Veränderungen dieser Art können sich ja auch positiv auswirken! Und wenn ihr das Gefühl habt, dass Umzug etc. richtig für euch sind, dann bleibt dran und setzt das um! Das Unbehagen bleibt vielleicht - ich denke nicht, dass man das abstellen kann; das gehört bestimmt irgendwie einfach dazu - , aber ihr werdet dann schon sehen, dass es sich nicht bewahrheitet
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Ja Fibra, so ist auch mein Denken, aber die Begeisterung im Bekanntenkreis hält sich da echt in Grenzen...ich kann dem eigentlich auch nichts Schlechtes abgewinnen, ausser das ich eben lange Auto fahren muss, aber mein Gott, wenn`s mir da nicht gefällt, zurück kann ich doch immer
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Ja gut, euer Freundeskreis is' sicher auch traurig etc.
Aber mal ehrlich: Da müssen sie halt durch!
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