Weil ich doch eigentlich gar kein Recht habe...

  • ...traurig zu sein.
    Ich mein, klar geht nicht immer alles nach Plan, klar sind meine Eltern seit knapp einem Jahr geschieden, meine Mum hat depressive Anfälle und mein Dad fragt meinen Bruder und mich immer über sie und ihren neuen Freund aus. Habe ich eben Monate damit verbracht, Mum zu trösten, wenn mal wieder etwas nicht nach Plan gelaufen ist, oder sie einfach nur traurig war und meinte, sie läge in Scherben. Aber das gibt mir noch lange nicht das Recht, selbst traurig zu sein, zumal ich bei diesem Trösten ja zumindest gegen Ende hin einfach nur... nichts mehr gespürt habe...
    Wenn ich so lese, was anderen passiert ist, kommt mir eben immer wieder der Gedanke, dass ich mich nicht so fühlen sollte, so... hoffnungslos irgendwie. Dass ich lächerlich bin, weil ich mich wegen solchen Lappalien selbst verletze, weil ich auch gar nicht damit aufhören will.
    Weil es eigentlich nur diese Antriebslosigkeit, diese Müdigkeit ist, die ich loswerden möchte.
    Und dann denke ich, dass ich mir das ganze vielleicht nur einbilde, dass ich mir nur selbst in der Rolle eines traurigen Menschen gefalle und mir deshalb einrede, dass ich nicht okay bin.
    Ich hab doch keine Ahnung, was eigentlich mit mir los ist...
    Sorry, wollte das nur loswerden.

    LG
    Neverland

  • Hi Neverkland, warum solltest du nicht traurig sein bei dem was da bei Euch abgeht. Eine Familie ist zerbrochen. Die Mutter ist traurig, du willst sie trösten, dein Vater fragt dich ständig aus über den neuen Mann. Das finde ich beim Lesen schon traurig. Als ich mich vor 10 Jahren scheiden ließ, hab ich meine Kinder auch ständig ausgefragt, was bei Papa so los ist, ob man noch über mich redet und so. Es hat mich in diesem Wahn auch niemand gestoppt. Meine Kinder sind auch traurig gewesen, sogar manchmal richtig aggressiv. Meine Tochter kommt seit dem gar nicht mehr zu mir. Ich habe sie vor 10 Jahren das letzte Mal gesehen, da war sie 11. Ich habe gar nicht mitbekommen, daß sie erwachsen geworden ist. Wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es vielleicht tun und eine Eheberatung zu rate ziehen, bevor ich geh.
    Meine andere Tochter hat sich gerade getrennt. Sie hat einen Sohn von 3 Jahren. Der ist auch sehr traurig, daß sein Papa abends nicht wie gewohnt da ist und nach ihm schaut. Er weint dann auch immer.
    Hast du denn auch jemanden, mit dem Du Dich mal so richtig aussprechen kannst, bei dem du dich fallen lassen kannst und mal so richtig ablästern kannst, wie kacke du das findest, daß sie geschieden sind. Du sagst du spürst nichts beim Trösten, sowas kenn ich. Du schützt dich selber, damit es dir nicht auch noch weh tut. Du denkst, du musst stark sein, musst du nicht. Du musst vor allen Dingen um Dein Seelenheil kämpfen und brauchst selbst mal Trost. Wir Eltern, ich meine damit jetzt nicht alle, sondern mich, neigen dazu, die Kinder auch ein wenig zu mißbrauchen, um etwas von dem anderen zu erfahren, heulen uns bei den Kindern aus, wo es gar nicht hin gehört. Ich würde nicht wieder diesen Fehler machen, auch nicht das Gezerre um die Kinder. Sei ruhig traurig, es gibt einiges zu bedauern, wenn eine Familie zerbricht. Und fühle Dich bitte nicht dafür verantwortlich, daß es Deiner Mum gut geht. Sie ist selbst dafür verantwortlich.

  • Hallo Neverland,

    nach Ursachen zu suchen, gedanklich miteinander zu vergleichen ist nicht gut, denn es nimmt dir deine Gefühle, den Blick zu dir selbst, bis es auseinander bricht. Nichts ist mit irgendwas vergleichbar. Jeder empfindet anders, jede Handlung, jede Erkrankung, jede Heilung ist immer unterschiedlich. Wichtig ist das du nun siehst dir geht es nicht gut und du dir einen Raum gesucht hast es rauszulassen.

    Mich macht sowas auch sehr traurig. Klar willst oder wolltest du für deine Mama da sein und stark sein für sie, aber nicht nur sie ist es, die da über deine Grenzen geht/gegangen ist, sondern du selbst auch. Genauso aber auch dein Vater. Auch wenn ihnen das leider gar nicht so sehr bewußt sein wird, dazu scheinen sie noch viel zu sehr mit sich beschäftigt zu sein.

    Frag dich nicht ob du das Recht hast dich schlecht zu fühlen, denn das ist wirklich absolut unwichtig. Dir geht es damit nicht gut und nur das ist es was nun wichtig sein muss.
    Schau wie du es wieder ändern kannst.
    Das SVV keine Lösung ist und es dir nicht auf Dauer das geben kann, auch wenn du es zur Zeit gar nicht anders kannst/willst , denk ich zeigt das du es benennst und hier auch schreiben kannst.

    Hast du deiner Mutter oder auch deinem Vater mal versucht zu sagen wie es dir damit ergeht, das es dich tief traurig macht?
    Nicht nur sie haben eine nahestehenden Menschen an deren Seite stückweit verloren, sondern auch du und dein Bruder. Auch ihr selbst müsst erst einmal Zeit bekommen damit leben zu lernen. Im Gegensatz zu ihnen hattet ihr da aber kein Entscheidungsrecht.

    Die Traurigkeit denk ich solltest du auch zulassen und vor allem dir auch das zugestehen.
    Ich denk mir das du dich da auch oft sehr hin und hergerissen fühlen musst. Immer versucht für keinen Stellung zu beziehen. Das strengt an und eine dauerhafte Überforderung tut dir sichtlich nicht gut.

    Vielleicht suchst du das Gespräch mal mit deinen Eltern. Ziehst klare Grenzen indem du offen machst in welche Rollen (Spion u Tröster ) sie dich da unbewußt hineinformen ...und wie schlecht es auch dir damit ergeht. Es hilft keinen deiner Elternteile, wenn du für sie da bist aber auch daran zerbrichst.

    Vielleicht magst ja noch ein wenig mehr erzählen. Wie schauts mit deinem Bruder aus? Kommt er damit klar? Hast du in ihm vielleicht eine kleine Stütze?

  • Hey Neverland,
    als meine "Leidensgeschichte" inklusive SVV und Despression vor über einem Jahr anfing, dachte ich wie ich. Zwar waren es andere Umstände bei mir, aber ich dachte auch, dass ich nicht das Recht hätte, "traurig" zu sein. Aber mal ehrlich, ist das denn nur traurig sein? Ich glaube, dass da mehr dahinter steckt. Du schreibst von Antriebs- und Hoffnungslosigkeit. Und du postest es im Forum "Depressionen"... Da steckt sicher mehr dahinter!?
    Nun, ich habe damals lange gezögert, Hilfe anzunehmen, und selbst als ich welche hatte, habe ich sie nicht so genutzt, wie es möglich gewesen wäre, weil ich der Meinung war, dass es anderen viel schlechter geht und ich deswegen eine Blockade gegen eine Therapie aufgebaut habe.
    Letztendlich wurde meine Situation immer schlimmer, bis alles um mich zerbrach: Freundschaften, Studium etc. Ich möchte dir damit keine Angst machen, sondern eigentlich wollte ich dir nur raten, dir Hilfe zu holen, wenn es dir zu viel wird.

    Ich wünsche dir viel Glück

  • Jeder Mensch darf traurig sein, es liegt an einem selbst, ob man sich das selbst erlaubt. Vergleiche mit anderen Menschen, das bringt dir persönlich nichts, außer dass es dich noch mehr runterzieht und du dich schämst. Das ist echt schwierig.

    Eine Scheidung ist für ein Kind etwas furchtbares, es zerreißt einem das Herz und du darfst trauern, ja es ist sogar unerlässlich für DEIN Leben, dass du trauerst, dass du verstehst und verarbeitest, was momentan dein Leben so bedrückt.

    Ich wünsche dir viel Kraft

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