Pornosucht

  • hallo zusammen. ich bin neu hier aber mein problem ist uralt, genauer gesagt 30 jahre alt, denn seit 30jahren konumiere ich mehr oder weniger regelmäsig pornografie.
    angefangen hat es mit bilder, später kamen die videos, dann dvds und nun das internet. alle versuche, keine pornos zu konsumieren scheitern. nun bin ich in einer klinik wegen Depressionen und was mache ich: ich schaue pornos an. wer kennt verhaltensweisen, die etwas erfolgreichsversprechend sind, den ich will raus aus dieser Sucht.
    noch kurz zu mir: ich bin verheiratet mit einer sexuell normal aktiven ehefrau, die ich liebe. sie kennt mein problem und setzt kein druck auf. vor zwei jahren hatte ich eine fremdbeziehung, welche unsere ehe sehr belastete, doch auch dies haben wir wieder mit zig gesprächen hingekriegt. im alter zwischen 13 und 15 jahren wurde ich von einem onkel sexuell missbraucht, ich vermute, dass daher mein starkes interesse am sexuellen entstand. in der klinik, in der ich mich zurzeit befinde fällt es mir schwer über dieses schambesetzte thema zu sprechen, obwohl ich weiss, dass darin eine chance besteht. beruflich hab ich eine leitende funktion in einer grossen sozialen institution.
    in der klinik, in der ich mich zurzeit befinde fällt es mir schwer über dieses schambesetzte thema zu sprechen, obwohl ich weiss, dass darin eine chance besteht.

  • Hallo Timeout,
    ich habe deinen Bericht mit Spannung gelesen und mir tun sich jetzt einige Fragen auf...
    Du schreibst, deine Partnerin übt keinen Druck auf Dich aus, leider geht aus deinem Bericht nicht hervor, wer unter deinem Konsum leidet, Du oder deine Ehefrau? Was fasziniert diech an Pornos und was stört Dich?
    Du sagst, du befindest Dich zur Zeit in Behandlung einer Klinik wegen deinen Depressionen, wie kam es dazu?
    Wenn deine Frau dein pornographischer Konsum stört, dich aber weniger, wird es schwierig etwas daran zu ändern, denn in erster Linie zählt ja dein Wille. Bist Du aber der jenige den es stört, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Du kannst zum Beispiel mit deinem Hausarzt sprechen, der Dir bei der Vermittlung zu einem guten Therapeuten helfen kann.
    Aber man müsste erst einmal mehr über deinen Konsum erfahren. Schaust Du dir die Filme nur an, oder bist Du dabei auch sexuell aktiv? Wie sieht es in deinem sexuellen Privatleben aus, auch wenn deine Partnerin sexuell "normal" aktiv ist, heisst es ja nicht, das dieser Sex deiner sexuellen neigung entspricht.
    Es wäre schön, wenn du noch ein wenig mehr Preis gibst.
    Viele Grüsse,
    Hexelakritze.

  • hallo hexelakritze, vielen dank für deine fragen und die antwort. ich leide sehr darunter, dass ich pornos anschaue. postwendend folgt jedesmal ein schlechtes gewissen, auch denke ich, dass ich durch den konsum mithelfe, dass pornos entstehen und die wenigsten tun dies wirklich freiwillig. meine frau hat keine freude daran, da ich die pornos nur heimlich anschaue. in erster linie stört sie sich daran, dass ich es jedesmal abstreite und leuge. die wünscht sich vor allem eins: ehrlichkeit in der Partnerschaft.
    was fasziniert mich an pornos? ich denke es ist vieles: schöne körper, aufreizende darstellungen, eine sureale welt. zudem benötige ich pornos bei: langweile, stress, ärger, belohnung. die sexuellen aktivitäten mit meiner frau entsprechen meinen neigungen. das gefühl sexuelle aktiv zu sein mit der frau, die ich liebe ist meist wunderschön. danach bleibt keine leere, kein loch. ich habe schon mehrmals mit meiner therapeutin darüber gesprochen. sie wie auch andere personen meinen, ich soll es doch geniessen und es legitimieren, doch dieser weg scheint für mich chancenlos. in der freudschensprache gesprochen ist es ein kampf zwischen dem überich und dem es und keiner gibt nach. noch zu deiner letzten frage: oft schaue ich mir die bilder an, ohne sexuell aktiv zu sein, früher war ich jedesmal sexuell aktiv. ich denke, hier kommt mir mein alter (52) entgegen. das einzige, was ich mich etwas beruhigt ist, dass ich trotz 30 jahren pornoerfahrung nie nach ilegalen bilder oder filmen suchte, die bei Sucht sonst bekannte dosissteigerung hält sich in grenzen.

  • Servus timeout,

    warum bist du im Moment eigentlich in einer Klinik?

    Nicht jede 'Sucht oder 'Abhängigkeit braucht eine Dosissteigerung zwingend, auch wenn sich da oft vieles messen lässt.
    Das abstreiten is schon eher ein Indiz, welches eine 'Sucht bestätigt, aber warum ist das so?

    Natürlich reicht dein ungutes Gefühl da nach, dieses Sache in der Griff bringen zu wollen, aber 'Sucht hat meist irgendwelche schädlichen Auswirkungen - die sehe ich bei dir noch nicht so Recht.

    Ich würde es also genauso vorschlagen, so wie es ja bereits getan wurde, dass du vielleicht einen Weg suchen solltest, welcher dir und deiner Partnerin entgegen kommt.
    Solange du da für dich allein beanspruchst, da kann deine Frau auch keine Freude empfinden - schon mal mit anderen Filmen probiert, also was softem, welches deiner Frau eher gefallen könnte?
    Warum chancenlos?

    Vermutlich hat es schon mit deinen früheren Erlebnissen zu tun, warum machst du eigentlich Therapie? Was für eine Therapieform wird da praktiziert?

    Natürlich kann ich verstehen, dass man in einer realen Gruppe schwer drüber reden kann, aber dieser Schritt wäre sicher sehr wichtig, weil dann nimmst den Druck vielleicht selbst raus. Letztlich gehts ja ums heimliche, versteckte, geheime Erlebnis - aber das wird ja auch deine Therapeutin so ähnlich von sich geben :winking_face:

    Was mich bisserl überrascht hat, deine Gründ, also langweile, stress, ärger, belohnung.
    Belohnung und Langeweile, ok, Stress und Ärger?
    Aber wie auch bei allen anderen Süchten, da muss man nach Alternativen suchen, also als erstes fällt mir da Sport ein. Machst du was in der Hinsicht?
    Hobbys, Freizeitgestaltung, kannst du da noch bisserl was erzählen, vielleicht grad auch Gemeinsamkeiten mit deiner Frau?

    Aber du hast hier nun ja doch sehr offen geschrieben, zwar anonym, aber trotzdem braucht es da Überwindung. Also schon mal ein wahnsinniger Schritt .... :smiling_face:

    LG Franz

  • hallo franz, merci für dein kommentar.
    in der klinik bin ich wegen eines bournouts oder Depressionen oder beides,
    im januar 2009 begann die krise nach meinem fremdgehen, sie dauert noch immer an, meine ethische und moralische grenze habe ich überschritten, das weiss ich nun allerdings erst im nachhinein.
    danke für den tipp mit etwas softem zusammen mit meiner frau. es geht bei mir um eine andere dimension, als das sexuell anziehende. den kick habe ich nur, wenn ich alleine ungestört und heimlich die filmchen schauen kann.
    sport treibe ich sehr aktiv, in der regel mindestens 3-4 mal die woche.
    in der klinik wird mit sehr verschiedenen therapien gearbeitet: psychoanalytisch, musik- Maltherapie, Gruppentherapie, Yoga, PMR, körperwahrnehmung, medidation also ein rund um programm.

    ich habe mir schon 1000 mal vorgenommen, keine pornos mehr anzuschauen, ich habe dabei 1000mal versagt. dies ist nicht gerade aufbauend für das selbstwertgefühl. und heute habe ich es mir wieder vorgenommen, die taktik ändern und es legitimieren scheitert ebenfalls, dafür bin ich ein zu grosser moralapostel bei mir selber. eine pattsituation eben.

  • Dann muss es wirklich in der jetzigen Therapie zum Thema werden - in nem Einzelgespräch mal für den Anfang.

    Hilfreich wäre es aber sicher aus, wenn man deine Frau einbinden könnte, so dir etwas Druck nehmen kann und natürlich auch mehr Verständnis für deine Frau finden kann.

    Fremdgehen ist krass, es dauert seine Zeit, bis ihr beide das verarbeiten könnt - du hast eh Glück, dass sich deine Frau dem nicht gleich entzogen hat.

    Aber dein Problem ist wirklich wohl auch eine 'Sucht, deswegen sollte da auch eine zielgerichtetet Therapie eingeleitet werden.
    Doch dazu musst du vermutlich erstmal selbst stabiler werden, die jetzige Therapie hinter dich bringen.

    Was mir noch einfällt, das wäre Selbsthilfegruppe. Kannst dir sowas vorstellen?

    LG Franz

  • ... es dürfte eine ganze Reihe von nichtsexuellen Gründen für die Pornosucht geben. Mein Mann war zum Beispiel aus beruflichen Gründen ziemlich frustriert und gelangweilt. Wir haben dann so einen Ratgeber von Mario Brocallo gelesen, wo das gut aufgeschlüsselt wird - vielleicht würde dir der auch helfen ..

    LG Laura

  • herzlichen dank für eure antworten.
    das buch habe ich nun bestellt.
    eine selbsthilfegruppe ja, wehalb nicht, nur muss ich dazu jedesmal 120km reisen. oder selber eine gründen, ich denke, süchtige hat es genug.
    habe nun mal noch zwei tantra dvds bestellt und werde dies mal mit meiner frau ausprobieren. tausend dank für die zahlreichen tipps
    ihr seit goldschätze!

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