• Hallo!
    Nun ist es schon eine ganze Weile her, dass ich mich angemeldet habe aber konnte mich bisher nicht wirklich dazu durchringen auch mal einen Beitrag zu verfassen.
    Mein Bruder hat sich im letzten Jahr das Leben. Nach seinem Tod habe ich erfahren, dass er offensichtlich Heroin konsumiert hat (oder gibt es auch andere Substanzen, die man mit Vitamin-C-Pulver auflöst?!). Er hat das geschickt verheimlicht, bzw. hatte sich die letzten Monate auch zurückgezogen, was bei ihm nicht unbedingt was außergewöhnliches war. Jedenfalls hat er sich seit ca. einem halben Jahr vor seinem Tod gespritzt.
    Ich kann das alles einfach nicht glauben. Das er nicht mehr lebt, ist einfach nur schrecklich. Aber die ewige Frage, "warum???" er das getan hat, quält mich täglich ... wirklich jeden Tag. So wie ich ihn kannte, hätte er sich niemals das Leben genommen, da bin ich mir so sicher.
    So schlimm das alles ist, wünschte ich mir, ich könnte sagen "ja, ich kann verstehen, warum du das getan hast!" ... aber ich verstehe einfach nix.

    Ich denke, dass die Droge ihn dazu getrieben hat?! Aber ich kann einfach nicht im geringsten nachempfinden, wie es einem Menschen gehen muss, der so sehr abhängig ist. Mag euch vielleicht ein wenig dämlich erscheinen, aber ich wollte hier einfach versuche, ein wenig zu begreifen. Was treibt jemanden zu Drogen? Wie hat sich mein Bruder mit der Sucht gefühlt? .....

    Keine Ahnung, ob das der Richtige Weg für mich ist, damit fertig zu werden?? Verdrängen funktioniert einfach nicht. Ich hoffe sehr, ihr könnt das verstehen!

    Julula

  • Liebe Julula.

    erstmal tut es mir sehr sehr leid, was dir wiederfahren ist. deine zeilen machen mich traurig.
    Was ich dir aber sagen möchte ist, Drogen werden meistens genommen um ein Symptom zu bekämpfen, um sich das leben zu erleichtern, sich betäuben zu können und vor der realität zu fliehen. das ist die erfahrung die ich gemacht habe.
    bei der frage, auf das warum, da werd ich dir nicht helfen können. man schreit warum und alles bleibt stumm.
    man kann leider in keinen mensch hineinschauen, auch nicht in seine geliebten geschwister. wie kann man was verstehen was einfach nicht zu verstehen ist ?

    ich habe irgendwann gelernt, nachdem mich die fragen des warums zermattert haben, es anzunehmen wie es ist, egal wie schwer es mir fällt.
    dieses warum ist bei mir weniger geworden aber ganz ist es nie weggegangen und das wird es glaub ich auch nicht.

    future

  • Vielen Dank für deine lieben Worte ... und ich könnte jetzt wirklich heulen. Vielleicht ist genau das auch etwas was ich hier finden kann, Menschen die mich verstehen können und vielleicht nach dieser langen Zeit dieser inneren Starre auch mal heulen zu können. Waren bisher echt schlimme Monate.

    Und, den Grund werde ich sicher niemals wissen. Zumal ich ja im Prinzip bei allem was ich über sein Leben herausfinden würde immer noch einen Schritt weiter zurück in sein Leben gehen müsste. ... wenn du verstehs, was ich meine.

    Aber jeden Morgen mit der Frage nach dem "Warum" aufzusehen und ebenso ins Bett zu gehen ist einfach schrecklich.

  • liebe jujula,
    deine geschichte ist mir sehr nahe gegangen, sie hat mich berührt und alte wunden aufgerissen, auch ich habe einige menschen durch drogen verloren und liebe einen menschen der darum kämpft ein suchtfreies leben zu führen. weisst du, oft liegt das problem in unserer gesellschaft, die heroinsüchtige keinen wert schenken, anstatt zu sehen, das gerade diese menschen unsere hilfe benötigen. denn Sucht ist kein müll bei dem man wegschauen sollte...partydrogen machen sich breit und für viele gar kein problem mehr, leider, so meine erfahrung. ich finde es macht dich zu einem liebenswerten menschen, die frage nach dem warum zu stellen und im nachhinein zu begreifen, lass dir aus meiner erfahrung gesagt sein, das gerade süchtige menschen sehr sensible menschen sind und ein ausgesprochenes gutes herz besitzen. oftmals führt die seelische einsamkeit zur Sucht und das dein bruder es geheim hielt ist vielleicht seine art euch vor sorgen zu schützen. ich hoffe unser forum kann dich in deinen gedanken bereichern und du bekommst ein anderes gefühl zum thema Sucht.
    wir werden dir helfen, das thema Sucht näher zu bringen und wenn du fragen hast, frag`, egal was auch immer :smiling_face:
    ich finde es ganz toll, den weg den du gewählt hast um zu verstehen...
    niemand kann dir die trauer nehmen, aber wir können dich vielleicht ein ganzes stück weit verstehen lassen...
    ich fühle mit dir,
    lakritze.

  • Vielen Dank HexeLakritze,
    wie du es sagst, so ist es auch. Auch ich habe mich nie großartig mit dem Thema Sucht und Drogen beschäftigt. In meiner Familie und Umfeld gibt es das nicht ... so dachte ich immer. Mir haben die Menschen doch immer Leid getan, ... traurige Lebensgeschichten stecken da wohl hinter ... dachte ich. Wir (auch mein Bruder) haben doch nen gesunden Menschenverstand und würden doch niemals Heroinabhängig! ... für mich immer unvorstellbar!
    Ja, er war sehr sensibel, auch wenn er nie in Worten etwas von seinem Seelenleben preisgegeben hat. Aber man spürt es einfach. Wenn man ihn fragte, war immer alles gut. Er wollte keinem zur Last fallen oder vielleicht auch diese eine Schwäche aus Scharm nicht preisgeben.
    Wahrscheinlich war er einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort und ist auch diese sch... Droge reingefallen. Denn es läuft doch keiner mir nix dir nix los um sich Drogen zu besorgen.
    Jedenfalls würde ich mich freuen, wenn ich meine offene Fragen hier klären kann. Denn ich möchte geren möglichst viele Fragen noch klären um dann vielleicht wirklich Abschied nehmen zu können und zu trauern. Für mich lief läuft seit dem Besuch der Polizei im letzten Jahr irgendwie ein Film, ... Schock und Fassungslosigkeit.

    Dir und deinem Partner wünsche ich ganz ganz viel Glück und Kraft um das durchzustehen. Auch wenn ich noch nicht die Vorstellung von dem habe, was ihr durchmacht. Aber genau das ist auch eine Sache, die ich gerne etwas nachvollziehen können möchte. Denn ich glaube, mein Bruder wollte kalt entziehen bevor er sich das Leben genommen hat.

    Liebe Grüße
    Julula

  • Hallo Julula,

    eine Suchterkrankung, bzw. süchtiges Verhalten, entsteht meiner Meinung nach, schon in ganz jungen Jahren und beginnt nicht erst mit dem Konsum. D.h. dass ein süchtiger Mensch schon ewig eine Bereitschaft zum Konsum in sich trägt. Der eine fängt mit Alkohol an, der nächste nimmt Drogen, wieder ein anderer wird Zocker,...

    Vielleicht hast du bei deinem Bruder beobachten können, dass er oft Probleme mit Grenzen hatte (seine eigenen, sowie die anderer). Vielleicht war er in vielen Situationen oft maßlos, hatte Probleme, sich an Regeln zu halten, und und und. Kommt dir davon etwas bekannt vor?

    LG, alive

  • danke jujula :smiling_face:
    du hast recht, niemand läuft einfach so los...oftmals geschieht dies durch das umfeld, irgendeiner hat schonmal und man wird neugierig...man denkt ja auch erstmal man hat alles unter kontrolle...und bevor man gemerkt hat das dem nicht so ist, steckt man schon drin...:(
    lieben gruss,
    lakritze.

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