Wenn sich Kinder umbringen

  • Nun ich weiß nicht wohin damit, mal ins Offtopic pack, kann gerne verschoben werden ....


    vor 4 Stunden haben wir erfahren, dass sich die Tochter meiner Freundin, beste Freundin meiner Tochter vor den Zug geworfen hat ... sie war wohl sofort tot, hatte alle Papiere bei sich, die Nachricht kam schnell bei meiner Freundin an .... erstmal nüchtern darüber gesprochen, ich bin dann sofort zu ihr .... und habe ihre Mutter angerufen... einfach überfordert war.

    Geht mit selber so nah.... meine Große war mit dabei, den Zwerg meiner Freundin auffangen, selber nicht untergehen, um dann zu flüchten, als ihre Mutter eintraf ....

    Meine Tochter hat dann die Freundinnen angerufen, informiert, alle sind zusammen in die Kirche Lichter anzünden, und beten ...
    ....ich kann sowas nicht, muss ja auch zu meinen Zwergen, die zu dem Zeitpunkt zum Glück, bei Freunden waren....
    ....zusammenreißen, Essen machen, die Kleinen ins Bett bringen....
    ....um dann selber zusammen zu brechen.

    Was ist das für eine Zeit, in der Kinder sich umbringen?

    Augenscheinlich hatte sie alles was man sich vom Leben wünschen kann ... fast zumindest .... Vater weg, eine Mutter die viel arbeitet, aber sie war viel hier, meine, und sie hatten ein enges Verhältnis.

    Gut, die letzten Monate war ich weit weg, keinen Plan mehr, meine Große äußerte öfters mal Sorgen, sie trinkt Alk, nimmt Drogen, viel mit Jungens unterwegs.... ihr Verhältnis hat sich abgekühlt.
    Ich hab immer abgewiegelt ... sei normal für das Alter ... Druck in der Schule usw.
    ...vor meiner Krise hab ich mich des öfteren bemüht, Gespräche gesucht, aber nicht wirklich etwas Besorgniserregendes gefunden, hab auch mit meiner Freundin gesprochen, nein sie sieht keine Probleme, schulische Einbrüche, nun ja Pupertät sie ist grad in einer Nullbockstimmung ....

    .... und nun gibt es sie nimmer :frowning_face:

    Können wir das erkennen, egal, wie professionell wir meinen, das wir sind ... egal, wie empatisch und aufgeschlossen?

    Bin ich alleine oder kennen da draußen mehr solche Erfahrungen, und wie kann man damit weiter leben?

    Weiter leben, mit der Angst, das mein Kind als nächstes so eine Affekthandlung ausführt?

    Keinen Bock auf Schule, eine Alternativen für das Leben ....

    ..... ich weiß es nicht :frowning_face:

  • Oh Mist.

    Das tut mir wahnsinnig leid für dich und alle Beteiligten.

    Ich kenne ein Forum, das wirklich gut ist und speziell für solche Fälle da ist, sowohl für Betroffene, Überlebende als auch für Angehörige. Wenn du daran interessiert bist, schick doch ne PN. Ich weiß nicht, ob ich hier nen Link reinsetzen darf.

    Leider sind in der Pupertät und dann wieder so ab 60 / 70 die statistisch höchsten Suizidquoten zu finden. Und erkennen kann das im Vorfeld oft der beste Freund oder die Eltern oder Bruder oder Therapeut NICHT.

    Ob es wirklich eine Affekthandlung war, ist nicht sicher. Existiert ein Abschiedsbrief?

    Ich denke, es ist ganz wichtig, dass jetzt alle, die sie kannten ganz eng zusammen rücken und für einander da sind.
    Pass auf ihre Mutter auf!

    *großes Kraftpaket schick*

    LG
    bender

  • Hey Julchen,

    ich würde dich gerne in den Arm nehmen und trösten. Ich bin schockiert, selbst mir geht diese Sache nah.

    Du solltest dir auf keinen Fall Schuld zuweisen. Gerade in der Pubertät ist es schwer zu unterscheiden, wie schlecht es jemandem wirklich geht. Und du hast auch dein Möglichstes für sie getan, das, was für dich selber auch möglich war.

    Ich stimme Bender zu: Ihr Hinterbliebenen solltet nun alle füreinander da sein.

    Mein Beileid,
    FaceLess

  • Weißt du, erkennen oder merken kann man das nur sehr selten. Bei mir hätte es damals auch niemand gemerkt. Mein Glück war einfach, dass ich einen Rückzieher gemacht habe, weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, dass ich damit das Leben meiner Familie und Freunde zerstöre.
    Es ist schwer, zu begreifen, warum sich jemand das Leben nimmt und was in so einem Menschen vor geht. Davon sprechen, es planen, ja, das sind andere Dinge, als sich vor einen Zug zu werfen. Da ist's endgültig, anders als bei Tabletten, etc. Manchmal ist's eine Kurzschlussreaktion, manchmal schon länger geplant.

    Die Gewissheit, dass sich ein geliebter Mensch niemals etwas antun wird, haben wir alle nicht. Das ist Teil des Lebens. Aber du kannst einen Teil dazu beitragen, dass deine Tochter sich sicher fühlt. Sei für sie da, hör ihr zu und nimm sie ernst. Das ist das wichtigste. Hilf ihr darüber hinweg zu kommen und such ihr Hilfe, auch wenn sie sie vielleicht im Moment nicht möchte. Sie wird damit nicht alleine fertig werden und irgendwann jemanden brauchen, der sie auffängt, wenn das eigentliche Begreifen kommt.

    Es gibt speziell für solche Geschehnisse Selbsthilfegruppen und Seelsorger. Für Eltern gibt es den Verein verweister Eltern, die mit Rat und Unterstützung helfen.

    Such nicht die Schuld bei dir oder frage dich, was du hättest anders machen können, Julchen. Du hättest nichts anders machen können, so schwer es ist. Indem du jetzt da bist, tröstest, zuhörst und einfach im Arm hälst, gibst du mehr.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft, dass du die Zeit durchstehst und dich dabei trotzdem nicht vergisst.

  • Oh Julchen mist deine Nachricht hat mich eben sehr dolle berührt als ich das las. Das tut mir unsagbar leid für alle beteiligten. Was muß die arme Mutter jetzt durchleiden,ich darf gar nicht daran denken. Zumal ich auch einen Sohn von 26 Jahren habe um den ich mich ständig Sorge,da auch er ein sehr labiler und in sich gekehrter und grübelnder Mensch ist. Und schon oft in gesprächen geäußert hat ,das er sich manchmal fragt wozu man überhaupt auf dieser Welt ist. Ich habe auch manchmal solche Angst und hoffe und bete zu Gott das er stark bleibt und irgendwann mal ein zufriedenes und erfülltes Leben leben kann. Auch schicke dir und allen Beteiligten ein ganz großes Kraftpaket und mein allerherzlichstes Beileid. L.g.Hexy

  • Du kannst nicht hellsehen, Julchen, und wenn die Kids nichts oder eben zu wenig nach außen tragen, können wir sowas nicht bemerken!
    Natürlich ist es traurig und ich glaube grad in der Pubertät ist es noch schwerer das hoffnungsvolle Denken nicht zu verlieren. Das können wir ja selbst als Erwachsene manchmal nicht beibehalten.

    Wir können unseren Kindern nur versuchen zu vermitteln, dass wir immer für sie da sind und dass es für alle Probleme immer eine Lösung gibt!
    Ich hoffe, du kannst in den nächsten Tagen gemeinsam mit deiner Tochter und deiner Freundin trauern - vielleicht könnt ihr euch gegenseitig ein wenig Trost, Kraft und halt spenden! Auch wenn es natürlich für deine Freundin ungleich schwerer ist als für dich und deine Tochter. Schau aber auch auf dich, was du aushalten kannst!
    Nebenbei muss der Alltag noch irgendwie weiterlaufen - Aber vielleicht gönnst du ihr bzw. euch da morgen erstmal eine kurze Auszeit?
    Und vielleicht macht ihr direkt einen Termin in der Heckscher für deine Tochter? Sie wird dich und ihre Geschwister und Freunde brauchen - aber vielleicht tut ihr ein solcher Termin auch gut, gerade weil er außerhalb des engeren Umfelds ist.

  • Hi Julchen,

    ich denke vieles wurde gestern im Chat schon gesagt. Es ist glaube ich nur bedingt möglich, sowas überhaupt in Worte zu fassen. Ähnliche Erfahrungen ... ja das hätte ich, wobei ich zu den entsprechenden Personen keine so enge Bindung hatte wie du. Aber an einem einfach so vorüber gehen ... das tut es glaub nie und zumindest bei mir hat es auch meine persönliche Sicht auf's Leben geprägt. Aber ich mag das jetzt nicht mit deiner Situation vergleichen - ihr kanntet euch ja viel besser und dann noch dieses junge Alter ... macht es erst recht unverständlich.

    Klar fragt man sich, hat man etwas falsch gemacht? Hätte man es verhindern können? Ich glaube diese sind ganz schwer auszuhalten, weil es kaum eine Antwort darauf gibt. Aber schau, du hast die Gespräche gesucht und hast dir Gedanken gemacht - dass es nun so kommt ... wer soll das denn vorhersehen können?! Du weißt ja nicht mal, ob es was über längere Zeit geplantes war oder möglicherweise eine Kurzschlussreaktion in einem ganz bestimmten Moment, der sonst in 999 von 1000 Fällen "gut geht". Auch weißt du ja gar nicht, was sonst für äußere Einflüsse dazu geführt haben ... und als Kind erzählt man doch lange noch nicht alles seinen Eltern / Freunden / Vertrauenspersonen. So traurig es klingt, aber manchmal lassen sich solche Dinge nicht verhindern ... man kann seine Kinder ja nicht zuhause einsperren und so viele äußere Faktoren und Erfahrungen beeinflussen ihre Denkweise ... ach du, versuch das irgendwie in Worte zu packen aber weiß genau, dass da sicherlich nie was tröstendes dabei sein kann.

    Wie man damit umgeht? So doof es klingen mag, das wird die Zeit mit sich bringen. Der unglaubliche Schock und die große Trauer ... auch sie werden mit der Zeit vorrüber gehen und das Leben geht weiter, auch für dich und deine Tochter. Seid füreinander da, denn ich denke gerade jetzt braucht ihr euch gegenseitig. Sprecht darüber und verarbeitet es gemeinsam, auch wenn es Zeit brauchen wird. Versuch dir keine Schuld daran zu geben, denn manches liegt einfach nicht in unserer Hand ... und wir alle sind nur Menschen.

    Und nun drück ich dich mal (ja, ich weiß ... mach ich ich letzter Zeit oft *g*). :55:
    Ich wünsche dir und deiner Tochter ganz viel Kraft!

  • Ich dank euch, meine Große wollte heute in die Schule, danach Mädchennachmittag im Treff ... ich war heute Vormittag bei meiner Freundin, ihre Kleine ist nun bei ihrer Mutter, erstmal von Schule befreit, sie selber in der Klinik, ging schnell, auf Krise ....

    Heute Abend hatten meine Große und ich ein langes Gespräch, sie nimmt es so vernünftig auf, fast schon erwachsener als ich .... sie denkt ihre Freundin sei sicherlich nicht bei sich gewesen, sonst hätte sie das niemals getan.... weißt du Mama ein Grund mehr keinen Alkohol zu trinken, oder Drogen zu nehmen, alle die das tun, kommen voll schräg drauf.

    Ich danke euch für die Unterstützung, ja fibs Alltag muss weiter gehen, und ich schaue meine Kinder an, und bin ganz egoistisch froh, dass es nicht meine Familie betroffen hat.

    Ein weiterer Einschnitt im Leben, so ist das mal...

    bis denne Julchen

  • *schluck* :20:

    also in meiner Kindheit und auch später dann, haben sich viele Freunde von mir umgebracht, oder Freunde von meinem älteren Cousin ....oder sind nicht selbstgewählt gestorben, sondern durch Unfälle.
    Und gemerkt haben es nicht mal die engsten Freunde oder die Familie, was da ist und überhaupt DAS da was ist. Ein heikles Thema, da es eine Zeit sein zu scheint, in der das Thema präsenter denn je ist, obwohl es ebenso eine Zeit ist, die wohl eine schöne sein dürfte, in der den Kindern an nichts fehlt. Dennoch spielen so viele Kinder bereits in jungen Jahren mit diesem Gedanken und viele haben schon früh ihren ersten Suizidversuch hinter sich und weitere folgen. Ich denke einfach, dass der Grund jener ist, dass es derzeit eine hohe Erwartungshaltung an die Jugendlichen gibt. Höher, schneller, weiter. Zum einen in der Familie, durch mögliche Probleme dort, ist hier der 1. Krisenherd, dann Schule oder Ausbildung (-ssuche) der Druck ist enorm, Zukunftsängste, Erwartungshaltung, großer Stress und starke Belastbarkeit, kaum noch Freiraum für individuelle Bedürfnisse. Auch haben Jugendliche kaum noch dauerhafte Bezugspartner, Wo sind die Eltern? das frag ich mich so oft, wenn ich mit "unseren" JUgendlichen spreche, ein jugendlicher sagte einmal in einer Einzeltheapie zu mir: "Wissen sie, ich bin lieber hier, hier meckerte keiner, hier schreit keiner, hier hab ich regelmäßig essen und bin weg von Drogen und falschen Freunden, die mir noch Alk. einflößen" Da hab ich auch geschluckt.
    Wie geht man damit um? Wie jetzt schon oft geschrieben wurde, mach DIR keine Vorwürfe, suche immer wieder den Dialog mit deiner Tochter, und mit dir selbst und dann kann ich mich nur meinem Vorrednern anschließen: die Zeit wird den Rest zeigen.
    Ich wünsche euch viel Kraft:55:

    glg SK

  • Ich danke dir ... ja es hat mich tatsächlich wieder näher an meine Große gebracht, hat unser Verhältnis verändert.

    ICh bin froh, so insgesamt hab ich wohl vieles richtig gemacht, weil Nöte und Ängste können wir zusamme gut besprechen

    LG Julchen

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